Deathbook von Andreas Winkelmann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Wunderlich.

  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2013. ISBN: 978-3805250641. 320 Seiten.

'Deathbook' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Auf den Gleisen liegt ein Mädchen. Das jämmerliche Kreischen von Metall auf Metall. Ein zerstörter Körper. Unmengen an Blut. Ein Selbstmord? Die 15-jährige Kathi war Andreas Winkelmanns Lieblingsnichte. Der Thrillerautor kann nicht glauben, dass sich das lebenslustige Mädchen das Leben genommen hat, und macht sich auf die Suche nach Hinweisen. Auf ihrem Computer findet er seltsame Videos. Videos, die zeigen, dass Kathi verfolgt wurde. Die Spur führt immer tiefer ins Netz hinein, zu immer grausameren Videos. Worauf hat sich Kathi da eingelassen? Und in wessen Hände ist sie dabei geraten? Als Andreas Hinweise auf eine Webseite namens Deathbook entdeckt, ahnt er, dass Kathi ein tödliches Spiel gespielt hat – und dass sie nicht die Einzige war. Denn wer einmal in die Fänge des Deathbook geraten ist, den lässt es nicht mehr los.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine Parallelwelt der Toten« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Ein verzweifeltes Mädchen liegt auf den kalten Gleisen einer Bahnstrecke. Sie hört den Zug heranbrausen – und kurz darauf ist sie Tod. An die Selbstmord-These der Polizei mag Schriftsteller Andreas Winkelmann allerdings nicht glauben. Kathi war seine Lieblingsnichte, und er kannte sie teilweise besser als ihre eigenen Eltern. Die lebenslustige 15-Jährige kann in seinen Augen keinen Suizid begangen haben, und deshalb nimmt der Autor private Ermittlungen auf. Merkwürdige Videos auf Cathis Computer zeigen ihm, dass seine Nichte offenbar von einem Unbekannten verfolgt wurde.

Im Internet passieren offenbar höchst merkwürdige Dinge, und Winkelmann droht schnell in die Sache hineingezogen zu werden. Kathi und andere junge Menschen haben sich da offenbar auf ein tödliches Spiel eingelassen. Winkelmann bekommt Hilfe von einer befreundeten Polizistin, die einiges für ihn riskiert. Immer wieder stößt Winkelmann auf die Website »Deathbook«, mit der Cathis Tod und weitere Todesfälle offenbar zusammenhängen. In einem überaus dramatischen Finale kommen der Autor und die Polizistin dem unheimlichen Killer schließlich doch auf die Spur.

Ein gelungener Versuch

Deathbook ist ein rasanter Thriller mit einem wirklich ungewöhnlichen Ansatz. Wenn sich ein Schriftsteller selbst zu einer der fiktiven Hauptpersonen eines seiner Romane macht, zuckt man als Leser unwillkürlich zusammen. Man fragt sich, was der Autor damit bezwecken will? Nach meiner Auffassung hat Andreas Winkelmann mit diesem Buch gezeigt, dass so ein Plot durchaus möglich ist, ohne peinlich für den Verfasser zu werden. Er lässt sich selbst als Romanfigur genug Fehler machen und Irrtümer begehen, um jegliche Glorifizierung oder Überhöhung zu vermeiden. Wie ehrlich er mit der Beschreibung seiner Person gewesen ist, kann er nur selbst beurteilen, ich finde den Versuch jedenfalls durchaus gelungen. Mit der befreundeten Polizistin, die distanziert und solidarisch zugleich ist, hat sich Winkelmann eine ideale Ergänzung als Partnerin an die Seite gestellt. Die Aktionen dieses Paares wirken glaubwürdig, zumal die Zusammenarbeit auf der sachlichen Ebene bleibt – und das ist gut so.

Neue Qualität der Abscheulichkeiten

Inhaltlich ist der Ansatz des Romans ebenfalls hochinteressant. Eine Parallelwelt der Toten im Internet.  Es gibt im Netz ja so ziemlich alles, das Deathbook ist dabei – für mich jedenfalls – eine ganz neue Qualität der Abscheulichkeiten. Winkelmann ist nicht der erste Autor, der üble Entwicklungen im Internet zum Thema eines Romans macht. Videos mit gefangenen und gequälten Menschen aller Altersgruppen sind schon häufig das Thema von Büchern gewesen. Und in den Medien wird bereits ausführlich darüber berichtet, welche großen Probleme Erben mit dem digitalen Nachlass von Verstorbenen haben. Der Realitätsgehalt des Themas steht also außer Frage.  In Deathbook werden nun Videos von realen Tötungen gezeigt, mit der eindeutigen Aufforderung, selbst einen solchen Film zu drehen – das ist schon starker Tobak. Die unterschiedlichen Reaktionen der Protagonisten auf die Filme und die damit verbundene Aufforderung zum Mord zeigen eine große Bandbreite von Verhaltensweisen. Das macht die Lektüre neben der enormen Spannung zusätzlich interessant.

Spannung wird ständig gesteigert

Nachdem der Roman mit dem Paukenschlag im Prolog begonnen hat, geht es mit ständigen Steigerungen der Spannung weiter. Winkelmann versteht es ausgezeichnet, vermeintlich ruhigen Phasen immer neue Wendungen folgen zu lassen. Und dem Leser werden dabei reichlich falsche Spuren und Sackgassen präsentiert – die auch die Protagonisten des Romans schier verzweifeln lassen. Bei der Suche nach dem unheimlichen Killer spielen die Fragen nach dem möglichen Motiv und den technischen Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen, eine große Rolle. Der Autor hat hier einen wirklich lesenswerten Thriller gestrickt. Winkelmann selbst wird man als Ermittler wohl kein weiteres Mal erleben – aber hier hat er seine Sache gut gemacht.

Andreas Kurth, Mai 2014

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pema zu »Andreas Winkelmann: Deathbook« 12.09.2014
nicht realistisch. Hier wird auf einen Zug aufgesprungen und dabei gewaltig übertrieben. Wie der Täter, der ja einen Beruf hat, das nebenbei und auch noch exakt in den notwendigen Zeiträumen hätte schaffen sollen, ist mir ein Rätsel.
Deutlicher Abfall gegenüber "Blinder Instinkt" und "Bleicher Tod", vielleicht demnächst wieder besser.
S. Haufe zu »Andreas Winkelmann: Deathbook« 28.07.2014
Ganz ganz übel!
Und zwar nicht in Bezug auf die geschilderten Grausamkeiten sondern hinsichtlich der Qualität des Textes.
Ich habe auf einer langen Autofahrt über Spotify die Hörbuchversion angehört und war dabei immer kurz vorm Fremdschämen ob der peinlichen "Einfälle" des Autors.
Ich hatte das Gefühl, dass hier jemand so gerne einen originellen Thriller geschrieben hätte, aber leider daran scheitert.
Das Wissen, wie Facebook und QR-Codes funktionieren reicht eben nicht als Grundlage für ein spannendes Buch.
hajo zu »Andreas Winkelmann: Deathbook« 22.05.2014
Spannend ja! Blutrünstig ja! Voyeuristisch -zumindest subtil ja, Widerlich ja! Klischeehaft ja! Realistisch nein? Logische Handlungsstränge nein! originell in der Auflösung nein!
Fazit, wer Spannung um jeden Preis sucht dabei in Kauf nimmt dass diese mit massierten Widerlichkeiten, eimerweisen Klischees, lächerlichen Ungereimtheiten und den heute wohl unverzichtbaren Supermännern -und Frauen erzeugt wird, der ist hier richtig.
Ich habe es zu Ende gelesen weil ich auf einen wenigstens originellen intelligenten Schluss gehofft hatte, aber was da präsentiert wurde war absolut billigster flacher Krampf. Wie gesagt wer's mag!!!
rolandreis zu »Andreas Winkelmann: Deathbook« 05.05.2014
Ein ganz neuer Ansatz eines Buches, den ich so noch nicht kannte. Der Autor selbst ist die Hauptfigur in seiner Geschichte. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit einer Hauptprotagonistin aus Wassermanns Zorn. Die Story selbst liest sich aufgrund des gewohnt guten Schreibstils flüssig und schnell. Der Autor hat die sorglose und nicht immer ungefährliche Nutzung des Internets betreffs Kontaktaufnahme zu vollkommen fremden Personen absolut wirklichkeitsnah und unheimlich in diesen Thriller eingeflochten. Für mich ein überzeugender Thriller mit viel Spannung.
Lena S. zu »Andreas Winkelmann: Deathbook« 01.02.2014
Ein Buch voller Innovation und doch sehr real zugleich.Zum einen geht es um den Tod und zum anderen um das Internet.
Der Tod wird in diesem Buch einmal von einer ganz neuen Seite belichtet und das auf eine sehr spannende und zugleich sehr erschreckende Art und Weise.Das Buch regt wirklich zum Nachdenken an auch über seine eigenen Handlungen und vor allem auch im Gebrauch mit dem Internet.
Das Buch wirkt doch erschreckend real und macht einen zugleich auf die Gefahren, die im Internet lauern, aufmerksam.Ich habe bereits viele Thriller gelesen aber lange keinen der so spannend, beängstigend und fesselnd war wie Winkelmanns Deathbook!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dine zu »Andreas Winkelmann: Deathbook« 27.01.2014
Ich habe gerade die erste Episode gelesen. Es fesselt. Man will nicht aufhören. Der Puls steigt. Das Herz schlägt schneller. Ich bin immer noch ganz aufgeregt. WAHNSINN!!!

Hoffentlich kann ich heute Nacht schlafen.
Da ist Ihnen, Andreas Winkelmann, ein Thriller mit absoluter Hochspannung gelungen. Ich bin begeistert.

Frage mich gerade nur, ob ich jetzt wirklich weiter lese. SUCHTGEFAHR!
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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