Toter Mann von Ake Edwardson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Nästan död man, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 9 der Erik-Winter-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 2007 unter dem Titel Nästan död man. 544 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2009. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 978-3-550-08712-7. 544 Seiten.
  • Berlin: List, 2010. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 978-3-548-60994-2. 537 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2009. Gesprochen von Boris Aljinovic. ISBN: 3899036824. 544 CDs.

'Toter Mann' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein verlassener Wagen im nächtlichen Göteborg, Schüsse auf einen bekannten Autor – nichts scheint zusammenzupassen. Doch Kommissar Erik Winter spürt, dass ein mächtiger Gegner ihn belauert. Sind diese Vorfälle Köder, die ihn auf eine bestimmte Spur locken? Oder geniale Ablenkungsmanöver? Immer tiefer gerät Winter in ein verzweigtes Netz aus Lügen und Intrigen, das ihn weit in die Vergangenheit zurückführt. Dann geschieht ein Mord und Winter muss von vorn anfangen. Noch längst hat er nicht überall Licht ins Dunkel gebracht, da fordert ihn sein Gegner zum Showdown.

Das meint Krimi-Couch.de: »Göteborg noir« 82°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Wer bei Åke Edwardson davon ausgeht, einen stinknormalen Schwedenkrimi zu lesen, ist schief gewickelt. Hier geht nichts stringent ab, hier mixt der Autor munter Perspektive, Zeit und Ort – er haut sie dem Leser gar recht um Ohren. Das ist nicht leicht zu lesen und auch nicht trivial zu verstehen. Auch wenn der neunte Fall für Kommissar Erik Winter aus Göteborg entfernt an Stieg Larssons Verblendung erinnert.

Zu Anfang jedoch gar nicht. Wir haben es in Toter Mann nichtmals mit einem Verbrechen auf den knapp ersten hundert Seiten zu tun. Winters Kollege Lars findet einen abgestellten Wagen im Zentrum Göteborgs mit laufendem Motor. Was zwar in der schwedischen Hafenstadt nicht erlaubt ist, jedoch nicht weiter schwerwiegen sollte. Wären da nicht Kugeln im Futter. Von einer Waffe, einem Schützen oder gar einem Verwundeten fehlt jede Spur.

Szenenwechsel: Irgendwo in Göteborg haust ein Romanautor, der sich mit seinem verschrobenen Nachbarn zickt. So weit, so halb so schlimm. Wäre dieser Autor nicht fest davon überzeugt, dass auf ihn geschossen worden ist. Tatsächlich findet die Kripo dafür Anhaltspunkte.

Doch es soll anders kommen: Nicht der Autor wird umgenietet, sondern der Nachbar. Und ab da beginnt für Erik Winter eine höchst komplexe Spuren-, Motiv und Tätersuche, die schlappe dreißig Jahre in die Vergangenheit führt.

Komplex ist der Ausdruck, der Toter Mann (wie eigentlich auch die anderen jüngeren Werke des Schweden), trefflich beschreibt. Es fällt lange schwer, den roten Faden zu finden. Hier taucht ein Lokalpolitiker auf, der sich im Schwulenmilieu herumtreibt und ebenso schnell spurlos verschwindet. Dort der eigensinnige Schriftsteller; hier in Ganove, mit dem man so gar nichts anzufangen weiß. Und immer wieder: Rückblenden auf ein Ereignis, das nicht ins Bild passen will.

Vergessen wir dabei nicht Erik Winter, den einst jüngsten Kommissar seiner Zunft, der nun arg mit sich zu kämpfen hat (»Der Job. Der Stress.«). Trotz seines Daseins als Familienvater geht es ihm nicht gut, ein Whisky hier, ein Cigarillo dort (»Der Job. Der Stress.«). Ein Mitarbeiter vor seinem Coming-out und Rückzug ins Nirgendwo, ein anderer Kollege mal wieder temporär verlassen von einer temporären Mutter seiner Kinder. Das Bild, dass Edwardson zeichnet, ist düster. Es will auf den ersten Kapiteln eigentlich gar nicht Tag werden, obwohl ein »Indian Summer« den Westen Schwedens in klares Licht taucht.

Glücklicherweise bleibt sich Edwardson dennoch treu und lamentiert nicht, noch lässt er seine Figuren die Schuld großartig an der ach so schlechten Welt suchen. Das Problem sind die Individuen selbst, was der Schwede durch Dialoge nah an der Wortlosigkeit veranschaulicht. Man versteht sich nicht mehr, weder sich selbst, noch sein Gegenüber. »Ich weiß es nicht«, ist die Standardantwort auf jede Frage.

Dass unterm Strich die feinst gestrickte Story am Ende doch in einem stark cineastischen Showdown mündet, ist etwas übertrieben. Aber so tut er dem Leser, der Action sucht, auch noch einen Gefallen. Ohne freilich das böse Verbrechen von vor dreißig Jahren blank zu legen. Dafür haben seine Charaktere auch genug mit sich selbst zu tun.

Winter Nr. neun ist der vorletzte Teil seiner Reihe, der letzte in Schweden bereits erschienen. Seine Romane sind welche für den zweiten Blick. Genau hinzuschauen ist nicht nicht nur erwünscht, sondern dringend erforderlich. Kein Vergleich zu jünglichen Gothik-Freaks auf Serienkillersuche. Sondern sehr durchdacht, klug aufgebaut und irgendwann muss es doch gesagt sein: leider fern vom Mainstream. Aber wer will schon mit dem Strom schwimmen.

Lars Schafft, November 2009

Ihre Meinung zu »Ake Edwardson: Toter Mann«

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uknig zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 02.04.2014
Das Werk von Ake Edwardson beginnt reichlich verhalten. Im ersten Teil ahnt der Leser höchstens, dass es sich um einen Krimi handelt. Erst langsam nimmt die Geschichte Fahrt auf, die Puzzleteile greifen halbwegs ineinander.
Aber so recht hat mich der Plot um einen Mord aus den siebziger Jahren nicht überzeugt. Vieles bleibt im Dunkeln.
Auch der Showdown zum Abschluss wirkt ein wenig aufgesetzt. Dafür erfährt der Leser viel zu viel über die privaten Probleme der Ermittler. Wenn Edwardson die Geschichte ein wenig gestrafft hätte, wäre es besser gewesen
Ahotep zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 13.12.2011
Mit einem verlassenes Auto, in dem Schüsse abgegeben wurden, das mit laufendem Motor auf einer Brücke steht, weit und breit niemand zu sehen – auch keine Leiche...und mit einem Mädchen, das sich aus einem Ferienlager zum Schwimmen davonschleicht, mit einem Autoren, der die Abgeschiedenheit und Ruhe zum Schreiben sucht und dabei massiv von seinem Nachbarn gestört wird und mit einem Drogenbaron, dessen Auto beschädigt wird, beginnt Ake Edwardson sein Buch.

Das sind zum einen etwas viele Handlungsstränge, denen zu folgen umso schwerer fällt, da der Autor wild die Erzählperspektive wechselt und in der Zeit vor und zurück springt, zudem sind sich einige Charaktere in einem sehr ähnlich: Sie alle haben furchtbare Kopfschmerzen und teilweise Gedächtnislücken!

Das ergibt zwar einerseits einen roten Faden im Buch, macht es gleichzeitig aber auch schwieriger der Handlung zu folgen.
Eine Person mit Gedächtnislücken wirkt erzähltechnisch ja recht aufregend, aber zwei und mehr sind zu viel des Guten, der Leser wird dadurch meines Erachtens so sehr verwirrt, dass es die Spannung nimmt, statt sie zu steigern!

Ähnlich zweigeteilt bewerte ich Edwardsons’ Charaktere. Er gibt ihnen zwar einerseits ein Privatleben und dadurch etwas Tiefe, allerdings leiden alle unter Beziehungsproblemen, wobei man (mit einer Ausnahme) darüber im Dunkeln gelassen wird, was genau eigentlich nicht stimmt – was die Tiefe dann wiederum doch sehr oberflächlich wirken lässt, klischeehaft.

Trotz allem entwickelt der Roman nach dem ersten Viertel dann doch einen gewissen Sog, schließlich will man ja wissen, wie all diese Handlungsstränge sich nun zu einem Bild zusammenfügen sollen.
Die Auflösung wirkt dann jedoch stark „zurechtgeschustert“, zu viele Zufälle, zu vieles wird nicht richtig klar und anderes wiederum wirkt allzu konstruiert.

Für mich bislang der schlechteste Winter!
Moehrchen zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 12.02.2011
Langeweile pur

Kriminalinspektor Lars Bergenhem findet ein verlassenes Auto mit laufendem Motor auf der Älvsborgsbrücke in Göteborg. In der Rückenlehne des Beifahrersitzes steckt eine Kugel und auf einen Autor werden Schüsse abgegeben. Kommissar Erik Winter begibt sich auf Spurensuche. Dann wird jemand umgebracht und nun geht es erst richtig los...

Åke Edwardson beginnt sein Buch damit, dass er viele Handlungsstränge öffnet und sehr schnell von einem zum andern springt. Für mich war es sehr schwer, den verschieden Strängen zu folgen, da dies mein erstes Buch des Autors war und mir somit die ermittelnden Kommissare - die sehr oft am Anfang erwähnt wurden - nicht bekannt waren, ich aber das Gefühl hatte, dass dies vom Autor vorausgesetzt wird, weshalb mein erster Eindruck schon mal recht negativ ausfiel. Dies hat sich leider auch im Laufe des Buches nicht geändert. Der Autor konzentriert sich zu sehr auf das Privatleben seiner Ermittler, die entweder krank sind oder Beziehungsprobleme haben, und vergisst die Krimihandlung voranzutreiben. Wenn sie denn mal vorangetrieben wird, dann macht jeder Ermittler was er möchte, stößt zufällig auf etwas oder macht sonst irgendeinen Unsinn.

Gefreut habe ich mich darauf, mal ein Buch zu lesen, das in Göteborg spielt aber auch hier wurde ich enttäuscht. Gerne hätte ich mehr über die Stadt und seine Bewohner erfahren aber man erfährt nicht viel mehr als deren Straßennamen, Plätze und Inseln und das leider in solch einer Ausführlichkeit, dass ich so manches mal dachte, ich würde einen Stadtplan von Göteborg lesen.

Noch nie hat mich die Auflösung eines Krimis so wenig interessiert wie die bei diesem Buch. Irgendwie plätschert alles vor sich hin und jeder macht was er will, bis es dann endlich zur Auflösung des Falles kommt, wobei diese Auflösung einen noch nicht mal dafür belohnt, dass man so lange durchgehalten hat.

Wer sich mehr für das Privatleben der Ermittler interessiert, als für die eigentlich Handlunge, der sollte bei diesem Buch zugreifen. Den anderen würde ich empfehlen die Finger von diesem Buch zu lassen, außer man sucht eine Einschlafgarantie, denn da ist man bei diesem Buch genau richtig - ich habe das am eigenen Leib erfahren.
molly zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 02.12.2010
Es könnte ein ganz guter Krimi sein. Leider hat es der Autor ganz gewaltig damit übertrieben, wirklich jeder und jedem soziale-familiäre-psychische-gesundheitliche Probleme in den Charakter zu schreiben. Leider fehlt dabei jeder Tiefgang, die Dialoge wiederholen sich mehr oder weniger ständig.
Um die Story überhaupt voran zu bringen, müssen auch noch unglaubwürdige Zufälle helfen. Edwardsons bisher schlechtestes Buch.
Kixa zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 18.05.2010
Eine Inhaltsangabe brauche ich so lange nach dem Erscheinen wohl nicht mehr voranzustellen, nur dies als heissen Tipp:

Als Hörbuch von Boris Aljinovic gelesen sind die Krimis sensationell umgesetzt!!
Seine Stimme passt perfekt und seine Intonation bringt auch die Zeitsprünge gut rüber. Eine gute Sache für alle, die sich auf Hörbücher einlassen mögen aber eigentlich die Lust an Ake Edwardson verloren haben.
lakoschd zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 01.05.2010
Mein erster Roman von Ake Edwardson und ich bin angenehm überrascht

Anfangs war es schwer, mich auf diesen Stil einzustellen, aber inwzischen bin ich schon voll begeistert und hab einerhalb von 2 Tagen das Buch schon fast gelesen
und hab sofort in der Stadtbücherei weitere Bücher von ihm bestellt :-))
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
anyways zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 08.03.2010
Am 23. Juli 1975 verschwindet der Teenager Beatrice Kolland auf Bännö, einer kleinen Insel in den Schären. Für Kinder mittelloser Familien wurden dort Sommerlager eingerichtet, die unter den Einheimischen den Spitznamen „ Lager“ trugen.

Kommissar Eric Winter und sein Team werden über 30 Jahre später wieder mit diesem Fall konfrontiert, und er scheint viel mehr an seine eigene Vergangenheit erinnert zu werden als alle anderen. Schmerzhaft sind seine heftigen Migräneanfälle, die ihm außer den üblichen Symptomen auch Bilderfetzen aus seiner Jugend zeigen, aber jedes Mal wenn er sich zu erinnern versucht entfliehen sie ihm wieder.



Eine durchaus spannende Story: Das Verschwinden eines jungen Mädchens vor langer Zeit, das zufällige Auftauchen der daran Beteiligten und die persönliche Einbindung des Hauptermittlers. Nur leider zerredet Edwardson dies alles. Auf den ersten 200 Seiten gibt es ständig konfuse Szenenwechsel manchmal bis zu dreimal auf einer Seite. Alle an der Ermittlung Beteiligten haben schwierige persönliche Probleme zu meistern deren Zusammenhang nur erfasst werden kann, wenn man alle Bücher dieser Reihe gelesen hat.

Auch das wäre nicht weiter schlimm, aber durch die Anzahl der Personen, deren Gefühle, Gedanken, Interpretationen derselben, wird die eigentliche Geschichte aus den Augen verloren, und das Buch meiner Meinung nach unnötig auf über 500 Seiten „aufgebläht“.

Ebenfalls als sehr störend empfand ich den Umgang mit den Tatverdächtigen, statt ein wenig Autorität an den Tag zu legen waren alle Kommissare darauf bedacht die Freizeit-Psychologen zu mimen und das totale Verständnis zu signalisieren.

Zum Schluss möchte ich noch die depressive Grundstimmung dieses Buches erwähnen.



Alles in Allem kein Lesegenuss für mich!
stjerneskud zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 14.02.2010
Beginnend auf einer Schäreninsel im Sommer 1975

Es war der erste Krimi, den ich von Åke Edwardson gelesen habe und sein Schreibstil hat es mir angetan. Es ist kein Buch, das man auf die Schnelle lesen kann. Man muß wach beim Lesen sein und sich nicht ablenken lassen, sonst verpasst man etwas. Außerdem sind es sehr viele Details, die auf einen einströmen. Es ist nicht im Geringsten oberflächlich, geht sehr in die Tiefe und man nimmt direkt an dem Leben der Hauptpersonen teil. Beim Lesen sinkt man immer tiefer in die Geschichte mit ein und es fühlt sich so an, als ob man mitten im Geschehen mit dabei wäre. Erst mit einer Weile fügen sich alle Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen. Allerdings fand ich die Auflösung nicht übermäßig mitreißend und auch das ganze Geschehen, das im Sommer 1975 seinen Ausgang nahm, hatte ich mir anders vorgestellt. Das Ende kam doch sehr abrupt und ich hätte zur weiteren Klärung noch ein paar mehr Seiten benötigt.

Vermisst habe ich nichts, aber es fällt mir ein wenig schwer den Krimi weiterempfehlen zu können. Manchmal habe ich auch gedacht, wenn ich mich vom ersten Band ab zu „Toter Mann“ durchgelesen hätte. Neueinsteigern würde ich dies raten, aber die klassischen Edwardson-Fans werden den neunten Band ohne Beanstandungen hinnehmen.
kleinfriedelchen zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 20.01.2010
Ein verlassenes Auto auf einer Brücke in Göteborg. Im Fahrersitz ein Einschussloch. Keine Leiche, kein Blut, keine Spuren. Der Fahrer des Autos wird schnell ermittelt. Das Auto sei ihm gestohlen worden. Szenenwechsel: Vor dem Haus seines Nachbarn werden Schüsse auf einen Schriftsteller abgegeben. War er das Ziel oder sein Nachbar? Kriminalkommissar Erik Winter lassen diese Geschehnisse keine Ruhe. Hängen die beiden Fälle miteinander zusammen? Nur langsam finden sich die einzelnen Teile des "Puzzles", wie Winter es bezeichnet, zusammen. Und alles scheint mit dem Buch des Schriftstellers zusammenzuhängen, an dem er gerade schreibt. Ein Buch über ein Mädchen, das vor vielen Jahren verschwand...

Bereits die ersten Seiten des Buches "Toter Mann" vermitteln eine triste, düstere Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht. Wobei man gar nicht so richtig festmachen kann, woran das liegt. Vielleicht am grauen Wetter, vielleicht an den unterschiedlichen Charakteren, die alle von etwas geplagt werden. Seien es grauenhafte Kopfschmerzen oder schwere Entscheidungen hinsichtlich der Beziehung zu ihrem Partner, oder auch Skrupel hinsichtlich eines Mordes.

Auch fällt der leise Ton der Erzählungen auf. Emotionen werden eher sachlich als rührselig geschildert und es gibt auch keine rasanten Actionszenen. Anfangs wollte daher bei mir nicht so recht Spannung aufkommen, aber je mehr sich die verworrenen einzelne Handlungsstränge zu einem Bild zusammenfügten, desto schneller flogen die Seiten an mir vorbei.

Ake Edwardson füttert den Leser gekonnt Stück für Stück mit Informationen über die Geschehnisse, bis man schließlich das Gesamtbild erkennt. Dabei fand ich seine Vorgehensweise, pro Kapitel immer nur kleine Episoden aus der Sicht unterschiedlicher Personen zu schildern, sehr passend, da so der Eindruck eines Puzzles entsteht, welches zu lösen ist. Nicht anders geht es Kommissar Winter, der ebenfalls immer nur Bröckchen von Informationen findet, die anfangs keinen Sinn ergeben.

Gefallen haben mir auch die komplexen Charaktere. Da ist der Dezernatsleiter Winter, der sich mit heftigen Migräneattacken quält und nicht allzu zimperlich bei seinen Ermittlungen vorgeht. Oder Inspektor Bergenhem, der seinen Job satt hat, bei dem doch immer nur die Bösen gewinnen, und den schwere Entscheidungen hinsichtlich seiner Familie plagen. Statt einer oberflächlichen schwarz-weiß-Einteilung der Personen schafft Edwardson tiefgründige, glaubhafte Charaktere.

Der Schluss war mir dann leider zu abrupt. Der Mörder ist tot und zack, ist die Geschichte aus. Ich hätte mir eine etwas detailliertere Aufklärung der Geschehnisse am Ende gewünscht, da ich das Gefühl hatte, doch ein paar Details nicht verstanden zu haben. Vielleicht klärt sich das aber beim zweiten Lesen auf.
Isa zu »Ake Edwardson: Toter Mann« 17.01.2010
Erik Winter mitsamt seinem Ermittlerteam ist wieder da.
Diesmal ermittelt er in einer anfangs sehr mysteriösen Geschichte. Ein Auto wird verlassen auf einer Brücke in Göteborg aufgefunden. Und das brisante dabei: auf das Auto wurde geschossen. Als dann in den darauffolgenden Tagen zuerst auf einen Schriftsteller geschossen und danach noch ein Mann erschossen in einer Tiefgarage aufgefunden wird und sich herausstellt, dass alle Kugeln aus der Selben Pistole stammen, ist klar, dass Erik Winter auf den Plan treten muss.
Ziemlich schnell, stellt Winter eine Verbindung zwischen dem aktuellen Fall und einem Fall vor über 20 Jahren her. Damals ist ein Mädchen aus einem Sommerlager spurlos verschwunden und bis heute konnte nicht geklärt werden, was damals passiert ist. Doch alle beteiligten Personen des neuen Falls scheinen eine Verbindung in diese Vergangenheit zu haben. Und als dann auch noch herauskommt, dass der Gangster-Boss der Drogenszene in die Vorgänge verstrickt ist, nimmt die Brisanz des Falls noch zu.

Neben dem Erzählstrang dieser Kriminalgeschichte, kommt aber auch die Entwicklung der Charaktere, die aus früheren Edwardson Krimis schon bekannt sind, nicht zu kurz. So haben die „üblichen Verdächtigen“ jede Menge privater Probleme, die das gesamte Ermittlerteam aber nur noch sympathischer machen.

Ake Edwardson versteht es, seinen Leser durch permanente Szenen- und Perspektivwechsel gründlich zu verwirren. Dadurch sind seine Bücher nicht immer ganz einfach zu lesen, aber wenn man sich darauf einlässt, wird man am Ende belohnt. Unglaublich packend und spannend verknüpft Edwardson alle Erzählstränge miteinander, bis hin zu einem (möglicherweise vorhersehbaren) Ende, das den Fall gut abschließt und auf den letzten Band der Erik Winter Reihe warten lässt. Gerade Edwardsons Erzählstil und die Charakterstärke seiner Figuren, machen seine Krimis so unverwechselbar
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