Der Dieb der süßen Dinge von Andrea Camilleri

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Il ladro di merendine, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Edition Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1990 - 2009.
Folge 3 der Salvo-Montalbano-Serie.

  • Palermo: Sellerio, 1996 unter dem Titel Il ladro di merendine. 315 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Edition Lübbe, 2000. Übersetzt von Christiane v. Bechtolsheim. ISBN: 3-7857-1513-7. 315 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2001. Übersetzt von Christiane v. Bechtolsheim. ISBN: 3-404-92076-7. 317 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2012. Übersetzt von Christiane v. Bechtolsheim. ISBN: 978-3-404-27082-8. 317 Seiten.

'Der Dieb der süßen Dinge' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Gleich zwei Morde halten Commissario Montalbano in Atem. Die Opfer – ein tunesischer Fischer und ein sizilianischer Geschäftsmann – haben, außer der Tatsache, dass sie tot sind, offensichtlich nichts gemeinsam. So scheint es zumindest, bis der Commissario durch Zufall auf ein drittes Verbrechen stößt: Er stellt einen Dieb, der seit kurzem für Aufregung sorgt. Der inzwischen geläuterte Übeltäter bringt Montalbano auf die Spur der Tunesierin Karima. Und diese – wie sich herausstellt – im Ort …

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Wie man drei Fäden zum Zopf der Erkenntnis flechtet« 64°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Und wieder befinden wir uns in dem fiktiven sizilianischen Dörfchen Vigàta an der sizilianischen Küste. Zum dritten Mal muss Commissario Montalbano seinen Grips beweisen, wenn er in Andrea Camilleris Roman »Der Dieb der süßen Dinge« eben diesem das Handwerk legen soll.

Aber vor das kriminalistische Tagwerk hat der Autor natürlich die Leichen und ihre Entdeckung gestellt. Wie üblich bleibt unserem sizilianischen Paradeermittler keine Zeit, um sich um sein Liebesleben mit der attraktiven Livia zu kümmern, denn der alternde Geschäftsmann Signor Lapecora hat es vorgezogen, mit einem Messer im Körper im Aufzug seines Wohnhauses den Dauerschlaf anzutreten.

Durchsiebter Tunesier auf Fischkutter

Es wäre kein richtiger Montalbano-Krimi, gäbe es da nicht gleichzeitig einen weiteren Toten. Auf einem sizilianischen Fischkutter, der angeblich zu weit in tunesische Gewässer geraten ist, wird rein zufällig von einer tunesischer Küstenpatrouille ein ebenso zufällig frisch angeheuerter tunesischer Seemann mit Munition durchsiebt. Und der Leser der ersten beiden Montalbanokrimis ist sich jetzt sicher, dass sich diese beiden Verbrechen gar nicht so zufällig kreuzen und Camilleri im Verlauf der Handlung die Fäden zu einem einzigen verknüpft.

Doch vorher muss noch die geheimnisvolle »Fußbodenmasseuse« des bedauernswerten Signor Lapecora gefunden werden, in deren Honorar offensichtlich auch noch andere Massagetätigkeiten gefallen sind, von denen sich herausstellt, dass auch die Rentnerband der Umgebung eifrig Gebrauch gemacht hat. Karima, wie dieses offenherzige Säuberungsliebchen heißt, ist nicht nur bildhübsch, sondern auch Tunesierin mit einem Hang zum gefüllten Sparbuch.

Die holde Horizontalmaid

Bei der Lokalisierung der holden Horizontalmaid gerät Montalbano auch an den Titelhelden, der sich als Jausenklau bei diversen Schulknaben spezialisiert hat. Blaue Augen für die Besitzer der Eierkuchen erzürnen das Volk und schon hat Montalbano den dritten Faden in der Hand, um mit den anderen beiden, den Zopf der Erkenntnis zu flechten.

Dabei kommen dem Commissario auch seine eigenen Gefühle in die Quere, liegt doch der eigene Vater im Sterben. Und zum Drüberstreuen will auch noch die Dauerflamme Livia geehelicht und zur Mutter gemacht werden. Die ständig angedrohte Beförderung, die der Commissario so fürchtet und der Druck seiner persönlichen Probleme verleiten den bedauernswerten Mann dann zu einem Schwur, dessen Einhaltung neben der Lösung der Straftaten zum unvermeidbaren Ende führt.

Der dritte Teil der Camillerimania ist meines Erachtens der bislang beste. Obwohl auch hier die Fälle und ihre Verknüpfung in haarsträubender Geschmeidigkeit ineinander verwoben werden, zeigt der Commissario plötzlich menschliche Anwandlungen. Natürlich belohnt er sich für seinen Einsatz wieder mit den ausgeklügeltsten Delikatessen, ignoriert sämtliche Regeln menschlichen Einfühlungsvermögens, um doch wieder auf den Boden durchschnittsmenschlicher Tatsachen geholt zu werden.

Das Ganze ist in sehr lesbaren, mit teilweise blumigem Ausdruck geschriebenem Text fabriziert, der den Roman zu einer leichten Freizeitlektüre macht. Es kann und darf ja nicht immer hehres Kulturschaffen sein, solche Bücher braucht der Workaholic für Zwischendurch zur Entspannung. Dieser Camilleri ist folglich Gebrauchsliteratur der guten Art, empfehlenswert nach einem langen Arbeitstag vor dem Einschlafen oder für einen gemütlichen und verregneten Lesesonntag.

Das meinen andere:

»Verglichen mit Montalbano ist der venezianische Bestseller-Kollege Brunetti eine blutarme Kopfgeburt.« (Westdeutscher Rundfunk)

Ihre Meinung zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge«

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mylo zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 26.03.2012
Nun das war mein erster Camilleri und mein erster Montalbano und ich muss sagen die Geschichte liest sich gut, alles wird nicht so ernst genommen und von der Hauptperson, Commissario Montalbano schon gar nicht.
Die Geschichte ist interessant gestrickt, der auslösende Fall wird schließlich zum Randereignis. Hat auf alle Fälle Lust auf mehr geweckt. Solide italienische Krimikost.

75 Punkte.
Stefan83 zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 08.05.2009
Vorhang auf für Comissario Montalbanos dritten Fall, der gegenüber seinen beiden Vorgängern noch wortwitziger daherkommt und erneut mit einem intelligenten, in sich stimmigen Plot samt typisch sizilianischen Ende aufwartet. Diesmal bekommt der hartgesottene, oftmals brummige und grobe Ermittler einen Mordfall aufs Auge gedrückt, der auf den ersten Blick keinen Sinn zu ergeben scheint.

In Vigáta, der (fiktiven) malerischen sizilianischen Küstenstadt, wird der Geschäftsmann Lapecora erstochen im Aufzug seines Wohnhauses aufgefunden. Und wie es scheint, ist er in diesem toten Zustand auch ein paar Runden mit dem Lift gefahren. Gleich mehrere Personen kommen für die Tat in Frage, ein Motiv vermag Montalbano doch zunächst nicht zu finden. Bis er auf die Spur der schönen Tunesierin Karima kommt, mit welcher sich der Verstorbene desöfteren zu einem Schäferstündchen im Büro getroffen hat. Die Schönheit ist jedoch spurlos verschwunden. "Cherchez la femme!", heißt es nun für Montalbano, der im Zuge seiner Ermittlungen bald die Untersuchungen seines Kollegen aus Mazàra kreuzt. Dort hat es vor der Küste einen Zwischenfall mit einem tunesischen Patrouillenboot gegeben, in deren Verlauf ein Mitglied der Besatzung eines Fischerboots - auch ein Tunesier - durch die Ladung eines Bordmaschinengewehrs den Tod gefunden hat. Ein Zufall? Als dann auch noch ein Eierkuchendieb die Gegend unsicher macht, scheint nicht nur ein gewaltiger Eisberg des Verbrechens zutage zu treten, sondern auch Montalbanos Privatleben in seinen Grundfesten erschüttert zu werden.

Wie immer lebt auch dieser Krimi von seiner Hauptperson, von dem man als Leser nie so recht weiß, was man von ihm halten soll. Eigentlich ein trotz seiner zynischen, überheblichen Art ein sympathischer Mensch, neigt er zu Wetterfühligkeit und wird damit nicht selten zum Fluch für all seine Kollegen. Doch unter der harten Schale steckt mehr als offensichtlich ein weicher Kern, ein gerechtigkeitsliebender Mensch, der Falschheit verabscheut und vorgeblich "anständigen" Bürgern gern mal die Fassade wegreißt, um sie vor aller Öffentlichkeit bloßzustellen.

So sicher er sich aber auch durch seine Ermittlungen windet und dienstliche Situationen zu seinen Gunsten lenkt, auf privater Ebene ist er unsicher wie ein Schuljunge. Seine Wochenendbeziehung mit der schönen Livia mag nicht so recht vorangehen. Ängste vor fester Bindung, Kindern oder viel schlimmer - zukünftig schlechter Küche, lassen ihn in den Armen seiner großen Liebe winden. All das macht Montalbano jedoch zutiefst menschlich und trägt dazu bei, dass die Figur beim Lesen lebendig vor unserem Auge erscheint und wir an seinem Schicksal Anteil nehmen. Auch wenn hier erneut eher selten kriminalistische Feinarbeit geleistet wird: Ein ziemlich spannendes Buch mit einem Ende voller Finesse und Einfallsreichtum, in dem geschickt die zu anfangs parallel laufenden Handlungsstränge miteinander verwoben werden.

Insgesamt ist "Der Dieb der süßen Dinge" ein absolut lesenswerter Kriminalroman mit bildhafter Sprache, trockenem Humor und schnellen Dialogen, der sizilianischer nicht sein könnte und Montalbano endgültig zur Kultfigur erhebt. Für alle Liebhaber der italienischen Lebensweise und Küche ohne Einschränkung zu empfehlen.
12 von 16 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
WelpeMax zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 26.07.2008
Im dritten Band konnte A. Camilleri seine Form halten und in seiner typischen Erzählweise liest man sich schnell durch das Buch, es geht wie immer gemächlicher zu und es werden drei Handlungsstränge geschickt zu einer Geschichte verwoben, schließe mich dem Vorgänger aber an was den Rezensenten anbelangt, also ich hätte nicht mal an einem verregneten Sonntag Lust mir ein Buch durchzulesen was abwertende Kritik bekommt ! Dann würde mir der Satz : Das war ein Schuss im Ofen besser gefallen, sonst bekommt man das Gefühl das der Rezensent ein Buch ans Herz nahe legt was er selber nicht so gern gelesen hat, zum Glück hatte ich das Gefühl nicht! Meine Erwartung an ein Buch mich zu unterhalten fängt eben immer bei 0 an!
75°
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
timothyK zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 09.06.2007
Ich bin von Camilleri begeistert. Ich finde seine Plots überzeugend und erst recht seinen Erzählstil. Für mich gehört er zu den ganz Großen der Gegenwarts-Krimiliteratur.

Warum der Rezensent hier so abwertend von Gebrauchsliteratur spricht, erschließt sich mir nicht. Natürlich soll ein Krimi zuerst mal gute Unterhaltung sein, aber man kann Camilleri nun sicher nicht vorwerfen, daß er mit Gesellschaftskritik spart. Nur kommt sie halt nicht so schwermütig und bedeutungsschwanger daher, wie bei manch anderem Autor. Ist sie deshalb weniger brisant? Finde ich nicht.
Kainzzzi zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 28.03.2004
Ich halte dieses Buch für sehr gelungen, nur die kulinarischen Köstlichkeiten Italiens müssten nicht so genau beschrieben werden, ansonsten: WEITER SO!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gast zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 22.03.2004
Ich fand das Buch nicht schlecht, aber mehr als 70% wäre gegen meine Überzeugung.
Vielleicht muss ich erst mehr Bände gelesen haben um mich an den Stil von Camilleri zu gewöhnen :-) .
Heidi zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 08.01.2004
Wo in den beiden früheren Büchern spätestens alle 30 Seiten irgendwelche obszönen, vulgären Aussagen aufkreuzen mussten, die meistens so aufgesetzt wirkten, dass man das Gefühl bekam, der Autor hätte irgendein sexuelles Problem zu bewältigen, las sich dieses Buch nun endlich ohne diesen unnötigen Beigeschmack.
Abgesehen davon sind die Bücher wunderbare Feierabend-Kost, die mit jedem Band witziger und origineller wird.
Anja S. zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 12.08.2003
Ganz nett, aber "Der Hund aus Terracotta" war viel origineller.
gioconda zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 08.08.2003
Alle reden von Montalbano. Catarella ist der Beste!
Fast eine Commedia delÀrte-Figur. der typische Chaot mit Herz.
Eva zu »Andrea Camilleri: Der Dieb der süßen Dinge« 04.07.2003
Des Buch is echt suuuuuper! Und vor allem auch wahnsinnig lustig zu lesen! ich les jetzt schon den vierten und die anderen mit sicherheit auch!

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