Tod in den Wolken von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1935
unter dem Titel Death in the clouds,
deutsche Ausgabe erstmals 1937
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: England und Frankreich, 1930 - 1949.
Folge 11 der Hercule-Poirot-Serie.
- New York: Dodd, Mead & Company, 1935 unter dem Titel Death in the clouds. 304 Seiten.
- London: Collins, 1935. 252 Seiten.
- Bern; Leipzig; Wien: Goldmann, 1937. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. 222 Seiten.
- München: Magazin-Verlag, 1948. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. 210 Seiten.
- München: Goldmann, 1952. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. 215 Seiten.
-
München: Goldmann, 1971.
Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber.
ISBN:
3-442-00004-1. 190 Seiten. -
Bern; München; Wien: Scherz, 1990.
Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber.
ISBN:
3-502-51279-5. 195 Seiten. -
München: Goldmann, 1997.
Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber.
ISBN:
3-442-43947-7. 190 Seiten. -
Bern; München; Wien: Scherz, 2002.
Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber.
ISBN:
3-502-51818-1. 222 Seiten. -
Frankfurt am Main: Fischer, 2007.
Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber.
ISBN:
978-3-596-17585-7. 222 Seiten. -
Frankfurt am Main: Fischer, 2012.
Übersetzt von Sabine Herting.
ISBN:
978-3-596-51196-9. 288 Seiten.
-
[Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2003.
Gesprochen von Rainer Bock.
gekürzte Fassung von Angela Thomae; aus dem Englischen von Tanja Handels.
ISBN:
3899403371. 3 CDs. -
[Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2006.
Gesprochen von Rainer Bock.
gekürzte Fassung von Angela Thomae; aus dem Englischen von Tanja Handels.
ISBN:
3899407970. 3 CDs. -
[Hörbuch] Marburg: Verl. und Studio für Hörbuchproduktionen, 2008.
Gesprochen von Martin Maria Schwarz.
ISBN:
3896143972. 6 CDs.
'Tod in den Wolken' ist erschienen als
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In Kürze:
Hercule Poirot fliegt für sein Leben ungern. Erst recht nicht mit einer Leiche an Bord. Es bedarf schon seiner kleinen grauen Zellen, um dahinter zu kommen, wie Marie Morisot hoch über den Wolken zu Tode kam. Der Meisterdetektiv hat die Wahl zwischen einer Wespe und einem Blasrohr …Doch richtig staunt Poirot erst, als er erkennt, warum die Dame daran glauben musste …
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Detektiv geht in die Luft«
Krimi-Rezension von Michael Drewniok überspringen
Vom Flugplatz Le Bourget in Frankreich hebt eine mit illustren Passagieren besetzte Maschine gen Croydon in England ab. Das Flugzeug »Prometheus« hat 21 Plätze in zwei Abteilen, zwei Stewards kümmern sich um das leibliche Wohl der Gäste, und zwei Piloten sorgen dafür, dass diese heil ihr Ziel erreichen.
Daraus wird dieses Mal allerdings nichts, denn im hinteren Abteil kommt es zu einem unangenehmen Zwischenfall: Marie Morisot alias Madame Giselle, eine professionelle Geldverleiherin, wurde mit einem Blasrohr beschossen. Da der Pfeil in Schlangengift getaucht war, blieb die gewünschte Wirkung nicht aus. Der Mord geschah unauffällig und wäre womöglich gar nicht bemerkt worden, hätte es sich bei einem der Passagiere nicht um den berühmten Detektiv Hercule Poirot gehandelt, der natürlich sofort die Ermittlungen aufnimmt. Einen Mord quasi unter seinen Augen kann und will er nicht dulden; außerdem hat der Mörder – oder die Mörderin? – besagtes Blasrohr ausgerechnet unter seinem Sitz versteckt, was Poirot als dreiste Herausforderung betrachtet.
Mit seinem Freund Inspektor Japp, dem dieser Fall übertragen wird, ist Poirot sich einig, dass die Tat von einem der 11 Passagieren des hinteren Abteils begangen worden sein muss. Die Ermittlungen gestalten sich delikat, denn befragt werden müssen zwei Damen des Adels, die sehr ungnädig auf diese Zumutung reagieren, zwei Ärzte mit zumindest theoretischer Kenntnis tödlicher Gifte, zwei Archäologen, die mit primitiven Waffen vertraut sind, ein Kriminalschriftsteller, der sich als Plot für eines seiner Bücher jüngst einen Mord per Blasrohr ausgedacht hat, ein Geschäftsmann in Geldnöten und eine reizende junge Engländerin. Sie alle leugnen selbstverständlich, Madame Giselles Ende herbeigeführt zu haben.
Poirot aktiviert seine kleinen, grauen Zellen und beginnt das übliche Frage-und-Antwort-Spiel, mit dem er die Verdächtigen geschickt aus der Reserve lockt und ungeahnte, weil sorgfältig geheim gehaltene Fakten ermittelt, die sie alle mit der Verstorbenen in Verbindung bringen. Die große Zahl zu prüfenden Hinweise scheint Poirot zu irritieren, bis er alle Beteiligten schließlich zu einer finalen Gesprächsrunde lädt, in deren Verlauf er nicht nur das Verbrechen rekonstruiert, sondern auch den Täter entlarvt …
Eine/r muss es gewesen sein!
»Whodunit?« – Wer hat’s getan? Diese Frage in möglichst spannender Form zu beantworten, bedeutete für Agatha Christie eine lebenslange Herausforderung, die sie bekanntlich überzeugend zu meistern wusste. »Tod in den Wolken« gehört nicht nur zu den Werken aus einer Zeit, als die Autorin mit noch frischen Kräften ihr Garn spann, sondern ist auch in einer Ära entstanden, die generell als Glanzzeit des »Whodunit?«-Krimis gilt.
Die Kunstfertigkeit, mit der Christie zu unterhalten weiß, beeindruckt um so mehr, führt man sich vor Augen, wie eng im Grunde die Grenzen dieses Genres gezogen sind: Der Täter muss aus dem Kreis der uns vorgestellten Personen stammen, so erfordert es die Fairness, die uns zudem ein Miträtseln gestattet. Damit der Plot überzeugt, muss man die Gruppe der Verdächtigen vom Rest der Menschheit isolieren: Es darf nicht geschehen, dass der Mörder »von außen« ins Geschehen drängt. Der Schauplatz muss übersichtlich sein, doppelte Böden und geheime Gänge wären ausgesprochen unsportliche Tricks. (Christie bekräftigt diesen Standpunkt, indem sie in einer amüsanten Passage Poirot zeigt, der sich vom in den Fall involvierten Schriftsteller einen »logischen« aber absurden Tathergang schildern lässt, der in sämtlichen Punkten vorsätzlich gegen erwähnte Fairness verstößt.)
Freilich gibt es gar nicht so viele Orte, an denen sich eine verdächtige Gruppe plausibel zusammensperren lässt. Als Christie 1935 »Tod in den Wolken« schrieb, waren das einsam gelegene Landhaus, die Insel, der Ozeandampfer schon weidlich eingesetzt worden. Die Verfasserin hatte zwei Jahre zuvor eine noble Variante gefunden und einen »Mord im Orientexpress« stattfinden lassen. Nunmehr verhalf ihr ein weiterer Geistesblitz zu einem »frischen« Schauplatz. Mitte der 1930er Jahre war es noch keineswegs selbstverständlich mit dem Flugzeug zu reisen. Zwar gehen die Anfänge des britischen Passagierflugs bereits auf das Jahr 1919 zurück, doch für Christie war die Existenz eines Großraumflugzeugs unerlässlich, denn nur dort konnte sie mehr als zwei oder drei Verdächtige zusammenbringen. Solche Maschinen gab es erst kurze Zeit, und Christie gehörte zu den ersten, die sie auf ihre Tauglichkeit als Tatort überprüften.
Klassischer geht’s eigentlich nicht
Die Inszenierung des Mordes an seinem exotischen Schauplatz bildet Auftakt und Höhepunkt des Romans. Der eigentliche Plot, der das Verbrechen begründet und von Poirot zusammengepuzzelt wird, wirkt dagegen reichlich vage bzw. umständlich. Das mag jedoch vor allem uns Lesern des 21. Jahrhunderts so erscheinen; »Tod in den Wolken« spielt im Rahmen eines zwar literarisch verfremdeten, doch auf historischen Tatsachen ruhenden Zeit- und Gesellschaftsbildes, das fremd ist und ein kriminelles Vorgehen, wie es hier beschrieben wird, womöglich nicht so seltsam wirken lässt.
Wie es für den »Whodunit?« ebenfalls typisch ist, unterscheiden sich die Verdächtigen in Herkunft und Stellung möglichst weit voneinander, was die Zahl der möglichen Motive erhöht und die Ermittlungen reizvoll erschwert. Poirot bzw. Christie ergehen sich großzügig in vagen Andeutungen und decken Informationen auf, die uns immer wieder auf den Täter oder die Täterin tippen lassen, bis Detektiv und Autorin das Ruder erneut herumreißen. Dieses Spiel beherrscht Christie perfekt, und sie erhöht seinen Reiz, indem sie ihre Figuren und deren Charaktere überzeichnet. Ihr Gebaren dient als Maske und als Muster: Hinter ersterer verbergen sie sich, während die klare Abgrenzung der Rollen diese für die Leser leicht identifizierbar und unterscheidbar macht – und der Verfasserin weitere Täuschungsmanöver ermöglichen.
Madame Giselle, unser Opfer, »arbeitete« beispielsweise als private Geldverleiherin. Zu ihr ging man, wenn man die Banken scheute und Diskretion mit der Zahlung deutlich höherer Zinsen erkaufte. Kam man mit diesen in Verzug, setzte Madame allerdings die Daumenschrauben an. Muss Poirot also nur herausfinden, wer so tief bei der Ermordeten in der Kreide stand, dass es eine Verzweiflungstat provozierte? So einfach macht es Christie Poirot und den Lesern nicht. Viele zunächst viel versprechende aber falsche Fährten werden gelegt und argumentative Nebelkerzen gezündet, bis nur noch einer die Übersicht behält: Hercule Poirot.
Ein Detektiv lebt für und durch seine Arbeit
Der tritt seine Flugreise ohne seinen »Watson« Hastings an; er wird ersetzt durch die (täuschend?) naive Unschuld Jane Grey und den bewährten, braven und notorisch vernagelten Inspektor Japp, dem dieses Mal der steife Monsieur Fournier von der Pariser Sureté zur Seite steht. Dieses Trio ist primär für dumme Fragen, deduktive Fehler und übereifrige Schlussfolgerungen zuständig, die Poirot geduldig (und selbstgefällig) korrigiert. Das streckt die Handlung und sorgt für Ablenkung, hinter der sich der Mörder verstecken kann.
Poirots Job ist es, uns im Finale zu erläutern, was gewesen ist. Er ist der Detektiv schlechthin – ein reiner Kopfmensch ohne Empfindungen, die über sein kriminalistisches Handwerk hinausgehen. Genau so stilisiert muss er sein, damit sich der gewünschte Effekt einstellt, den die Freunde des »Whodunit?« so lieben: Poirot sorgt in seiner kleinen Welt für Ordnung und löst im Alleingang alle Probleme, was in des Lesers Realität leider nicht so reibungslos funktioniert. Poirot als buchstäblich menschliches Wesen ist dagegen uninteressant; die Darstellung des Detektivs oder Polizisten als Mensch mit Gefühlen und Schwächen ist dem klassischen »Whodunit?« fremd. Der Ermittler erledigt seinen Job und wartet anschließend ungeduldig auf den nächsten Fall.
So hält Agatha Christie, »professional writer« der Oberklasse, das Steuer einmal mehr fest in ihrer Schreibhand. Mit »Tod in den Wolken« setzt sie die Regeln des »Whodunit?« lehrbuchmäßig um und präsentiert ein wendungs- und temporeiches Buch, das ebenso altmodisch wie zeitlos, d. h. nostalgisch ist und nicht grundlos zu den »großen« Werken dieser Autorin gezählt wird.
»Death in the Clouds« wurde übrigens 1992 im Rahmen der seit 1989 laufenden und bis heute fortgesetzten Serie »Poirot« mit David Suchet in der Titelrolle für das britische Fernsehen verfilmt.
Michael Drewniok, März 2007
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| Stephanie zu »Agatha Christie: Tod in den Wolken« | 09.09.2011 |
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| Jo_loves_Poirot zu »Agatha Christie: Tod in den Wolken« | 03.10.2010 |
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| CharlyDD zu »Agatha Christie: Tod in den Wolken« | 22.09.2008 |
| natalie mayr zu »Agatha Christie: Tod in den Wolken« | 11.06.2008 |
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