Rain Dogs von Adrian McKinty

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Rain Dogs, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Suhrkamp.
Folge 6 der Sean-Duffy-Serie.

  • London: Serpent's Tail, 2015 unter dem Titel Rain Dogs. 404 Seiten.
  • Berlin: Suhrkamp, 2017. Übersetzt von Peter Torberg. 404 Seiten.

'Rain Dogs' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Sean Duffy als katholischer Bulle in Nordirland inzwischen Spezialist. Immerhin bekommt er es zum zweiten Mal in seiner Karriere mit einemlocked room mystery zu tun, und welcher Bulle in Nordirland oder sonstwo, katholisch oder nicht kann das schon von sich behaupten? Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle, wo sie sich allem Anschein nach über Nacht hat einschließen lassen, tot aufgefunden. Selbstmord, glaubt man, aber ein paar Dinge geben Sean Duffy zu denken, und er weigert sich, es dabei zu belassen. Duffy findet heraus, dass Bigelow an einer verheerenden Enthüllung in Sachen Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der höchsten Regierungskreise Großbritanniens und darüber hinaus gearbeitet hat. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte er oder sie damit vertuschen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Der katholische Bulle überzeugt – wie immer.« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Anfang 1987. Winter in Belfast. Detective Inspector Sean Duffy hat gerade eine schwere Zeit, denn seine Freundin Beth verlässt ihn. Dann erreicht ihn ein Anruf. Dem Mitglied einer finnischen Handelsmission, die sich mögliche Produktionsstätten für Mobiltelefone anschauen, wurde seine Geldbörse im Hotel entwendet. Duffy glaubt an einen Scherz, doch angesichts der wichtigen Geschäftsleute, soll er ermitteln. Dabei lernt Duffy auch kurz die englische Journalistin Lily Bigelow kennen. Am nächsten Morgen wartet ein Todesfall auf Duffy, eine Leiche wurde in Carrickfergus Castle gefunden. Vor Ort stellt er fest, dass es sich bei der Toten um Bigelow handelt. Aber warum sollte sich die junge Frau vom Dach des Burgfrieds in den Tod gestürzt haben?

»Die letzten drei Selbstmorde waren alles Kollegen. Haben sich das Hirn mit ihrer Dienstwaffe weggepustet. Natürlich mussten wir sie alle als «Tod durch versehentliches Abfeuern einer Schusswaffe» deklarieren.«
»Druck der Gewerkschaft?«
»Aye, und von oben. Bei Selbstmord verfällt die Lebensversicherung, außerdem ist er schlecht für die Moral.«

Wenn es jedoch kein Selbstmord war, dann kommt nur der Hausmeister Clarke Underhill als Mörder in Frage. Die Burg wurde um sechs Uhr abends geschlossen und erst am nächsten Morgen wieder geöffnet. Bei seinen Rundgängen fand Underhill niemanden in der Burg vor und da diese durch ein massives Eichentor, ein tonnenschweres Fallgitter sowie eine zwanzig Meter hohe Burgmauer gesichert ist, kann auch niemand in dieser Zeit die Burg betreten oder verlassen haben. Der Todeszeitpunkt wird auf nach sechs Uhr abends festgesetzt. Eine sogenannte »locked room mystery«, die Duffy schon einmal lösen musste. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass einem Polizisten ein solches Rätsel zwei Mal serviert wird?

Locked room mystery, die Zweite.

In Die verlorenen Schwestern musste Duffy einen seltsamen Todesfall lösen. Eine Frau wurde in einem Pub aufgefunden, welches von innen abgeschlossen war. Nun also eine Burg, die niemand betreten oder verlassen konnte. Doch der betagte Hausmeister erscheint unverdächtig und bei der Toten gibt es Auffälligkeiten. Sie trug nur einen Schuh, diesen aber am falschen Fuß. Es gibt keinen Abschiedsbrief und ihr Notizbuch, welches die Journalistin stets bei sich trug, ist verschwunden. Duffy ermittelt erneut mit seinem Kollegen McCrabban sowie dem jungen Constable Alexander Lawson, wobei letzteres zu kleineren Spannungen führt. Schließlich hat Duffy einen bekannt altmodisch-eigenwilligen Musikgeschmack und mit U2 kann er beispielsweise gar nichts anfangen. Die Ermittlungen kommen lange nicht voran, da das Grundrätsel unlösbar scheint. Dann folgen Spuren zu der finnischen Handelsdelegation und auch Duffys früherer Kollege Tony McIlroy spielt eine zwielichtige Rolle.

»Ich fuhr zu dem leeren Haus in der Coronation Road, um zu Mittag zu essen, und mixte mir in einem Pintglas einen Wodka Gimlet. Wodka, Limettensaft, Soda, Eis – vier einfache Zutaten, die zusammen die meisten Probleme der Welt verschwinden lassen. Ganz gewiss nach zwei Gläsern, wenn man sparsam mit dem Soda ist.«

Am nächsten Tag erschüttert ein weiterer Todesfall die Carrickfergus RUC, denn ihr Chief Super Ed McBain wird Opfer eines Sprengsatzes, der unter seinem Auto platziert war. Die beiden Fälle scheinen miteinander verknüpft, Spuren führen letztlich in höchste Regierungskreise und der Plot basiert teils auf dem wahren Fall des Jimmy Savile, der von Premierministerin Thatcher geadelt und vom Papst Johannes Paul II. ausgezeichnet wurde. Nach seinem Tod galt er als einer der schlimmsten Sexualverbrecher des Landes, zuvor wurde in ungeahntem Ausmaß vertuscht. Ansonsten gibt es die gewohnten Zutaten: Jura, Gimblet, Zigaretten und viel Musik. Und die ständige Suche nach Sprengsätzen unter Duffys BMW. Neu sind die Trennung von Beth und die Bekanntschaft mit einer jungen Katze, die bei Duffy einzieht.

»Sie haben keine Ahnung. Sie waren nicht dabei. Für Sie sind die Achtziger die siegreiche Thatcher, die geschlagenen Argentinier, Öl in der Nordsee, Gewerkschaftszerschlagung, Reagan und Thatcher im Wechselschritt. Für Sie, aber nicht für uns. Für uns sind die Achtziger Helikopter, tief hängende Wolken, Soldaten, verwirbelnde Aschewolken über der großen, grauen, sterbenden Stadt...«

Wie gewohnt bietet Adrian McKinty einen packenden und lebendigen Ausflug in das Nordirland der 1980er Jahre. 1987: Auch dieses Jahr ist bezeichnend für die Troubles in Ulster. Die RUC ist nunmehr seit sechszehn Jahren die Polizeieinheit mit der höchsten Todesrate der westlichen Welt. Ein unterhaltsames, wortwitziges Kriminalstück vor realistisch-bedrückender Kulisse. McKinty erweist sich im vorliegenden Fall einmal mehr als zuverlässiger Lieferant anspruchsvoller Plots. Ohne Übertreibung darf man sagen, dass die Sean-Duffy-Reihe mit zu den besten Krimi-Serien gehört, die derzeit im Buchhandel erhältlich sind.

Jörg Kijanski, April 2017

Ihre Meinung zu »Adrian McKinty: Rain Dogs«

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Oldman zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 18.06.2017
McKinty hat es nun wirklich geschafft, mit seiner Sean Duffy-Serie in die Top Five meiner Krimi-Autoren zu gelangen. Die Story ist wieder glänzend aufgebaut, des Rätsels Lösung so einfach wie schlüssig und die Charakterisierung speziell seines Protagonisten hervorragend mit großem Wiedererkennungswert, ohne dabei zu langweilen. Und der Hintergrund dieser in den nordirischen Troubles zum Ende der 80er Jahre angelegten Bücher ist historisch genau und sorgt immer für ein besonderes Flair. Eine Fortsetzung der Reihe wird ja stattfinden, bin schon neugierig, wie sich die veränderte persönliche Situation unserer Hauptfigur entwickeln wird.
Ptr.S zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 17.06.2017
Also ich hab gerade die fünf Bände um Herrn Duffy gelesen und bin entsetzt wie die Qualität von Band zu Band abnahm.

Die ersten beiden waren noch spannend und hatten einen interessanten Plot, aber schon der dritte, in dem sich Herr McKinty um ein sog. Closed-Door-Crime bemüht, ist zäh und die Lösung schon ab Seite 3 oder so erkennbar.
Die Bände 3-5 sind dann nur noch um irisch-historisch Schauplätze drumrum positioniert, das es einem fast weh tut. Aber die Krönung ist der fünfte Band, wo eine enorme Menge an Ein-Word-Sätze ganze Handlungsstränge auf drei Zeilen reduziert. Eigentlich ein Segen angesichts der Inhaltsleere, kommt aber hier zu allem Überfluß ein zweites mal ein Closed-Door-Crime dazu. Übrigens eben so langweilig gelöst wie zuvor in Band 3. Aber zu allem Überfluß kommt noch die abgebrochene Abtreibung die unsern Herrn Duffy in die eheliche Langeweile treibt. Inklusive Katze. Danke.

Konklusio: Die Bände 1 bis 5 vergebe ich 80°-65°-55°-35°-25°. Ein Rat an alle: hört nach dem zweiten Band auf!
mo zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 01.06.2017
Naja, es ist nicht wirklich viel Neues, was uns McKinty hier zu bieten hat, in gewohnter Qualität zwar, aber eben deja vu. Für alle die seine Bücher nicht kennen, sei ein früheres Buch der Serie als Einstieg empfohlen. In gewohnter Manier vermischt der Author Fiktion mit Tatsachen. Ein bisschen sehr bemüht diesmal die Geschichte, wo der Held auf Cassius Clay und J. Savile trifft. Der Held ist in die Jahre gekommen und wird am Ende häuslich? Mal schauen was der sechste Band bringt. Lesen werde ich ihn auf jeden Fall.
subechto zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 17.02.2017
Selbstmord oder Mord?

Belfast, 1987. Ein typisches Jahr für die Troubles in Ulster. Das Jahr in dem die irische Rockband U2 mit „Joshua Tree“ ihr fünftes Studioalbum veröffentlichte. „Rain Dogs“ ist auch der fünfte Fall für den Nordirischen Ermittler Detective Inspector Sean Duffy von der Carrickfergus RUC. Worum geht es?
Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle tot aufgefunden. Niemand außer ihr und dem Hausmeister waren in der Burg. Ein geschlossener Raum. Niemand konnte rein oder raus. Alles deutet auf einen Selbstmord hin. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Wie sollte der Täter entwischt sein - bei verschlossenem Tor? Ein paar Dinge geben Duffy jedoch zu denken.
Er findet heraus, dass Lily an einer Enthüllungsstory gearbeitet hat. Es ging um sexuellen Missbrauch und Prostitution. Damit gerät Duffy immer mehr in ein Netz aus Lügen und Intrigen, in das auch ein ehemaliger Kollege und Mitglieder einer finnischen Delegation aus der Mobilfunkindustrie verstrickt zu sein scheinen. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte der Täter damit vertuschen?
„Rain Dogs“, ist bereits der fünfte Fall für den katholischen Bullen. Der prüfende Blick unter seinen BMW gehört noch immer zu Duffys Ritual. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist.
Erneut gibt Adrian McKinty bedrückende Einblicke in den Irland-Konflikt und setzt seine Sean Duffy-Reihe kongenial fort. Die Stimmung bei Polizei und Bevölkerung wird glänzend eingefangen, der zeitgeschichtliche Hintergrund meisterhaft erzählt und gut erklärt. Schön finde ich auch, dass es wieder einen Soundtrack zum Roman gibt.
„Rain Dogs“ ist auch der Titel eines Albums von Tom Waits aus dem Jahr 1988. Wie schon bei „Gun Street Girl“ treffend gewählt. Getragen wird die Geschichte von ihrem Protagonisten. Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Duffy inzwischen Spezialist.
Und so freue ich mich schon heute auf den sechsten Teil dieser genialen Serie.

Fazit: Gelungene Fortsetzung der Sean Duffy-Reihe. Kann ich nur wärmstens empfehlen!
Klaraelisa zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 16.02.2017
Tod einer Journalistin
In Adrian McKintys neuem Roman “Rain Dogs“ steht wieder der sympathische Inspector Sean Duffy vom Revier in Carrickfergus im Mittelpunkt. Sein neuester Fall ist der rätselhafte Tod der Journalistin Lily Bigelow, die eine finnische Delegation von potentiellen Investoren begleitet und darüber für ihre Zeitung berichtet. Die wirtschaftlich gebeutelte Region kann die Ansiedlung neuer Firmen dringend gebrauchen. Die Gruppe besichtigt nicht nur stillgelegte Fabriken, sondern auch die Burg Carrickfergus. Im Hof der Burg wird am nächsten Morgen die Leiche der Journalistin gefunden. Niemand konnte das Gelände außerhalb der Öffnungszeiten betreten oder verlassen. Deshalb scheint Selbstmord die einzig mögliche Todesursache zu sein. Duffy kann nicht glauben, dass sich die attraktive lebenslustige Journalistin von der Burgmauer gestürzt haben soll. Bald gibt es jedoch Indizien für einen Mord, aber wie war das möglich?
Duffy ermittelt wie immer gründlich und stur in alle Richtungen, unterstützt von seinen Mitarbeitern, vor allem dem sehr fähigen Neuzugang Lawson. Er findet Hinweise, dass Bigelow an einer sehr brisanten Geschichte arbeitete und jemand großes Interesse daran hatte, dass diese nicht bekannt wurde, weil eine Reihe von hochgestellten Persönlichkeiten und Regierungskreise darin verwickelt waren. Es gelingt Duffy trotz aller Behinderungen seiner Arbeit den Mörder zu ermitteln, der sich allerdings einem Prozess und einer Verurteilung durch Flucht entzieht.
McKinty ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnlicher Thriller von hoher Qualität gelungen. Der Autor verbindet historische Fakten der 80er Jahre mit einem fiktiven Kriminalfall. Es gab damals einen unglaublichen Skandal, in den Prominente verwickelt waren und der jahrzehntelang vertuscht wurde. Die Behörden und andere Institutionen schauten weg, keiner glaubte den Opfern, oder die Ermittlungen verliefen immer wieder im Sand. Die in diesem Zusammenhang genannten Personen sind genauso real wie die Troubles, die zum Zeitpunkt der Ereignisse des Romans, also 1987 noch andauerten und noch 11 weitere Jahre anhalten sollten – bis zum Good Friday Agreement des Jahres 1998. Der Roman besticht jedoch nicht nur durch Authentizität, sondern wie immer auch durch sorgfältige Charakterisierung der Figuren und trotz der finsteren Ereignisse durch Humor und Sprachwitz. Ein sehr empfehlenswerter Thriller.
cosmea zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 11.02.2017
Warum starb Lily Bigelow
"Rain Dogs“ ist Adrian McKintys fünfter Roman aus der Serie um Sean Duffy, den katholischen Bullen in Carrickfergus. Er lebt noch immer in einem protestantischen Wohngebiet und versieht seinen gefährlichen Dienst in den Zeiten der Troubles. Es ist das Jahr 1987. Zur täglichen Routine gehört vor jeder einzelnen Fahrt der Blick auf die Fahrzeugunterseite auf der Suche nach einem Sprengsatz.
Duffys neuer Fall beginnt anscheinend harmlos mit einer Lappalie. Er wird wegen eines Brieftaschendiebstahls in ein Hotel am Ort gerufen. Dort ist eine Delegation von finnischen Investoren abgestiegen, die sich für die stillgelegten Fabriken in der Region interessiert. Bei der Gelegenheit lernt Duffy die attraktive Journalistin Lily Bigelow kennen, die für die Financial Times über den Besuch der Finnen berichtet. Unter anderem besichtigt die Gruppe auch Carrickfergus Castle. Am nächsten Tag wird die Journalistin tot im Innenhof der Burg aufgefunden. Niemand hat die Burg nach der Schließung der Anlage betreten oder verlassen. Alles deutet also auf Selbstmord.. Dann zeigen die gerichtsmedizinischen Gutachten, dass es Mord war. Sean Duffy kann nicht glauben, dass er es entgegen aller Wahrscheinlichkeit zum zweiten Mal mit einem Locked Room Mystery zu tun hat.
Die Ermittlungen ziehen sich hin, weiten sich auf immer mehr Beteiligte aus. Es geht um Korruption und Missbrauch. Duffy bekommt viel Druck von oben, auch vom englischen Geheimdienst, und wird bei den Ermittlungen behindert. Duffy lässt sich wie immer nicht beirren und löst den Fall. Den Schuldigen wird er allerdings wie so oft nicht vor Gericht bringen können. Später bedroht man ihn massiv, sollte er die Dinge nicht auf sich beruhen lassen.
McKintys neuer Roman ist wieder ein spannender Thriller auf hohem Niveau, der nicht nur die bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Nordirland als Hintergrund mit einbezieht, sondern historische Bezüge mit real existierenden Personen aufweist. Jahrzehntelang vertuschte Skandale um Prominente, zum Beispiel Jimmy Savile, sind zum Teil bis heute nicht komplett aufgearbeitet. Es gab zwar Anzeigen, aber keine Verurteilungen. Meist glaubte man den Opfern nicht. Die Beschuldigten hatten zu viel Einfluss. Es ist McKinty hoch anzurechnen, dass er im Rahmen eines historischen Thrillers diese Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten lässt.
MissMarple64 zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 07.02.2017
Duffy Nr.5 -Düsteres Nordirland

Vor dem Hintergrund der politischen Unruhen in Nordirland der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ermittelt Sean Duffy mit seinem Team den scheinbaren Selbstmord der jungen Journalistin Lily Bigelow, die aus London angereist ist, um eine finnischen Investorengruppe auf der Suche nach einem lukrativen Wirtschaftsabschluss zu begleiten.
Schnell kommen dem erfahrenen Ermittler Zweifel am Tod der Frau, jedoch wird es schwer werden, den Mord zu beweisen, denn er sieht sich zum zweiten Mal in seiner Dienstzeit mit dem Phänomen des „verschlossenen Raums“ konfrontiert. Wer aber Sean Duffy-den katholischen Bulle in der protestantische Royal Ulster Constabulary- aus den Vorgängern des Buches kennt, weiß, dass er jetzt nicht locker lässt und sich in dem Fall „verbeißt“, bis er ihn zu Ende bringt. So findet er bald heraus, dass Lily einem schwerliegenden Verbrechen auf der Spur war, das bis in die höchsten Regierungskreise reicht.
Der Autor zeigt Duffy auch hier wieder als einen Individualisten, der schnell und unkonventionell handelt, der überaus vorsichtig sein muss - so kontrolliert er vor jeder Autofahrt seinen Wagen nach versteckten Bomben, der klassische Musik liebt und hervorragend Klavier spielen kann, der jedoch auch einem guten Whiskey und Kokain nicht abgeneigt ist. Er hat in seinem Team treue Begleiter, so seinen jahrelangen Freund McCrabbans- Crabbie genannt- und den jungen Lawson, der Duffy mit Höherer Mathematik (Wahrscheinlichkeitsrechnung) beeindruckt.

Leider endet auch dieser Fall-ähnlich wie der Vorgänger „ Gun Street Girl“ für Sean Duffy nicht so, wie er es sich erhofft hat. Gerechtigkeit scheint in der Zeit der „Troubles“ mit jedem neuen Attentat ein Stück weiter zu verschwinden. Hatte der Leser am Ende des 4.Teils noch die Hoffnung, dass Duffy bei seinem neuen Fall wieder etwas mehr von seinem jüngeren Selbst mit auf den Weg bekommt, der selbst "den Tempel über dem eigenen Kopf zum Einsturz gebracht hätte" („Gun Street Girl“ S.374), so erscheint die Figur jetzt eher gesetzter, wenn nicht sogar resignierter, was ihn aber im meinen Augen nicht unsympathischer macht. Atemlos folgen wir ihm auf seiner Suche nach Wahrheit durch das vom Nordirlandkonflikt gebeutelten Belfast, immer in der Hoffnung, dass er niemals vergisst, unter sein Auto zu sehen, was umso wichtiger erscheint, da sich jetzt auch privat einiges für Sean ändern wird.
Der Autor verwebt reale politische Ereignisse mit Fiktion und schafft so für den Leser ein Stück Zeitgeschichte im Krimi. Sehr gefallen hat mir der Einstieg, der von Duffys Begegnung mit der großen Boxerlegende Muhammad Ali berichtet, der auf den Spuren seiner Vorfahren mehrmals nach Irland reiste, es jedoch in Wirklichkeit nie schaffte, nach Belfast zu kommen.
Fortsetzung folgt- der nächste Teil ist schon im Original veröffentlicht. Für alle Fans wird es ein langes Jahr des Wartens.
subechto zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 06.02.2017
Selbstmord oder Mord?

Belfast, 1987. Ein typisches Jahr für die Troubles in Ulster. Das Jahr in dem die irische Rockband U2 mit „Joshua Tree“ ihr fünftes Studioalbum veröffentlichte. „Rain Dogs“ ist auch der fünfte Fall für den Nordirischen Ermittler Detective Inspector Sean Duffy von der Carrickfergus RUC. Worum geht es?
Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle tot aufgefunden. Niemand außer ihr und dem Hausmeister waren in der Burg. Ein geschlossener Raum. Niemand konnte rein oder raus. Alles deutet auf einen Selbstmord hin. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Wie sollte der Täter entwischt sein - bei verschlossenem Tor? Ein paar Dinge geben Duffy jedoch zu denken.
Er findet heraus, dass Lily an einer Enthüllungsstory gearbeitet hat. Es ging um sexuellen Missbrauch und Prostitution. Damit gerät Duffy immer mehr in ein Netz aus Lügen und Intrigen, in das auch ein ehemaliger Kollege und Mitglieder einer finnischen Delegation aus der Mobilfunkindustrie verstrickt zu sein scheinen. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte der Täter damit vertuschen?
„Rain Dogs“, ist bereits der fünfte Fall für den katholischen Bullen. Der prüfende Blick unter seinen BMW gehört noch immer zu Duffys Ritual. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist.
Erneut gibt Adrian McKinty bedrückende Einblicke in den Irland-Konflikt und setzt seine Sean Duffy-Reihe kongenial fort. Die Stimmung bei Polizei und Bevölkerung wird glänzend eingefangen, der zeitgeschichtliche Hintergrund meisterhaft erzählt und gut erklärt. Schön finde ich auch, dass es wieder einen Soundtrack zum Roman gibt.
„Rain Dogs“ ist auch der Titel eines Albums von Tom Waits aus dem Jahr 1988. Wie schon bei „Gun Street Girl“ treffend gewählt. Getragen wird die Geschichte von ihrem Protagonisten. Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Duffy inzwischen Spezialist.
Und so freue ich mich schon heute auf den sechsten Teil dieser genialen Serie.

Fazit: Gelungene Fortsetzung der Sean Duffy-Reihe. Kann ich nur wärmstens empfehlen!
leseratte1310 zu »Adrian McKinty: Rain Dogs« 05.02.2017
Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle tot aufgefunden. Sean Duffy ist geschockt, denn er war ihr erst am Tag vorher noch begegnet. Zunächst sieht alles nach einem Selbstmord aus, doch dann zeigt sich, dass Lily Bigelow ermordet wurde und man sie danach vom Burgfried geworfen hat, um den Mord zu vertuschen. Aber die Sache ist sehr rätselhaft. Der der Hausmeister hat alles kontrolliert und da war niemand mehr, bevor er die Burg verschlossen hat. Aber nun ist niemand in der Burg und eine Flucht scheint wegen der hohen Mauern und des verschlossenen Burgtores unmöglich. Die Überwachungskameras anderer Gebäude zeigen, dass niemand in der Zwischenzeit in die Burg eingedrungen ist. Wie also kamen Lily und ihr Mörder in die Burg?
Der schnörkellose, manchmal sogar etwas abgehackte Schreibstil ist flüssig zu lesen und passt sehr gut zur Story und zum Protagonisten.
Dies ist bereits der fünfte Band, in dem der katholische Polizist Sean Duffy ermittelt. Es ist die Zeit der blutigen Unruhen in Nordirland und da ist es ratsam, sein Auto vor Fahrtantritt zu kontrollieren, um nicht durch eine Bombe getötet zu werden. Auch Duffy macht das immer wieder. Er ist ein Ermittler mit Schwächen, was ihn sympathisch macht. Duffy hat eine etwas sarkastische Art, kann bei Frauen schlecht nein sagen und bei Alkohol und Koks auch nicht. Er geht seinen Weg, auch wenn er sich unbeliebt macht.
Der Fall der toten Journalistin lässt Duffy keine Ruhe. Sie war wohl hinter einer großen Sache her. Doch wer wollte verhindern, dass etwas ans Tageslicht kommt. Ihr Notebook ist verschwunden. Duffy findet heraus, dass Bigelow Amtsmissbrauch und Korruption in höchsten Regierungskreisen Großbritanniens aufdecken wollte. Es gibt Leute, die mächtig genug sind, um Duffy bei den Ermittlungen immer wieder Steine in den Weg zu legen.
Mir gefällt es, wie dieser Kriminalfall in das politische Zeitgeschehen eingebunden ist. Das macht die Geschichte sehr authentisch und sorgt zusätzlich für Spannung, dabei ist der Fall ohnehin schon sehr spannend und rätselhaft. Auch das Ende ist schlüssig.
Ein fesselnder Kriminalroman mit einer ganz besonderen Atmosphäre, den ich nur empfehlen kann.
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