Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein von Agatha Christie

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1939 unter dem Titel Ten little Niggers or the Last Weekend, deutsche Ausgabe erstmals 1944 bei Scherz.

  • London: Collins, 1939 unter dem Titel Ten little Niggers or the Last Weekend. 252 Seiten.
  • New York: Dodd, Mead & Company, 1940. 264 Seiten.
  • New York, Los Angeles: Samuel French, 1946. 248 Seiten.
  • Bern: Scherz, 1944 Letztes Weekend. Übersetzt von Anna Katharina Rehmann. 248 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Ullstein, 1958 Letztes Weekend. Übersetzt von F. Frank. 190 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1985 Zehn kleine Negerlein. Übersetzt von Ursula Gail. 193 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1990 Zehn kleine Negerlein. Übersetzt von Ursula Gail. ISBN: 3-502-19965-5. 252 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1997 Zehn kleine Negerlein. Übersetzt von Ursula Gail. ISBN: 3-502-79100-7. 193 Seiten.
  • Bern: Scherz, 1999 Zehn kleine Negerlein. Übersetzt von Sabine Deitmer. ISBN: 3-502-51004-0. 193 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 2001 Zehn kleine Negerlein. Übersetzt von Sabine Deitmer. ISBN: 3-502-51767-3. 222 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2003 Und dann gabs keines mehr. Übersetzt von Sabine Deitmer. ISBN: 3-502-51937-4. 223 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2004 Und dann gabs keines mehr. Übersetzt von Sabine Deitmer. ISBN: 3-502-79371-9. 223 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2006 Und dann gabs keines mehr. Übersetzt von Sabine Deitmer. ISBN: 978-3-596-17404-1. 223 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2009 Und dann gabs keines mehr. Übersetzt von Sabine Deitmer. ISBN: 978-3-596-51114-3. 319 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2003 Da waren es nur noch neun. Gesprochen von Christian Hoening. gekürzte Fassung von Kati Nicholl; aus dem Englischen von Anja Hansen-Schmidt. ISBN: 389940338X. 3 CDs.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2006 Und dann gabs keines mehr. Gesprochen von Christian Hoening. Regie: Caroline Neven Du Mont. ISBN: 3899407792. 3 CDs.
  • [Hörbuch] Marburg: Verl. und Studio für Hörbuchproduktionen, 2007 Und dann gabs keines mehr. Gesprochen von Manfred Fenner. ungekürzt. ISBN: 3896143794. 5 CDs.

'Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Zehn Männer und Frauen unterschiedlicher Herkunft erhalten eine Einladung, die sie auf eine abgeschiedene Insel lockt. Dort beschuldigt sie ihr unsichtbarer Gastgeber diverser gut vertuschter Kapitalverbrechen und kündigt ihren Tod an. Einen Gast nach dem anderen ereilt dieses Schicksal, während die schrumpfende Schar der Überlebenden verzweifelt versucht, den Mörder zu finden und auszuschalten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Tödliche Rätselraten in bizarrer Kulisse – ein Hochkaräter« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Wer ist Mr. Ulick Norman Owen? Diese Frage stellt sich nicht nur die Presse, die verzweifelt versucht, den sagenhaft reichen, aber chronisch unsichtbaren Mann zu fassen. Auch zehn Männer und Frauen, die von Herkunft und Lebensart verschiedener nicht sein könnten, möchten gern mehr wissen. Besagter Mr. Owen hat sie auf ein Wochenende am Meer eingeladen. Vor einiger Zeit erwarb er »Nigger Island«, eine Insel vor der Küste der englischen Grafschaft Devon, die von einem feudalen Landsitz gekrönt wird.

Sehr schön und luxuriös ist es hier, aber leider auch recht abgeschieden. Es gibt keine regelmäßige Fährverbindung zum Festland. Das wird fatal für unsere zehn Gäste, die eben doch eine Gemeinsamkeit aufweisen: Sie alle hüten ein düsteres Geheimnis. In ihrer Vergangenheit haben sie sich diverser Verfehlungen und Verbrechen schuldig gemacht, die indessen unentdeckt und folglich unbestraft blieben.

Kein Entrinnen möglich

Der mysteriöse Mr. Owen hat irgendwie davon erfahren. Er, der weiterhin unsichtbar bleibt, kündigt Gerechtigkeit an. Ohne die Möglichkeit der Flucht sollen die Zehn ihre Strafe erwarten, die stets mit dem Tod identisch ist. Auf Nachsicht können die »Gäste« nicht zählen. Einen nach dem anderen ereilt das Ende, das perfiderweise vom alten Kinderreim »Zehn kleine Negerlein« inspiriert ist, der gut sichtbar in jedem Zimmer ausgehängt ist.

Verzweifelt suchen die Verfolgten nach einer Fluchtmöglichkeit. Doch es gibt kein Boot, das Fährschiff lässt sich nicht mehr blicken. Also ergreift man die Flucht nach vorn und durchsucht die Insel nach dem Versteck, in dem Owen sich zwischen seinen Untaten verborgen halten muss. Als dies ohne Ergebnis bleibt, dämmert der Gruppe die schreckliche Wahrheit: »Owen« muss einer der ihren sein! Als potenzielles Opfer hat er die beste Tarnung. Fortan belauert und verdächtigt man einander, während die Zahl der "Negerlein” weiter drastisch abnimmt …

Am Gängelband der Madam Christie

Seit jeher wird gegen den »Whodunit«, jene Variante des Kriminalromans, der sich dem »Wettkampf« zwischen Autor und Leser auf der Suche nach dem Täter verschrieben hat, der Vorwurf erhoben, er vernachlässige die schlüssige psychologische Zeichnung seiner Figuren und ihrer Motive zugunsten einer ausgetüftelt konstruierten, aber letztlich mechanischen Handlung, die nur den »Fall« und dessen Lösung in den Vordergrund stelle.

Dem kann grundsätzlich zugestimmt werden, bloß: Was ist eigentlich dagegen einzuwenden? Gar nichts, wie uns Agatha Christie allein mit dem hier vorliegenden Werk belegt. Sie gibt niemals vor, eine »realistische« Geschichte zu erzählen, sondern füllt ein reizvolles Gedankenspiel mit literarischem Leben.

Ein isolierter Ort, eine überschaubare Gruppe, keine Möglichkeit zur Flucht oder zum heimlichen Eindringen der Außenwelt. Trotzdem ereignen sich diverse Morde. Wie kann das angehen? Die Zahl der Möglichkeiten ist begrenzt, sie werden von der Autorin konsequent durchgespielt.

Ihre Kunst besteht nun darin, dem Leser diese Möglichkeiten schlüssig vor Augen zu führen. Sieh genau hin, keine Tricks, du kannst meine Hände sehen – und trotzdem werde ich dich täuschen! So gelingt es auch Agatha Christie: Sie überzeugt uns, dass »Nigger Island« ein Ort ohne geheime Kammern und Verstecke ist. Trotzdem sterben die Besucher.

Morden nach Reimen

Wie kann das geschehen? Christie versteckt eben doch ein As im Ärmel. Sie beherzigt die höchste Pflicht des Whodunit-Meisters: Verkaufe dein Publikum niemals für dumm, aber sei stets schlauer als es! Folgerichtig gibt es noch eine Lösung, an die möglichst niemand gedacht hat. Sie ist gelinde gesagt kompliziert und verrückt, aber sie ist gleichzeitig absolut logisch (und soll hier selbstverständlich nicht verraten werden).

Um sich die Aufgabe noch zu erschweren, aber auch um den Unterhaltungswert zu steigern, lässt Christie ihren Mr. U. N. Owen (= »Mr. Unknown«, »Mr. Unbekannt« also) nach Vorgabe eines alten Kinderreim morden. Zehn Gäste = »Zehn kleine Negerlein« – und wer besagten Reim kennt, der weiß um die reichlich morbiden Todesarten, die hier fröhlich besungen werden!

Und wieder will’s keine/r gewesen sein …

Wer ist’s gewesen? Diese Frage beschäftigt den Leser, dessen Neugier sich steigert, je mehr »Gäste” ins Gras beißen müssen. Die Mechanik der Handlung führt dazu, dass die Figuren als Individuen weniger wichtig sind denn als Gruppe von Verdächtigen. Christie zeichnet sie deshalb mit deutlichen, aber flüchtigen Strichen: Die Männer und Frauen auf «Nigger Island” bleiben uns fremd. Wir müssen und sollen sie auch gar nicht näher kennen lernen. So verharren wir in derselben Unsicherheit wie sie selbst: Jede/r ist verdächtig!

Obwohl Agatha Christie in ihrer langen Karriere vielleicht zu viele »Whodunits” schrieb oder sogar «produzierte”, ist sie auch dafür berühmt geworden, mehrfach mit den Regeln dieses Genres »gespielt” und sie mehrfach in ihr Gegenteil verkehrt zu haben. «Mord im Orient-Express” (»Murder on the Orient Express”, 1934) und «Tod in den Wolken” (»Death in the Clouds”/”Death in the Air”, 1935) zählen zu den bekannten Beispielen, aber auch der vorliegende Roman gehört dazu.

Hier steckt nicht eine Gruppe Unschuldiger in Schwierigkeiten. Die Zehn sind in der Tat Mörder oder haben durch Leichtsinn oder Pflichtvergessenheit den Tod anderer Menschen verursacht. Sie alle leugnen es zunächst, gestehen es später aber ein. Diese Offenheit geht einher mit dem allmählichen, dann immer rascher ablaufenden Verfall gesellschaftlicher Etikette. Was zunächst eine zugeknöpfte Schar fremder Menschen war, zerfällt archaisch in ums Überleben ringende, einander misstrauende, Bündnisse knüpfende und wieder verwerfende, zunehmend jede Maske fallen lassende Einzelkämpfer. Dieser Prozess wird von Christie überzeugend und nie zimperlich inszeniert und macht denn auch den Reiz aus, den «Und dann gabs keines mehr” nicht nur auf Generationen von Krimilesern, sondern auch auf Theater- und Filmschaffende ausübt: Hier bieten sich einem Schauspielerensemble reizvolle Herausforderungen!

Ein Bestseller für die Ewigkeit

So wurde aus dem Roman bereits 1943 ein Bühnenstück – Agatha Christie hat es selbst verfasst – und 1945 ein Kinofilm. Regisseur René Clair schuf mit »And Then There Were None” (dt. «Das letzte Wochenende”) die erste und wohl auch beste Fassung. Mindestens viermal (1965, 1975, 1989) wurde der Roman seitdem verfilmt. Weitaus größer ist die Zahl der Filme, die sich der Storykonstellation mehr oder weniger deutlich bedienen; zuletzt deklinierte Renny Harlin es mit seinem Thriller »Mindhunters” (2004) durch.

Nachspiel: Lady Agathas zweifelhafter Nachruhm als «Rassistin”

»Und dann gabs keines mehr” gehört zu den Klassikern des Kriminalromans und wird auch in Deutschland seit sechs Jahrzehnten ständig neu aufgelegt. Auch außerhalb des Genres wurde dieses Buch vor einigen Jahren aufgrund seines Titels bekannt. «Ten Little Niggers” hatte Christie ihr Werk 1939 betitelt. So hatte Frank Green 1869 seinen unsterblich gewordenen Kinderreim genannt, welcher der Verfasserin als Grundlage für ihr streng konstruiertes Mordrätsel diente.

1869 durfte man das Wort »Nigger” noch verwenden. 1939 war das schon nicht mehr so selbstverständlich. Christie wurde das bewusst, als sie ihren Roman in die USA verkaufen wollte. Dort wären die schwarzen Leser – zwar politisch und gesellschaftlich diskriminiert, aber als zahlende Kunden durchaus gern gesehen – verärgert worden. Also titelte man das Werk um in «Ten Little Indians” – und stieß damit eine weitere ethnische Minderheit vor den Kopf. Kein Wunder, dass man bei der nächsten Umtitelung auf Nummer Sicher ging: »And Then There Where None”.

In Deutschland gab es kurioserweise lange keinen Grund zu solchem Tun: Hier hieß der Roman seit jeher neutral «Letztes Weekend”. Erst 1985 wurde er neu übersetzt und erhielt den Titel »Zehn kleine Negerlein”: korrekt, aber auch eine tickende Zeitbombe, die 2002 als deutsches Lehrstück explodierte.

In diesem Jahr sollten die «Zehn kleinen Negerlein” in Hannover als Theaterstück aufgeführt werden. Ein Verein namens »African Action” monierte den Titel, was zunächst höchstens die immer dankbaren Medien interessiert hätte. Aber genannter Verein alarmierte die «Antidiskriminierungsstelle”, die es in der niedersächsischen Landeshauptstadt gibt.

Mit deutscher Gründlichkeit nahm sie ihre Arbeit auf, informierte die erstaunten Christie-Erben in London (wo sich bisher offenbar kein Protest erhoben hatte) und ließ nicht eher locker, bis diese einem Neutitel für Deutschland zustimmten. Weil man schon einmal dabei war, erweiterte man diese Zustimmung auf die Neuauflage des Buches, das seither ebenfalls »Und dann gabs keines mehr” heißt. Leider konnte man handlungsintegrale Elemente wie «Nigger Island”, den Ort des Geschehens, nicht politisch korrigieren. Auch das alte Kinderlied »Zehn kleine Negerlein” muss mehrfach Erwähnung finden. Deshalb gibt’s einleitend vorsorglich eine weitschweifige Entschuldigung an möglicherweise weiterhin erregte Zeitgenossen. Und so ist diese Welt wieder ein besserer Ort geworden …

«Und dann gabs keines mehr» ist ein hochkarätiger Thriller der «Queen of Crime”, dessen Handlung streng konstruiert einem alten Kinderreim folgt. Das tödliche Rätselraten in bizarrer Kulisse ist dank dieses Thrillers zum tausendfach kopierten Klassiker geworden. Die Lektüre beweist, dass das Werk seinen Rang verdient.

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almargo zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 21.01.2012
Ein Kinderreim u 10 Matrosen . Alle sind eingeladen worden u alle haben ein Geheimniss. Alle sind Mörder u werden selbst ermordet , was harmlos anfängt endet sehr schnell u schonlos, spannend ist es zu lesen da es aus jeder einzelnen Sicht erzählt wird. Alle Persinen tragen ihr Geheimniss das sich in dem Buch lüftet doch es ist zu spät , der Kreis wird immer enger u kein entkommen vond er Insel . So werden es immer wieder weniger Matrosen , u man liest gespannt , wenn es gefasst hat . Wer überlebt? Lesen , dann findet man die Antwort . Und wirklich es ist gut dieses Buch .
Kjell zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 13.09.2011
Ich habe die meisten Bücher von Agatha Christie gelesen und nach meinem Urteil ist ihr hier wirklich ein Meisterwerk gelungen. Sie schafft es in den allermeisten Büchern, eine starke Atmosphäre zu schaffen und dem Leser das Gefühl zu geben, dass er praktisch direkt an der Handlung als stiller Beobachter teilnimmt - doch hier hat sie sich nochmal übertroffen. Die Stimmung ist extrem düster und depressiv und wird im Verlauf der Handlung immer schlimmer, die Spannung und Unsicherheit sind teilweise kaum noch auszuhalten. Ich habe das Buch auf einen Rutsch durchgelesen und es ging mir danach noch tagelang durch den Kopf.Insgesamt also ein sehr starker Krimi, mit dem Mrs. Christie noch mal eine ganz andere Facette von sich und ihrem Können gezeigt hat.
ClaudiaS zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 27.05.2011
Mein erstes Buch von Agatha und ich muss sagen dass es mir wirklich sehr gefallen hat.DieGeschichte wird nie langweilig und man rätselt bis zum Schluß mit.Da erst im Epilog klar wird wer der Mörder ist bleibt das Buch bis zur aller letzen Seite spannend.Obwohl ich sagen muss dass das Ende wohl eines der unverständlichsten ist, ist es trotzdem eine große Überraschung.
Mein Fazit: großartige Geschichte - großartiger Lesespaß!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Leon zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 25.04.2011
In den Vereinigten Staaten habe ich dieses Werk im Theater zum Leben gebracht. Es hat mir sehr viel Freude gemacht, Regisseur und Produzent dieses Meisterexemplares zu sein. Wir mussten einige Hindernisse umgehen, da mein Klassenkamerad und ich beide nur 16/17 Jahre alt sind. Schliesslich war die ganze Show "on stage" und ist beim Publikum sehr gut angekommen.
Trotzdem muss ich sagen, dass mir das Buch sogar besser gefallen hat! Die Spannung, die "Fallen" und alle anderen Hinweise machen dieses Buch einzigartig. Ich bin schon jetzt begeistert, dass Theaterwerk auch an meiner Schule in Deutschland zu entwickeln, und wenn das nicht klappt, zumindest ein anderes von Agatha Christie.
Der Geschichte, wie sie im Theater gespielt wird, sollte ich 94° geben, als Roman verdient es volle 100°!
M. G. zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 02.03.2011
Dieses Buch ist eine absolute Meisterleistung!! Ich habe es binnen eines einzigen Tages durchgelesen. Die perfiden Morde, die einzelnen Vergehen bzw. Verbrechen der Vergangenheit lassen einen nicht mehr los. Bis zum Ende kommt man (wenn man nicht GENAU das Negerleingedicht durchliest) definitiv NICHT auf den Täter
Sweetums zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 07.10.2010
Die Zutaten dieses brillanten Buches sind wie so oft bei der Queen of Crime einfach und ausreichend. Zehn Fremde, eine verlassene Insel und ein Mörder, der immer näher kommt.

Das Buch strotzt vor Spannung und Nervenkitzel. Die perfide Art des Tötens entlockt dem Leser ein regelmäßiges Schaudern. Der Verstand und die Fantasie gehen auf Wanderschaft und erkunden jede Sackgasse, bis am äußersten Ende die Lösung zum Greifen nahe ist. Das Ende ist dann so simpel und doch nicht fassbar, dass man die Geschichte immer wieder lesen kann.
Prädikat: Unbedingt lesen!
Suskai zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 04.09.2010
Dieser Krimi hat mir wirklich sehr gut gefallen. Auch wenn Hercule Poirot und Miss Marple diesmal nicht vorkamen, war es doch sehr spannend.

Agatha Christie schafft es den Spannungsbogen bis zum unerwarteten Ende zu halten. Deutlich hält sie sich an den alten Kinderreim und teilweise wird für den Leser eine fast unerträgliche Spannung aufgebaut.

Das unerwartete Ende wird auf Grund ihrer Erklärungen logisch nachvollziehbar und man denkt sich, dass man da hätte drauf kommen können.

Ein rund um gutes Buch, dass ich jedem nur empfehlen kann.
PeterH zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 17.08.2010
Ups, nun muss ich meinen Kommentar von eben schon ergänzen, weil was Wichtiges vergessen habe zu erwähnen: Als ich von Roman und Bühnenfassung schrieb, meinte ich "Die Mausefalle"! Darin ist der logische Fehler, den Frau Christie einräumt.
(jetzt krieg ich beim Abschicken die Meldung, es wären nur 240 Zeichen, es müssten aber mindestens 300 sein. merkwürdig. na, dann fülle ich die Lücken halt sinnlos :-))
PeterH zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 17.08.2010
Habe eben den Film "Das letzte Wochenende" von 1945 von René Clair mal wieder gesehen - ein wunderbarer Film! Genauso, wie ich den Roman wunderbar finde. Trotzdem möchte ich meine Anmerkung hier im Forum vor ein paar Jahren etwas ausführlicher wiederholen, gerade auch ob des Kommentars von Alissa vom 27.03.2010:
Das Buch ist in keinster Weise ein sog. "Mitratekrimi" (Obwohl, im wörtlichen Sinne schon, denn es bleibt einem wirklich nur das Raten...), da Agatha Christie dem geschätzten Leser aber auch rein gar keinen einzigen Hinweis gibt, wer der Täter ist. Wenn der Schluss fehlen würde, gäbe es keine Lösung, auf die man kommen könnte. Das ist aber gar nicht schlimm, das gibt's in vielen spannenden Büchern und es ist ja auch kein Muss. Was ich aber nach wie vor von Frau Christie etwas unfein finde, ist, dass sie auf den ersten anderthalb Seiten den Leser belügt. Gewiss, Romanfiguren dürfen lügen, keine Frage. Aber wenn ein solcher Lügner denkt, wird er nicht seine Lügen genauso für sich selber fortdenken. Für gewöhnlich ist sich ein Lügner seiner Lügen bewusst. Und unbewusst führt U.N. Owen seinen Plan ja nicht aus, der weiß genau, was er vorhat! Und wenn sich der Richter (er wurde schon so oft erwähnt, sodass ich sicher kein Geheimnis ausplaudere) auf der Fahrt zur Insel in genauso wage Gedanken über denn Sinn und Ursprung dieser Einladung ergeht wie die anderen tatsächlich Ahnungslosen auch, dann ist das schon starker Tobak von Frau Christie. Aber es ist schon raffiniert gemacht. Man könnte argumentieren "ja aber wortwörtlich steht da nix Unwahres und dass das vom Leser 'missverstanden' werden könnte, ist ja nicht die Schuld der Schriftstellerin", aber das wäre schon ein bisschen eine Verzweiflungsargumentation :-) Denn ich traue Agatha Christie durchaus zu, dass bewusst so geschrieben zu haben, um dem Leser von Anfang an keine Chance zu geben, auf den Täter zu kommen. Und wenn man beim Lesen darüber fast verzweifelt, keine Ahnung zu haben, wird das Lesevergnügen nur noch größer. :-) Trotzdem hätte ich es "feiner" gefunden, wenn Frau Christie diese Stelle eleganter und ehrlicher hätte gestalten können. Aber sie hatte wohl auch ihr Vergnügen an solchen kleinen "Fehlern"; sie erzählte mal in einem Interview, in der Bühnenfassung wäre ein eklatanter logischer Fehler, aber ohne diesen würde das Stück nicht funktionieren. Den Fehler hätte aber noch niemand entdeckt, und sie werde sich hüten, den selber zu verraten! Ich weiß nicht, inwiefern oder ob sich die Bühnenfassung von der Romanfassung unterscheidet - ich kenne nur den Roman - aber im Roman konnte ich keinen logischen Fehler finden, auch nach mehrmaligem Lesen nicht. Nun bin ich wieder im Ungewissen... bin ich nur nicht clever genug? Und vor mir war's auch noch keiner? Oder ist da womöglich gar kein Fehler drin und Frau Christie hat uns wieder am kriminalistischen Angelhaken? Wer weiß, wer weiß...
Alissa zu »Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr / Zehn kleine Negerlein« 27.03.2010
Ein klein bisschen mehr erwartet hätte ich mir schon nach der hohen Bewertung hier, lesenswert und sehr zu empfehlen ist das Buch aber auf alle Fälle.Ich fand das Zusammenspiel der auf der Insel festgehaltenen Menschen sehr spannend und genau wie sie bin ich bis zuletzt dem Mörder nicht auf die Spur gekommen. Also, lasst euch überraschen...Ich vergebe 87°, mein nächster A.C.-Krimi wird aber wieder ein Poirot sein!

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