Die Passion des stillen Rächers von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2004
unter dem Titel La pazienza del ragno,
deutsche Ausgabe erstmals 2006
bei Edition Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1990 - heute.
- Palermo: Sellerio, 2004 unter dem Titel La pazienza del ragno. 253 Seiten.
- Mailand: Mondolibri, 2005. 253 Seiten.
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Bergisch Gladbach: Edition Lübbe, 2006 Die Passion des stillen Rächers: Commissario Montalbano stößt an seine Grenzen.
Übersetzt von Christiane v. Bechtolsheim.
ISBN:
978-3-7857-1581-9. 253 Seiten. -
Bergisch Gladbach: BLT, 2007.
Übersetzt von Christiane v. Bechtolsheim.
ISBN:
978-3-404-92267-3. 253 Seiten.
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[Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2006.
Gesprochen von Gerd Wameling.
ISBN:
3-7857-3196-5. 4 CDs.
'Die Passion des stillen Rächers' ist erschienen als
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In Kürze:
Kaum hat Salvo Montalbano seine Schussverletzung auskuriert, erhält er auch schon einen Anruf aus dem Kommissariat: Auf einer einsamen Landstraße hat man den Motorroller von Susanna Mistretta, einer junger Studentin, gefunden, die mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf nahe der Fundstelle lebt. Der Vater, der unverzüglich eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat, ist sich sicher: Susanna ist entführt worden. Doch Commissario Montalbano findet bald heraus, dass es sich bei der Entführung um die Tarnung für eine weitaus vielschichtigere Sache handelt. Zu viele Details passen nicht zusammen, die Aussagen der Zeugen widersprechen sich. Doch das Netz der Verwirrungen, das hier ausgelegt wurde, scheint undurchdringbar und der stille Rächer geduldig genug, um in aller Ruhe abzuwarten, bis sein Opfer in die verhängnisvolle Falle tappt …
Das meint Krimi-Couch.de: »Commissario Montalbano zeigt Nerven«
Krimi-Rezension von Eva Bergschneider
Ganz egal, welchen Fall der Leser aus Andrea Camilleris sizilianischer Krimi-Reihe mit Salvo Montalbano auch liest, folgende bewährte Komponenten erwarten ihn so sicher, wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche: ein unkonventioneller Ermittler, Haute Cuisine auf sizilianisch und jede Menge trockener Humor. Eher selten trifft man dagegen auf Mafia-Kriminalität, denn auch auf Sizilien gibt es Morde und andere Gewaltverbrechen aus Habgier oder Leidenschaft.
Die berühmte innere Stimme
Um drei Uhr, siebenundzwanzig Minuten und vierzig Sekunden wacht Salvo Montalbano jede Nacht verschwitzt und schwer atmend aus dem Schlaf auf, seitdem ihn vor zwanzig Tagen ein Menschenhändler angeschossen hat. So auch in der Nacht in der ihn, obwohl er noch krank geschrieben ist, Catarella anruft, um das Verschwinden eines Motorrollers zu melden. Fazio wird später erklären, dass es eigentlich um die Entführung der Halterin geht, die junge Studentin Susanna Mistretta ist offensichtlich gekidnappt worden.
Aus der Sicht des Vaters Salvatore Mistretta und der ihres Freundes Francesco Lipari kann es keinen anderen Grund für Susannas Verschwinden geben, da sie niemals ihre depressive und todkranke Mutter allein gelassen hätte. Dennoch ist Montalbano zunächst skeptisch. Wer sollte eine Studentin entführen, deren Familie bekanntermaßen seit Jahren in würdiger Armut lebt? Schließlich melden sich die Kidnapper und fordern ein Lösegeld von 6 Milliarden. Euro oder Lira? Scheinbar haben sie die Euroumstellung noch nicht verinnerlicht.
In publikumswirksamen Fernseh-Botschaften machen die Entführer klar, dass sie es absolut ernst meinen. Offensichtlich ist Susannas Vater, der nur mit Hilfe seines Bruders für die Pflege seiner sterbenden Ehefrau aufkommen kann, nicht der Adressat dieser Geldforderung. Montalbano und seine Kollegen rollen Stück für Stück eine tragische Familiengeschichte auf, die den Unbekannten als Grundlage für einen sorgfältig ausgeklügelten Racheakt dient.
Ein durchschaubarer Plot
Die Passion des stillen Rächers bietet sicherlich nicht den raffiniertesten und spannensten Plot in der mittlerweile recht umfangreichen Reihe von Kriminalromanen mit dem launischen Sizilianer. Dieser Montalbano-Krimi ist wie immer interessant und durchgehend logisch konstruiert. Als Leser hat man allerdings den Eindruck, dass Camilleri hier absichtlich relativ früh durchblicken lässt, wer hinter der Entführung steckt. Warum? Vielleicht um auf einen für diese Krimi-Reihe eher untypischen, weil politischen Hintergrund aufmerksam zu machen. Es geht um ein Gesetz, dass die Rückführung und Nutzung illegaler Einkünfte erleichtert, indem es die Verjährungsfristen verkürzt. Obwohl Camilleri in seinen Krimis immer ein kritisches Auge auf die italienische Justiz geworfen hat, ist seine hier geübte Kritik an der Regierungspolitik der »Erneuerter Italiens« ungewöhnlich direkt. Dazu gesellt sich ein zynischer Blick auf den Missbrauch der Informationspflicht und die Manipulation der öffentlichen Meinung durch die Medien.
Ein etwas ernsterer Montalbano
Eigenwillig, unbequem, immer ehrlich und direkt; so kennt und liebt der Montalbano-Fan seinen sizilianischen Commissario. Doch auch ein derart prägnanter Charakter verändert und entwickelt sich mit den Jahren. In Die Passion des stillen Rächers wirkt Montalbano nachdenklicher und verletzlicher – wie abzusehen nach dem Vorgängerroman Das kalte Lächeln des Meeres. Seine Schlussverletzung scheint ihm die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen geführt zu haben, eine Erkenntnis die den sonst so coolen Ermittler erschreckt und verunsichert. Einmal mehr bestätigt Montalbano seinen wichtigsten Grundsatz, er fühlt sich im Zweifelsfall eher der Gerechtigkeit verpflichtet, als dem Gesetz. Den gewohnt bissigen Humor, die Leidenschaft und seinen guten Appetit hat er glücklicherweise kein bisschen eingebüßt.
Letzterer wird allerdings auf eine harte Probe gestellt, da seine Partnerin Livia ihm eine Diät verordnet hat. Die kulinarischen Genüsse müssen daher leider etwas kürzer treten. Dennoch begeistert auch Die Passion des stillen Rächers durch sizilianische Lebensart, Humor, derbe Sprüche und skurrile Typen, wie dem stets treuen und konfusen Catarella oder dem »Hühnerarschgesicht« Ragonese. Darüber hinaus beweist Camilleri auch in diesem Montalbano-Krimi seine Funktion als Gewissen und juristische Kontrollinstanz Italiens. Trotz des eher schwachen Kriminalfalls, ist Die Passion des stillen Rächers aufgrund der typisch sizilianischen Atmosphäre, der unvergleichlich charmanten Charaktere und der interessanten politischen Reflektion auf jeden Fall eine Empfehlung wert.
Eva Bergschneider, Januar 2007
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| hoffmann9471 zu »Andrea Camilleri: Die Passion des stillen Rächers« | 17.09.2006 |


