Todesengel von Andreas Eschbach

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Lübbe.

  • Köln: Lübbe, 2013. ISBN: 978-3-7857-2481-1. 592 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2013. Gesprochen von Matthias Koeberlin. ISBN: 3-7857-4888-4. 8 CDs.

'Todesengel' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Erich Sassbeck ist zur falschen Zeit am falschen Ort und gerät in eine brutale Schlägerei. Doch am Ende ist er es, der überlebt, während seine Angreifer tot sind – erschossen von unbekannter Hand. Sassbeck glaubt, dass ihn ein Wunder gerettet hat. Die Polizei dagegen fragt sich, ob nicht er geschossen hat. In Notwehr. Oder schlimmer: in Selbstjustiz. Der Journalist Ingo Praise findet bald Beweise, dass Sassbecks Geschichte stimmt. Ein Unbekannter streift durch die Stadt und beschützt Unschuldige. Praise macht den »Todesengel« zum Star – und löst damit eine Katastrophe aus.

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Jens zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 09.09.2015
Was für ein Buch!

Wie beim "Ölkrimi" ist man auch hier vor Überraschungen nicht sicher.

Eschbach beleuchtet das Thema (Jugend-)Kriminaltiät von verschiedenen Seiten.

Er hat dem Volk "aufs Maul geschaut", ohne platt oder billig zu wirken.

"Glauben, ohne das Hirn einzuschalten" wird hier in ein paar wenigen Sätzen zerpflückt, ohne dass ich das Gefühl habe, dass er Gläubigen auf die Füße treten oder Religion abwerten will.

Und am Ende - ganz realistisch - erfährt man mal wieder, um was es geht: nicht um uns, unsere Belange, sondern Machtinteressen, Wahlergebnisse, Scheinheiligkeit.

Was mir gut an Eschbach gefällt ist, dass er sich intensiv mit dem Thema befasst, sich sachkundig macht und es von verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Brilliant geschrieben.
Schade, dass es nicht (viel) mehr Autoren dieses Formats gibt (oder ich habe sie noch nicht entdeckt).
M.Reinsch zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 11.08.2015
In einer deutschen Großstadt geht der (wie er später genannt wird) „Racheengel“ um. Ganz in Weiß gekleidet und mit zwei Pistolen bewaffnet geht er gegen Gewalttäter vor, die Ihre Opfer auf offener Straße misshandeln. Der Journalist Ingo Praise sieht seine große Chance gekommen und nimmt sich der Story an. Er bringt es bis zu einer eigenen Fernseh-Show und genießt den Rummel um ihn. Gleichzeitig ermittelt die Polizei gegen den „Racheengel“ und versucht Ihm das Handwerk zu legen…
Dieser Roman ist eigentlich nur am Rande ein Krimi. Vielmehr ist er ein Spiegel unserer Gesellschaft. Der teilweise wirklich brutale Vergleich zwischen Tätern und Opfern wird an Hand eines sehr speziellen Falles aufgezeigt, und die Folgen für die 4 „Opfer“ sehr detailliert beschrieben. Gleichzeitig wird die Sensationsmaschinerie der Presse/Medien aufgedeckt, die Schlagzeilen/Auflagen um (fast) jeden Preis erreichen wollen. Als letztes Puzzleteilchen werden die Arbeitsweisen der Polizei und Staatsanwaltschaft beleuchtet, die sich neben der „Eigenprofilierung“ auch mit der Volksmeinung und „sog. Experten“ herumschlagen muss. Alles zusammen ergibt einen ziemlich harten Weg, durch eine Geschichte, die den Leser sehr nachdenklich macht und Ihn auf bestimmte Gewissensfragen stößt. Der (fast sarkastische) Plot zeigt einem nur noch viel stärker die Gleichgültigkeit der breiten Masse. Hier ist die Grundfrage: Wie weit (wenn überhaupt) ist Selbstjustiz in Deutschland vertretbar?!
Die angenehm zu lesende Story wirft viele Fragen auf und behandelt zugleich viele unangenehme Themen, mit denen man sich nicht sehr gerne auseinander setzt.
Fazit: Eine gelungene Anklageschrift gegen unsere Gesellschaft, die (zumindest mich) sehr nachdenklich gestimmt hat.
Peter Benkel zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 16.04.2015
Ein Roman, der in die Zeit passt . Zumindest regt er an , sich Gedanken zu machen und darüber nachzusinnen , dass man selber doch kein Aussenseiter ist .Man darf nicht verkennen, dass neben der sogenannten Macht , die Hilflosigkeit und die Ohnmacht steht.Ist die friedliche Welt überhaupt von den Menschen gewollt ?? Wir leben im Dualsystem und eigentlich hat jeder von uns seine Bestimmung . Es ist nur unheimlich schwer, den eigenen Weg zu finden !
wendelin zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 08.05.2014
In Berlin, wo wie in vielen Großstädten, die Gewalt eskaliert, wo Menschen grundlos zusammengeschlagen, zu Tode geprügelt und vergewaltigt werden, taucht ein Unbekannter auf. Er greift in letzter Sekunde ein erschießt die Täter und rettet die Opfer. In ein strahlend weißes Licht gehüllt, wird er von Zeugen als „Engel“ wahrgenommen. Was ist er in Wirklichkeit? Himmlischer Gesandter, neuer Superheld, durchgeknallter Typ oder etwas ganz anderes? Journalist Ingo Praise und Kriminalhauptkommissar Justus Ambick decken eine unglaubliche Geschichte auf.

Andreas Eschbach greift mit seinem Buch „Der Todesengel“ ein topaktuelles und sehr brisantes Thema an, das wirklich niemanden kalt lässt. Was geschieht, wenn die Justiz der zunehmenden Gewalt nichts entgegenzusetzen hat? Darf man sich verteidigen oder ist das schon Selbstjustiz? Gibt es einen Opfertyp? Soll man die Strafen verschärfen oder die Täter resozialisieren? Das Buch leuchtet das Thema vielschichtig und dabei sehr spannend aus. Viele Perspektiven tun sich auf, aus mannigfaltigen Blickwinkeln werden Meinungen geäußert und man kommt nicht umhin, irgendwann selbst Stellung zu beziehen.

Die Charaktere wirken authentisch und machen im Verlauf der Geschichte glaubhafte Entwicklungen durch. Nur der Staatsanwalt war als unsympathischer Karrierist ein wenig zu stark überzeichnet. Andreas Eschbach ist ein großartiger Erzähler und das stellt er auch im „Todesengel“ wieder unzweifelhaft unter Beweis.

Ich hatte den Eindruck, dass dem gekürzten Hörbuch einige zum besseren Verständnis wichtige Teile gefehlt haben. Untermalt mit der passenden Musik, ist das Hörbuch trotzdem ein Hörgenuss, den ich empfehlen kann. Nicht zuletzt weil mit Matthias Koeberlin ein ausgezeichnet Sprecher gewählt wurde, der für jede Situation den richtigen Ton getroffen hat.

FAZIT: Dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt. Es wirft viele Fragen auf, stellt vorurteilsfrei Themen zur Diskussion und regt an, sich darüber eigene Gedanken zu machen. Das alles verpackt in eine spannende Geschichte – spannende und intelligente Unterhaltung vom Feinsten!
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Thomas zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 21.11.2013
Mit diesem Buch surft man durch die Nacht wie auf einer Welle. Konnte kaum mehr aufhören, obwohl ich früh wieder raus musste. Der Thriller diskutiert auf intelligente und mitreißende Art das heikle Selbstjustiz-Thema und schießt ein bisschen Mystery zu - eine gelungene, spannende Mixtur. Besonders gut hat mir die Medienschelte gefallen, besonders, weil ich selbst in dieser Branche tätig bin.
Torsten zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 20.11.2013
In erster Linie geht es in dem Buch nicht um das Für und Wider von Selbstjustiz - meiner Meinung nach positioniert sich Andreas Eschbach hier deutlich genug gegen Selbstjustiz, was sich u.a. aus den Konsequenzen der letzten Tat des Todesengels ergibt.
Es geht vielmehr um Gewalt, Zivilcourage und vor allem um Opfer und den Umgang der Gesellschaft mit ihnen, speziell auch nach Notwehrhandlungen.
Ich war ja ziemlich, ob das nicht allzuleicht in Populismus führen kann ("Abgeschnitten" z.B. als plattes Beispiel ziemlich unreflektierter Forderungen nach mehr Strafe), hat Andreas Eschbach das vermieden indem er zum Thema sämtliche Seiten zu Wort kommen lässt - auch wenn die Sympathien für die jeweiligen Verfechter der unterschiedlichen Thesen klar verteilt sind. Dass kein klares "Entweder-Oder" als Lösung der Frage nach dem Umgang mit (nicht nur) jugendlichen Gewalttätern herauskommt, ist klar, aber mindestens zum Nachdenklen bringt es den Leser.
Was die Krimihandlung angeht, so fand ich dass die Identität des Todesengels schon etwas sehr früh zu vermuten war und auch recht schnell feststand. Interessanter war denn auch sein Hintergrund und die Entstehung seiner Motivation - was ebenfalls letztlich eine Frage des Umgangs mit (erlittener) Gewalt war.
Ich kann mich da dem vorangegangenen Kommentar anschliessen: Nachdenklich ohne belehrend zu sein; interessante Unterhaltung.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Darix zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 12.11.2013
Andreas Eschbach versteht es mit seinen Lesern zu spielen, sie mit seinen Romanen zu fesseln, seine Leser zu informieren, auch das seine Leserschaft sich manchmal über seine Texten ärgert.
In seinem Thriller Todesengel bearbeitet er als Thema die Problematik Selbstjustiz. Ein Rächer setzt sich mit aller tödlicher Konsequenz für Unterdrückte und Gequälte ein. Parallelen zu dem Blockbuster „Ein Mann sieht Rot“ liegen auf der Hand, sind wahrscheinlich erwünscht. Besteht das Recht auf Selbstjustiz, wenn der Staat den Bürger nicht mehr schützen kann? Wenn die Täter in den Augen der Gesellschaft nicht mehr angemessen bestraft werden?
Ausländerproblematik und die Arbeitsweisen der Boulevard Medien, dass alles verpackt Eschbach geschickt im Todesengel zu einem packenden Plot. Routiniert nimmt er alle losen Fäden und Nebenstränge auf um diese im Finale zu unterschiedlichen Ergebnissen zusammenzuführen.
Die Ereignisse von geprügelten Personen, an S-Bahnhaltestellen und U-Bahnstationen haben E. beeinflusst. Er reflektiert, versucht Vorurteile gegenüber gewaltbereiten Radikalen, jugendlichen Ausländer von unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Nutzt dabei einen skrupellosen Chefredakteur mit Migrationshintergrund als Motor, der bestrebt ist "die Story" als Erster verbreiten zu können. Es bleibt ein starker Eindruck bestehen. Ein gelungenes Buch, spannend, interessant und kontrovers geschrieben.
Oldman zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 30.10.2013
Ein erstaunlicher deutscher Thriller,
der das Thema Selbstjustiz differenziert abhandelt und die vielschichtigen Probleme von Verbrechensopfern in den Mittelpunkt stellt. Eschbach schreibt flüssig, der Plot ist spannend und die Auflösung sowohl logisch als auch auf der einen Seite desisullusionierend als auch hoffnungsvoll. Der Autor schafft es sehr gut dem Leser die Entscheidung über seine Gedanken zur Selbstjustiz und die teils ja wirklich unsägliche offizielle Rechtsprechung zu überlassen und vermeidet recht geschickt Suggestionen einfließen zu lassen.
Krimis deutscher Autoren sind mir meistens zu verquast oder zu provinziell. Dieses Buch hebt sich extrem wohltuend davon ab, kann es nur empfehlen !
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
subechto zu »Andreas Eschbach: Todesengel« 21.09.2013
Wegsehen oder helfen?

Mit seinem neuen Thriller „Todesengel“ hat Andreas Eschbach ein heißes Eisen angepackt: Es geht um Gewalt in der Öffentlichkeit, insbesondere Jugendgewalt, von der wir immer wieder und, wie es scheint, immer öfter lesen. Aber es geht auch um Zivilcourage, Notwehr oder Selbstjustiz und wie sozialromantische Richter damit umgehen.

Rentner Erich Sassbeck ist zur falschen Zeit am falschen Ort, als er in einer Berliner U-Bahn-Station von zwei Jugendlichen brutal attackiert wird. Im allerletzten Moment wird er von einem strahlenden Engel gerettet, der die beiden Jugendlichen einfach erschießt.

Dem Journalisten Ingo Praise wird ein brisantes Video zugespielt, auf dem genau das zu sehen ist. Weitere Überfälle geschehen. Eine Art Racheengel scheint durch die Stadt zu streifen, um Unschuldige zu beschützen und die Täter mit dem Tode zu bestrafen.

Ingo ist eigentlich ein Loser, der nicht gerade sympathisch rüber kommt. Als er das Video ins Netz stellt, bekommt er von seinem Chef die Chance, eine TV-Sendung mit dem Titel „Anwalt der Opfer“ zu moderieren. Doch der Erfolg steigt ihm zu Kopf und schon bald überschlagen sich die Ereignisse.

„Todesengel“ ist zugleich die Geschichte von vier Freunden, die als Kinder Opfer einer solchen Gewalttat wurden und dieses Erlebnis ganz unterschiedlich verarbeitet haben. 15 Jahre hatten sie keinen Kontakt, bis das Schicksal sie erneut zusammenführt, was schließlich in einen fulminanten Showdown mündet...

Andreas Eschbach spart in seinem engagierten Roman nicht mit Gesellschaftskritik: Viel zu oft kümmert sich der Staat mehr um die Täter, als um die Opfer. Steuersünder werden häufig härter bestraft als jemand, der einen anderen Menschen aus Lust und Laune zum Krüppel schlägt.

„Todesengel“ ist darüber hinaus eine Reminiszenz an all diejenigen, die ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlt haben. Der Fall Dominik Brunner, der im September 2009 von zwei jugendlichen Schlägern an einem Münchener S-Bahnhof totgeprügelt worden war und viele andere standen hierfür Pate.

Aber der Autor betreibt auch Populismus. Denn die Medien bringen natürlich nur das, was sich gut verkaufen lässt: je brutaler, umso besser. Dazu der ganze Social Stuff wie YouTube, Facebook & Co., wodurch sich alles viel schneller verbreitet, so dass es einem deutlich mehr erscheint.

Wie immer bei Andreas Eschbach sind seine Figuren äußerst authentisch gezeichnet. Letztlich wandelt sich sogar Kotzbrocken Ingo vom Saulus zum Paulus. Zum Abschluss gibt es zwar kein Happy End, aber wenigstens den berühmten Silberstreif am Horizont.

Fazit: Der Autor schildert sein Anliegen anschaulich ohne belehrend zu wirken. „Todesengel“ ist ein zeitgemäßer Thriller, der nicht nur solide Spannung bietet, sondern auch intelligente Unterhaltung. Ein wichtiges Werk, das mich nachdenklich zurücklässt und noch lange beschäftigen wird.

Prädikat: Besonders wertvoll!
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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