Der Rumpf von Akif Pirinçci

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 1992 .

  • : Goldmann, 1992. 346 Seiten.

'Der Rumpf' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Mörder, dem das Kunststück des »perfekten Mordes« gelungen ist, legt seine Lebensbeichte ab: »Wer Sladek war? Und wie ich dazu kam, ihn umzubringen? Und auf welche Weise es geschah? Geduld, Geduld, ihr werdet es noch früh genug erfahren. Ich gelobe, kein noch so unbedeutendes Detail zu verschweigen. Natürlich wird mir niemand Glauben schenken, da ja, wie es sich für einen perfekten Mord gehört, keine Beweise existieren – und auch keine Zeugen mehr.«

Ihre Meinung zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

JaneM. zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 30.05.2011
Ein Mensch ohne Gliedmaßen und nahezu ohne die Möglichkeit zur eigenständigen Aktion, dem nur seine Intelligenz und Eloquenz zur Verfügung steht, plant den perfekten Mord. Das scheint zunächst vielversprechend zu klingen. Daniel, der Rumpf, wird als Baby vor einer Kirche ausgesetzt und vom Pfarrer aufgenommen. Dieser ist ein charismatischer, spleeniger und liebevoller Ersatzvater. Außerdem wird er von der Haushälterin betüddelt, die genauso schon schön wie dumm ist. Diese Harmonie wird jäh beendet, als der Pflegevater beschließt, dass Daniel fachliche Förderung benötigt. Er wird gegen seinen Willen in ein Luxusheim verfrachtet, in dem Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen leben und astronomische Forschung betreiben. Dass das so unrealistisch wie bekloppt ist, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall entwickelt Daniel zügig großen Hass auf den Anstaltsleiter. Auch diese Motivlage kommt etwas spontan- aber der perfekte Mord hat nun mal kein nachvollziehbares Motiv. Was mich bewogen hat, das Buch nach gut der Hälfte wegzulegen, war der hier vielbelobte Schreibstil Pirinccis. Ja, Pirinicci ist ein Wortvirtuose- leider muss der das dem Leser mit jedem Satz neu beweisen. Es scheint, als empfinde er es als persönliche Niederlage einmal einen klaren, metapherfreien Satz zu formulieren. So füllt sich Seite um Seite, ohne dass die Handlung einen Deut Entwicklung verzeichnet. Und eine böse, sarkastische Grundhaltung kann ja was Feines sein, aber zu viel Bosheit hebt sich mit sich selber auf und ist öde.
Es passiert mir nicht oft, dass ich einen Krimi abbreche, aber hier war derart genervt, dass mir das Ende gleichgültig war.
Marv zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 23.08.2010
Nach ein paar Felidae-Romanen und einer längeren Pirincci-Abstinenz war ich etwas skeptisch, als ich ‚Der Rumpf‘ in Händen hielt. In der ‚Ich‘-Form geschrieben, erzählt der Roman die Geschichte von der Planung und Durchführung des perfekten Mordes, durchgeführt von einem Mann mit einem Handicap: Er hat weder Arme noch Beine.
Ein skuriler und origineller Ansatz für eine Mordgeschichte, die noch getoppt wird durch seinen Protagonisten. Ein sarkastischer, zynischer ‚Rumpf‘, der bösartig sein Welt betrachtet und seine Mitpatienten diabolisch in ‚sein‘ Intrigenspiel einbaut.
Das Buch ist schockierend, boshaft, bizarr, scheint grenzwertig am ‚Guten Geschmack‘ vorbei zu schlittern. Und dennoch ist es ein Genuss das Buch zu lesen. Pirincci versteht es durch seinen Schreibstil, seine Formulierungsfreude und seine manchmal gedrechselten Sätzen den Leser in seinen Bann zu schlagen. Er hat ein wunderbares Gefühl für Wortwitz und (schwarzen) Humor, seine Dialoge haben etwas besonderes, Ansätze, die teilweise in den Felidae-Romanen erkennbar waren, in ‚Der Rumpf‘ aber ein Reifung erfahren haben. Zum Schluss flacht die Geschichte leider etwas ab, was den Gesamteindruck nicht mindern soll. Ein empfehlenswertes Buch, aber definitiv nicht ein Jedermann/frau-Buch.
mase zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 25.11.2009
Daniel wird ohne Arme und Beine geboren und darum von der Mutter verstossen. Dank seiner überdurchschnittlichen Intelligenz wird er gegen seinen Willen in eine luxuriöse Institution für Behinderte deportiert. Er hat keine Lust, sich an den Forschungsprojekten zu beteiligen und blättert lieber in Waffenzeitschriften und während ihn der penetrante Leiter weiterhin nervt, wachsen aus Neid und Perspektivlosigkeit seine Mordgelüste. Ohne Gliedmassen könnte das der perfekte Mord werden, denn wer würde ihn schon verdächtigen? Aber natürlich geht der Plot viel tiefer, als anfänglich vermutet.

Nie war die Differenz zwischen Erwartung (anhand des Klappentextes) und Gegebenheit grösser, als bei diesem Buch. Ich war der Meinung ich bekomme es hier mit einem Thriller zu tun, der geniale Bösewicht als Ich-Erzähler, mit Hass auf die Welt, weil er ohne Arme und Beine geboren wurde.
Stimmt fast alles, bis auf „Thriller“, denn „Der Rumpf“ ist eines dieser Bücher, bei denen der Autor detail- und wortverliebt ausgeklügelte Satzkonstruktionen entwirft und ab und an fehlt am Satzende die Erinnerung, wie der Satz begonnen hat. Den Genuss dieses Buches musste ich mir erst erarbeiten, bis ich mich an Pirinccis Stil gewöhnt hatte.

Mit rabenschwarzem Humor und triefend vor Sarkasmus erzählt Pirincci einen Krimi in einem Behindertenheim. Dieser Umstand weckte bei mir zwiespältige Gefühle. Zwischen Ekel, „das kann er doch nicht schreiben!“ und lauthals lachen, war alles dabei. Sehr provokant.

Die schönste Beschreibung schreibt der Autor im Buch jedoch selbst und mit diesen Zeilen ist alles gesagt:

„Tja, so ging das an Orten, wo Leute ohne Arme und Beine Mordkomplotte ausheckten, wo an Korsakow-Syndrom Erkrankte Erpresserbriefe aufsetzten, welche von Mongoloiden zu siebzigjährigen Männern transportiert wurden, die ihrerseits wiederum mit Elefantenbüchsen durch schummrige Flure schlichen, um opernkundige Professoren kaltzumachen.“

Bravo.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Olivia zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 21.01.2009
Die ironische und sarkastische Rethorik des Rumpfes (Daniels) ist von Akif Pirincci gut ausgewählt, da Daniel wohl oft sein Leben als ironisch wahrnimmt. Er wächst bei einem Pfarrer in einer Kirche auf und lernt von anfang an Gott und seine Werke kennen, trotzdem wurde er von gott so "bestraft", dass er mit einer Behinderung leben muss, was man durchaus als Ironie des Schicksals interpretieren könnte. Daher finde ich war es sehr lobenswert, dass Akif Pirincci daniel genau den Charakter und diese Ausdrucksweise zugeschrieben hat.

Was ich allerdings kritisieren würde ist, dass die Tatsache, dass Daniel irgendwann eine so große Leidenschaft für Waffen entdeckt und letztlich den perfekten Mord begehen will, nicht ganz zu dem Umstand passt, dass er in einer Kirche aufwächst. Ich persönlich glaube nämlich nicht, dass ein Mensch, der in einem "Familienverhältnis", wie das von Daniel, aufwächst, mit solchen Gedanken spielen kann. Er bekommt von Anfang an Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit und wächst bei einem Pfarrer auf, der ihm mit Sicherheit ALLES zum Thema Gott und Glauben eingetrichtert hat. Ich bind er Meinung, ein Mensch, der glaubt, würde nicht töten wollen, und wäre gegen Gewalt! Hier fidne ich, taucht ein ziemlich großer Widerspruch auf.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Peter Waldbauer (Autor) zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 03.12.2008
Origineller Mörder - kreativer Autor!

Pirinccis Leistung liegt zunächst einmal in der Idee: ein Mörder ohne Arme und Beine, ein Rumpf als Täter - darauf muss man als Krimiautor erst einmal kommen. Eine kreative Kernidee also, die so interessant ist, dass auch Nicht-Leser gereizt werden, das Buch zu kaufen. Einfach weil sie wissen wollen, wie so ein Mord funktioniert? Wie bringt ihn der Behinderte zustande?
Die dann folgende Ausführungen, die manipulativen Maßnahmen des Ich-Erzählers um seinen Widersacher zu beseitigen, sind zugegebenermaßen etwas kindisch. Der spannende Plot macht diesen Mangel allerdings wieder wett.
Die Auflösung zum Schluß ist eher enttäuschend. Unbefriedigend und auch unglaubwürdig, dass die intrigante Hauptperson die ganze Zeit über als Marionette mißbraucht worden sein soll. Man hätte sich mehr erhofft.
Das Motiv Geld, die veruntreuten 180 Millionen, wohl eher der Wunschtraum des Autors, als der eines Behinderten in vergleichbarer Situation.
Der Rumpf, der nächste Roman nach Felidae, hat mit seinem Vorgänger etwas wesentliches gemeinsam. Die intellektuell-überlegene, aber ugleich körperlich-unterlegene Position der Protagonisten. In Felidae rebelliert dr vorwitzige Francis gegen die Abhängigkeit von den Dosenöffnern, im Rumpf schikaniert der an den Rollstuhl gefesselte Daniel das Anstaltspersonal, auf das er angewiesen ist. In beiden Romanen wird in Serie gemordet. Waren es in Felidae noch idealistische, sind es im Rumpf nur noch finanzielle Gründe.
Eine Anleihe hat Pirinnci auch gemacht. Die Eingangsszene im Rumpf erinnert zu stark an Patrick Süßkinds Weltbestseller Das Parfüm: Ein Findelkind wird vor der Kirche ausgesetzt.
Der Rumpf ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch. Einfach, weil es unterhaltend ist und der Autor ein fabelhaftes Händchen für Dialoge hat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ABaum71 zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 19.08.2008
Anfangs hat dieses Buch mich durch die witzige Art des Schreibens gefesselt, man konnte immer wieder mal schmunzeln, wenn Daniel seine Lebensgeschichte mit Kommentaren garniert dem Leser serviert. Später hat mich dann noch der Sarkasmus und die spannende Erzählweise zusätzlich fasziniert.
Das ganze Buch ist spitze geschrieben und mal was anderes, nämlich eine durch Sprachwitz sich auszeichnende Story, die einen auch zum Denken anregt.
Auf jeden Fall ein sehr lesenswertes Buch, vor allem für die mittlere Generation, die nicht zu zart besaitet sein sollte, da einige Szenen doch recht blutig dargestellt werden.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 08.03.2008
Auch jenseits seiner "Katzenkrimis" hat es A.P hier geschafft, einen fulminanten Krimi zu schreiben. Die Geschichte ist höchst orginell und vor allem in ihrer Auflösung logisch. Man fragt sich schon, ob dies nicht auch wirklich möglich wäre. Und vor allem, ob es bei all der Ignoranz und Diskriminierung Behinderten gegenüber nicht eventuell sogar verständlich wäre. Aber das ist ein böser Gedanke ;-). Es ist allerdings auch ein böses Buch.
Klare Leseempfehlung.
Heaven23 zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 07.03.2008
Der Rumpf ar erstklassig. Ein wirklich atemberauendes Buch, dass es schafft verschiedene Reaktionen bei einem Leser auszulösen ! Spannung, Traurigkeit, Ekel, Verständniss und Faszination sammeln sich hier in nur einem Roman ! Erstklassig die darstellung des gesamten Buches und die Ausarbeitung der Charaktere !
Markus Heiden zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 26.08.2006
Sehr spannend geschrieben! Eine so originelle Idee sucht in der Kriminalliteratur seinesgleichen. Sprachlich sind die Romane von A. Princci immer eine Genuß. Mich hat "Der Rumpf" dazu angeregt, mich besser in die Situation von Behinderten einzufühlen.
Dr. Chè zu »Akif Pirinçci: Der Rumpf« 26.11.2005
Einer der wenigen deutschen autoren der es auch schaffen kann das junge publikum durch seine stillistische art zum lesen zu gewinnen. ein muß für freunde des sarkasmuses. fesselnd , bindend und einbeziehend bis zum schluß.
die stillistische art könnte für die ältere generation etwas gewöhnungsbedürftig sein.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 15.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Der Rumpf

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: