Himmel Polt und Hölle von Alfred Komarek

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 bei Haymon.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 3 der Polt-Serie.

  • Innsbruck: Haymon, 2001. ISBN: 3-85218-359-6. 204 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2003. ISBN: 3-257-23358-2. 206 Seiten.
  • [Hörbuch] Wien: Preiser, 2003. Gesprochen von Wolfram Berger. ISBN: 3708500490. 3 CDs.

'Himmel Polt und Hölle' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Der heißeste Sommer seit Menschengedenken macht das ruhige Leben im Wiesbachtal noch bedächtiger. Nur im kühlen Preßhaus und im Weinkeller werden die Männer munter. Etwas gibt es immer zu bereden. Seit einigen Tagen wohnt Heinz Hafner im Kirchenwirt. Der Fremde ist in Wien ein bekannter Gourmet und Weinkritiker, berüchtigt für seinen meist treffenden Zynismus. Jetzt schaut er sich mißlaunig unter den Weinbauern des Wiesbachtales um. Firmian Halbwidl, als Nebenerwerbs-Weinbauer bei Hafners Kostrunden dabei, ist auch Mesner und sehr stolz auf dieses Amt. Er verspricht Hafner, den Pfarrer zu einer Mittagseinladung zu bewegen. Die weithin unbestrittene Kochkunst der Pfarrersköchin sollte auch einen anspruchsvollen Gourmet zufriedenstellen. Die Mittagsrunde kommt tatsächlich zustande, doch noch vor dem Essen beendet ein Eklat das genußreiche Miteinander: Hafner kennt die Köchin aus Wien, und die Beziehung der beiden war offensichtlich spannungsgeladen. Bald darauf erfährt Polt vom Tod der Pfarrersköchin. Wie es scheint, wurde sie vergiftet. Bei der Obduktion wird im Magen der Köchin das Gift der Tollkirsche gefunden ? und jede Menge Meßwein. Der Pfarrer ist merkwürdig schweigsam, wenn es darum geht, über seine Köchin auszusagen, und auch die Weinbauern reden nicht viel, nur einige von ihnen grinsen vielsagend …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der bauernschlaue Gendarm Polt wird zur Kultfigur« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

In Burgheim ist der Teufel los. Jemand verrichtet vor dem Gemeindeamt seine Notdurft, dem Hahn des Pfarrers wird der Kragen umgedreht, im Zeughaus der Feuerwehr wird ein Brand gelegt und draußen im Wald wird ein erhängtes Reh gefunden. Kein leichtes Leben also, das dem Gendarmen Simon Polt in diesem ansonsten idyllischen Dörfchen im nördlichen Weinviertel nahe der tschechischen Grenze beschieden ist.

Hier auf dem Land, wo sich das Leben zwischen Kirche, Wirtshaus und Presshäusern abspielt, kennt jeder jeden. Der wackere Dorfgendarm Polt, den so leicht nichts aus der Ruhe bringen kann, geht von Haus zu Haus, von Wirtshaustisch zu Wirtshaustisch und von Weinkeller zu Weinkeller, befragt seine Pappenheimer und observiert die Tatorte des schändlichen Treibens. Bei den Gesprächen kommt zu Tage, dass die dörfliche Gemeinschaft nicht nur aus lauteren Weinbauern besteht, sondern so ziemlich jeder irgendwo in der Vergangenheit einen schwarzen Punkt in seinem Vorleben aufzuweisen hat. Und irgendjemand hat Angst davor, dass dieses Vorleben aufgedeckt wird. Opfer dieser Angst wird ausgerechnet die dralle Pfarrersköchin Amalie, die nach dem Genuss eines mit Tollkirschen versetzten Luxustropfens, Marke Cabernet Sauvignon 1979, das Zeitliche segnet.

Jetzt wird es ernst am Land. Auch die Kripo aus Wien schaltet sich ein. Lückenlos wird der Lebenslauf der verschiedenen Amalie zerpflückt und dabei stellt sich heraus, dass die lebenslustige junge Dame mit dem begnadeten Kochhändchen ihre Gunst im Laufe der Jahre mehr als einem Dorfbewohner geschenkt hat. Ob Pfarre, Polizeichef, Lehrer, Messner oder Winzer, alle haben ihr Herzchen droben am Grünberg in den Stamm der Teufelsbuche geritzt. Während Polt überraschend in den Besitz eines Presshauses gelangt, bleibt ihm jedoch keine Zeit sein neues Domizil mit der ihm nahestehenden Lehrerin zu teilen, denn einer aus seiner Umgebung ist zum Mörder geworden.

Der Österreicher Alfred Komarek, bekannt durch eine Unzahl von Arbeiten für Hörfunk und Fernsehen, hat mit »Himmel, Polt und Hölle« den bislang dritten Band über den gemütlichen Dorfgendarmen Simon Polt (in den Verfilmungen von »Polt muss weinen« und »Blumen für Polt« genial durch Erwin Steinhauer zum Leben erweckt) auf den Krimimarkt gebracht. Dieses Buch ist ein ganz leiser Krimi. Hier wimmelt es nicht von Action und brutalen Psychopathen. Hier drängt sich nur ein dummer Zufall in das ansonsten beschauliche Leben auf dem Land. Wie Komarek mit schlichten Worten eindrucksvoll Landschaftsbilder des Weinviertels malt, wie er das Leben der Menschen rund um Wein und Weinbau skizziert, wie er den Kumpeltyp Polt als gewachsenes Element in die Dorfgemeinschaft stilisiert, dazu gehört schon sehr viel Liebe zu diesem österreichischen Landstrich, um derart meisterlich den Leser in ein Szenario zu führen, das in der Krimilandschaft seinesgleichen sucht.

Von der ersten Zeile an fühlte ich mich in dieses Buch verwurzelt. Als Kenner vor Ort und ehemaliger Presshausbesitzer stiegen in mir Bilder dieser mit Reben bewachsenen Hügel auf. Obwohl Komarek betont, dass diese Ortschaft nur ein Produkt seiner Phantasie ist, könnte sich die Handlung in jedem kleinen Nest zwischen March und Thaya abgespielt haben. Dieser Kriminalroman fesselt nicht durch forensische Ermittlungsarbeit oder psychologische Täterprofile sondern durch seine feine Charakterisierung dörflichen Lebens. Mit »Himmel, Polt und Hölle« hat Alfred Komarek für mich ein weiteres Elaborat geschaffen, das den bauernschlauen Gendarmen Polt zu einer Kultfigur werden lässt, die vom Lokalkolorit her jeden italienischen Commissario um Längen schlägt.

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trafik zu »Alfred Komarek: Himmel Polt und Hölle« 26.04.2017
Auch ich bin ein großer Fan der Krimis von Alfred Komarek. Er versteht es hervorragent ländliche Stimmungen zu erzeugen. Da ich selber aus Österreich komme, kann ich dies nur bestätigen.
Zu einem ist es die Personenbeschreibung. Ebenso wird das Weinviertel so beschrieben, wie es wirklich im ländlichen Raum in Österreich ist. Man glaubt dieses Dorf und die Menschen gibt es wirklich.
Genialer österreichischer Krimiautor. Ich hoffe Herr Komarek sie schreiben weiter solche Krimis. Danke!
Darix zu »Alfred Komarek: Himmel Polt und Hölle« 02.03.2014
Selten wurden Kriminalromane in den Rollen so ausgezeichnet besetzt wie in den "Poltfilmen". Die schriftliche Ausführungen sind ebnfalls hervorragend verfasst. In Himmel, Polt und Hölls ist der Gendarmerieinspektor Polt unterwegs in seinem Wiesbachtal, vor allem in seinen geliebten Presshäusern, Kellergassen und Wirtshäuser. Hier wird er konfrontiert mit Zynikern, einer Pfarrersköchin und deren eigener, besonderen Vergangenheit, gescheiterten Kreaturen und seiner Liebe Karin.
Das hört sich vordergründig nach einem durchschnittlichen Regiokrimi an, hat jedoch einen besonderen Charme, entwickelt eine fesselnde Atmosphäre.
Polt ist nicht der Gutmensch – wie der venezianische Commissario, oder gar Bruno aus dem Perigord-. Im fehlt der Schwermut, das das Böse alleinig im Verhalten der Gesellschaft begründet liegt. Obwohl er den alkoholischen Genüssen nicht abholt, lebt er mitten, eingebunden in der Spezie Weinbauern, im Mikrokosmos zwischen Burgheim und Brunndorf, in Niederösterreich. Man verkostet mit ihm - teilweise auch der geneigte Leser- die Weine Veltiner, Cabernet Sauvignon und den Blauen, riecht die gerade zu verspeisende Jause. Es wird ein Lebensgefühl dargestellt mit deren Auswirkungen, mit den Folgen des Alkoholismus auf den einen oder anderen Akteur. Angenehmerweise verfasst ohne den moralisierenten Zeigefinger. Die Protagonisten entwickeln sich im Plot und man fühlt mit ihnen, in dieser Atmosphäre des heißen Spätsommers. Selbstredend gibt es einen Mord, Schandtaten, Ungereimtheiten. Der Krimi spiegelt wieder den Himmel und die Hölle in diesem niederösterreichischen Weinviertel. Eine gelungene Geschichte, einfach ein Lesevergnügen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Joachim Mahr zu »Alfred Komarek: Himmel Polt und Hölle« 09.12.2009
Die Filme mit dem Gendarmen leben neben den skurilen Figuren der Kriminalgeschichten von der eigentümlichen Landschaft des Weinviertels, die eigentlich die Hauptrolle in den Filmen spielt. Ganz hervorragend der Darsteller des Gendarms Polt, aber auch die anderen Figuren, wie z. B. die Besitzerin des "Kaufhauses", die unvergessene Monika Bleibtreu. Der gesprochene Dialekt erscheint, jedenfalls teilweise authentisch zu sein, allerdings ist der Ton der Filme derart miserabel, dass ein Zuhörer, der schon Probleme mit dem Verstehen des Dialekts hat, hoffnungslos im "Kannitverstan" landet.
Katharina zu »Alfred Komarek: Himmel Polt und Hölle« 21.12.2004
Alfred Komarek versteht es auf eine außergewöhnliche Weise das Leben in den kleinen ostösterreichen Gemeinden zu beschreiben,doch auch in Frage zu stellen.Er kritisiert nicht direkt das Landleben und den außerst auffallend hohen Alkoholkonsum,sondern man beginnt beim Lesen an der angebliche Landidylle zu zweifeln.
Auffallend ist auch die hohe Anzahl an "gescheiterten" Persönlichkeiten und zwiespaltigen Charakteren.Besondere Sympathie entwickelte ich für Herrn Polt,der als so human und "durchschnittlich" beschreiben wird und auf seine ganz eigene Art und Weise seine Fälle löst,nämlich mit regelmäßigen Weinkellerbesuchen!
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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