Die fünfte Jahreszeit von Anette Hinrichs

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Leda.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 2010 - heute.
Folge 1 der Malin-Brodersen-Serie.

  • Leer: Leda, 2012. 351 Seiten.

'Die fünfte Jahreszeit' ist erschienen als

In Kürze:

In kurzer Folge ereignen sich in Hamburg zwei rätselhafte Morde. Bei einem Opfer wird eine Münze mit eigentümlicher Inschrift gefunden. Doch was haben ein Kinderarzt im Ruhestand und eine Buchillustratorin gemeinsam? Erst der jungen Kriminalbeamtin Malin Brodersen gelingt es, die Verbindung zwischen den Opfern aufzudecken. Die Spur führt zu der bekannten Krimiautorin Charlotte Leonberger. Beide Morde wurden detailgetreu nach den Bestsellern der Schriftstellerin inszeniert. Nachdem die Krimiautorin in den beiden Opfern ihren alten Kinderarzt und ihre beste Schulfreundin erkennt, gerät ihr Leben in einen Strudel, der einem Albtraum gleicht. Bald ist klar, dass ein Serienmörder die Krimiautorin im Visier hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Vielversprechendes Debüt mit Hochspannung« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Malin Brodersen ist neu in der Mordkommission des LKA 41 in Hamburg. Und die junge Kommissarin hat es nicht nur mit einem mobbenden Kollegen und einem strengen Chef zu tun, sondern wird auch gleich mit einem grausamen Mord konfrontiert. Ihr erster Tatort ist das Wellingsbütteler Torhaus, wo kreuzförmig die Leiche eines Mannes aufgehängt wurde. Die Ermittler tappen zunächst völlig im Dunkeln, es gibt scheinbar keine Zeugen und auch kein naheliegendes Tatmotiv. Bald darauf wird auf dem Gelände einer aufgegebenen Fabrik eine noch übler zugerichtete Frauenleiche entdeckt. Die Polizei geht zunächst von unterschiedlichen Tätern aus, aber gegen den Widerstand ihrer Kollegen findet Malin Brodersen eine Verbindung zwischen den Mordopfern – und zu der Bestsellerautorin Charlotte Leonberger. Es gibt weitere Morde  und bis zur schwierigen Lösung des Falles geraten sowohl Leonberger als auch Brodersen selbst in Lebensgefahr.

Manchmal sind eher unscheinbar daherkommende Romane aus kleinen Verlagen echte Perlen. Die gebürtige Hamburgerin Anette Hinrichs  sie wohnt jetzt im Raum München  hat einen spannenden Kriminalroman als Erstlingswerk vorgelegt, der in ihrer Heimatstadt an der Elbe spielt. Darin präsentiert sie eine frische junge Protagonistin, die unverbraucht und mit sympathischer Naivität an die Ermittlungsarbeit in einem schwierigen Fall heran geht. Malin Brodersen muss zunächst gegen die Vorteile ihrer Kollegen ankämpfen, von einem wird sie sogar offen gemobbt, denn sie hat den Platz eines getöteten Mitarbeiters der Mordkommission eingenommen. Die schwierige Situation hält die junge Kommissarin jedoch nicht davon ab, ihre eigene Art beizubehalten, und auch gegen den Mainstream zu ermitteln. Dabei eckt sie ständig an, bringt sich selbst in überaus schwierige Situationen, und sammelt reichlich Sympathie-Punkte beim Leser.

Ein knuddeliger Typ ist auch Erich Brodersen, der Großvater der jungen Polizistin. Er wird von ihr mit kniffligen Aufgaben betraut, sehr zum Unwillen des Leiters der Mordkommission. Aber der alte Brodersen ist nicht nur ein heller Kopf, er hat auch positiven Einfluss auf seine Enkelin und spielt eine interessante Rolle in dem Roman. Die Autorin Charlotte Leonberger ist eine für den Leser zunächst schwierig zu durchschauende Figur. Sie spielt eine Schlüsselrolle, aber das wird Ermittlern wie Lesern erst scheibchenweise deutlich.

Die Dialoge in diesem Roman wirken authentisch, und Hinrichs punktet  wenig überraschend  mit guter Ortskenntnis. Dabei wird das Einstreuen von Lokalkolorit von der Autorin glücklicherweise nicht übertrieben, nicht der Ort der Handlung steht im Mittelpunkt, sondern der wirklich gut durchdachte Plot. Es geht um die Eitelkeiten einer Schriftstellerin, Eifersüchteleien in ihrem Umfeld  und um ein dunkles Familiengeheimnis. Mehr wird hier nicht verraten.

Und bei dem kniffligen Fall kommt den Ermittlern der Zufall nur in Ausnahmefällen zu Hilfe, Hinrichs versteht es vielmehr, die Handlung durch auftretende Experten und andere Helfer glaubwürdig voran zu treiben. Die Autorin steigert die Spannung mit jedem weiteren Mord, die Suche nach dem Motiv wird immer undurchsichtiger, und diese überraschenden Wendungen sorgen dafür, dass man als Leser gefesselt wird.

Neben der vorhandenen Ortskenntnis hat Hinrichs offenbar aufwändig recherchiert, die Puzzleteile, die von den Ermittlern im Laufe der Handlung zusammen getragen werden, lösen beim Leser jedenfalls einiges an Verblüffung aus. Eine Mordserie mit literarischen Vorlagen zu kombinieren, ist dabei nicht neu, die Idee haben andere Autoren auch schon gehabt. Aber die Art und Weise, wie der Fall aufgeklärt wird, ist doch faszinierend. Spannungsbogen, flüssige Erzählweise und interessante Protagonisten sorgen für ein kurzweiliges Lesevergnügen. Und die junge Kommissarin Malin Bordersen hat noch einiges an Potenzial zu bieten. Man darf sich also schon auf weitere Romane aus der Feder von Anette Hinrichs freuen.

Andreas Kurth, Februar 2013

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