Tannöd von Andrea Maria Schenkel

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Tannöd, bei Edition Nautilus.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Bayern, 1950 - 1969.

  • Hamburg: Edition Nautilus, 2006 unter dem Titel Tannöd. ISBN: 978-3894014797. 125 Seiten.
  • München: btb, 2007. ISBN: 978-3-442-73673-7. 125 Seiten.
  • Hamburg: Edition Nautilus, 2009. ISBN: 978-3894016081. 128 Seiten.
  • München: btb, 2009. ISBN: 978-3-442-74025-3. 176 Seiten.
  • München: btb, 2011. ISBN: 978-3-442-74263-9. 184 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2006. Gesprochen von Monica Bleibtreu. ISBN: 3899032705. 3 CDs.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2009. Gesprochen von Monica Bleibtreu. ISBN: 3899038304. 3 CDs.

'Tannöd' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Sie nennen ihn nur noch den Mordhof, den einsam gelegenen Hof der Danners in Tannöd. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Gemocht hat sie kaum jemand, mürrische, geizige Leute waren sie und den ein oder anderen hat der alte Bauer wohl auch übers Ohr gehauen. Aber selbst die Kinder wurden grausam ermordet, und so geht die Angst um im Dorf, denn vom Mörder fehlt jede Spur. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Bluttat auf dem Bauernhof« 66°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Andrea Maria Schenkel ist mit ihrem Roman Tannöd wohl die größte Überraschung seit langem in der Deutschen Krimiszene gelungen. Mit gerade mal 120 Seiten Länge schafft es dieses Krimileinchen, nicht nur seine Leser in den Bann zu ziehen, sondern auch die Kritik zu begeistern: Unerklärlich, warum sich Fernseh-Literaturpäpstin Elke Heidenreich plötzlich mal wieder für einen Krimi erwärmen kann, wo dieses Genre ihrem Ermessen nach doch sonst nichts mit Literatur zu tun hat. Über mehrere Monate Spitzenpositionen in der Krimi-Welt Bestenliste, der Deutsche Krimi Preis 2007 und letztlich die Nominierung zum Glauser. Es scheint, als möchte sich niemand vorwerfen lassen, ein Juwel übersehen zu haben.

Und tatsächlich, Tannöd ist ein dramaturgisch sehr gut konzipiertes Werk. Die Erzählung erscheint zunächst ungeordnet, ist jedoch stringent und über die gesamte Erzählung konsequent durchgezogen. Auch die Art, wie die Autorin den verschiedenen, auftretenden Figuren durch individuelle Ausdrucksweise eine Kontur verpasst, wirkt authentisch.

Heiliger Stephanus, bitte für sie

Zum Inhalt in aller Kürze: In einem Dorf in Oberbayern hat sich auf dem entlegenen Tannöd-Hof der Familie Danner eine grausame Bluttat ereignet, die gesamte Familie und die neue Magd wurden umgebracht. Von der Nachricht über dieses Verbrechen reist ein Interviewer zurück in das Dorf, das ihm im ersten Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs (der Roman spielt Mitte der 50er Jahre) für einen Sommer ein Zuhause war. Dieser Interviewer unterhält sich zum einen mit den verängstigten Bewohnern des erzkatholischen Dorfes. Zum anderen wird in Schlaglichtern die Entwicklung des Tathergangs und die Entdeckung der Tat einige Tage später geschildert.

Den Roman liest man am besten in einem Rutsch. Dafür ist er auch ohne weiteres geeignet, denn nach zwei Stunden hat das Lesevergnügen ein Ende. Aber genau auf diese Art kann sich die Stimmung von Grauen und Ungewissheit am besten entfalten. An einem Ort des Friedens hat der Teufel Einkehr gehalten – und er weilt noch mitten unter den Bewohnern des Ortes. Die Frage, wer es ist, klärt sich erst auf den allerletzten Seiten in einem allerdings ziemlich unspektakulären Finale. Bis dahin haben sich verschiedene Möglichkeiten ergeben, die für die nötige Spannung sorgen.

Wir bitten dich, erhöre uns

Bei allem Lob bleibt die Frage nach Kritikpunkten, und die gibt es bei Tannöd sicherlich auch. In erster Linie betreffen diese die »Litanei zum Troste der armen Seelen (zum Privatgebrauch)« aus einem »Andachtsbuch für die christliche Frau« aus dem Jahre 1922. In welchem Zusammenhang die Ausschnitte aus dieser Litanei mit der Handlung des Romans stehen, erschließt sich dem Leser nicht. Am ehesten könnte es sich hierbei um ein Gebet handeln, dass die alte Dannerin aus ihrem Gebetbuch am Küchentisch liest. Insgesamt sind diese acht Seiten jedoch einfach nur überflüssig und blähen das Werk auf. Bei 120 Seiten sind acht Seiten Litanei nämlich nicht gerade wenig.

Der zweite Kritikpunkt: Die Figur des Interviewers. Es wird nicht deutlich, mit welcher Intention diese Figur die Gespräche mit den Einwohnern des Dorfes führt. Ermittelt er als Polizist oder sucht er nach Informationen für eine Reportage in einer Zeitung? Beides scheint aufgrund der Auskunftsfreude der Befragten eher unwahrscheinlich. Will er einfach nur so seine Neugierde stillen und reist an eine Station seiner Jugend zurück? Mehr als eine halbe Seite zum Auftakt erfährt man nicht über diese geheimnisvolle Figur. Seine Fragen bleiben unbekannt, seine Wege im Dorf werden nicht nachverfolgt.

Es bleibt ein etwas zwiespältiges Gefühl zurück. Einerseits beweist die Autorin wirklich hohe Klasse, an anderen Stellen wirft der Roman Fragen auf, die das Werk unausgereift wirken lassen. Bleibt abzuwarten, was als Nächstes von Andrea Maria Schenkel zu erwarten sein wird. Tannöd ist ungewöhnlich erzählt und erhält so ein hohes Maß an Individualität und Wiedererkennungswert. Diesen Stil auf einen Nachfolger zu übertragen, dürfte schwer sein. Tannöd wirkt phasenweise schon wie ein Kleinod, aber erst mit einem Nachfolgeroman kann Andrea Maria Schenkel beweisen, ob in ihrer Feder eine Diamantenader steckt.

Thomas Kürten, Mai 2007

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trafik zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 19.04.2016
Auch ich muß mich den Vorrednern anschließen.
Das ist kein Krimi oder Thriller, sondern ein Heimatroman. Ludwig Anzengruber hat vor vielen Jahren schon solche Romane geschrieben.
Damit einen Krimipreis zu gewinnen versteh auch ich nicht. Auf die Hitliste vom Spiegel. Naja! Als Heimatroman vielleicht. aber nicht als Krimi!
Liebe Kenner vom Spiegel! Die Hitlisten sind daher für mich unsinnig geworden.
Jun zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 19.01.2015
ich persönlich bin sehr enttäuscht von dem Buch. Ich kann nicht nachvollziehen wie ein solches Buch Preise gewinnen konnte.. Außerdem bin ich der Meinung, dass man es nicht als Krimi einordnen sollte. An sich ist es nicht schlecht geschrieben, aber dennoch ist die Struktur nicht nachvollziehbar genug und die Thematik gehört nicht ins Krimi Genre..
Torsten zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 06.08.2013
Eine völlig überschätzte, überbewertete Kurzgeschichte.
Bei 125 Seiten, von denen viele durch die kurzen Kapitelchen halbleer bleiben und dazu noch viel zu viele durch die absolut überflüssige "Litanei" verschwendet werden, bleibt eigentlich nur eine Kurzgeschichte übrig.
Und es fängt damit an, dass der Leser vom Verlag schonmal mit dem reisserischen Klappentext getäuscht wird: "Der Leser wird Zeuge des Verbrechens" ist schon glatt gelogen - denn die Zeugenbeschreibung des Verbrechens findet sich erst auf den letzten Seiten.
"...und begleitet jeden Schritt des Mörders" ist auch schlicht unwahr, denn man "begleitet" ihn nur auf wenigen Seiten kurz nach der Tat.
"Schliesslich entfalten sich die traumatischen Beziehungen innerhalb der Dorfgemeinschaft..." ist ebenfalls mehr als masslos übertrieben, denn die einzige traumatische Beziehung der Opfer bestand - natürlich - zum Mörder.
Ein Klappentext also, der das Büchlein völlig an dem tatsächlichen Inhalt vorbei aufbauscht.
Und der Inhalt selbst ist eigentlich unspektakulär. Die Erzählform die überwiegend Aussagen der Dorfbewohner dem unbekannt bleibendem "Interviewer" gegenüber wieder gibt ist zwar ganz nett, weil tatsächlich den unterschiedlichen Charakteren entsprechend total unterschiedlich, aber mehr auch nicht.
Das Ende, samt Motiv ist völlig banal.
Es ist mir total unverständlich wie so ein Hype um dieses Buch entstanden ist und womit sich die ganzen Preise und Kritiklobhudeleien begründen.
Maria zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 29.06.2011
Ich bin mit hohen, offenbar zu hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, von dem ich letztendlich recht enttäuscht war. Dass ein als "Krimi" vermarktetes Werk sich manches Mal nicht als solcher herausstellt, finde ich verzeihlich und ist nicht der Autorin, sondern dem Marketing anzukreiden.Der hier teils stark kritisierten, teils hoch gelobten Erzählweise stehe ich zwiespältig gegenüber. Einerseits finde ich die Gedächtnisprotokolle der Dorfbewohner wirklich gelungen, sprachlich und gedanklich konsequent umgesetzt, ABER - am Ende fehlte mir eben doch gerade diese Konsequenz, denn der Wunsch, der (wahren) Geschichte ein für Krimileser befriedigendes Ende hinzuzufügen, kompromittiert das meines Erachtens ambitionierte Werk dann wieder. Die Teile der Geschichte, die eben nicht die Aussagen der Dorfbewohner widergeben, empfand ich als unpassend weil außerhalb der inhärenten Logik des Textes.Das Motiv des Täters, eine solche Bluttat zu begehen, hat mich auch nicht gerade überzeugt.Am meisten geärgert hat mich allerdings die 'Mélange', mit der die Autorin alle möglichen 'populären' Themen verwurstet hat, ohne ihnen dann in diesem schmalen Bändchen gerecht zu werden. Inzest, von der Mutter gedeckt (warum??? Die gerade einmal 5 1/2 Seiten Erzählung der "alten Dannerin" fand ich angesichts einer so gewichtigen psychologischen Frage völlig unzureichend), vom Dorf willentlich ignoriert, ein bisschen Kritik an katholischer Bigotterie, das GANZ kurz mal gestreifte Schicksal einer polnischen Zwangsarbeiterin, ein wenig "Die Täter sind immer noch unter uns" Nachkriegsklischee... Dies hätte ein großartiges Buch werden können, wenn es seine eigenen Themen denn ernst genommen hätte, oder, anstatt sie alle irgendwie mit ins Boot holen zu wollen, hätte auch EINES dieser Themen gänzlich ausgereicht, wenn es denn eben konsequent und der Gewichtigkeit des jeweiligen Themas tatsächlich angemessen, bearbeitet worden wäre.
Nazis, Kinderschänder, heuchelnde Katholiken - damit MUSS man doch auf die Bestsellerlisten kommen! SO wirkte dieses Buch auf mich, was schade ist, da ich glaube, dass die Autorin keineswegs so berechnend war, als sie ihr Buch konzipiert hat. Sie hat sich meiner Meinung nach nur ein bisschen zu viel vorgenommen und mehr Gedanken an das Konzept als auf den Inhalt verwendet.Schade.Am Ende hätte ich noch eine Frage: ich DACHTE, ich hätte den Sinn der Gebetsfragmente verstanden, als Fürbitte für die sechs Toten und den Täter nämlich. Allerdings verstehe ich nicht, weshalb es acht, und nicht sieben waren.
Esperanza62 zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 07.06.2011
Ich lese sehr viel und habe das Buch von einer ebenso lesefreudigen Bekannten bekommen. Ich habe mich durch 180 Seiten wirre Literatur durchgequält und dieses Buch ist für mich eines der schlechtesten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Vielleicht bin ich einfach nicht interlektuell genug, um die große literarische Qualität des Buches entsprechend zu würdigen. Aber ich möchte von einem Buch gut unterhalten werden und davon war ich mit dieser Art Literatur meilenweit entfernt.
stefanz zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 18.02.2011
Tannöd ist mal ein ganz anderer Roman, sehr speziell und protokollähnlich geschrieben. Das Buch hat man aufgrund der knapp 130 Seiten sehr schnell gelesen. Die Ereignisse in dem Krimi werden für meine Begriffe nicht so düster geschildert wie überall publiziert, die brutalen Morde eigentlich nur kurz angeschnitten. Auf die religiösen Verse kann man verzichten. Die Mördersuche zieht sich bis zum Schluss hin, man wird zum Mitraten eingeladen. Das dieser Roman den deutschen Krimipreis 2007 erhalten hat, ist jedoch nicht nachzuvollziehen.
authorhans zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 14.01.2011
Bla-bla-bla... selten so ein schlechtes Buch gelesen! Es tut mir Leid, aber ich kann an TANNÖD überhaupt nichts Spannendes und/oder Interessantes finden! Ich habe das Lesen um die Seite 50 aufgegeben, obwohl die Taschenbuch-Ausgabe gerade einmal ca. 180 Seiten hat. Ich wollte gar nicht wissen, wer die Familie auf dem abgeschiedenen Hof ermordet hat oder was aus den Zeugen wurde. Für mich unterste Schublade!
Samuel zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 03.12.2010
Tannöd, ein Kommentar

Eine tragische Geschichte, welche das Verständnis für schlechte Menschen aufbessert.
Eine Bauernfamilie lebt auf einem Hof, abgeschnitten von der Aussenwelt. Sie haben einen schlechten Ruf, gelten als Eigenbrötler und es geschieht so manch schreckliches, was in einem normalen Umfeld als absolut grauenhaft gilt.
Die Geschichte ist sehr speziell geschrieben, humorlos und grau verpackt, einfach authentisch zum Thema. Sie hat kaum Intelligente Ansätze.
Doch versteht sie es in einem Kapitel sehr, die Spannung aufzubauen, Dies leider nur in einem kleinen Teil des Buches. Für einen Krimi etwas mager.
Die Erzählweise ist abwechslungsweise von den Verschiedenen Personen die vorkommen, dies macht es interessant, aber auch etwas nervig. Die Absicht, reflektiert zu denken verfehlt sie jedoch nicht. Man versetzt sich in die verschiedenen Personen und entwickelt Verständnis für so manche Handlung.
tedesca zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 11.11.2010
"Tannöd" (ich hatte es als Hörbuch) ist ein ungewöhnliches Buch. Es erzählt eine wahre Geschichte in Form von Zeugenaussagen. Nur wenig weiß man wirklich über die Familie Danner, es gibt hauptsächlich Getratsche und Hörensagen. Typisch vor allem diejenigen Dorfbewohner, die ja "nix sagen" wollen, weil SIE gehören ja nicht zu denen, die tratschen. und dabei die meisten Gerüchte in die Welt setzen. Die Geschichte ist traurig und berührend, die Fakten sind grausam und schockierend. Wahrheit und Fiktion - sprich: die Erzählung der ermordeten Tochter Barbara - werden gekonnt verbunden. Die Sprache ist klar und lebensnah, im Kopf entstehen sofort Bilder des Hofes und der Menschen, die diese Geschichte erzählen. Keine Minute lang lässt einen die beklemmende Stimmung aus ihrer Umklammerung.

Beim Hören habe ich mir oft gedacht, dass mir dieses Buch in gedruckter Form wohl viel weniger zugesagt hätte, vielleicht hätte ich diese feinen Nuancen garnicht mitbekommen, die Monica Bleibtreu so gekonnt herausarbeitet und somit den Leser in eine Dorfgemeinschaft mit vielen unterschiedlichen Charakteren entführt. Mit ihrer gekonnten Art zu lesen unterstützt sie diese düstere Stimmung, die das Buch beherrscht und die einem ab und zu fast den Atem nimmt.

Alles in allem ein Hörbuch, das ich gerne weiterempfehlen werde.
Chrisu zu »Andrea Maria Schenkel: Tannöd« 20.07.2010
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis - ja, dem kann ich nur zustimmen, ein unglaubliches Buch. Eine Familie wird ermördert, auf einem abgelegen Hof in Bayern. Die ganze Gemeinde ist entsetzt, dass so was hier am Lande verübt werden kann. Jede Person in diesem Dorf trägt dazu bei das Unglaubliche zu enthüllen. Sehr interessant, wie die Autorin die einzelnen Personen erzählen läßt, was so vorgefallen ist, die Vermutungen, die Ereignisse rund um den Hof, einfach genial.

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