Der Himmel auf Erden von Åke Edwardson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Himlen är en plats på jorden, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Claasen.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 5 der Erik-Winter-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 2001 unter dem Titel Himlen är en plats på jorden. 446 Seiten.
  • München: Claasen, 2002. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 3-546-00294-6. 463 Seiten.
  • München: List, 2004. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 3-548-60413-7. 463 Seiten.
  • Berlin: List, 2006. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 978-3-548-60674-3. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Ullstein, 2004. Gesprochen von Manfred Zapatka. Regie: Gabriele Kreis. ISBN: 3-550-09105-2. 5 CDs.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2004. Gesprochen von Manfred Zapatka. Regie: Gabriele Kreis. ISBN: 3898307409. 5 CDs.

'Der Himmel auf Erden' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Seltsame Überfälle in der Göteborger Innenstadt, entführte Kinder und eine Menge scheinbar unbrauchbarer Hinweise: Kaum ist Kommissar Erik Winter nach seinem Vaterschaftsurlaub an den Schreibtisch zurückgekehrt, wird er mit schlimmen Verbrechen konfrontiert.

Das meint Krimi-Couch.de: »Keine Frage – ganz starke Kriminalliteratur« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Kommissar Erik Winter, einer der jüngsten in ganz Schweden, kommt aus dem Erziehungsurlaub zurück in den Dienst. Töchterchen Elsa geht es gut, Freundin Angela ist zufrieden. Winter auch. Bis der Job in wieder voll vereinnahmt. In Göteborg wecken vier Fast-Morde die Aufmerksamkeit der Polizei. Vier Studenten wurden nachts auf ihrem Nachhauseweg zusammengeschlagen. Keiner hat den Täter gesehen, nichtmal kommen gehört. Aber alle haben einen Schlag mit einem harten Gegenstand auf den Hinterkopf bekommen. Lebensgefährlich, doch für keinen der vier jungen Männer tötlich. Allerdings: Sie sind gezeichnet. Mit einem Kreuz, den der Schlag auf ihren Köpfen hinterlassen hat.

Gleichzeit geschehen Fast-Verbrechen: Mehrere Eltern erstatten Anzeige, dass ihr Kind von einem »Onkel« mitgenommen wurde. Ihnen fehlt jedoch nichts, weswegen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Vierjährigen bei Eltern und Polizisten aufkommen. Bis schließlich ein Kind schwer verletzt aufgefunden wird. Auch es berichtet von diesem Onkel, der es mit Bonbons gelockt und mit dem Auto vom Kindergarten abgeholt hat. Die Göteborger Kriminalisten um Kommissar Erik Winter sind in diesem Fall genau so ratlos wie bei den Studenten.

Eine heiße Spur hinauf aufs Land

Der Hinweis des zuletzt betroffenen Studenten, dass es sich bei der Tatwaffe wohlmöglich um ein Brandeisen gehandelt hat, erweist sich als heiße Spur hinaufs aufs Land. Dorthin, wo die Felder und der Himmel endlos scheinen. Dorthin, wo sich eine schreckliche Familientragödie mit grauenvollen Konsequenzen abgespielt hat. Dorthin, wo die Fäden der zwei Fälle zusammenlaufen …

Ich habe »Der Himmel auf Erden« – wie übrigens Edwardsons Erstling Tanz mit dem Engel – in einem Stück durchgelesen. Das will was heißen, für andere Bücher brauche ich Wochen. Aber Edwardson hat einen unglaublich süchtig machenden Stil. Kurze Kapitel, treffende Sätze. Perspektivwechsel. Der Wissensvorsprung des Lesers. Nervenkitzel, der ohne bluttriefende Sätze auskommt. Und dazu ein Spannungsbogen, der es unmöglich macht, sich um irgendetwas anderes zu kümmern, als dieses Buch zu lesen. Zu verschlingen. Die Atmosphäre aufzunehmen. Und zu verstehen.

Nichts wirkt geschustert, erzwungen und aufgedrängt

Denn: Nichts, aber auch gar nichts in »Der Himmel auf Erden« wirkt geschustert, erzwungen, aufgedrängt. Im Gegenteil: Der Titel hängt zusammen mit den im Buch oft zitierten U2-Songs (heaven is a place on earth ), die ihrerseits mit der Hoffnung der Ermittler auf eine bessere Welt, die der Mörder wiederum nur im Himmel zu finden glaubt und wo er schlussendlich auch landet – gar nicht mal ausschließlich symbolisch gemeint.

Sogar die beiden Handlungsstränge der Verbrechen an den Studenten und der Kidnappings, so unterschiedlich und unzusammenhängend sie anfangs auch wirken, verknüpft Edwards zu einem logischen wie tiefdunklen Netz, das kleine Einblicke in die abgrundtiefe Psyche der Menschen bietet.

Das gesellschaftskritische Thema: Väter und ihre Kinder

Natürlich darf in einem skandinavischen Krimi dabei eine gewisse Portion Gesellschaftskritik nicht fehlen. Tatsächlich entdeckt der aufmerksame Leser, dass sich ein Thema parallel zur eigentlichen Handlung über alle gut 460 Seiten erstreckt: Die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern. Erkennt man dies, bekommt jede Bemerkung Erik Winters, die Randepisode um seinen Kollegen Bertil Ringmar, den sein Sohn jahrelang nicht sprechen wollte, ja sogar die Motive hinter den Verbrechen einen zusätzlichen, nachdenklich stimmenden Sinn.

Dazu gelingt es Edwardson glücklicherweise, seinen in den ersten Romanen noch recht trockenen, fast eindimensional geschilderten Figuren, Leben einzuhauchen. Vom streng analytischen Snob Erik Winter sind nur seine gute Kleidung und die Zigarillos übrig geblieben. Er ist ein sympatischer Familienmensch geworden, der Gefühle zeigt. Der weint. Wenn auch nur mit ordentlich Whisky und hinter der Sonnenbrille. Sein grimmiger Kollege Halders wirkt trotz seiner großen Schnauze verletztlich und dadurch insgesamt schon beinahe liebenswert. Der ansonsten blasse Kollege Bertil Ringmar wird zu Winters bestem Freund. Es menschelt endlich auch bei Edwardson.

Edwardson ist aus dem Schatten Mankells herausgetreten

Fasst man diese Punkte zusammen, muss man konstatieren, dass es Ake Edwardson geschafft hat, aus dem Schatten Henning Mankells heraus zu treten. Alle Wallander-Fans, die ihren Kommissar vermissen, dürfen aufatmen. Erik Winter ist nun nach seinem 5. Fall ein mehr als würdiger Nachfolger. Keine Frage: »Der Himmel auf Erden« ist Edwardsons bisher bester Roman. Ganz starke Kriminalliteratur. That´s what I like.

Lars Schafft, September 2002

Ihre Meinung zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Verena zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 04.11.2014
Edwardson ist nie auch nur annährend im Schatten, geschweige denn auch auch nur in der Nähe Mankells gestanden, dazu fehlt es ihm an Können.. Er verzettelt sich ständig, und bringt unsinnige wirre Metaphern. Teilweise verschachtelt er einfachste Vorgänge so derart in Satzungetüme, dass man nicht mehr weiß, was genau jetzt eigentlich passieren soll.. Nachdem man dann drei Seiten zurückgeblättert und immer wieder nachgelesen hat, kommt man drauf, dass es eigentlich nur um eine Zeugenbefragung ging. Das passierte mir ständig in diesem unsäglichen Buch, Band 2 der Winter-Reihe, Titel aus dem Gedächtnis gelöscht.

Fazit: Edwardson sollte nicht so derart gehyped werden, nur weil er Schwede ist und Kriminalrome schreibt!

Was für eine Wohltat, dass ich derzeit Koma von Jo Nesbo lese.. Nesbo ist gnadenlos gut und talentiert.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Matthias Böhm zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 07.08.2013
Ich habe das Buch nicht gelesen, sondern es nur als Hörbuch, vorgelesen von Matthias Brandt, gehört. Ich kann mich leider den meisten Meinungen hier nicht anschließen. Der Stil und Inhalt haben mich schwer enttäuscht. Ich bin begeistert von Autoren wie Nesbo, Adler-Olsen, Keppler usw. und vielleicht hatte ich etwas anderes erwartet aber ich fand den Verlauf der Geschichte unglaublich langatmig und sehr zäh. Besonders die Gespräche zwischen Winter und Ringmar fand ich extrem ermüdend. Mir hat einfach die Spannung gefehlt und das trotzt toller Leistung von Matthias Brandt.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
wallilanda zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 12.12.2010
Kann nur etwas zum Hörbuch sagen, wollte das Thema eigentlich nicht hören (Kindesmissbrauch), der Matthias Brandt liest so einfühlsam vor und
es ist auch ein sensibles Buch, dass mit
dem Täter mifühlen lässt, natürlich vor allem die Angst um die Kinder,klar.
Nervenzerreissend spannend ist es nicht,
aber sehr lesenswert bzw hörenswert.
d.xilef zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 03.04.2010
Sollte ich (grade für die neuen "Edwardson-Leser") ein Ranking angeben, sähe es wie folgt aus:

1. Toter Mann
2. Der Himmel auf Erden
3. Tanz mit dem Engel

Nicht zu Unrecht steht auf dem Umschlag des neuen Edwardson-Romans "Der beste Winter aller Zeiten"! Obwohl mich bis auf "Tanz mit dem Engel" und "Der Himmel auf Erden" die Edwardsons-Krimis nie sooo "geflasht" haben, wie z.B. die alten Elisabeth George, Hakan Nesser, die kompletten Jo Nesbo und grade auch die Arne Dahl Romane durchgehend gefesselnd haben, habe ich ihm die Treue gehalten! Irgendetwas an seiner Schreibweise; grade aber auch die Methamorphose von Erik Winter interessieren mich seit der ersten Stunde.
UND ENDLICH: TOTER MANN verkörpert wirklich ALLES, was ich mir von einem Edwardson-Roman erwünschen kann! Toller, spannender Plot, diverser Weiterentwicklungen in den jeweiligen (im privaten Bereich, aber auch innerhalb des Teams) Beziehungen des Ermittlerteams, subtile Gesellschaftskritik (nicht so wie bei Mankell mit dem erhobenen Zeigefinger)...,
ach, einfach ALLES.
pescheg zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 12.02.2009
«Der Himmel auf Erden» hat mich, wie alle vorherigen Romane der Erik Winter-Reihe, nur wenig begeistert. Ist der eine Teil der Handlung – die Jagd nach einem Kindsentführer – einigermaßen spannend, verbreitet der andere Teil – vier seltsame Überfälle auf Studenten – nur Langeweile.

Kommissar Winter ist mit seiner ewigen Sorge um seine kleine Tochter rührend. Und der überall lauernde Entführer wirkt gleichzeitig gefährlich und mitleiderregend. Beim Blick in die Psyche der Figuren liegt Edwardsons Stärke. Da vergisst man schnell den unbefriedigenden Aufbau und die vielen Längen des Romans. Man wünscht sich aber schon, dass der Verlag oder der Autor das Manuskript nochmals überarbeitet und den Roman um 100 Seiten gekürzt hätte.
marry16 zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 25.09.2008
ich als edwardson-fan kann mal wieder nur begeistert weitergeben, dass sich die anschaffung dieses buches lohnt. normalerweise würde ich die nordischen krimis nicht gerade zu meinen liebsten zählen, auch mit mankell konnte ich nichts anfangen, doch von erik winters geschichten kann ich nicht genug bekommen. sicher nicht jeden geschmack treffend arbeitet der autor mit wunderschön melancholischen aber liebenswerten bildern und selten entdeckt man romane deren charaktere so selbstverständlich real wirken, dass man von ihnen fast als "bekannte" sprechen könnte. ein muss!
Giovanna Lombeck zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 23.11.2007
Ich bin froh, dass Winter ein bisschen menschlicher wird. Diese betonte Einsamkeit und Bindungsunfähigkeit gepaart mit Winters ständiger Geilheit haben mich zu Beginn doch eher angestrengt. Ich bin keineswegs auf der Suche nach dem perfekten "Papi-Komissar" mit der privaten Familienidylle, ich habe auch lieber die leicht "kaputten" Typen. Aber dieser geschniegelte Womanizer der ersten Bände, der Frauen nur zum Druckausgleich braucht (was m. E. gar nicht zu seiner sonstigen schöngeistigen Art passt), ist mir mit der Zeit doch auf die Nerven gegangen. Deswegen bin ich froh um ein wenig zu viel Idylle und Beschützerinstinkt!
Maexchen zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 20.07.2007
Mein zweiter Erik Winter Roman nach dem großartigen "Zimmer Nr.10" und nur minimal schwächer.
Dieser Krimi besitzt drei große Stärken:
Zum Einen die allgemeinen Gedanken der Serienhelden über das Leben ansich , die mich zwischendurch immer wieder aus der Story herausgetragen haben, weil sie einfach so viel mehr leisten, als einfache Unterhaltung, wie sie ein Großteil von Büchern "nur" leistet.
Hier fühlte ich mich an die 3 "Blick zurück in die Jugend" Romane von Nesser erinnert.
Zweitens der trockene, facettenreiche Humor, der häufig eher unvermittelt eingestreut wird und den Ermittlungen bzw. dem Umgang der Polizisten untereinander eine große Prise Realität einhaucht.
Stärke Nummer 3 ist ganz klar das Ende (und damit meine ich die beiden letzten Seiten), wodurch das Werk einfach im Kopf des Lesers hängenbleibt.
Der Inhalt lebt davon, dass man lange nicht weiß, wie die zwei Handlungsstränge zusammenhängen und wie sich gewisse Einzelheiten wohl einfügen werden.

Edwardson ist sicher kein Fast-Food-Autor, aber wer sich auf seinen Stil einlässt, bekommt auch in diesem Buch ein Krimimahl der gehobenen Klasse serviert.
klein_my zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 19.02.2007
Ich fand das Buch ganz gut, obwohl ich mich wie einige sicher auch, gefragt habe was diesse beiden fälle direkt miteinander zu tun haben. vielleicht waren auch die personenbezogenen probleme ein wenig störend, aber im großen und ganzen ein sehr spannendes und bewegendes buch.
Jens zu »Åke Edwardson: Der Himmel auf Erden« 02.04.2006
Dieses Buch ist in der Hitliste der "Kommissar-Winter-Reihe" ziemlich weit oben anzusiedeln! Es gelingt Edwardson sehr gut, die richtige Atmosphäre zu schaffen. Um der Entwicklung der Story im privaten Bereich folgen zu können, muss man aber wohl schon die vorigen Bücher der Reihe kennen.
Die Art, wie am Ende alles zusammengeführt wird ist wirklich ein bisschen arg konstruiert, dieser Minuspunkt lässt sich aber verschmerzen, da wirklich das ganze Buch über die Spannung gehalten wird.
Erinnert hat mich dieser Fall ein bisschen an Mankells "fünfte Frau". Ähnlich wie da, ist dieses Buch kein klassischer Krimi im Sinne von "Whodunnit" sondern eher ein "Whyhedunnit".
Insgesamt ein fesselndes Buch - 92° von mir!

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 22.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Der Himmel auf Erden

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: