Schwarzwasser von Andreas Föhr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei Knaur.
Folge 7 der Wallner-&-Kreuthner-Serie.

  • München: Knaur, 2017. ISBN: 978-3-426-65421-7. 400 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2017. Gesprochen von Michael Schwarzmaier. gekürzte Ausgabe. ISBN: 3839815304.

'Schwarzwasser' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

In einer Winternacht wird Klaus Wartberg erschossen. Der Sechzigjährige lebte in einem abgelegenen Haus und galt als unzugänglich und menschenscheu.
Am Tatort verhaften Kommissar Wallner und seine Leute eine verstörte junge Frau. Hat sie Wartberg ermordet? Auch der Tote selbst gibt den Ermittlern Rätsel auf: Denn einen Klaus Wartberg hat es nie gegeben seine Papiere sind gut gemachte Fälschungen, der Lebenslauf ist frei erfunden, Freunde oder Familie gibt es nicht. Wer also ist der Tote? Und warum musste er eine andere Identität annehmen?

Das meint Krimi-Couch.de: Wenn Leichen-Leo ein Schäferstündchen plant 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner ist mit allen Wassern gewaschen, und er verfügt durchaus über eine gewisse Portion krimineller Energie. Aber aktuell hat er eine üble Pechsträhne. Seine illegale Schnapsbrennerei brennt, und das Wohnhaus wird ebenfalls beschädigt. Durch den hinterhältigen Einsatz seines missgünstigen Kollegen Greiner wird Leo auch noch den Führerschein los. Das will er natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Aber zunächst ergibt sich für ihn bei einer Faschingsfeier in der berüchtigten Mangfallmühle die Chance, eine rassige Frau abzuschleppen, auf die er schon lange scharf ist.

Da er nicht fahren darf, engagiert er unter einem Vorwand den betagten Vater von Kommissar Clemens Wallner. Leo dirigiert das Trio in ein leer stehendes Haus. Aber statt eines Schäferstündchens gibt es eine böse Überraschung. Eine Leiche liegt im Schlafzimmer, und eine verwirrte junge Frau schießt auch noch mit der Tatwaffe auf Kreuthner. Leo steckt gemeinsam mit Wallner plötzlich in einem Mordfall, der den Kriminalisten einiges abverlangt, bevor sie die ebenso komplizierte wie überraschende Lösung finden.

Intellektueller und Holzfäller sind ein echt starkes Duo

Andreas Föhr hat sich mit seinen Romanen um die Miesbacher Polizisten Clemens Wallner und Leonhardt Kreuthner eine stabile Fan-Gemeinde erarbeitet. Seit 2009 gibt es jährlich einen neuen Band, zuletzt sind die Abstände auf zwei Jahre gewachsen. Das mag auch daran liegen, dass Föhr mit Rachel Eisenberg eine junge Münchener Anwältin neu ins Rennen geschickt hat, um eine zweite Serie zu schreiben, die in der bajuwarischen Landeshauptstadt angesiedelt ist. Die Wallner & Kreuthner-Reihe wird von den Lesern der Krimi-Couch regelmäßig mit Durchschnittsbewertungen weit jenseits der 80 Grd bedacht – und der neue Fall Schwarzwasser dürfte sich dort ebenfalls einreihen.

Mancher Leser und Rezensent wird Föhr reflexartig in die Schublade Regionalkrimi stecken. Das ist zwar auch richtig, wird den Werken des versierten Drehbuchautoren aber nicht annähernd gerecht. Nicht umsonst hat er für den Auftakt seiner Reihe den Friedrich-Glauser-Preis bekommen. Ein Faktor des Erfolges ist in meinen Augen das ungleiche Duo Wallner und Kreuthner. Man könnte auch sagen – angesichts der bevorzugten Vorgehensweisen der beiden Polizisten – der Intellektuelle und der Holzfäller. Die übrigen Polizisten sind jedenfalls eher als Statisten einzustufen, auch wenn sie bei den Ermittlungen zuweilen wichtige Funktionen erfüllen.

Identität der Leiche muss aufwändig geklärt werden

Die Turbulenzen im aktuellen Fall beginnen damit, dass Leichen-Leo, wie er von seinen Kollegen gerne genannt wird, ausgerechnet mit Wallners Großvater Manfred und einer scharfen Braut im Schlepptau mal wieder über einen Toten stolpert – und auch noch um ein Haar selbst erschossen wird. Die folgenden Ermittlungen stellen Wallner und sein Team vor einige Herausforderungen, weil es die Leiche im Grunde gar nicht gibt. Weder im Internet noch in behördlichen Akten findet sich etwas über Klaus Wartberg. Die Kriminalisten müssen also aufwändige Recherchen anstellen, um hinter die Identität des Toten zu kommen.

Neben den Ermittlungen zu dem mysteriösen Mord in der bayerischen Provinz präsentiert der Autor seinen Lesern einen zweiten Handlungsstrang, der im Berlin des Jahres 1996 spielt. Der junge Anwalt Dieter Sitting ringt im Bezirk Wedding um jeden Mandanten – und lässt sich dann auf einen mehr als zwielichtigen Geschäftsmann ein. Der Versuch des Anwalts, wieder auszusteigen, wird brutal unterbunden. Der Leser ahnt, dass beide Perspektiven zusammen gehören, aber Andreas Föhr versteht es gut, den Spannungsbogen durch kleine Informations-Häppchen ganz langsam ansteigen zu lassen.

Kreuthner gibt der Geschichte gerne einen neuen Spannungsschub

Wie gewohnt erzählt Andreas Föhr, seine Gesichte flüssig, humorvoll und doch enorm spannend. Der polterige Leonhardt Kreuthner wird immer dann eingesetzt, wenn die Geschichte eine neue Wendung oder einen kleinen Spannungsschub braucht. Dramaturgisch sehr geschickt gemacht. Der Autor hat mit Wallner und Kreuthner wirklich ein Duo konstruiert, dass er beliebig agieren lassen kann – immer schön im Wechsel zwischen amüsanten Einlagen und ernsthaften Ermittlungsschritten. Die Dialoge wirken dabei auch auf den norddeutschen Leser authentisch, und sorgen bei aller polizeilichen Professionalität für ausgezeichnete Unterhaltung.

Um Wallner den ausgemachten Fans der Reihe etwas näher zu bringen, wird seine Familiengeschichte im neuen Band weiter entwickelt. Der vor Jahren verschwundene Vater taucht wieder auf, was Clemens und Manfred Wallner in große Verwirrung stürzt. Bei diesen Nebengeschichten hält sich Andreas Föhr angenehm zurück, dennoch werden auch Leser bedient, die gerne mehr über die Protagonisten wissen möchten. Schwarzwasser knüpft ausgezeichnet an seine Vorgänger-Bände an. Nochmals sei betont: In meinen Augen sind die Bücher um das ungleiche Duo Wallner & Kreuthner keine typischen Regionalkrimis. Dafür sorgt schon die ausgeklügelte Konstruktion der Fälle, und auch sprachlich hebt sich Andreas Föhr deutlich von der großen Masse der deutschen Krimi-Autoren ab. Ausgezeichnete und spannende Unterhaltung – zum genießen und mitlachen.

Andreas Kurth, September 2017

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Manfred Rathunde zu »Andreas Föhr: Schwarzwasser« 02.09.2017
www.derweissedrache.de
TIPP des Monats

ANDREAS FÖHR –
Schwarzwasser

Wenn Andreas Föhr seine Spezialeinheit zur Verbrechensbekämpfung wieder in Marsch setzt, dann bleibt kein Auge trocken. Seine Figuren haben einen Wiedererkennungswert sonders gleichen. Kommissar Wallner, der Vorzeigepolizist, der jedoch immer wieder Gesetzeslücken finden muss um seinem Kollegen, Leo Kreuthner, das werte Hinterteil zu retten, wobei er häufig an die Grenzen, seiner Geduld und seiner Toleranz, kommt, da Leo die seinen, sehr häufig, soweit überschreitet, das man ihn auch als einen Antipoden-Polizisten bezeichnen könnte. Und Leo ist schon wieder mal auf Abwegen. Auf dem Faschingsball in der berüchtigten „Mangfallmühle“, dem lokalen Vergnügungszentrum, wohin Herr Kreuthner auch seine schwarzgebrannten alkoholischen Endprodukte liefert, trifft er Michaela Hundsgeiger und er kann nicht anders, er muss die Frau irgendwie beeindrucken. Es könnte ja ein Schäferstündchen winken. Andreas hat so prickelnde Dialoge, da schlägt es sogar die Katze aus dem Fell. Der Leser wird federleicht und federnd durch seinen Alltag schweben, und ein so fröhliches Gewieher von sich geben, das echte Polizisten sich gezwungen sehen werden, den, mittlerweile übers Wasser gehenden, Buchkonsumenten vorübergehend festzunehmen, um ihn eine stationäre Behandlung einweisen zu lassen, also haltet Euch in der Öffentlichkeit etwas zurück. Und Leo erzählt was vom Pferd. Schmuckes Häuschen, genau geeignet für Momente zu zweit. Gehört zwar jemanden anderem, aber das muss Michaela ja nicht wissen, was man nicht weiß, macht einen nicht heiß. Gesagt, getan. Leo lässt sich und die Hundsgeigerin in besagtes Häusle fahren, wo jedoch schon der Hausherr auf sie wartet, allerdings tot, erschossen. Und sein Besuch ist auch noch da. Eine junge Frau mit einer Pistole in der Hand. Leo muss Meldung machen, die Michi ist traumatisiert. Ob vom dem Toten oder dem Alkoholkonsum der Kreuthnerschen Produktpalette, lassen wir mal dahingestellt. Und die junge, bewaffnete, Frau schwört Stein und Bein, dem Toten nichts getan zu haben. Wallner muss sich jetzt durch die gestellten Ungereimtheiten graben und der Tote gibt ihm noch mehr Rätsel auf. Diesen Mann gibt es gar nicht. Klaus Wartberg hat nie gelebt. Und doch war er mal da. Nur wer ist der Tote. Fragen über Fragen und dazu die Suche nach der einzigen Verdächtigen, die Wallner zwar verhaftet hat, von Leo jedoch unter die Fittiche genommen wurde. Auch Schwarzbrenner können ein gutes Herz haben und, wenn die Umstände es zulassen, der Polizeiarbeit so manchen Baumstamm in den Weg rollen, auch wenn man die eigenen Kollegen dabei sabotiert. Aber vielleicht könnte hier andere Erkenntnisse Wurzeln schlagen und die Sabotage bewirken, auch in andere Richtungen zu ermitteln. So Leos Plan, wie immer katastrophal und völlig neben der Spur. Zumindest kann man Lara in die Geheimnisse der Schwarzbrennerei einweihen, damit sie, unabhängig vom Sozialstaat, sich eine eigene Existenz aufbauen könnte. Der Berliner Leser kann sich schon mal freuen. Im Zuge der Ermittlungen muss Wallner in die Hauptstadt kommen. Vor zwanzig Jahren gab es hier ein Wirtschaftsverbrechen, eins von so vielen, die von der Treuhand gesponsert waren. Und das muss Clemens Wallner unter die Lupe nehmen, um in der Existenzfrage eines Toten zu ermitteln, der nie gelebt hat. Andreas Föhr hat wieder einen vollen Fang gemacht und führt seine Lesergemeinde wieder auf die buntesten Wiesen, die Literatur hergeben wird, wo man sich dann austoben kann und die Katze ihr Fell an den Kleiderständer hängt. Andreas Föhr ist einer bildhaftesten Schriftsteller, die wir haben, dessen Schilderungen einen tristen grauen Alltag vergessen lassen. Dafür steht man jeden Morgen wieder gerne auf, auch wenn erst mal die Arbeit ruft. Auf dem Wege dorthin kann man ja lesen.
(Knaur)

ISBN 978-3-426-65421-7 388 Seiten 14,99€ (D) 15,50€ (A)
Edith Sprunck zu »Andreas Föhr: Schwarzwasser« 14.06.2017
Ein durchgehend spannender, unterhaltsamer Krimi, getränkt mit sattem Humor, wobei es aber nicht an Ernsthaftigkeit mangelt. Ernst und Humor halten sich vielmehr geschickt die Waagschale, so dass der Plot trotz manchen Klamauks nicht ins Profane abdriftet. In zwei Handlungssträngen, die Zug um Zug zusammengeführt werden, wird nach vielen Irrungen und Wirrungen ein Mord geklärt. Es bedarf streckenweise strenger Konzentration beim Lesen, um Verwicklungen von Geschehnissen und Beziehungen von Akteuren untereinander nicht aus den Augen zu verlieren, da der Fall sich als recht kompliziert erweist. Leo Kreuthner, halb Gauner-halb Polizist, sorgt im Rahmen der Ermittlungen mit seinen unkonventionellen Methoden, die mit Polizeiarbeit nicht unbedingt zu vereinbaren, aber sehr wirksam sind, wieder einmal in alter Manier für manchen Lacher. Er schrammt mehrmals haarscharf an seiner Entlassung aus dem Polizeidienst vorbei. Für ernste Töne sorgt dagegen das Familienleben der Wallners, dessen Entwicklung Fans der Serie gefallen dürfte. Der Krimi endet mit einem überraschenden Ereignis. Lesenswert!
Heiner Muche zu »Andreas Föhr: Schwarzwasser« 31.05.2017
Andreas Föhr ist für mich der mit Abstand geistreichste und witzigste deutsche Kriminalschriftsteller. Auch sein neues Buch Schwarzwasser enttäuscht in dieser Hinsicht nicht und nimmt den Leser wie immer mit auf eine äusserst vergnügliche Reise durch die oberbayerische Kriminallandschaft. Das Buch ist insbesondere Fans von Andreas Föhr sehr zu empfehlen.
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