Der Nobelpreis von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2005
bei Lübbe.
555 Seiten.
ISBN-10: 3-7857-2219-2, ISBN-13: 978-3-7857-2219-0.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1990 - heute.
'Der Nobelpreis' ist erschienen als
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In Kürze:
Das alljährliche Auswahlverfahren, das die zu kürenden Nobelpreisträger bestimmt, nimmt seinen Lauf wie immer, als ein Flugzeug der Scandinavian Airline auf dem Flughafen von Milano mit einem Business-Jet kollidiert. Alle Passagiere finden den Tod. Mit an Bord waren drei Mitglieder des Gremiums, das den Nobelpreis in Medizin vergibt. Kurz vor der Abstimmung erhält Professor Hans-Olof Andersson, ebenfalls Mitglied der Nobelversammlung, Besuch von einem Unbekannten, der ihm viel Geld bietet, damit er eine bestimmte Kandidatin wählt, die für den Schweizer Pharmakonzern Rütlipharm arbeitet. Er lehnt das Angebot entrüstet ab. Doch bald darauf entführen die Unbekannten Anderssons vierzehnjährige Tochter Kristina und erpressen ihn nun auf diesem Weg, die gewünschte Stimme abzugeben. Verzweifelt beschließt Andersson, sich dem Willen der Unbekannten zu beugen. Allerdings merkt er schnell, dass er Teil einer viel größeren Verschwörung ist und dass offenbar zahlreiche andere Komiteemitglieder auf der Soldliste seiner Erpresser stehen. Er weiß nur einen Ausweg: Er wendet sich an seinen Schwager Gunnar Forsberg. Der sitzt gerade eine mehrjährige Gefängnisstrafe wegen Einbruchs und Industriespionage ab. Andersson erreicht die vorzeitige Freilassung Gunnars, der sich sofort auf die Suche nach den Entführern macht. Die Widerstände, gegen die Gunnar anrennt, wachsen stetig. Dass er sich auch noch in die Klassenlehrerin seiner Nichte verliebt, erleichtert seine Suche nicht gerade. Die Uhr beginnt zu ticken – und das immer lauter, denn bis zur Nobelfeier sind es nur noch wenige Tage …
Das meint Krimi-Couch.de: »Subjektive Wahrnehmung spaltet die Leserschaft«
Krimi-Rezension von Peter Kümmel
Es gibt so ein paar Dinge, die gehören sich einfach nicht für einen Schriftsteller. Zum Beispiel, am Ende des Buches zu sagen, es war alles nur geträumt. Oder jemanden sterben zu lassen und später wieder zum Leben erwecken. Oder den Ermittler am Ende selber als Mörder entlarven. Oder das, was Andreas Eschbach in »Der Nobelpreis« gemacht hat. Der Roman wird die Leserschaft in zwei Lager spalten: die eine Gruppe wird sich verschaukelt fühlen und das Buch verdammen, die andere wird verblüfft und begesitert sein über den Kniff des Autors, der der Handlung eine völlig unerwartete Wende gibt.
Doch zunächst mal der Reihe nach. Andreas Eschbach ist dem Publikum bislang eigentlich nur als Science-Fiction-Autor ein Begriff, wenn er auch zum Beispiel beim »Jesus-Video« bereits gezeigt hat, dass er das Talent zum Thriller-Autor besitzt. Mit »Der Nobelpreis« legt er nun seinen ersten reinrassigen Thriller vor, in dem es um Entführung und Korruption im großen Stil geht.
Wer weiß schon wirklich genau über den Nobelpreis Bescheid? Nachdem man die ersten Kapitel gelesen hat, die der Autor in unterhaltsamer Sachbuchmanier verfasst hat, ist man nicht nur mit dem Auswahlverfahren, sondern auch mit der Verleihungszeremonie bestens vertraut. Überhaupt begeistern vor allem die Abschnitte des Buches, in denen Eschbach Wissen vermittelt, auch wenn diese mitunter nicht optimal in die Handlung integriert wirken. In einigen Gebieten gut recherchieren musste er sicherlich, um dem Leser die Arbeitsweise eines Industriespions zu schildern. Faszinierend, welche Sicherheitssysteme benutzt werden und wie man sie überlisten kann.
Professor Hans-Olof Andersson gehört zu der Kommission, die zuständig ist für die Auswahl des Nobelpreisträgers. Für ihn eine ehrenvolle Aufgabe. Um so entsetzter ist er, als ein Unbekannter ihm drei Millionen Kronen dafür bietet, dass er bei der Abstimmung für die Kandidatin Sofia Hernández Cruz aus Spanien stimmt. Andersson lehnt ab, obwohl er für sich bereits vorher beschlossen hatte, sowieso für Sofia Hernández zu stimmen. Nachdem er auch ein weiters Angebot nicht annimmt, wird seine 14-jährige Tochter Kristina entführt. Als letzter Ausweg fällt ihm sein ungebliebter Schwager Gunnar Forsberg ein. Doch der sitzt wegen Industriespionage im Gefängnis. Andersson nutzt seine Beziehungen und bekommt Gunnar auf Bewährung frei.
Nach gut einhundert Seiten erfolgt der erste Bruch in der Handlung. Obwohl ebenfalls als Stilmittel verpönt, wechselt der Autor nun die Erzählperspektive. Bis hierhin schilderte ein übergeordneter Erzähler das Geschehen, nun übernimmt Gunnar nicht nur die Protagonistenrolle von Hans-Olof, es geht auch in der Ich-Form aus seiner Sicht weiter.
Nach dem Unfalltod von Anderssons Frau, Gunnars Schwester, ist Kristina Gunnars einzige Verwandte und Gunnar ist entschlossen, sein Leben und seine Freiheit aufs Spiel zu setzen, um das Mädchen zu retten. Nach den ersten meist blinden Aktionen, aus denen Gunnar meist nur knapp entkommen kann, verflacht das Geschehen ein wenig. Und je mehr Gunnar sinnlos anrennt, desto mehr fragt man sich, was das alles soll und ahnt allmählich, dass da irgendwas nicht stimmt. Und dann packt Eschbach seinen großen Bluff aus.
Seine Schreibweise ist zweifellos Mainstream, seine Plots das genaue Gegenteil. Aufgrund seiner genialen Ideen zähle ich mich auch zu Eschbachs Fangemeinde, doch hier war ich am Wendepunkt der Geschichte zunächst auch hin und her gerissen zwischen Überraschung und Enttäuschung. Doch nach einigen Seiten der Erklärung wird deutlich, wie der Autor die Verbindung vom Aufbau der Story mit dem Thema der Nobelpreisträgerin verknüpft hat. Die Faszination der subjektiven Wahrnehmung wird nun auch für den Leser deutlich spürbar.
Wie Eschbach zeigt, ist es möglich, auch völlig unblutige und dennoch spannende Thriller zu verfassen. Dadurch hebt er sich wohltuend vom Gros vor allem amerikanischer Thriller-Autoren ab. Hier fließt zumindest kein Menschenblut. Die detaillierte Schilderung von Tierversuchen jedoch dürfte nicht nur den Protagonisten dazu veranlssen, sich zu übergeben.
Was mich dazu veranlasst, dem Roman keine höhere Wertung zu geben, sind nicht die bereits beschriebenen Dinge, sondern fehlende Verwicklungen im Mittelteil, wo die Spannung merklich nachlässt und vor allem der allzu weichgespülte Schluß.
Mit »Der Nobelpreis« ist Andreas Eschbach wieder ein origineller Roman gelungen, über den man zweifellos spricht, dennoch zähle ich ihn eher zu den schwächeren Werken des Autors.
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| tedesca zu »Andreas Eschbach: Der Nobelpreis« | 15.12.2009 |
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| Conny66 zu »Andreas Eschbach: Der Nobelpreis« | 10.08.2009 |
| Thommy191968 zu »Andreas Eschbach: Der Nobelpreis« | 08.03.2009 |
| Klaus zu »Andreas Eschbach: Der Nobelpreis« | 01.08.2008 |
| Karin zu »Andreas Eschbach: Der Nobelpreis« | 28.12.2007 |
| Marion zu »Andreas Eschbach: Der Nobelpreis« | 20.12.2007 |
| Stefan zu »Andreas Eschbach: Der Nobelpreis« | 13.03.2006 |
| Joseph zu »Andreas Eschbach: Der Nobelpreis« | 24.01.2006 |
