Die Form des Wassers von Andrea Camilleri

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel La forma dell´acqua, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Edition Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1990 - 2009.
Folge 1 der Salvo-Montalbano-Serie.

  • Palermo: Sellerio, 1995 unter dem Titel La forma dell´acqua. 173 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Edition Lübbe, 1999. Übersetzt von Schahrzad Assemi. ISBN: 3-7857-1509-9. 247 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2000. Übersetzt von Schahrzad Assemi. ISBN: 3-404-92048-1. 249 Seiten.
  • Augsburg: Bechtermünz, 2001. Übersetzt von Schahrzad Assemi. 247 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2005. Übersetzt von Schahrzad Assemi. ISBN: 3-404-15401-0. 252 Seiten.

'Die Form des Wassers' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

In einer Art Bordell unter freiem Himmel, hat man einen Toten gefunden, den feinsinnigen und generösen Ingenieur Luparello, zu dem der kompromittierende Ort seines Hinscheidens so gar nicht passen will. War es ein Verbrechen, und – wenn ja – wer sind die Schuldigen? Und das Motiv? Geld? Macht? Mordlust? Das hängt, muß Commissario Montalbano erkennen, ganz von der Form ab, die man dem Fall gibt. Jedenfalls weigert er sich, die Sache einfach als Unfall zu den Akten zu legen, wie man ihm höheren Orts nahelegt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der tote Ingegnere im Freiluftbordell« 58°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Der angesehene Ingegnere Luparello wird eines frühen Morgens von zwei Straßenfegern an der Mánnara, einem Strand, der als öffentliches Freiluftbordell gilt, mit geöffneter Hose tot in seinem Auto aufgefunden. Die Autopsie ergibt, dass Luparello an Herzversagen starb. Also kann Commissario Montalbano den Fall schon abschließen, bevor er ermitteln muß. Doch so schnell möchte dieser den Fall nicht den Akten legen.

Obwohl Montalbano aus dem politischen Umfeld von Luparello gedrängt wird, die Ermittlungen abzuschließen, möchte er gerne noch ein paar merkwürdige Umstände aufklären, die ihm aufgefallen sind. An der Todesart gibt es keinen Zweifel. Doch was treibt einen Mann des öffentlichen Interesses wie Luparello an einen solchen Platz, wo er von jedem gesehen werden kann. Dort entdeckt zu werden, käme einem handfesten Skandal gleich. Für Montalbano wirkt das alles irgendwie inszeniert.

Und so ist es für ihn genauso wie mit der Form des Wassers. Dieser Fall hat auch keine feste Form und Montalbano ist sich noch nicht sicher, welche Form er ihm geben kann.

Auf der Suche nach einem verschwundenen Collier

Daß es da tatsächlich noch einige Dinge zu klären gibt, merkt er, als Luparellos schärfster positischer Gegner, der Avoccato Rizzo, nach einem verschwundenen Collier suchen lässt, das einer der Straßenreiniger dort entdeckt hat, wo Luparello tot aufgefunden wurde. Und als Montalbano am Strand weitere Indizien findet, die ihm präpariert vorkommen, beginnt er, erste Theorien aufzustellen.

Die Romane von Andrea Camilleri um Commissario Montalbano muß man nicht unbedingt in die Sparte Kriminalroman einordnen, auch wenn man sie als Unterhaltungsroman bezeichnet, liegt man nicht ganz falsch. Denn zu unterhalten, das ist die Hauptaufgabe, die die Bücher erfüllen sollen und das tun sie auch ganz hervorragend.

Im Prinzip ist »Die Form des Wassers« gar kein klassischer Kriminalfall des alten Stils. Geschildert wird vielmehr der Alltag bei der sizilianischen Polizei. Einen »Fall« an sich hat Montalbano hier auch gar nicht zu bearbeiten, denn das Opfer starb eines natürlichen Todes.

Sehr humorvoll, viele Ereignisse stehen auch völlig für sich allein

Wenn man z.B. einen Agatha-Christie-Krimi liest, weiß man sofort, dass eine nebensächlich erzählte Begebenheit natürlich irgendwie mit der Haupthandlung in Verbindung stehen muß. Bei Camilleri gibt es, so wie es im alltäglichen Polizeileben auch zugeht, immer mal wieder Ereignisse, die völlig für sich alleine stehen. Und das ganze wird sehr humorvoll erzählt. Da Camilleri im Original vieles im Dialekt schreibt, geht durch die Übersetzung natürlich einiges verloren.

Der Anfang des Buches ist es etwas verwirrend, da Camilleri sehr viele Personen einführt und der deutsche Leser mit der Unterscheidung der vielen italienischen Namen, die auftauchen, so seine Schweierigkeiten hat. Dabei ist es nicht sofort ersichtlich, welche Charaktere im weiteren Verlauf eine wichtige Rolle spielen und welche nur Randfiguren sind, denn oft bekommen auch solche Personen vom Autor einen Namen zugeordnet, die nur einen kleinen Auftritt im Buch haben.

Mafia, politische Intrigen, Korruption – alles, was man von einem Italo-Krimi erwartet

Natürlich hat der Roman alles, was man von einem italienischen Kriminalroman, und insbesondere von einem sizilianischen erwartet: Mafia-Geschichten, politische Intrigen und Korruption. Das macht natürlich einiges auch leicht vorhersehbar.

Der Roman an sich ist sehr kurz. Knapp 250 Seiten, aber mit großem Zeilenabstand und ungewöhnlich breitem Rand, sind recht schnell gelesen. Da hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, einiges noch ein wenig auszuschmücken und auch die Verbrechen, die so am Rande passieren, noch etwas genauer zu beleuchten. Einige der Charaktere sind nur recht oberflächlich dargestellt, andere wiederum sehr genau beschrieben.

Eine nette Abwechslung bieten für mich alle Krimis, die nicht in England, USA oder Deutschland spielen. Man erfährt hier so einiges über Sizilien und die Leute, die die Insel bevölkern, sowohl über den angenehmen Teil der Bevölkerung als auch die Mafia. Und auch an kulinarischen Köstlichkeiten wird so einiges geboten.

Angenehm und schnell zu lesen, aber nicht unbedingt mitreissend

Als Unterhaltungsroman sehr angenehm und schnell zu lesen. Wer italienische Krimis kennt, hat eine ungefähre Vorstellung davon, was auf ihn zukommt. Für Fans von Serien-Krimis durchaus empfehlenswert, denn die Figur des Commissario Montalbano ist noch ausbaufähig. Dennoch nicht so mitreissend, dass ich jetzt alle Krimis der Reihe hintereinander verschlingen müsste.

Das meinen andere:

»Andrea Camilleri hat sich eine mitreißende Geschichte ausgedacht, ganz vertrackt und am Ende doch völlig einleuchtend. Vor allem aber durchzogen mit einer ganz wunderbaren Ironie und geschrieben in einer Sprache, die nur wenige Kriminalautoren hinbekommen würden.« (Westdeutscher Rundfunk)

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Honeymoon zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 09.12.2011
Dieser Buch ist toll. Der Handlung ist super duper toll.
Ich fande den ersten "Montalbano" nicht so gut wie die folgenden wäre ich nicht so "italophil" hätte ich nie den Zugang zu einem der witzigsten und geistreichsten Figuren der jüngeren Krimiliteratur gefunden:-)
Mein Tipp mit Fall 2 beginnen und den 1. ganz ganz zum schluß wenn montalbano flaue zeit ist und man auf neues vom großen Meister Camellieri wartet
Stephan Weiss zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 08.08.2009
Ich bin eher zufällig auf diesen Krimi gestoßen,und das Resultat ist, da? ich jetzt schon beim neunten Fall bin...und nach und nach bin ich ein richtiger Montalbano Fan geworden. Eine Figur die ähnlich viel Charakter entwickelt , wie eine Mischung aus Columbo und Kluftinger. Eben amüsant und spannend
ABaum71 zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 02.08.2009
Kurzweilige Lektüre auch für zwischendurch, geprägt durch den sympathischen Kommissar Montalbano und seinem Team, wobei hier der Schwerpunkt auf Montalbano liegt.
Es ist manchmal etwas schwierig für OttoNormalLeser die vielen Personen , die erwähnt werden, alle zu behalten und zuzuordnen, einige werden im Verlauf der Story noch wichtig, andere finden überhaupt keine weitere Erwähnung. Hierbei kommt AC auch ohne blutrünstige Massenmörder und übertrieben dargestellten Mordszenen aus.
Die knapp 250 Seiten sind schnell und flüssig durchgelesen und hinterlassen beim Leser durchaus Lust auf die nächsten Teile, die ja laut der anderen Kommentare noch besser sein sollen. Ich lasse mich gerne überraschen und freue mich auf den zweiten Teil...
zugroaster zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 29.06.2009
Dies war mein erster Camilleri und erw war nichts überragendes aber auch nichts was man unbeachtet lassen sollte. Mit viel Humor wird hier die Arbeit des Polizisten Montalbano beschrieben und die Lebensart der Italiener aufgezeigt. Zumindest wie man sich als Nichtitaliener diese vorstellt. Die Geschichte ist interessant und die Figuren sind sympathisch.
Meine Meinung: Warum nicht?
WelpeMax zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 26.07.2008
Ich bin ehrlicherweise enttäuscht, zwar war es unterhaltend, doch irgendwie oberflächlich sehr große Schrift wenig Seiten also mit Agatha Christie fährt man dann schon besser ! 40°
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Taennsche zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 25.03.2008
ganz unaufgeregt war dies mein erster Camilleri. Der Wortwitz, die Ironie und die spritzigen Dialoge überzeugen natürlich. Trotzdem hat mich der Roman etwas enttäuscht, vielleicht auf Grund meiner überzogenen Erwartungshaltung aus den gesammelten Lobeshymnen auf diesen Autor. Werde aber sicherlich noch den zweiten testen, um ein deutlicheres Bild zu erhalten.
volker braun zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 28.01.2008
Mein erster Camilleri- ein sehr unter-
haltsamer,humorvoller auf durchaus
hohem sprachlichen Niveau ge-
schriebener Roman.
Es drängen sich unweigerlich Pa-
rallelen zu Leon/Brunetti auf.
Montalbano ist eine sympathische
Hauptfigur(seine Vorlieben sind
ja so gut nachzuvollziehen) mit
eigenen Charakterzügen.
Ich weiss nicht so recht,ob ich
das sachte und unaufgeregte da-
hinplätschern der Story als Stärke
oder Schwäche des Romans wer-
ten soll.
Zudem habe ich so meine Schwierigkei-
ten, mir die italienischen Namen ein-
zuprägen bzw. die Personen ausei-
nanderzuhalten.
Insgesamt ein Buch wie ein leichter
italienischer Weisswein:
Nett und süffig,aber nicht aufregend.-
Stefan83 zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 17.01.2008
Der Auftakt der mittlerweile auch hier in Deutschland sehr erfolgreichen Reihe um Comimissario Montalbano, welche in der italienischen Heimat nach der Veröffentlichung eine wahre Manie ausgelöst und die bis dato führende Autorin Donna Leon und ihren Held Brunetti vom Thron gestoßen hat. Schauplatz der Fälle ist das fiktive Vigata in Südsizilien, ein kleines Dorf direkt am Meer, wo der Lebemann Montalbano, der seinen Namen übrigens Camilleris Wertschätzung für Montalbans Krimis verdankt, die schönen Seiten des Leben genießt und auch gern mal zwischen den Ermittlungen an einem Mordfall oder einem leckeren Essen abwägen muss. Obwohl in Sizilien spielend hat „Die Form des Wassers“ entgegen der Erwartungen nicht direkt mit der Mafia zu tun. Die Paten werden lediglich nebenbei erwähnt und ziehen ihre Fäden im Hintergrund. Im Vergleich zu seinem venezianischen Wettbewerber Brunetti kämpft Montalbano auch in dieser Hinsicht weniger für die Gerechtigkeit, sondern nimmt vielmehr die mafiösen Zustände als gegeben hin, was wiederum zu teilweise grotesken und amüsanten Abläufen führt. Die Kriminaltechnik ist im Vergleich zu den Rankins, Deavers oder Hills dieser Zeit weit hinterher. Fälle werden in Vigata gemütlich mit Instinkt, Gewitztheit und guten Kontakten in alle Kreise auf sizilianische Art gelöst. Hierbei zeichnet Camilleri ein interessantes, oftmals liebenswertes Bild der Gesellschaft, in der so gut wie nichts über den offiziellen Weg geht, und doch jeder über die Umtriebe und die Korruption des jeweils anderen im Bilde ist. Überhaupt lebt „Die Form des Wassers“ in erster Linie von den liebevoll dargestellten Figuren. Nicht zuletzt wegen Montalbanos kauzigen, unflätigen Sprüchen, kommt der Leser desöfteren nicht um ein kleines Schmunzeln herum. Einziges Manko: Der Roman ist an erster Stelle eher unterhaltend, denn spannend, da die Ermittlungen nur gemächlich vorankommen und sich der Autor dann doch zu oft in, für die Handlung unwichtigen, Nebenschauplätzen verliert. Insgesamt ein guter, kurzweiliger und kulinarischer Kriminalroman, der gekonnt italienisches Flair verbreitet (Lob an den dt. Übersetzer), allerdings nur streckenweise zu fesseln und überraschen vermag.
dyke zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 31.05.2007
Endlich habe ich auch meinen ersten Commissario Montalbano gelesen. Der SUBt schon 4 Jahre. Ich habe damals die ersten vier Fälle als Hörspiel gehört und sie haben mir recht gut gefallen. Daraufhin habe ich mehrmals beim Wühltisch zugeschlagen und SUBAnbau betrieben.

Ein Italien- bzw. Sizilien-Krimi, wie ich sie mag, die Bestätigung so ziemlicher aller Klischees die Otto NV Italien zuschreibt. Da sie von einem Italiener beschrieben sind, muss doch mehr Wahres daran sein.
Salvo ist mir sehr sympathisch, seine Eigenbrötlerei, sein zwischen Barschheit und liebevoller Aufmerksamkeit wechselnde Stimmung, sein Nutzen aller Ressourcen, sein Tanz mit den Seilschaften auf der Messerklinge Legalität verströmt so viel südländisches Flair, dass das Lesen dieses Romans schon fast wie Urlaub ist.

Und wieder ein Autor, der beweist, dass das alte Krimi-Format von um die 200 Seiten etwas für sich hat. Keine langen inneren und äußeren Monologe, keine detailreiche Leichen und Leichenaufschlitzbeschreibungen, kein seitenlange Spaziergänge im Kopf des Täters – einfach ein Toter, einige Ungereimtheiten, ein bisschen Ermittlung und die Lösung.

Danke Andrea und . Salvo – wir lesen uns bald wieder
4 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Cherry Hu zu »Andrea Camilleri: Die Form des Wassers« 20.10.2005
Der erste Fall von Montalbano habe ich erst gelesen, als ich fast alle anderen fertig hatte und es ist wahr, dass die anderen ein Stück besser waren. Doch trotzdem ist da das gewisse Etwas und das gefällt mir an Camilleris Büchern so gut. Ich war nie ein Fan von Krimis, aber seine würde ich haufenweise verschlingen, vor allem wenn Montalbano ermittelt.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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