Die Arbeiten des Herkules von Agatha Christie

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1947 unter dem Titel The Labours of Hercules, deutsche Ausgabe erstmals 1958 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: England, 1930 - 1949.
Folge 24 der Hercule-Poirot-Serie.

  • London: Collins, 1947 unter dem Titel The Labours of Hercules. 256 Seiten.
  • Bern: Scherz, 1958. Übersetzt von Elleonore von Wurzian. 2 Bände. 191 Seiten.
  • München: Goldmann, 1971 Monsieur P. ist neugierig & Abschiedsvorstellung für Monsieur P.. Übersetzt von Elleonore von Wurzian. 2 Bände. 158 Seiten.
  • München: Goldmann, 1974 Monsieur P. ist neugierig & Abschiedsvorstellung für Monsieur P.. Übersetzt von Elleonore von Wurzian. 2 Bände; ISBN: 3-442-04047-7 & 3-442-04054-X. 158 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1979 Die ersten Arbeiten des Herkules & Die letzten Arbeiten des Herkules. Übersetzt von Elleonore von Wurzian. 2 Bände; ISBN: 3-502-50733-3 & 3-502-50734-1. 140 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 2002 Die ersten und die letzten Arbeiten des Herkules. Übersetzt von Elleonore von Wurzian. ISBN: 3-502-51843-2. 301 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2007 Die ersten und die letzten Arbeiten des Herkules. Übersetzt von Elleonore von Wurzian. ISBN: 978-3-596-17587-1. 301 Seiten.

'Die Arbeiten des Herkules' ist erschienen als Taschenbuch

Das Buch erschien später in zwei Teilbänden: »Monsieur P. ist neugierig« und »Abschiedsvorstellung für Monsieur P.« (Goldmann Verlag, 1971) und später noch einmal als »Die Arbeiten des Herkules« und »Die letzten Arbeiten des Herkules« (Scherz Verlag, 1979). Die letzte Ausgabe im Scherzverlag heiß dann »Die ersten und die letzten Arbeiten des Herkules«

In Kürze:

Die Sagen des Altertums bringen Hercule Poirot auf einen köstlichen Einfall: Er wird zwölf Fälle, die an Schwierigkeit und Einfallsreichtum nur den zwölf Arbeiten des Herkules gleichkommen, lösen. Schon das erste Verbrechen beweist, dass sich seit damals die Zeiten zwar geändert haben, die Menschen und ihre Schwächen sich aber gleich geblieben sind …

Das meint Krimi-Couch.de: »Hercule Poirots löst zwölf herkulische Kriminalrätsel« 80°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Wieder einmal denkt Meisterdetektiv Hercule Poirot über ein Ende seiner Ermittlerkarriere nach. Bevor er sich zur Ruhe setzt, will er zwölf Kriminalfälle lösen, die er in Beziehung mit den Abenteuern des antiken Helden Herkules bringen kann:

  • Der Nemeische Löwe (The Nemean Lion, 1939): Poirot erklärt sich bereit, die Entführung eines Pekinesen aufzuklären, und stößt dabei nicht nur auf eine trickreiche Erpresserbande, sondern kann auch einen Mord verhindern.
  • Die Lernäische Schlange (The Lernaean Hydra, 1939): In einem kleinen englischen Dorf bekämpft Poirot ein ehrabschneidendes Gerücht, indem er den Verdacht taktisch geschickt anheizt.
  • Die Arkadische Hirschkuh (The Arcadian Deer, 1940): Poirot entwirrt ein scheinbares Verbrechen zu einer tragischen Liebesgeschichte, die womöglich ein gutes Ende finden wird.
  • Der Erymanthische Eber (The Erymanthian Boar, 1940): In einem einsamen Berghotel in der Schweiz fahndet Poirot nach einem ebenso gut maskierten wie brutalen Mörder.
  • Die Ställe des Augias (The Augean Stables, 1940): Im Auftrag der britischen Regierung entschärft Poirot einen Skandal, indem er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erst recht auf die Verfehlung lenkt.
  • Die Stymphaliden (The Stymphalean Birds, 1940): Ein englischer Reisender gerät auf dem Balkan erst an zwei geschickte Erpresserinnen und dann an Hercule Poirot.
  • Der kretische Stier (The Cretan Bull, 1940): Ein junger Adelsmann löst seine Verlobung, da er den Familienwahnsinn nahen fühlt; die verzweifelte Braut wendet sich an Poirot, der zu einer eher kriminalistischen Alternativdiagnose kommt.
  • Die Stuten des Diomedes (The Horses of Diomedes, 1940): Die Fahndung nach einem Drogenring führt Poirot in das Heim einer grimmigen Generals und seiner vier wilden Töchter.
  • Der Gürtel der Hippolyta (The Girdle of Hyppolita, 1940): Nur Poirot erkennt die Verbindung zwischen der Kurzzeit-Entführung eines Schuldmädchen und dem Raub eines Rubens-Gemäldes.
  • Geryons Herde (The Flock of Geryon, 1940): Poirot ermittelt gegen einen selbsternannten Heiligen, unter dessen reichen Jüngern die Sterbequote eine besorgniserregende Höhe angenommen hat.
  • Die Äpfel der Hesperiden (The Apples of the Hesperides, 1940): Die Suche nach einem geraubten und danach verschwundenen Gold- und Giftbecher führt Poirot in ein irisches Kloster.
  • Die Gefangennahme des Zerberus (The Capture of Cerberus, 1947): Im Nachtclub »Hölle« findet Poirot nicht nur eine alte Freundin wieder, sondern kommt auch kapitalkriminellen Umtrieben auf die Spur.

Vor allem eine Idee

Manchmal ist eine Idee so gut, dass sie an Brillanz ihre Umsetzung weit übertrifft. »The Labours of Hercules« gehört eindeutig dazu. Dabei bewies Agatha Christie, die Ende der 1930er auf der Höhe ihrer Schaffenskraft stand, ihren üblichen Geschäftssinn, als sie sich dazu bereiterklärte, zwölf Kurzgeschichten für das »Strand Magazine« zu schreiben. Dessen Glanzzeit lag schon ein einige Jahre (oder Jahrzehnte) zurück; begonnen hatte sie, als Arthur Conan Doyle hier seine Sherlock-Holmes-Storys veröffentlichte. Nichtsdestotrotz besaß das Magazin immer noch einen guten Namen, und die Redaktion war bereit, viel Geld zu zahlen, wenn Christie den bei den Krimi-Lesern beliebten Meisterdetektiv Hercule Poirot in zwölf aufeinanderfolgenden Monaten interessante Fälle lösen ließ. (Dies waren die Ausgaben 587-597, November 1939 bis September 1940; Story Nr. 12 gefiel der Redaktion nicht und wurde abgelehnt.)

Als Clou fasste man diese Erzählungen zu einem Zyklus zusammen. Hier bot sich der Vorname besagten Detektivs förmlich an. Christie hatte Poirot »Hercule« und damit nach jenem Recken der griechischen Antike benannt, dem Eurystheus, König von Argos, zwölf eigentlich selbst für einen Halbgott unlösbare Aufgaben stellte. Herkules gelang es, womit über die Jahrtausende eine Verbindung zu Hercule Poirot erkennbar wird, der nie sein Licht als Ermittler unter den Scheffel stellt und sich rühmt, jeden Kriminalfall klären zu können. Ein besonderer Witz bedingt gleichzeitig die Tatsache, dass Poirot nicht nur klein und schwächlich, sondern auch ein Dandy ist, der ein geruhsam in Luxus verbrachtes Leben schätzt und somit alles andere als ein Held ist, der Löwen, fleischfressende Pferde oder sonstige Ungetüme niederringt.

Nichtsdestotrotz ließ Christie Poirot auf den Gedanken kommen, zumindest im Geiste dem klassischen Herkules nachzueifern. Das grundsätzliche Problem war ihr natürlich bewusst; in einem Prolog zu jenem Band, der die zwölf Arbeiten des Hercule Poirot 1947 zusammenfasste, machte sich dieser selbst seine Gedanken und kam zu dem Entschluss, den Symbolwert über die Tatsache zu stellen. Dies verschaffte der Autorin buchstäblich einen Spielraum und ermöglichte es ihr gleich in der ersten Story, den nemeischen Löwen mit einem Pekinesen gleichzusetzen, der in China auch »Löwenhund« genannt wurde.

Typische Rätsel unter klassischen Vorzeichen

Ansonsten blieb Poirot bei seinem Leisten: Er löste Kriminalfälle, was dieses Mal nicht nur jeweils schnell bzw. seitenkurz zu geschehen hatte, sondern irgendwie mit der griechischen Sagenwelt verknüpft werden musste. Christie kapitulierte offenbar bald vor dieser Herausforderung; jedenfalls sind die Parallelen zwischen Herkules und Hercule meist dünn und wenig überzeugend. So wird in »Der Erymanthische Eber« der schlaue Schurke, der sich in einem Berggasthof versteckt hält, als »tückisch wie ein wilder Eber« bezeichnet.

Auch sonst bleibt die Antike denkbar fern. Damit kann der Leser leben. Weniger erfreulich ist die Erkenntnis, dass Christie sich ausgiebig in die Routine flüchtet, um ihren Story-Zyklus pünktlich zur Veröffentlichung zu bringen. Der Versuch, die Grenzen des Krimi-Genres zu erweitern, sorgt für zusätzlichen Verdruss. So sieht sich Poirot in »Die Arkadische Hirschkuh« weniger als Ermittler denn als Vermittler in einer tragischen Liebesgeschichte, die Christie mit ordentlichem Schmalzeinsatz über die Runden bringt: Nicht folgenlos schrieb sie (unter Pseudonym) sechs dickleibige Schnulzen, beherrschte also auch dieses Genre. In »Die Äpfel der Hesperiden« wandelt Poirot gar auf den Spuren von G. K. Chestertons Father Brown, indem er einen hartherzigen aber eigentlich unglücklichen Geschäftsmann zum Seelenfrieden führt: sehr erbaulich aber als Insider-Gag besser zu goutieren, denn Chesterton war wie Christie seit 1930 Mitglied des berühmten »Detection Club« zu London.

Nicht nur typisch für die Entstehungszeit, sondern auch von der Zeit überholt ist der Plot vom hinterlistigen Sektenführer, der seine Jünger/innen ausnutzt und betrügt. In »Geryons Herde« spart Christie nicht mit Andeutungen auf schlüpfrige Kultpraktiken, die natürlich nicht weiter ausgespielt werden. Ähnlich überholt ist das zeitgenössische Bild vom »Drogenring« (»Die Stuten des Diomedes«), dessen umständliches Treiben eher einer Verwechslungskomödie als einem ernsthaften Verbrechen gleicht.

Zeitlosigkeit bedeutet Sicherheit

Zwar ebenfalls gealtert aber dabei mit einer Goldschicht aus Nostalgie überzogen sind Geschichten wie »Die Lernäische Schlange«, »Die Stymphaliden« oder »Der Gürtel der Hippolyta«. Hier steht der Krimi-Plot im Mittelpunkt – der Fall, den Poirot auf bewährte Weise, d. h. unter Täuschung des Lesers bis ins überraschungsreiche Finale, unkonventionell aber streng logisch löst. Darüber hinaus hält sich Poirot an seine Rolle, d. h. entpuppt sich nicht plötzlich als Agitator im Dienst einer konservativen, die Untertanen »zum Besten des Empires« manipulierenden Regierung (»Die Ställe des Augias«): eine jener Ideen, der auch Agatha Christie den unangenehmen Beigeschmack nicht nehmen konnte (oder wollte).

Ein ähnliches Motiv thematisiert Christie in »Die Lernäische Schlange«. Hier beschränkt sie sich jedoch darauf, Poirot intrigieren zu lassen, um auf diese Weise einen anonymen Ehrabschneider aus der Reserve zu locken. Das mag juristisch ebenfalls nicht korrekt sein, ist aber typisch Poirot und wird vor allem spannend entwickelt. Obwohl bzw. gerade weil Poirot in »Die Stymphaliden« erst spät und zufällig auftritt, entfaltet diese Story ihren besonderen Reiz dank der »doppelten Täuschung«, der nicht nur die Hauptfigur, sondern auch der Leser unterliegt. »Der Gürtel der Hippolyta« präsentiert einen Poirot, der zuvor von der Autorin ganz nebenbei eingestreute Fakten und Ereignisse zu einem formidablen Kriminalfall zusammenführt.

Hübsch abgerundet wird diese Sammlung durch die erst sieben Jahre später entstandene Story »Die Gefangennahme des Zerberus«. Ohne Zeitdruck und sichtlich entspannt spinnt Christie ein ebenso spannendes wie turbulentes Garn, in dem Poirot deutlich lockerer als sonst wirkt, ohne sein Wesen dadurch zu verraten. So wird der Leser versöhnt und positiv gestimmt aus dieser interessanten aber nicht immer überzeugenden Kollektion »kurzer« Poirot-Fälle entlassen.

Michael Drewniok, März 2016

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Torsten Janssen zu »Agatha Christie: Die Arbeiten des Herkules« 24.04.2008
Habe vor kurzem mal wieder "Der Nemeiische Löwe" gelesen. Einer der beliebtesten und am öftesten kopierten Geschichten von Agatha Christie. Einfach Genial. Hercule Poirot muß die Entführung eines Pekinesen aufklären. Immer wieder lesenswert. Schönen Gruß Torsten Janssen
Viktoria zu »Agatha Christie: Die Arbeiten des Herkules« 25.08.2005
Ein nicht gelungenes Buch finde ich. Síe hat bessere geschrieben, die kurzen Gesichten handeln meistens von Drogen und man kreigt gar nichts mit, da alles wirr warr geschrieben ist.
Also ich habe schon bessere Bücher von ihr gelesen. Lohnt sich nicht!"!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Torsten Janssen zu »Agatha Christie: Die Arbeiten des Herkules« 15.04.2003
Von den 12 Geschichten sind mindestens 6 sehr lesenswert, die anderen 6 lesenswert. Geniale Umsetzung vom Altertum in die Jetzt-Zeit. (Wer mal mit mir in Kontakt treten möchte unter Tel.-Nr. 040/76960612)
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