Tannöd von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2006
unter dem Titel Tannöd,
bei Edition Nautilus.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Bayern, 1950 - 1969.
-
Hamburg: Edition Nautilus, 2006 unter dem Titel Tannöd.
ISBN:
978-3894014797. 125 Seiten. -
München: btb, 2007.
ISBN:
978-3-442-73673-7. 125 Seiten.
-
[Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2006.
Gesprochen von Monica Bleibtreu.
ISBN:
3899032705. 3 CDs.
'Tannöd' ist erschienen als
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In Kürze:
Sie nennen ihn nur noch den Mordhof, den einsam gelegenen Hof der Danners in Tannöd. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Gemocht hat sie kaum jemand, mürrische, geizige Leute waren sie und den ein oder anderen hat der alte Bauer wohl auch übers Ohr gehauen. Aber selbst die Kinder wurden grausam ermordet, und so geht die Angst um im Dorf, denn vom Mörder fehlt jede Spur.
Andrea Maria Schenkel ist mit ihrem Roman Tannöd wohl die größte Überraschung seit langem in der Deutschen Krimiszene gelungen. Mit gerade mal 120 Seiten Länge schafft es dieses Krimileinchen, nicht nur seine Leser in den Bann zu ziehen, sondern auch die Kritik zu begeistern: Unerklärlich, warum sich Fernseh-Literaturpäpstin Elke Heidenreich plötzlich mal wieder für einen Krimi erwärmen kann, wo dieses Genre ihrem Ermessen nach doch sonst nichts mit Literatur zu tun hat. Über mehrere Monate Spitzenpositionen in der Krimi-Welt Bestenliste, der Deutsche Krimi Preis 2007 und letztlich die Nominierung zum Glauser. Es scheint, als möchte sich niemand vorwerfen lassen, ein Juwel übersehen zu haben.
Und tatsächlich, Tannöd ist ein dramaturgisch sehr gut konzipiertes Werk. Die Erzählung erscheint zunächst ungeordnet, ist jedoch stringent und über die gesamte Erzählung konsequent durchgezogen. Auch die Art, wie die Autorin den verschiedenen, auftretenden Figuren durch individuelle Ausdrucksweise eine Kontur verpasst, wirkt authentisch.
Heiliger Stephanus, bitte für sie
Zum Inhalt in aller Kürze: In einem Dorf in Oberbayern hat sich auf dem entlegenen Tannöd-Hof der Familie Danner eine grausame Bluttat ereignet, die gesamte Familie und die neue Magd wurden umgebracht. Von der Nachricht über dieses Verbrechen reist ein Interviewer zurück in das Dorf, das ihm im ersten Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs (der Roman spielt Mitte der 50er Jahre) für einen Sommer ein Zuhause war. Dieser Interviewer unterhält sich zum einen mit den verängstigten Bewohnern des erzkatholischen Dorfes. Zum anderen wird in Schlaglichtern die Entwicklung des Tathergangs und die Entdeckung der Tat einige Tage später geschildert.
Den Roman liest man am besten in einem Rutsch. Dafür ist er auch ohne weiteres geeignet, denn nach zwei Stunden hat das Lesevergnügen ein Ende. Aber genau auf diese Art kann sich die Stimmung von Grauen und Ungewissheit am besten entfalten. An einem Ort des Friedens hat der Teufel Einkehr gehalten – und er weilt noch mitten unter den Bewohnern des Ortes. Die Frage, wer es ist, klärt sich erst auf den allerletzten Seiten in einem allerdings ziemlich unspektakulären Finale. Bis dahin haben sich verschiedene Möglichkeiten ergeben, die für die nötige Spannung sorgen.
Wir bitten dich, erhöre uns
Bei allem Lob bleibt die Frage nach Kritikpunkten, und die gibt es bei Tannöd sicherlich auch. In erster Linie betreffen diese die »Litanei zum Troste der armen Seelen (zum Privatgebrauch)« aus einem »Andachtsbuch für die christliche Frau« aus dem Jahre 1922. In welchem Zusammenhang die Ausschnitte aus dieser Litanei mit der Handlung des Romans stehen, erschließt sich dem Leser nicht. Am ehesten könnte es sich hierbei um ein Gebet handeln, dass die alte Dannerin aus ihrem Gebetbuch am Küchentisch liest. Insgesamt sind diese acht Seiten jedoch einfach nur überflüssig und blähen das Werk auf. Bei 120 Seiten sind acht Seiten Litanei nämlich nicht gerade wenig.
Der zweite Kritikpunkt: Die Figur des Interviewers. Es wird nicht deutlich, mit welcher Intention diese Figur die Gespräche mit den Einwohnern des Dorfes führt. Ermittelt er als Polizist oder sucht er nach Informationen für eine Reportage in einer Zeitung? Beides scheint aufgrund der Auskunftsfreude der Befragten eher unwahrscheinlich. Will er einfach nur so seine Neugierde stillen und reist an eine Station seiner Jugend zurück? Mehr als eine halbe Seite zum Auftakt erfährt man nicht über diese geheimnisvolle Figur. Seine Fragen bleiben unbekannt, seine Wege im Dorf werden nicht nachverfolgt.
Es bleibt ein etwas zwiespältiges Gefühl zurück. Einerseits beweist die Autorin wirklich hohe Klasse, an anderen Stellen wirft der Roman Fragen auf, die das Werk unausgereift wirken lassen. Bleibt abzuwarten, was als Nächstes von Andrea Maria Schenkel zu erwarten sein wird. Tannöd ist ungewöhnlich erzählt und erhält so ein hohes Maß an Individualität und Wiedererkennungswert. Diesen Stil auf einen Nachfolger zu übertragen, dürfte schwer sein. Tannöd wirkt phasenweise schon wie ein Kleinod, aber erst mit einem Nachfolgeroman kann Andrea Maria Schenkel beweisen, ob in ihrer Feder eine Diamantenader steckt.
Thomas Kürten, Mai 2007
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| die Sandra zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 23.02.2010 |
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| Tina zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 27.01.2010 |
| LeseRatte zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 18.01.2010 |
| Falendreen zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 18.01.2010 |
| Kiki zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 02.01.2010 |
| Marlene zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 15.12.2009 |
| Frieda zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 30.11.2009 |
| Bofinator zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 26.11.2009 |
| Katharina jank zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 25.11.2009 |
| maggiemops zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« | 03.11.2009 |
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