Todesmärchen von Andreas Gruber

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Goldmann.
Folge 3 der Maarten-S.-Sneijder-und-Sabine-Nemez-Serie.

  • München: Goldmann, 2016. ISBN: 978-3-442-48312-9. 480 Seiten.

'Todesmärchen' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

In Bern wird die kunstvoll drapierte Leiche einer Frau gefunden, in deren Haut der Mörder ein geheimnisvolles Zeichen geritzt hat. Sie bleibt nicht sein einziges Opfer. Der niederländische Profier Maarten S. Sneijder und BKA-Kommissarin Sabine Nemez lassen sich auf eine blutige Schnitzeljagd ein – doch der Killer scheint ihnen immer einen Schritt voraus. Währenddessen trifft die junge Psychologin Hannah im norddeutschen Steinfels ein, einem Gefängnis für geistig abnorme Rechtsbrecher. Sie soll eine Therapiegruppe leiten, ist jedoch nur an einem einzelnen Häftling interessiert: Piet van Loon. Der wurde einst von Sneijder hinter Gittern gebracht. Und wird jetzt zur Schlüsselfiur in einem teuflschen Spiel …

Das meint Krimi-Couch.de: »Märchenstunde« 80°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Todesfrist, Todesurteil, Todesmärchen – aller guten Dinge sind drei – dachte sich wohl Autor Andreas Gruber, denn in seinem Nachwort zu Todesmärchen schreibt er, dass nun die 1. Trilogie um Maarten S. Sneijder abgeschlossen sei. Diese Aussage impliziert, dass es noch weitere Folgen mit dem smarten Niederländer geben wird. Aber ein »Weiter-so« sollte es bitte nicht sein. Die Konstellation nach dem Finale von Todesmärchen bietet den Raum für eine Zäsur im Leben des Maarten S. Sneijder. Er ist ja nicht mehr der Jüngste und um seine Gesundheit kann man (er) sich auch Sorgen machen. Ein bisschen Kürzertreten täte ihm gut, zumal seine permanenten Kopfschmerzen und die damit verbundene Kifferei den Status einer Dienstunfähigkeit erfüllen. Da sind Akupunktur und die Zufuhr von Vanilletee wenig probate Mittel für eine Besserung. Kurzum, der Figur täte ein umfassender Relaunch gut, da auch seine Egozentrik, die man eine Zeit lang als amüsant empfinden kann, auf die Dauer nervend wirkt.

Nach einer Trilogie mit drei Serienkiller-Romanen darf man mal fragen, auch den Autor, ob das Thema nicht langsam ausgereizt ist. Die Zahl der Serienkiller-Romane hat in den zurückliegender Jahren ein solches Ausmaß angenommen, dass man sie schon Subgenre des Kriminalromans ansehen könnte. Dieser stete Output ist schon erstaunlich, da diesen Romanen doch immer das gleiche Schema zu Grunde liegt. »Kennste einen, kennste alle« – ist zwar eine dreiste Übertreibung, aber spätestens nach zehn Gelesenen von den Tausenden, die es mittlerweile gibt, weiß man doch, wie der Hase (fast) immer läuft. Unterschiede zeigen sich doch meist nur in der Höhe des Ekelfaktors. Man könnte noch so vieles dazu schreiben, aber das soll hier kein Bashing werden. Den Rezensenten würde es halt freuen, wenn sich so ein fantasievoller Autor wie Andreas Gruber andere Themen vornähme. Mit etwas mehr Realitätsbezug vielleicht? Mit dem vorhandenen Personal ist das auch gut möglich. Ein forensischer Psychologe muss sich ja nicht ausschließlich mit Serienmörder befassen. Er könnte z.B. ausloten, warum sich eine siebenfache Mutter so kriegslüstern gibt? Oder warum ein 73-jähriger Jurist, anstatt seinen Ruhestand zu genießen, ganze Völker in den Ruin treiben muss? – Nun gut.

Für alle, die die Nase noch nicht voll haben von Serienkiller-Thrillern, sei gesagt, dass Andreas Gruber auch in Todesmärchen das bietet, was die Besseren des Subgenres so draufhaben. In drei parallel laufenden Handlungssträngen entwickelt er eine temporeiche und spannungsgeladene Mörderjagd, die das Ermittler-Duo Sneijder und Nemez geistig herausfordert, emotional belastet und in lebensbedrohliche Situationen bringt. Der Body Count ist extrem hoch, es gibt mehr als zehn Opfer zu beklagen, da bleibt Gott sei Dank weniger Raum für unappetitliche Details.
Der Plot ist wieder sehr ausgefeilt, das versteht der Autor schon meisterlich. Die Geschichte beginnt nicht in Bern (s.u.), sondern auf einer Insel, die es in Deutschland so noch nicht gibt.

Eines frühen Morgens wird in Bern unter einer Brücke über die Aare der Leichnam einer Frau entdeckt. Es handelt sich um die Direktorin der Schweizer Bundespolizei, die, splitternackt an der Brücke hängend, in obszöner Weise zur Schau gestellt ist. Die ersten Beamten vor Ort ahnen gleich, dass es sich hier um die Tat eines Wahnsinnigen handeln muss. Deshalb wird sofort der pensionierte Sonderermittler Horowitz eingeschaltet. Dieser ist seit fünf Jahren an einen Rollstuhl gefesselt, als ihm bei der Festnahme eines Serientäters in den Rücken geschossen wurde. An der Ermittlung und Festnahme war damals auch der BKA-Mann Maarten S. Sneijder beteiligt. Nach genauerer Sichtung der Leiche empfiehlt Horowitz, auch in diesem akuten Fall Schneijders Unterstützung anzufordern. Ein Amtshilfegesuch geht an das BKA in Wiesbaden heraus. Sneijder wird in Begleitung von Sabine Nemez eingeflogen.

Die ersten Ermittlungen in Bern zeigen keine konkreten Ergebnisse. Es gibt aber Hinweise, dass der Mord an der Direktorin tatsächlich mit der Mordserie vor fünf Jahren in Verbindung steht. Sabine Nemez, die Frau mit Weit- und Überblick, bringt zwei aktuelle Morde, die sich in den letzten Tagen in Dortmund und Hagen ereignet haben, mit in die Debatte ein. Signaturen auf allen Leichen nähren den Verdacht, dass hier ein Serienmörder am Werk ist. Dieser Verdacht bestätigt sich bei der Untersuchung einer weiteren Leiche, die in einem Wald bei Regensburg gefunden wird. Zudem wird deutlich, dass der Mörder ganz explizit Maarten S. Sneijder provozieren will. Inwieweit die Mordserie von damals eine Rolle spielt, gibt den Ermittlern noch ein Rätsel auf, denn Täter von damals sitzt zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt auf einer Gefängnisinsel in der Ostsee ein.

Der Rezensent hat Todesmärchen jetzt mit 80° bewertet; das ist ein Kompromiss. Fans des Subgenres werden den Thriller weit höher einschätzen. Kritiker halt geringer. Todesmärchen oder Märchenstunde? – muss ein jeder für sich selber beurteilen.

Jürgen Priester, September 2016

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kitekat7 zu »Andreas Gruber: Todesmärchen« 31.12.2016
Zunächst mal finde ich es überflüssig, dass jeder Schreiber hier noch mal eine Inhaltsangabe des Buches zum Besten gibt!
Zum Buch muss ich sagen, dass ich es eher mäßig spannend, dafür aber in vielen Dingen extrem unglaubwürdig fand. Für mich war es also in erster Linie eine Märchenstunde, was die Handlung betrifft. Einigermaßen interessant war für mich nur die Figur des Profilers, da dies das erste Buch war, dass ich von diesem Autor gelesen habe und ich sie noch nicht kannte. Folglich hielt sich das genervt sein noch in Grenzen. Warum allerdings der Rezensent, trotz seiner offensichtlichen Vorbehalte , so eine hohe Bewertung gibt, verstehe ich nicht! Von mir gibt es 50°!
Susanne P. zu »Andreas Gruber: Todesmärchen« 27.10.2016
Inhaltsangabe:

In Bern wird die kunstvoll drapierte Leiche einer Frau gefunden, in deren Haut der Mörder ein geheimnisvolles Zeichen geritzt hat. Sie bleibt nicht sein einziges Opfer. Der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder und BKA-Kommissarin Sabine Nemez lassen sich auf eine blutige Schnitzeljagd ein – doch der Killer scheint ihnen immer einen Schritt voraus. Währenddessen trifft die junge Psychologin Hannah im norddeutschen Steinfels ein, einem Gefängnis für geistig abnorme Rechtsbrecher. Sie soll eine Therapiegruppe leiten, ist jedoch nur an einem einzelnen Häftling interessiert: Piet van Loon. Der wurde einst von Sneijder hinter Gittern gebracht. Und wird jetzt zur Schlüsselfigur in einem teuflischen Spiel ...

meine Meinung:

Es ist mittlerweile der 3. Fall von Marteen S. Sneijder und Sabine Nemez . auch die ersten beiden Bände habe ich verschlungen. Mit diesem Buch hat sich Andreas Gruber selbst übertroffen. Von Anfang an hat mich der Autor in seinen Bann gezogen.

Sabine Nemez, die zwischenzeitig ihre Ausbildung bestanden hat, wird Sneijder zugeteilt und muss mit ihm in einem Team zusammenarbeiten. Wer die ersten beiden Teile gelesen hat, weiß, wie schwer es für ihn ist, da er normalerweise alleine arbeitet. Sie ist jedoch die einzige, die er an seiner Seite duldet.

Die Mordserie ist wieder einmal an Grausamkeit nicht zu überbieten. Die Ermittlungen zu dieser Mordserie führen sie quer durch Europa. Die Mordserie begann vor 5 Jahren. Marteen S. Sneijder hat den Psychopathen Piet van Loon vor 5 Jahren hinter Gittern gebracht. Die jetzige Mordserie trägt aber wieder die Handschrift von Piet. Der Mörder orientiert sich an Anderesen´s Märchen. Was oder wer steckt dahinter?

Der Thriller enthält neben den abscheulichen Taten und Spannung einen Haufen schwarzen Humor, der mich zum Schmunzeln brachte. Das hängt auf jeden Fall mit dem Ermittler Marteen S. Sneijder zusammen, der für mich so etwas wie eine Kultfigur ist.
leseratte1310 zu »Andreas Gruber: Todesmärchen« 21.10.2016
In Bern wird eine Frau tot an einer Brücke hängend gefunden, in deren Haut ein Zeichen eingeritzt ist. Horowitz, ein ehemaliger Fallanalytiker, der nun im Rollstuhl sitzt, lässt Sneijder rufen.
BKA-Kommissarin Sabine Nemez freut sich auf einen Besuch bei ihrer Schwester und ihren Nichten. Doch daraus wird nichts. BKA-Boss Hess erteilt ihr einen Auftrag. Zusammen mit Maarten S. Sneijder soll sie einen Fall bearbeiten. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen, denn die Zusammenarbeit mit Sneijder ist nicht einfach.
Es gibt Zusammenhänge zu einer Ermittlung, die vor fünf Jahren Horowitz in den Rollstuhl und Piet van Loon ins Gefängnis brachte. Doch es bleibt nicht bei dem einen Fall in Bern. Sneijder und Sabine hetzen von einem Tatort zum nächsten quer durch Europa, doch der Täter ist immer schneller als sie.
Unterdessen tritt die die junge Psychologin Hannah in Steinfels ein, einer Anstalt für geistig abnorme Verbrecher. Sie soll eine Therapiegruppe leiten, aber ihr Interesse gilt nur einem der Häftlinge, nämlich Piet van Loon. Was sind ihre Beweggründe?
Wie schon in den beiden Vorgängerbänden, geht es auch hier wieder grausam und verwirrend zu. Maarten S. Sneijder ist wie immer verschlossen wie eine Auster. Sabine Nemez hat ja schon mit ihm zusammengearbeitet und weiß um seine Egozentrik und um seine Marotten, aber auch im seine Brillanz. Wenn er austeilt, kann sie ihm gut Paroli bieten. Bei dieser Ermittlung aber zeigt sich Sneijder angeschlagen und verwundbar. Sabine ist intelligent und eine gute Ermittlerin. Sie erfährt nach und nach, was vor fünf Jahren geschah und erkennt Zusammenhänge zwischen den neuen Fällen, aber Maarten, der offensichtlich mehr weiß, gibt nur bröckchenweise seine Informationen weiter.
Die Geschichte ist sehr komplex und sehr spannend. Erst so peu à peu erschließen sich dem Leser die Zusammenhänge und doch gibt es auch immer wieder Wendungen, welche die Überlegungen über den Haufen werfen. Mir gefällt dieses Team Nemez/Sneijder, obwohl (oder gerade deswegen) Sneijder ein sehr spezieller Typ ist und Sabine die ausgleichende Rolle hat. Marihuana wirkt gegen Maartens Cluster-Kopfschmerzen und hilft bei seinen Überlegungen.
Das Ende ist dramatisch, überraschend und es ist nachvollziehbar. Es passt einfach zu Maarten S. Sneijder.
Unverhoffte Wendungen, Spannung, Tempo und ganz besondere Ermittler – was will man mehr. Meine absolute Leseempfehlung.
c-bird zu »Andreas Gruber: Todesmärchen« 01.10.2016
Allein schon die bissigen Dialoge...

Nach „Todesfrist“ und „Todesurteil“ nun endlich der dritte Band um das Duo Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez.

Eine Leiche in Bern, das Opfer kunstvoll in Szene gesetzt. Als der Profiler Horowitz zudem auf der Leiche ein in die Haut geritztes Zeichen entdeckt, fordert er sofort den Profiler Sneijder vom BKA Wiesbaden an. Zusammen mit seiner jungen Kollegin Sabine Nemez stellen die beiden bald fest, dass die Tat nur ein Teil einer ganzen Serie ist. Eine blutige Spur, die sich auch über die Landesgrenzen hinauszieht. Zudem ähnelt der Fall einer anderen Verbrechensserie. Bereits vor fünf Jahren mordete Piet van Loon auf ähnliche Weise, wurde von Sneijder aber hinter Gitter gebracht. Seitdem sitzt er im Gefängnis für abnorme Rechtsbrecher auf Osterhever ein. Währenddessen trifft die junge Psychologin in der Haftanstalt ein. Sie soll eine Gruppentherapie leiten, der auch Piet van Loon angehört. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Katz- und Mausspiel mit fatalen Folgen…

Endlich ein neuer Fall für Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez. Sneijder, ein exzentrischer Zyniker, aber auch ein brillanter Ermittler, der wie kein zweiter versteht sich in die Köpfe von Verbrechern hineinzuversetzen. Aber auch Sabine Nemez kann ihm mittlerweile das Wasser reichen. Ihre Ausbildung beim BKA ist mittlerweile abgeschlossen und sie bekommt Sneijder als Partner zugeteilt.
Andreas Gruber versteht es wirklich den Leser ans Buch zu fesseln. Das liegt zum einen am perfekten Erzählstil, aber auch an der hohen Spannung. Es geschehen jede Menge bizarrer Morde, die beiden Ermittler jagen einen Mörder, der es in sich hat.
Absolut super fand ich immer wieder die bissigen Kommentare und Dialoge. Auch das macht einen Gruber aus, dass auch das Schmunzeln nicht zu kurz kommt. Dazu gibt es in die Mitte noch eine gewaltige Überraschung.
Erzählt wird auf drei Zeitebenen: Einmal die Jagd nach dem Verbrecher im Jetzt, eine Woche zuvor und als dritter Strang die Ereignisse vor fünf Jahren. Sehr raffiniert springt die Geschichte zwischen diesen drei Ebenen hin- und her. Dazu noch angenehm kurze Kapitel, die für Abwechslung sorgen.

Wen blutige und bizarre Morde nicht schrecken, dem sei „Todesmärchen“ unbedingt ans Herz gelegt. Fesselnd und spannend. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten!
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