Tote aus Papier von Alicia Giménez-Bartlett

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Muertos de papel, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Barcelona, 1990 - 2009.
Folge 4 der Petra-Delicado-und-Fermín-Garzón-Serie.

  • Barcelona: Plaza & Janés, 2000 unter dem Titel Muertos de papel. 283 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2003. Übersetzt von Sybille Martin. ISBN: 3-7857-1538-2. 352 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2005. Übersetzt von Sybille Martin. 247 Seiten.

'Tote aus Papier' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Alle kennen Ernesto Valdés, die Number One der Yellow Press mit der einzigartigen Gabe, die kleinste Affäre zum schmutzigen Skandal aufzubauschen. Alle außer Petra Delicado, weiblichstes und mit scharfer Zunge ausgestattetes Mitglied der Policía Nacional. Wie die Jungfrau zum Kinde kommt die Inspectora zu ihrem neuesten, diesmal wahrhaft spektakulären Fall, denn ebendieser Skandaljournalist wird ermordet in seiner Wohnung in Barcelona aufgefunden. Die Liste der Verdächtigen erstreckt sich ins Unendliche – Wen hat der Tote zu Lebzeiten nicht mit Dreck beworfen? – und führt Petra und Subinspector Fermín Garzón auf bisher unbekanntes Gelände, nämlich in die Welt des Show-Business und des Jetset. Ein eher rutschiges Parkett, auf dem das ungleiche Ermittlerpaar mit unnachahmlicher Treffsicherheit für mögliche Fettnäpfchen so manches Mal ins Stolpern gerät. Damit nicht genug, geschieht ein zweiter Mord, ebenfalls von der pikanteren Art. Das Opfer ist eine junge Messehostess, deren Liebesleben auf eine heiße Spur schließen lässt. Und die weist auf allerhöchste Madrider Regierungskreise …

Das meint Krimi-Couch.de: »Massentauglicher als Montalbán – ein Geheimtipp« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Barcelona: Inspectora Petra Delicado und Subinspector Fermín Garzón werden mit den Ermittlungen im Mordfall Valdés beauftragt. Valdés war zu Lebzeiten Journalist der Yellow Press, und zwar einer von der übelsten Sorte. Neben seiner bärbeißigen Kolumne in einer Zeitschrift hatte er auch noch eine wöchentliche Sendung in Madrid, in welcher die eingeladenen Prominenten auf Schärfste in die Zange genommen wurden. Seine Todesart lässt darauf schließen, dass der Mord von einem Profikiller durchgeführt wurde. Delicado und Garzón haben zwar einen Ansatzpunkt, nämlich die Arbeit von Valdés, allerdings hat er sich dabei so unbeliebt gemacht, dass die Zahl der Verdächtigen immens groß ist. Als sie die Wohnung des Toten untersuchen, fällt Inspectora Delicado die Inneneinrichtung auf, die so gar nicht zu ihrem Besitzer passen will. Als die beiden Polizisten dann in die Redaktion der Zeitschrift kommen, findet sie in einer der Ausgaben des Magazins exakt diesen Stil wieder. Ihre Vermutung ist kühn, aber hat die Redakteurin des Dekorationsteils vielleicht mehr mit Valdés verbunden, als diese zunächst zugibt? So tastet sich das Ermittlerpaar Stück für Stück voran, spricht mit der Exfrau des Ermordeten, untersucht die Finanzen etlicher Prominenter und gerät in den Sumpf, den Petra Delicado eigentlich meiden wollte. Dabei segnen leider noch einige Personen das Zeitliche …

Ein sympathisches Ermittlerduo serviert Alicia Giménez-Bartlett dem Leser. Eine Rezension erweckte bei mir den Eindruck, Petra Delicado, die zweimal geschieden ist, sei ein Trampel, dabei ist sie eine äußerst kultivierte Frau, kulturbegeistert und mit leicht feministischen Anwandlungen, die ihrem Chef auch zeigt, wo der Hammer hängt und nur leider bei den Ermittlungen manchmal ihr Aussehen vergisst. Dass sie ungeschminkt und abgearbeitet erscheint, macht sie jedoch wett mit gelegentlichen Besuchen bei der Kosmetikerin, so zumindest im vorliegenden Roman. Mit ihrem Gehilfen Fermín verbindet sie eine vertraute Kollegialität, die nie zu privat wird. Sie bezeichnet sich und Fermín Garzón sogar schon als altes Ehepaar.

Die Ermittlungen sind ein Schwerpunkt des Romans, die privaten Dinge ein anderer. Dabei spiegelt sich das zentrale Thema in beidem wider: Eheprobleme, Trennung, Einsamkeit, ohne jedoch zu sehr in den Vordergrund zu treten. Brutalität, Gewalt und andere Thriller-Elemente spielen dabei keine Rolle. »Tote aus Papier« ist so etwas wie ein »sauberer« Krimi, wenn es so etwas gibt. Die Leiche wird gefunden, mehr nicht, die Untersuchungen beginnen. Dadurch, dass ein Profikiller eine Rolle spielt und niemand selbst Hand anlegen muss, wird dies noch unterstützt. Wo in manchen Krimis der Zeigefinger vom Autor recht deutlich erhoben wird, ist die Gesellschaftskritik hier nur im Thema (Journaille) versteckt und ist zudem nicht landestypisch, was Giménez-Bartlett von ihrem Landsmann Montalbán unterscheidet. Der Fall könnte auch außerhalb Spaniens angesiedelt sein, aber gerade dieser Schauplatz macht ihn so interessant, weil nicht schon zehn andere spanische Polizisten um die Gunst der Leser ringen.

Von der Art des Krimis drängt sich vielleicht ein Vergleich zu Donna Leons Commissario Brunetti auf. Und diese Aussage kommt von jemandem, der Vergleiche eher hasst. Keinesfalls kann man Brunetti und Delicado in einen Topf werfen, was die Persönlichkeit angeht, aber die Art des Falles ist ähnlich. Wenn Brunetti in Spanien leben würde, hätte auch er hier ermitteln können. Dabei stellt sich die Frage, warum Alicia Giménez-Bartlett hierzulande nicht schon einen höheren Bekanntheitsgrad hat. Liegt es an der Promotion? Das wäre schade.

»Tote aus Papier« liest sich flüssig und die Spannung ist gegeben, zwar nicht so, dass man fast unter Atemstillstand leidet, aber ein leichtes Schmunzeln auf den Lippen lässt einen weiterlesen bis zur Auflösung. Zufrieden kann man das Buch zuklappen und hätte dabei noch ewig weiterlesen können. Keinesfalls langatmig sorgt die Autorin für detaillierte Charakterisierung ihrer Protagonisten, was sie sich dadurch leisten kann, dass sie die Zahl der Figuren in Grenzen hält. Für meinen Begriff ist die Spanierin weitaus massentauglicher als Montalbán, aber dadurch keinesfalls uninteressanter. Ein Geheimtipp für Deutschland …

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Schnubsel zu »Alicia Giménez-Bartlett: Tote aus Papier« 27.08.2007
Dies war jetzt das zweite Buch der Autorin und ich muss sagen, es begeistert mich. Schön beschriebene Charaktere, ein sensationeller Fall. Es geschehen Morde, die nicht im Vordergrund stehen. Sie spielen zwar eine Hauptrolle, aber dennoch stehen die Ermittlungen und verschiedenen Verknüpfungen in der Welt des Show-Biz im Vordergrund. Schön finde ich Delicados und Fermins „Beziehung“ die sich zwar auf Abstand aber auch auf eine gewisse Vertraulichkeit begründet, ohne zu sehr die Ermittlungen zu beeinträchtigen.
Ein schöner Krimi ohne große Psychopathen, Blutlachen und Abgemetzel.Die anderen Bücher von ihr werde ich demnächst auch lesen.
Melanie zu »Alicia Giménez-Bartlett: Tote aus Papier« 08.08.2007
Endlich mal eine weibliche Polizistin, die nicht nur feministisch denkt, sondern sich selbst auch mal kritisch sieht und politisch ist. Ichhabe mit dem 4. Fall begonnen, aber werde die anderen noch folgen lassen.
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