Der Kavalier der späten Stunde von Andrea Camilleri

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel L´odore della notte, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1990 - 2009.
Folge 6 der Salvo-Montalbano-Serie.

  • Palermo: Sellerio, 2001 unter dem Titel L´odore della notte. ISBN: 8838917299. 221 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2002. Übersetzt von Christiane von Bechtolsheim. ISBN: 3-7857-1533-1. 251 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2003. Übersetzt von Christiane von Bechtolsheim. ISBN: 3-404-92142-9. 253 Seiten.

'Der Kavalier der späten Stunde' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Aktien statt Arancini, Spekulationen statt Spaghetti, Börse statt Balsamico – auch im entlegenen Sizilien hofft man auf das große Geld. Und genau das scheint Emanuele Gargano, der »Magier der Finanzen«, zu versprechen. Gargano, um die vierzig Jahre alt, groß, elegant und so ungemein gut aussehend, dass er einem amerikanischen Film entsprungen scheint, lebt von seinem Ruf als genialer Spekulant in Finanzangelegenheiten. Nachdem beinahe die gesamte Bevölkerung der Provinz Montelusa ihm ihre Ersparnisse anvertraut hat, ist er plötzlich nicht mehr aufzufinden. Der vorher so Begehrte ist samt dem Geld spurlos verschwunden und auf einmal der meistgehasste Mann südlich von Neapel. Natürlich ist auch in Vigàta der Teufel los, und alles macht Jagd auf den hinterhältigen Dieb. Einzig Commissario Montalbano ahnt, dass mehr als ein simpler Betrug hinter der Sache steckt. Skandalöse Dinge kommen ans Tageslicht, die auf ein viel düstereres Verbrechen hinweisen …

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Unverwechselbar ein Camilleri« 78°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Commissario Montalbano gerät per Zufall in eine Situation, deren Folgen er zu Beginn nicht absehen kann. In der Agentur »König Midas« gibt es einen Aufstand der Rentner, die Emanuele Gargano ihr Geld anvertraut haben und nun auf die Auszahlung der versprochenen Rendite warten. Doch Gargano ist seit Tagen verschwunden, in der Agentur hält nur die Empfangsdame Mariastella die Stellung, die sehnsüchtig auf ihren Chef wartet und nicht einen Gedanken daran verschwendet, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Mit einem Trick gelingt es Montalbano, die Gemüter zu beruhigen.

Obwohl seitens des leitenden Beamten der Ermittlung die Theorie vertreten wird, dass der »Finanzspezialist« von der Mafia beseitig wurde, weil er deren Geld in dunkle Kanäle hat verschwinden lassen, ist Montalbano der Meinung, dass mehr dahinterstecken muss. Er wähnt Gargano zunächst auf einer Südseeinsel, wo er das aus dem Schneeballsystem ergaunerte Geld verjubelt. Als er jedoch herausfindet, dass ein Angestellter der Agentur nicht auf der Dienstreise nach Deutschland ist, wie er überall verkündet hat, wird er hellhörig. Und obwohl dieser Fall nicht zu seinem Aufgabenbereich gehört, steckt er seine Nase immer tiefer hinein.

Montalbano macht was er will

Der Commissario ist eigenwillig. Er scheint eine besondere Stellung innezuhaben, denn er widersetzt sich Befehlen und er erfindet Ausreden, damit nicht bei seinem Vorgesetzten erscheinen muss etc., ohne dass er bis jetzt Konsequenzen befürchten musste. Zudem kann man seine Art der Ermittlung durchaus als unkonventionell bezeichnen. Camilleri schildert seinen Protagonisten lebendig und voller Gefühl, so man ihm abnimmt, dass es irgendwo einen Montalbano gibt. Gekonnt verbindet der Autor den eigentlichen Kriminalfall mit einem Blick auf Sizilien und seine Bewohner, so dass man am liebsten gleich die Koffer packen würde. Auch der Humor kommt wie in den anderen Büchern nicht zu kurz. Das Telefonat mit seinem Mitarbeiter Catarella gibt es dieses Mal in leicht abgewandelter Form:

»"Pronto?«
»Ah Dottori Dottori!«, keuchte Catarellas Stimme gequält. »Sind Sie das persönlich selber?«
»Nein.«
»Wer ist denn dran?«
»Arturo, der Zwillingsbruder des Commissario.«
Warum benahm er sich dem armen Kerl gegenüber so idiotisch? Wollte er etwa seine schlechte Laune an ihm auslassen?
»Echt?«, fragte Catarella bewundernd. »Entschuldigen Sie, Herr Zwilling Arturo, aber wenn der Dottori irgendwie im Haus ist, sagen Sie ihm dann, dass ich ihn sprechen muss?«
Montalbano ließ ein paar Sekunden verstreichen. Vielleicht konnte er die Geschichte, die ihm spontan eingefallen war, bei Gelegenheit noch brauchen. Er schrieb »mein Zwillingsbruder heißt Arturo« auf einen Zettel und meldete sich wieder."

Anders als bei Donna Leon geht es etwas nüchterner zu, obwohl es an Beschreibungen von Landschaften und Essen nicht mangelt. Dennoch meint man, Camilleri schreibt einfacher, weniger ausführlich, aber auf keinen Fall einfallsloser. Seine Geschichten sind nicht überladen, bringen es auf den Punkt. »Der Kavalier der späten Stunde« ist ein ruhiges Buch, das Camilleris unverwechselbaren Schreibstil sehr gut zur Geltung bringt. Doch zuviel Montalbano am Stück könnte ermüdend wirken, daher sollte er in kleinen Dosen genossen werden.

Ihre Meinung zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde«

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Christian Klotz zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 13.02.2016
Kann mir einer erklären, was der - mit dem italienischen Original nichts zu tun habende - Titel mit dem Roman zu tun hat?

Gibt es in der Geschichte überhaupt einen Anhaltspunkt für diese abweichene Titelerfindung?

Oder habe ich da was verpasst?

Hat es möglicherweise irgendetwas zu tun mit Faulkners "Eine Rose für Emily"?

Überhaupt sehr "sophisticated" das Ende, das ungefähr so glaubwürdig ist wie eine unbefleckte Empfängnis.
andrepolis zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 08.05.2012
Was passiert, wenn ein Finanzgenie mir die letzten Lire nimmt und sich dann aus dem Staub macht? Wie kann ich es ihm heimzahlen? Und wo ist er überhaupt? Ein Frage die nicht nur von den Geprellten gestellt wird, sondern auch von Commissario Montalbano. Auf seinem Weg zur Lösung kommen nicht nur Filmzitate, Literaturzitate und ein paar der schmackhaftesten Gerichte Siziliens zu Tage, sondern auch mehr als eine tragische Liebesgeschichte. Vielleicht nicht der beste, aber doch ein interessanter Krimi Camilleries der im wahrsten Sinne des Wortes Geschmack nachmehr macht.
Anja S. zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 24.01.2007
Dieser Krimi ist leider eines der schwaecheren Werke von Herrn Camilleri und hat mir nur maessig gut gefallen. Er ist nicht besonders spannend, und die Aufloesung ist echt an den Haaren herbei gezogen.
Marie zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 09.04.2005
Es ist bestimmt nicht Camilleris bester Montalbano-Krimi. Aber wenn man einen gelesen hat (und sich mit der ganzen Mannschaft, mit dem Essen und Sizilien angefreundet hat), will man alle lesen. Was das Essen angeht, kann man zufrieden sein, auch Montalbanos Privatleben läuft wie immer, und Cantarella bleibt immer derselbe. Nur der Fall ist relativ schwach, und man muss genau aufpassen, dass man mitbekommt, wer denn jetzt das Geld hat. Dafür ist die Lösung im Fall des verschwundenen Betrügers umso besser.
Schüler Leser zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 04.05.2004
Meiner Meinung nach fehlt Andrea Camilleris Buch "Kavalier der späten Stunde" das gewisse Etwas.
Diese Geschichte selbst ist höhepunktlos, aber der Hintergrund (Ort, Wetter, ...) sind spannend gewählt. Wenn sie nicht unbedingt ein Camilleri-Fan sind, rate ich ihnen vom Kauf dieses Buches ab.
Schüler
Andrea zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 07.02.2004
Danke für die prompte Antwort, Lars! Jetzt kann man meinen letzten Satz streichen!
Andrea zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 07.02.2004
Habe das Buch auf einen Sitz durchgelesen: stimmt, der Zeilenabstand und die Dialoge, das geht schnell.. Wie bei allen Camilleris faszinieren mich eher die Rahmenstorys, sprich Montalbanos Privatleben, die Kollegen, das Lokalkolorit, als der eigentliche Fall. Musste an manchen Stellen laut lachen, ich finde,die Bücher werden immer witziger.
Ps: Ist es Absicht, dass die Inhaltsangabe der Krimicouch schon fast alles verrät?!
heinz zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 06.11.2003
Spannend war es eigentlich nicht wirklich aber wie das meiste von Camilleri ist es durchaus witzig. Im Tb diesmal auch der Zeilenabstand. Da hätte man die italienische Fassung untergebracht-1Zeile dt. 1Zeile ital. wie Ildefonso, das wäre ein Gag.
Ulrich Köppen zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 28.10.2003
Jetzt als Taschenbuch wundert es nicht, dass es auf über 250 Seiten kommt, bei dem Zeilenabstand und viel wörtlicher Rede. Ideal als Bettlektüre, weil gut überschaubar und spannend zugleich. Inhaltlich auch eine Fortsetzung von Montalbanos Privatstory.
K.-P.Michael zu »Andrea Camilleri: Der Kavalier der späten Stunde« 25.10.2003
Eine interessant gesponne Geschichte, die zum "Durchlesen" verführt, auch - oder gerade weil - man irgendwann die Lösung erahnt ...

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