P.O.W. - Gefangen von Alan Gifford

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel How Far The Road Home, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Rütten & Loening.

  • Pensacola, FL: Margol Pub Llc, 2008 unter dem Titel How Far The Road Home. 363 Seiten.
  • Berlin: Rütten & Loening, 2009. Übersetzt von Wolfgang Thon. ISBN: 978-3352007682. 363 Seiten.
  • Berlin: AtV, 2011 Das Camp. Übersetzt von Wolfgang Thon. ISBN: 978-3-7466-2636-9. 368 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2009. Gesprochen von Klaus-Dieter Klebsch. ISBN: 3836804557. 9 CDs.

'P.O.W. - Gefangen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Colorado im Sommer 1944: Ernst Halder ist als »Prisoner of War« in einem Lager der Amerikaner inhaftiert. Als ein Häftling ermordet wird, begreift der junge Mechaniker, dass der Krieg noch keineswegs zu Ende ist. Einige Kameraden wollen fliehen, um Sabotageakte zu verüben. Wer sich gegen sie stellt, wird getötet. Als auch Ernst zu einer Geheimmission befohlen wird, gerät er in einen dramatischen Konflikt: Er hat sich in die Farmerstochter Celena verliebt. Wenn Halder sich für sie entscheidet, weiß er, dass nicht nur sein Leben, sondern auch Celena in Gefahr ist. Ein Thriller mit zwei unvergleichlichen Helden und einem Schauplatz, wie wir ihn noch nie gesehen haben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Käfig voller Narren« 60°

Krimi-Rezension von Stefan Heidsiek

Ein Pärchen, das sich im Dunkeln eines kalten, ungemütlichen Flurs innig betrachtet. Eine wehende USA-Flagge an einer geraden, endlos wirkenden Landstraße. Aus diesen Bildelementen setzt sich das Titelbild der deutschen Buchausgabe von Alan Gilfords P.O.W. – Gefangen zusammen. Und wer nun an der Interpretation Freude hat, kann auch anhand dieses Covers schon den letztendlichen Inhalt zwischen den Deckeln ableiten, denn der im Jahre 2009 als Hardcover bei rütten & loening erschienene Roman ist sprachlich karg, streckenweise mehr als kitschig und durchsetzt von einem in manchen Passagen kaum zu ertragenden Hurra-Patriotismus. Doch first things first.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang in den Great Plains der USA im Jahre 1944. Während die alliierten Streitkräfte ihre Landung in der Normandie vorbereiten, tobt an der Heimatfront ein anderer, unsichtbarer Krieg. Über 350.000 deutsche Soldaten sind in Gefangenenlagern inhaftiert, vielen davon leisten Zwangsarbeit auf den Feldern der umliegenden Farmen. Dennoch ist das Leben für sie mehr als erträglich. Die Wachsoldaten lassen den P.O.W.s (engl. für Prisoner of War) viel Freiraum, man appelliert an die Ehre des deutschen Soldaten und dessen Versprechen, keinen Fluchtversuch zu wagen. Im Austausch dafür überlässt man den Nazis (im Gegensatz zu den Briten, welche Regimegegner und Anhänger des Führers strikt trennen) zu großen Teilen die Kontrolle. Nicht zuletzt deshalb, weil man sich Probleme nicht leisten kann und die US Army so wenig Männer wie nötig für die Bewachung dieser Lager abstellen will. Ein fruchtbarer Nährboden für die Nazis, welche mit eiserner Hand gegen Kritiker des Führers und Spitzel vorgehen.

In solch einem Lager befindet sich auch Ernst Halder, ein Soldat der Wehrmacht, welcher für die Panzerinstandhaltung verantwortlich, den Briten in Nordafrika in die Hände fiel und der heimlich von seiner Flucht träumt. Wäre da nicht die Tochter des deutschstämmigen Farmers Ralph Walker, die es ihm sichtlich angetan hat. Obwohl diese schon bald einen amerikanischen Fallschirmspringer ehelichen soll, hofft er auf eine gemeinsame Zukunft mit ihr. Und auch sie scheint das Herz an ihn verloren zu haben. Als ein anderer Häftling, der die Zusammenarbeit mit den Nazis verweigerte, ermordet in der Nähe der Walker-Farm aufgefunden wird, ist es jedoch mit der vermeintlichen Idylle auf einen Schlag vorbei. Ernst wird die Flucht befohlen und soll dafür die Hilfe von Celenas Familie in Anspruch nehmen. Wenn er sich weigert, droht ihm der Tod…

 Alan Giffords Idee, die amerikanischen Gefangenenlager zur Zeit des Zweiten Weltkriegs als Schauplatz für einen Spannungsroman zu wählen, noch dazu mit einem deutschen Kriegsgefangenen als eine der zentralen Hauptfiguren, verdient sicherlich Beachtung. Wenn man Giffords familiären Hintergrund näher recherchiert, finden sich dort die Gründe für diese Entscheidung. Sein eigener Großvater beschäftigte zu Kriegszeiten auf seiner Farm in Colorado eben solche P.O.W.s, was sein Enkel zum Anlass nahm, reale Geschehnisse mit einer fiktiven Geschichte zu verknüpfen. Herausgekommen ist ein Buch, das die Bezeichnung »Thriller« eigentlich nicht verdient und an einer erschreckenden Oberflächlichkeit krankt. »Das Gegenteil von Kunst, ist gut gemeint«, sagte schon Gottfried Benn. Hier trifft es wahrlich zu. Gifford will vieles, kann aber leider nur wenig. Größter Kritikpunkt sind die Figuren.

Vom Farmer Ralph Walker, der Deutschland hinter sich gelassen und nun den USA ewige Treue geschworen hat, über Major von Armin, den ehrenhaften preußischen Offizier, welcher die Erschießung russischer Kriegsgefangener verweigerte, bis hin zum radikalen Waffen-SS-Leutnant Völker, der dem Führer noch zum Sieg verhelfen will. Gifford hat sich fleißig jeder greifbaren Schablone bedient, um seine Figuren zu skizzieren, die ungefähr so vielschichtig sind wie ein leeres DIN-A4-Blatt. Alle Klischees werden hier bedient und selbst wenn gerade mal keiner etwas sagt oder denkt, allein dem Aussehen nach ließen sich sämtliche Charaktere den Seiten Gut und Böse zuordnen. Wäre der Film nicht erst ein Jahr später im Kino angelaufen, man könnte glauben, Gifford hätte Tarantinos »Inglorious Basterds« ein paar Mal zu oft gesehen:

Nein, Private Forrest, ich bin kein Deutscher. Ich bin Amerikaner. Vielleicht sogar mehr als Sie, denn ich weiß, was es bedeutet, nicht die Freiheit und die Sicherheit zu haben, die dieses wundervolle Land seinen Bürgern schenkt. (…) Und jetzt verschwinden Sie aus meinem Haus, bevor ich Sie hinauswerfe!

Es wäre ein Satz, über den man herzlich lachen könnte, wäre einem nicht bewusst, dass Gifford wohl tatsächlich meint und glaubt, was er da schreibt. Inwieweit der Autor nun letztendlich wirklich für sein Werk Recherche betrieben hat, kann nur vermutet werden. Fakt ist: Mit allzu vielen Deutschen kann er dabei wohl nicht gesprochen haben, denn so klar, wie in diesem Buch, waren die Grenzen zwischen Nazi und Nicht-Nazi ganz sicher nicht zu ziehen. Auch die Tatsache, dass in einem Gespräch zwischen Forrest und Armin der amerikanische Sezessionskrieg mit dem Zweiten Weltkrieg verglichen wird, lässt bitter aufstoßen.

 Ach, und die Spannung? Mangelware bis gar nicht vorhanden. Über gut 400 Seiten verfolgt man stattdessen die Schwärmereien von Halder und Celina Walker, welche Frau Pilcher nicht besser hätte in Szene setzen können. Der zu Beginn begangene Mord gerät sehr schnell in den Hintergrund und wird mehr schlecht denn recht »aufgeklärt«. Bis dahin stolpert man an der Seite von Jackie Forrest durch das Lager und umschifft dabei wenig elegant die Hinweise, die jedem Krimileser mit etwas Grips sofort den Täter identifizieren lassen. Die Krone setzt dem Ganzen dann das Ende auf, wo für Frieden, Freiheit, Ehre und Eierkuchen ein großes, in literweise Tränen beweintes Opfer gebracht wird. O say can you see!

 Insgesamt ist P.O.W. – Gefangen ein blutleerer, stereotyper Möchtegern-Spannungsroman, der ernst sein möchte, über das "Ein Käfig voller Narren”-Niveau aber nur zeitweise hinauskommt. Eine Ode an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und den ehrenhaften, deutschen Soldaten mit eisblauen Augen, die man sich getrost mal schenken kann.

Stefan Heidsiek, März 2010

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dubh zu »Alan Gifford: P.O.W. - Gefangen« 07.03.2010
Alan Giffords Großvater besaß zur Zeit des II. Weltkriegs eine Farm in Colorado, für die er aufgrund des Einzuges seiner eigentlichen Arbeitskräfte deutsche Kriegsgefangene einsetzten durfte.
Sein Enkel hat nun eine fiktive Geschichte rund um ein Kriegsgefangenenlager nahe einer Farm in den USA geschrieben.

Hauptfiguren sind Ernst Halder, ein junger internierter Wehrmachtssoldat, und Celena, die junge Tochter des Farmers, für den auch Ernst arbeitet. Der Bevölkerung ist es 1944 grundsätzlich verboten, ohne Grund mit den POWs (= Prisoners of War) zu sprechen oder sich gar mit ihnen anzufreunden, trotzdem ist Ernst bei der Farmerfamilie gut gelitten: er spricht gutes Englisch und scheint eingesehen zu haben, welches Verderben von Deutschland ausgegangen ist. Doch als in Camp Dillon ein Mord passiert, wird auch ihm wieder bewusst, dass der Krieg noch nicht zuende ist und einige überzeugte Nazis selbst hier im Lager noch versuchen, stets die Oberhand zu halten. Ernst begegnet Celena - ein Mädchen, dass sich bereits einem anderen versprochen hat, ein Nachbarsjunge, der gerade in Europa gegen die Deutschen kämpft - und die beiden verlieben sich fast auf den ersten Blick. Doch wie soll eine solche Liebe in diesen Zeiten funktionieren? Schnell kann eine Freundschaft zwischen Amerikanern und POWs zu ernsthaften Problemen führen, Celenas Familie könnte ihre Existenz, ihre Farm, verlieren. Besonders prekär bei der Sache ist, dass Celenas Vater selbst aus Deutschland stammt und nach dem I. Weltkrieg in die USA ausgewandert ist... Dies legt Verdächtigungen nahe, dass er sich vielleicht noch immer für seine alte Heimat engagiert - Angst vor Spionen herrscht allenorts.
Dazu kommen weitere Morde im Lager, ein ermittelnder amerikanischer Agent im Lager und ein gefährlicher Auftag für Ernst - hat ihn die Lagergestapo auf dem Kieker?

Das Buch ist spannend - nicht alleine weil mich Zeit und Ort der Handlung sehr interessieren - und gutes Lesefutter an einem Wochenende, an dem man etwas zum Weglesen braucht. Aber was ich - zugegebenermaßen - auch erwähnen muss, ist, dass es manchmal auch knapp am Kitsch vorbeischrammt. Man hätte aus diesem Thema einfach mehr machen können, als das Hauptaugenmerk auf die sich anbahnende Geschichte zwischen Ernst und Celena zu legen. Dennoch ist es mehr als eine Liebesgeschichte - es ist gute Unterhaltung! Wobei ich mich nach dem Zuklappen des Buches gefragt habe, ob eine Verfilmung nicht doch besser gewesen wäre...
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