Der Kavalier der späten Stunde von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2001
unter dem Titel L´odore della notte,
deutsche Ausgabe erstmals 2002
bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1990 - 2009.
Folge 6 der Salvo-Montalbano-Serie.
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Palermo: Sellerio, 2001 unter dem Titel L´odore della notte.
ISBN:
8838917299. 221 Seiten.
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Bergisch Gladbach: Lübbe, 2002.
Übersetzt von Christiane von Bechtolsheim.
ISBN:
3-7857-1533-1. 251 Seiten. -
Bergisch Gladbach: BLT, 2003.
Übersetzt von Christiane von Bechtolsheim.
ISBN:
3-404-92142-9. 253 Seiten.
'Der Kavalier der späten Stunde' ist erschienen als
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In Kürze:
Aktien statt Arancini, Spekulationen statt Spaghetti, Börse statt Balsamico – auch im entlegenen Sizilien hofft man auf das große Geld. Und genau das scheint Emanuele Gargano, der »Magier der Finanzen«, zu versprechen. Gargano, um die vierzig Jahre alt, groß, elegant und so ungemein gut aussehend, dass er einem amerikanischen Film entsprungen scheint, lebt von seinem Ruf als genialer Spekulant in Finanzangelegenheiten. Nachdem beinahe die gesamte Bevölkerung der Provinz Montelusa ihm ihre Ersparnisse anvertraut hat, ist er plötzlich nicht mehr aufzufinden. Der vorher so Begehrte ist samt dem Geld spurlos verschwunden und auf einmal der meistgehasste Mann südlich von Neapel. Natürlich ist auch in Vigàta der Teufel los, und alles macht Jagd auf den hinterhältigen Dieb. Einzig Commissario Montalbano ahnt, dass mehr als ein simpler Betrug hinter der Sache steckt. Skandalöse Dinge kommen ans Tageslicht, die auf ein viel düstereres Verbrechen hinweisen …
Das meint Krimi-Couch.de: »Unverwechselbar ein Camilleri«
Krimi-Rezension von Sabine Reiss überspringen
Commissario Montalbano gerät per Zufall in eine Situation, deren Folgen er zu Beginn nicht absehen kann. In der Agentur »König Midas« gibt es einen Aufstand der Rentner, die Emanuele Gargano ihr Geld anvertraut haben und nun auf die Auszahlung der versprochenen Rendite warten. Doch Gargano ist seit Tagen verschwunden, in der Agentur hält nur die Empfangsdame Mariastella die Stellung, die sehnsüchtig auf ihren Chef wartet und nicht einen Gedanken daran verschwendet, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Mit einem Trick gelingt es Montalbano, die Gemüter zu beruhigen.
Obwohl seitens des leitenden Beamten der Ermittlung die Theorie vertreten wird, dass der »Finanzspezialist« von der Mafia beseitig wurde, weil er deren Geld in dunkle Kanäle hat verschwinden lassen, ist Montalbano der Meinung, dass mehr dahinterstecken muss. Er wähnt Gargano zunächst auf einer Südseeinsel, wo er das aus dem Schneeballsystem ergaunerte Geld verjubelt. Als er jedoch herausfindet, dass ein Angestellter der Agentur nicht auf der Dienstreise nach Deutschland ist, wie er überall verkündet hat, wird er hellhörig. Und obwohl dieser Fall nicht zu seinem Aufgabenbereich gehört, steckt er seine Nase immer tiefer hinein.
Montalbano macht was er will
Der Commissario ist eigenwillig. Er scheint eine besondere Stellung innezuhaben, denn er widersetzt sich Befehlen und er erfindet Ausreden, damit nicht bei seinem Vorgesetzten erscheinen muss etc., ohne dass er bis jetzt Konsequenzen befürchten musste. Zudem kann man seine Art der Ermittlung durchaus als unkonventionell bezeichnen. Camilleri schildert seinen Protagonisten lebendig und voller Gefühl, so man ihm abnimmt, dass es irgendwo einen Montalbano gibt. Gekonnt verbindet der Autor den eigentlichen Kriminalfall mit einem Blick auf Sizilien und seine Bewohner, so dass man am liebsten gleich die Koffer packen würde. Auch der Humor kommt wie in den anderen Büchern nicht zu kurz. Das Telefonat mit seinem Mitarbeiter Catarella gibt es dieses Mal in leicht abgewandelter Form:
»"Pronto?«
»Ah Dottori Dottori!«, keuchte Catarellas Stimme gequält. »Sind Sie das persönlich selber?«
»Nein.«
»Wer ist denn dran?«
»Arturo, der Zwillingsbruder des Commissario.«
Warum benahm er sich dem armen Kerl gegenüber so idiotisch? Wollte er etwa seine schlechte Laune an ihm auslassen?
»Echt?«, fragte Catarella bewundernd. »Entschuldigen Sie, Herr Zwilling Arturo, aber wenn der Dottori irgendwie im Haus ist, sagen Sie ihm dann, dass ich ihn sprechen muss?«
Montalbano ließ ein paar Sekunden verstreichen. Vielleicht konnte er die Geschichte, die ihm spontan eingefallen war, bei Gelegenheit noch brauchen. Er schrieb »mein Zwillingsbruder heißt Arturo« auf einen Zettel und meldete sich wieder."
Anders als bei Donna Leon geht es etwas nüchterner zu, obwohl es an Beschreibungen von Landschaften und Essen nicht mangelt. Dennoch meint man, Camilleri schreibt einfacher, weniger ausführlich, aber auf keinen Fall einfallsloser. Seine Geschichten sind nicht überladen, bringen es auf den Punkt. »Der Kavalier der späten Stunde« ist ein ruhiges Buch, das Camilleris unverwechselbaren Schreibstil sehr gut zur Geltung bringt. Doch zuviel Montalbano am Stück könnte ermüdend wirken, daher sollte er in kleinen Dosen genossen werden.
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