Good as Gone von Amy Gentry

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel Good as Gone, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei C. Bertelsmann.

  • Boston New York: Houghton Mifflin Harcourt, 2016 unter dem Titel Good as Gone. 320 Seiten.
  • München: C. Bertelsmann, 2017. Übersetzt von Astrid Arz. 320 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2017. Gesprochen von Anna und Nellie Thalbach. gekürzte Ausgabe. 1 CDs.

'Good as Gone' ist erschienen als HörbuchE-Book

In Kürze:

Tom und Anna haben das Schlimmste erlebt, was sich Eltern vorstellen können: Ihre 13-jährige Tochter Julie wurde entführt, alle Suchaktionen waren vergebens, die Polizei hat den Fall längst zu den Akten gelegt. Acht Jahre später taucht plötzlich eine junge Frau auf und behauptet, die vermisste Tochter zu sein. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen. Doch schon bald spüren alle, dass die Geschichte der Verschwundenen nicht aufgeht. Anna hegt einen furchtbaren Verdacht. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit über die junge Frau, von der sie inständig hofft, dass es ihre Tochter ist, die ihr gleichzeitig aber auch fremd erscheint und das gesamte Familiengefüge gefährlich ins Wanken bringt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Viel Potential im falschen Genre verschenkt« 60°

Krimi-Rezension von Brigitte Grahl

Good as gone erzählt von einem entführten Mädchen, dass nach acht Jahren plötzlich wieder auftaucht. Aber ihr Verhalten weckt bei der Mutter Misstrauen: ist das wirklich ihre Tochter oder eine Fremde, die sich für sie ausgibt?

Erste Lektüre: Good as gone als Thriller

Der Plot klingt nach einem spannenden Thriller und wird als solcher auch vom Verlag beworben. Der Titel erinnert nicht zufällig an den Bestseller Gone Girl. Mit dieser Erwartung liest man den Erstling von Amy Gentry und wird enttäuscht. Dabei beginnt das Buch mit einer spannenden Entführungsszene und steigt auch schnell in das aktuelle Geschehen ein: als die entführte Tochter acht Jahre später vor der Haustür steht. Erzählerin ist die Mutter, Anna, die jede Hoffnung aufgegeben hatte, dass ihre Tochter Julie noch leben könnte.

Emotional immer noch blockiert beobachtet sie die zurückgekehrte junge Frau, die ihr fremd ist und versucht sie mit dem Kind abzugleichen, das vor acht Jahren verschwand. Dabei kommen ihr immer mehr Zweifel, die auch von außen genährt werden, ob das wirklich ihre Tochter ist. So weit, so spannend. Aber nach circa 50 Seiten entschließt sich die Autorin, die Erzählperspektive zu wechseln. Das aktuelle Geschehen, in Ich-Form von der Mutter geschildert, wird regelmäßig von Szenen unterbrochen, in der jemand mit verschiedenen Persönlichkeiten in der dritten Person eine Geschichte erzählt. Diese Szenen führen immer weiter zurück in die Vergangenheit, bis zu dem Zeitpunkt, wo die Vergangenheit an die Gegenwart anknüpft. Klingt verwirrend und ist es auch. Der Wechsel von Perspektive und Zeitachse stört mehr, als dass er die Spannung steigert.

Nach dem flotten Beginn lässt der Thrill erstmal auf sich warten. Die Erzählung konzentriert sich zuerst einmal auf die Dynamik, die aufgrund der neuen Situation in der Familie entsteht. Anna und Julie bilden den Fokus und ihre Charaktere bekommen »Fleisch«, der Rest des Figuren bleibt blass. Noch ärgerlicher ist der Eindruck, dass einige Figuren nur dazu dienen, den Leser auf (falsche) Fährten zu führen. Die Zeit- und Perspektivsprünge stören den Erzählfluss und den Spannungsbogen. Eine lineare Erzählform hätte dem Thriller deutlich besser getan. Erst in der Klimax besitzt Good as Gone das Tempo und die Spannung, auf die man die ganze Zeit gewartet hat. Dass es der Autorin im Grunde gar nicht um die Frage geht »ist es die echte Julie oder eine Betrügerin?«, wird daran deutlich, dass das Buch mit der Beantwortung noch nicht zu Ende ist. Auf den letzten Seiten geht es um viel größere und tiefere Fragen als die Lösung eines Kriminalfalles.

Zweite Lektüre: Good as gone als psychologisches Drama

Amy Gentrys Geschichte wurde inspiriert von der Entführung von Elisabeth Smart im Jahr 2002. Aber ihr Buch erzählt nicht einfach einen wahren Fall frei weiter. Er dient ihr vielmehr als Blaupause für eine psychologische Studie. Good as gone stellt auf nur 317 Seiten eine Menge tiefsinniger Fragen: Was macht eine jahrelange Entführung mit dem Opfer, was macht es mit den übrigen Familienmitgliedern? In Good as gone hat jedes Familienmitglied auf seine eigene Weise gelitten und einen Umgang damit gefunden. Aber dabei haben sich alle von sich selbst und den anderen entfremdet. Als Julie auftaucht, kommt wieder Bewegung in die Familie und die Erzählerin Anna, Julies Mutter, stellt fest, dass nicht nur ihre entführte Tochter Geheimnisse hütet. Zu Beginn des Romans sagt Anna:

»Da ist so vieles, was ich nicht von Julie weiß, aber ich kann die Wahrheit aushalten. Mir ist schon das Schlimmste passiert, was einer Mutter zustoßen kann.« [S. 55]

Am Ende des Romans erkennt sie, wie gründlich sie sich damit geirrt hat.

Good as gone reißt auch Fragen an wie: Was ist Identität? Ist man nach einer traumatischen Erfahrung noch man selbst? Kennen Eltern ihr Kind jemals wirklich? Amy Gentrys Buch erzählt von (Selbst-)Erkennen und (Selbst-)Entfremdung. Sie erzählt eine tieftraurige und herzzerreißende Geschichte. »So gut wie verschwunden« ist nicht nur die entführte Julie, auch die vernachlässigte Schwester Jane, die frühere Persönlichkeit Julies und die Gefühle der Mutter.

Amy Gentry hat das psychologische Feingefühl und das Schreibtalent, um so tiefsinnige Themen auszuloten, das ist selbst bei der Kürze dieses Buches erkennbar. Ausführlicher behandelt hätte daraus ein großartiges psychologisches Drama werden können. Leider hat sich die Autorin für ein anderes Genre und damit für die falsche Zielgruppe entschieden und so ist aus Good as gone nur ein mittelprächtiger Thriller geworden – schade!

Brigitte Grahl, Mai 2017

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Jens zu »Amy Gentry: Good as Gone« 17.09.2017
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört.

Die Stimmen der beiden Sprecherinnen sind zunächst mal eher ähnlich - als ich mitbekommen habe, dass es zwei verschiedene Stimmen sind habe ich erst mal "zurückgespult".

WER dann jeweils spricht ist auch nicht leicht herauszufinden. Ok, die Mutter ist noch zu identifizieren. Aber dann?

Mal ist sie die, mal ist sie jene, das Rote trifft das Schwarze und so weiter.

Es wird unnötigerweise eine Konfusion hergestellt, die es nicht leicht macht, sich zu orientieren.

Die Frage, ob Julie Julie ist hätte man sicher besser darstellen können.

Bei ca. dreiviertel des Hörbuches habe ich dann fast die Lust verloren.

Jeder in der Familie hat sich eingekapselt.
Eine intelligente Frau, die sich erst mal ihrer Hysterie und Depression hingibt, ihr Mann, der versucht, Hoffnung aufrechtzuerhalten wo er selbst keine mehr sieht und die verbliebene Tochter, die wohl nicht mehr wahrgenommen wird. Öde Schilderungen von einer Frau, der es unter anderem darum zu gehen scheint, sich rauszuhalten und ihren Mann zu quälen.

Gleich zu Beginn finde ich merkwürdig, wie abgeklärt alles geschildert wird. Erst später erfährt man, welche Spuren die Entführung hinterlassen hat.

Ich würde das Buch nicht weiterempfehlen.

Die Story hätte mehr hergegeben.
tomschnauzer zu »Amy Gentry: Good as Gone« 17.08.2017
Ich habe schon sehr viele Bücher gelesen.
Gute und Schlechte. Ich habe noch nie so ein schlechtes Buch gelesen.
Es kommt bei mir der Verdacht hoch, dass die Autorin vielleicht doch zeitweise recht verwirrt war als sie dieses Werk verfasste.
Kurz: Das war das erste und letzte Buch von dieser Autorin, das ich mir gekauft habe.
walli007 zu »Amy Gentry: Good as Gone« 07.03.2017
Das Schlimmste

Vor acht Jahren wurde die damals 13jährige Julie verschleppt. Nur mühsam haben sich die Eltern Anna und Tom und die jüngere Tochter Jane ein Leben ohne Julie eingerichtet. Zwar fällt es ihnen immer noch schwer aber irgendwie muss es ja gehen. Die Welt wird völlig auf den Kopf gestellt als Julie plötzlich wieder vor ihnen steht. Entgegen aller statistischen Wahrscheinlichkeit hat sie es geschafft, nach den langen Jahren zu ihrer Familie zurück zu kehren. Schon bald bemerkt Anna, dass Einiges, was Julie erzählt, schwer zu glauben ist. Schließlich meldet sich auch noch ein Privatdetektiv mit verstörenden Informationen.

Aus wechselnden Perspektiven wird geschildert was geschieht, nachdem Julie oder die, die behauptet Julie zu sein, heimgekehrt ist und was zu der Heimkehr geführt hat. Zunächst erscheint das teilweise etwas aus dem Zusammenhang gerissen, denn genau dieser ergibt sich erst, wenn man der Handlung weiter folgt. Allerdings muss man schon eine Weile ausharren, ehe sich die Handlung verdichtet und eine Ahnung entsteht, was Ursache und was Wirkung ist. Gut beschrieben ist dabei die wachsende Unsicherheit Annas über die Identität ihrer heimgekehrten Tochter. Mit ihr zweifelt man und begibt sich auf die Spur der vermeintlichen Tochter. Erst recht spät entwickelt die Story Tiefe und packt einen.

Zunächst zurückhaltend und nach und nach immer intensiver vorgetragen wird dieses Hörbuch von Anna Thalbach und ihrer Tochter Nellie. Man spürt die Atemlosigkeit, die die Mutter überfällt als ein Baustein zu dem nächsten kommt, die sich überschlagenden Gedanken, die Sorgen und Nöte, das wachsende Misstrauen. Immer näher kommt man auch der, die die Tochter zu sein scheint. Die an ihr Glück nicht glauben mag und die doch viel Schweres erfahren hat.

Eine bestürzende Geschichte, die ihr wahres Potential allerdings recht spät entfaltet, den Leser dann aber vollends fesselt und beim Hören im Auto jede rote Ampel gerne in Kauf nehmen lässt.
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