Agatha Christie

Agatha Christie

Agatha Christie wurde am 15. September 1890 als Agatha Clarissa Miller in Torquay geboren. Ihre Eltern Frederick und Clarissa Miller hatten bereits zwei Kinder. Margaret Frary (gen. Madge) wurde im Januar 1879 in Torquey geboren und Louis Montant (gen. Monty) kam im Juni 1880 in New York auf die Welt.

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Agatha lernte schon sehr früh lesen, was ihrer Mutter überhaupt nicht gefiel. Clarissa Miller war der Meinung, dass kein Kind vor acht Jahren lesen lernen sollte. Doch Agatha ließ sich von ihrem Kindermädchen Laden- und Straßenschilder vorlesen, was allerdings für ihre späteren Rechtschreibkünste nicht förderlich war.

Agatha hatte kaum Spielkameraden und langweilte sich oft. Zum Zeitvertreib aß sie sehr gerne. Dies wirkte sich auch auf ihre zukünftigen Romane aus, die sie oft mit Dinnern mit besonderen Speisen bestückte.

Als Agatha elf Jahre alt war, starb ihr Vater. Dieses Ereignis betrachtete sie als einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben und als Ende ihrer Kindheit. Durch den Tod des Vaters wurde die finanzielle Situation der Familie schwierig. Doch konnte sie trotzdem in den folgenden Jahren mehrere Mädchenpensionate in Frankreich besuchen.

Agatha wollte sich gerne als Opernsängerin ausbilden lassen, doch hatte sie dafür eine zu schwache Stimme. So nimmt sie den Vorschlag ihrer Mutter an und versucht es mit Geschichten schreiben. Ihr erster Romanversuch »Snow upon the desert« wurde nie veröffentlicht.

Belgische Flüchtlinge wirken inspirierend

1912 lernte Agatha auf einem Ball Archibald Christie kennen, der im ersten Weltkrieg an der französischen Front dienen musste. Während eines Kurzurlaubs im Winter 1914 heirateten die beiden an Heilig Abend. Gemeinsam zogen sie nach London. Agatha arbeitete in einer Krankenhausapotheke und vertiefte ihre Kenntnisse im Bereich der verschiedenen Gifte. Zu dieser Zeit schrieb sie ihren ersten Giftmord-Roman. Nur der Detektiv fehlte ihr noch. Die vielen belgischen Flüchtlinge brachten sie auf die Idee. Es sollte ein Belgier sein. Ordnungsliebend und mit vielen grauen Zellen. Hercule Poirot wurde geboren, der seine Fälle mit Logik und Rationalität löst.

Das Manuskript schickte sie im Jahre 1917 an den Verleger John Lane. Dann geriet es erst einmal in Vergessenheit, da am 05. August 1919 ihre Tochter Rosalind Margaret Clarissa geboren wurde. Doch 1920 erhielt sie einen Brief, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass ihre Geschichte als The Mysterious Affair at Styles (dt. Das fehlende Glied in der Kette) veröffentlicht werden sollte.

Als sich die Familie in einer finanziellen Notsituation befand, schlug Archibald vor, dass sie doch noch einen Roman schreiben solle. Sie schrieb einen abenteuerlichen Geheimdienstroman mit dem Titel »The secret adversary« (dt. Ein gefährlicher Gegner). Die Hauptpersonen sind ein junges Paar, Tommy und Tuppence Beresford, die im Auftrag eines geheimnisvollen Mr. Brown, ein verschwundenes Dokument suchen.

In den folgenden Jahren wechselte sie den Verlag. Sie fühlte sich betrogen, da sie nur einen Bruchteil der Einnahmen erhielt. Sie suchte sich einen Agenten, der ihre Interessen vertreten sollte und fand ihn in Edmund Cork. Nach Beendigung ihres Vertrages wechselte sie zum Collins-Verlag und blieb ihm, sowie ihrem Agenten die nächsten 50 Jahre treu. Das erste Buch unter ihrem neuen Verleger schrieb sie 1926. Es hieß The Murder of Roger Ackroyd (dt. Alibi) und wurde eines ihrer bekanntesten und erfolgreichsten Bücher.

Im Frühjahr 1926 starb ihre Mutter an einer Bronchitis. Das war ein schwerer Schock für sie. Und auch im Privatleben gab es Probleme. Häufig hatte sie Auseinandersetzungen mit ihrem Mann. Schließlich zog er in eine andere Stadt und gab zu eine andere Frau zu haben.

Diese Ereignisse führten im Dezember 1926 zu den »eleven missing days«. Agatha Christie war elf Tage spurlos verschwunden. Ihr Wagen wurde in einem Straßengraben verlassen aufgefunden. Hunderte Polizisten und tausende freiwilliger Helfer waren auf der Suche nach Agatha Christie.

Schließlich fand man die Vermisste wohlbehütet in einem Hotel in Harrogate. Was genau in dieser Zeit geschehen war, bleibt bis heute ein Geheimnis. Auch in ihrer Autobiographie schrieb sie nicht, was sie in dieser Zeit fühlte und dachte. Man nahm an, dass sie an einem kurzzeitigen Gedächtnisverlust litt.

Es folgte eine schwere Zeit für Agatha. Trost fand sie bei ihrem Rauhhaaardackel Peter. Die Ereignisse stürzten sie nicht nur in eine psychische, sondern auch in eine finanzielle Krise. Sie sah sich nicht in der Lage, einen Roman zu schreiben und stückelte schließlich aus 12 Poirot-Geschichten »Die großen Vier« zusammen.

Im Jahre 1928 ließ sich Agatha von ihrem Mann Archibald scheiden. In diesem Jahr wurden auch schon die ersten Filme nach ihren Romanen und »The murder of Roger Ackroyd« auf der Bühne bearbeitet.

Im Herbst desselben Jahres reiste sie mit dem Orient-Express nach Bagdad. Er diente ihr als Kulisse für ihren späteren Roman »Mord im Orient-Express« (Auch veröffentlicht als »Der rote Kimono«).

Die Großmutter als Vorlage

Nun schuf sie ihre zweite berühmte Hauptfigur: Miss Jane Marple. Agathas Oma diente ihr als Vorlage für Miss Marple, z.B. erwartete ihre Oma, genauso wie Miss Marple, von allem das Schlechteste und meistens stellten sich diese Vorahnungen als berechtigt heraus. Miss Jane Marple löst ihre Fälle mit Intuition und Einfühlungsvermögen. Genauso wie Hercule Poirot hat sie kein Familienleben. Auch Agatha Christie selbst hat sich als Vorbild für eine Romanfigur gesehen. Sie selbst ist das Spiegelbild von Ariadne Oliver. Sie ist auch Kriminalschriftstellerin und isst gerne Äpfel in der Badewanne.

Finanziell ging es Agatha nun besser. Sie kaufte sich ein Haus im Londoner Stadtteil Chelsea. Sie nahm an vielen Ausgrabungen teil, unter anderem auch in Griechenland und Syrien. Sie lernte 1930 Max Mallowan, einen 15 Jahre jüngeren Archäologen, kennen. Nach langem Zögern heirateten sie. Die folgenden Jahre, bis 1947, wurden als ihre »Blütezeit« bezeichnet. Sie schrieb zahlreiche Romane. Am 21. September 1943 wurde Agathas Enkelkind Mathew geboren.

Agatha Christie macht auch am Theater Karriere. Aufgrund negativer Erfahrungen, beschloß sie ihre Stücke nur noch selbst für die Bühne zu bearbeiten. So kam es auch am 25. November 1952 zur Uraufführung des Stücks »The Mousetrap« (dt. Die Mausefalle), welches seitdem nonstop in England zu sehen ist. Im Dezember 2000 feierte das Stück seine 20 000. Aufführung.

Agatha Christie schrieb rund 70 Kriminalromane und unter dem Pseudonym Mary Westmacott veröffentlichte sie sogar sechs Liebesromane. Ihre Kriminalromane und -geschichten wurden ungezählte Male für Kino und Fernsehen verfilmt.

Im Jahre 1970 erschien zu ihrem 80. Geburtstag das Buch »Passengers to Frankfurt«. Dieses Buch wurde noch nicht ins Deutsche übersetzt. Es geht darin um eine faschistische Geheimorgansation, die die Weltmacht anstrebt. Agathas Vertraute waren fast alle über das Buch entsetzt, doch es traf den Nerv der Zeit und es verkaufte sich unerwartet gut.

Agatha Christie wurde 1950 in die Londoner Akademie der Wissenschaften aufgenommen. In den darauffolgenden Jahren erhielt sie noch weitere Ehrungen, u.a. wurde ihr der »Grand Masters Award of the Mystery Writers of America« im Jahre 1954 verliehen. Sie bekam den Orden des Britischen Empire (1956), die Ehrendoktorwürde der Universität Exeter (1961) und wurde in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett 1972 aufgenommen. Außerdem erhält sie 1971 den Titel »Dame of the British Empire«, d.h. sie darf sich Dame Agatha nennen, gleichzeitig trägt sie auch den Titel Lady Mallowan, da ihr Mann in den Ritterstand erhoben wurde.

Am 12. Januar 1976 starb Agatha Christie in Winterbrook House. In den folgenden zwei Jahren wurden noch zwei Bücher veröffentlicht. Der letzte Fall von Hercule Poirot »Curtain« (dt. Vorhang) in dem er stirbt und der letzte Fall von Miss Marple »Sleeping Murder« (dt. Ruhe unsanft) welches in ihrem Todesjahr erscheint. Beide Bücher lagen über Jahrzehnte in ihrem Schreibtisch. (brls)

Krimis von Agatha Christie:

Anmerkung: Die Inhalte der Story-Sammlungen überschneiden sich teilweise.

Als Mary Westmacott:

In Deutschland erschienene Kurzgeschichten-Sammlungen (Auswahl):

Mehr über Agatha Christie:

  • Bunson, Matthew: The Complete Christie: An Agatha Christie Encyclopedia. New York, London: Pocket, 2000.
  • Osborne, Charles: The Life and Crimes of Agatha Christie. London: Collins, 1982.
  • Panek, LeRoy Lad: »Agatha Christie«. In: LeRoy Lad Panek: Watteau´s Shepherds: The Detective Novel in Britain 1914-1940. Bowling Green, Ohio: Bowling Green University Popular Press, 1979.
  • Sova, Dawn B.: Das große Agatha-Christie-Buch: Ihr Leben und ihre Romane von A bis Z. Frankfurt am Main: Scherz, 2006.
  • Thompson, Laura: Agatha Christie: das faszinierende Leben der großen Kriminalschriftstellerin . London: Headline, 2007; dt. Ausgabe: Frankfurt: Scherz, 2010. 
  • Wagstaff, Vanessa; Stephen Poole: Agatha Christie: A Reader´s Companion. London: Aurum Press, 2004.

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