Die Tage des Zweifels von Andrea Camilleri

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel L'età del dubbio , deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Sizilien, 1990 - 2009.
Folge 14 der Salvo-Montalbano-Serie.

  • Palermo: Sellerio, 2008 unter dem Titel L'età del dubbio . 265 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2013. Übersetzt von Rita Seuß & Walter Kögler. ISBN: 978-3-7857-2466-8. 256 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2015. Übersetzt von Rita Seuß & Walter Kögler. ISBN: 978-3-404-17147-7. 250 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2013. Gesprochen von Bodo Wolf. ISBN: 3-7857-4789-6. 6 CDs.

'Die Tage des Zweifels' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Im Fahrwasser einer Luxusjacht wird ein namenloser Toter angespült. Die mondäne Schiffskapitänin wirkt ebenso mysteriös wie ihre Besatzung. Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb Commissario Montalbano so häufig am Hafen von Vigàta anzutreffen ist. Denn Salvo ist verliebt – und zwar in Laura, die Chefin der Hafenkommandatur. Doch wie sagt er’s ihr? Wie sagt er’s seiner Livia? Und wie soll er hinter das Geheimnis des Toten kommen, wenn alle Zeugen tun, als wären sie stumm wie die Fische?

Das meint Krimi-Couch.de: »Amüsant, aber nur bedingt spannend« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Bei einem starken Unwetter bricht eine Straße weg und Commissario Montalbano kann gerade noch rechtzeitig der jungen Vanna Digiulio aus einer Notlage helfen. Diese wollte im Hafen von Vigàta auf den Einlauf des Yachtschiffes »Vanna« warten, um dort ihre Tante Livia zu begrüßen. Das Anlegen der Yacht verzögert sich durch das Unwetter und als die »Vanna« dann endlich vor Anker gehen kann, hat sie die Leiche eines Mannes an Bord, der zuvor in einem Schlauchboot im Hafenbecken trieb. Die Bootsbesitzerin erweist sich als wenig redselig und will vor allem so schnell wie möglich weiterfahren. Montalbano steht gleich vor mehreren Fragen, denn nicht nur den Tod des Mannes, der  wie sich herausstellt  vergiftet wurde, gilt es aufzuklären. Auch beschäftigt den Commissario die Frage, in welchem Verhältnis die beiden Frauen zueinander stehen, denn verwandt sind sie offenbar nicht. Aber warum hat ihn Vanna Digiulio angelogen und wer ist die geheimnisvolle Frau überhaupt? Die »echte« Vanna Digiulio starb bereits vor einigen Jahren. Montalbano droht sich in dem neuen Fall zu verrennen, allerdings ist er auch stark abgelenkt. Wie hätte er denn erahnen können, dass ausgerechnet er, der auf die sechzig zugeht, sich noch einmal Hals über Kopf verlieben würde? Ausgerechnet in die junge und äußerst attraktive Laura Belladonna, Leutnant in der Hafenkommandatur. Wie soll er jetzt privates von beruflichem trennen und überhaupt, wie soll er Laura von seiner Gefühlslage erzählen? Und wie seiner langjährigen Verlobten?

»Ich stelle erfreut fest, Commissario, dass Sie trotz Ihres fortgeschrittenen Alters noch einigermaßen klar im Kopf sind.«

Der neue Fall für Salvo Montalbano trägt den bezeichnenden Untertitel »Commissario Montalbano träumt von der Liebe« und erklärt, warum die Ermittlungen nicht immer so recht voran kommen. Nicht selten ist der Protagonist vom aktuellen Fall abgelenkt, da er selbst beim besten Willen an der Frage scheitert, wie er sich der wesentlich jüngeren Laura erklären soll? Dabei scheint diese ganz offensichtlich seine Gefühle zu erwidern, was Montalbano zu der nächsten Frage bringt, wie er sich gegenüber seiner Verlobten verhalten soll? Wie immer, wenn ihm nichts einfällt, wird das Problem erst einmal verdrängt, doch anders als im Dienst kann er hier nicht einen seinen trotteligen Mitarbeiter vorschicken. Ja, die Figuren im Polizeiquartier sind schon allesamt etwas »sonderbar«, wirken ein wenig unterbelichtet und man hat mitunter das Gefühl, gleich käme ein gewisser Herr Kluftinger durch die Tür, um das Personaltableau zu vervollständigen.

Kommt ein Bulle in Zivil, kostet es noch mal so viel.

Dabei gelingt es Andrea Camilleri mit viel Sprachwitz und ironischem Augenzwinkern, den Leser bei der Stange zu halten, wenngleich man sich ein ums andere Mal schon ein wenig mehr seriöse Ermittlungsarbeit wünschen würde.

»Und wissen Sie, was er mir geantwortet hat?«
»Nein.«
»Ganz genau. Er sagte nein.«

Die Tage des Zweifels ist für alle Freunde der leichten Krimikost, bei denen der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund steht, bestens geeignet. Ihnen wird es im Zweifel egal sein, dass die Auflösung des Falles eher ein Nebenprodukt ist, denn das Ergebnis sauberer Recherchen. Was solls, humorvolle Unterhaltung muss ja auch mal sein und die zahlreichen Besuche bei Enzo, dem Lieblingskoch des Protagonisten, lassen einen ein bisschen vom nächsten Italienurlaub träumen. Bis dahin empfiehlt sich zusätzlich die Lektüre des Buches Andrea Camilleris sizilianische Küche von Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer. Aber das ist wiederum ein klarer Fall für die Kochbuch-Couch.

Jörg Kijanski, Mai 2013

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kritikaster zu »Andrea Camilleri: Die Tage des Zweifels« 04.03.2016
na ja.
sehr leichte krimikost! viel durcheinander, viele nebensächlichkeiten, sehr viel unlogik, man langweilt sich wenigstens nicht... aber sonst - neee.
außerdem hat er ganz schön von donna leon abgekupfert, das merkt man nur nicht gleich.

der lange darm des commisario als titelvorschlag für den ultimativ letzten montalbano. BINGO!
man müsste es ihm nur noch vorschlagen, dem lieben andrea vielschreiber.
Enzo zu »Andrea Camilleri: Die Tage des Zweifels« 12.11.2015
Absolut leichtgewichtiges Krimichen. Nur für den Montalbano-Fanclub zu empfehlen. Bisschen Klamauk, bisschen Liebe, bisschen Diamantenschmuggler. Ansonsten das selbe Strick- und Schreibmuster wie bei fast allen Anderen vom Autor. Er zitiert hier auch noch Simenon, Lannec aus "Die Pitards". Er weiss also schon, was gut ist, kommt aber selber nicht annähernd in die Nähe des Olymps. Und der Montalbano "frisst" immer doppelte Portionen, daß ich mich frage, der muss doch auch mal aufs Klo, aber im ganzen Buch geht er nicht ein einziges Mal. Dieses Rätsel musste der Autor vielleicht in einem folgenden Buch lösen. Titelvorschlag "Il Gabinetto oder: Der lange Darm des Commissario"
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