Dirty Cops von Adrian McKinty

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel The police at the station and they don't look friendly, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Suhrkamp.
Ort & Zeit der Handlung: Irland / Nordirland / Belfast, 1970 - 1989.
Folge 6 der Sean-Duffy-Serie.

  • London: Serpent's Tail, 2017 unter dem Titel The police at the station and they don't look friendly. 370 Seiten.
  • Berlin: Suhrkamp, 2018. Übersetzt von Peter Torberg. ISBN: 978-3518468425. 370 Seiten.

'Dirty Cops' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Belfast 1988: Ein Mann wird mit einem Pfeil im Rücken tot aufgefunden. Es waren wohl kaum Indianer, und auch Robin Hood dürfte als Täter nicht in Frage kommen. Und da das Opfer eh nur ein Drogendealer war, könnte man sein kurioses Dahinscheiden ruhigen Gewissens zu den Akten legen. Doch Inspector Sean Duffy tut sich schwer damit, Morde zu den Akten zu legen auch wenn seine Vorgesetzten ihn dazu drängen und der Haussegen bei der jungen Familie Duffy gerade reichlich schief hängt. Und noch jemand möchte Duffy zum Aufgeben zwingen: Eines Nachts findet er sich im Wald wieder, wo drei bewaffnete, maskierte Gestalten ihn dazu zwingen, sein eigenes Grab auszuheben.

Das meint Krimi-Couch.de: Gefahr für Duffy an allen Fronten 90°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Carrickfergus, eine nordirische Stadt am Belfast Lough, im Frühjahr 1988. Eigentlich befindet sich Sean Duffy mit Freundin Beth und Tochter Emma im Urlaub, ein Ausflug mit seinem Vater nach Station Island ist fest eingeplant, doch ein Anruf von Sergeant John McCrabban ruft ihn zurück. Ein Drogendealer wurde erschossen. Nichts interessantes, schon gar nicht in der heruntergekommenen Sozialsiedlung Sunnylands Estate. Dennoch, der erste Mordfall seit einem Jahr, lockt den Ermittler, zumal die Tatwaffe eine Armbrust war.

Die Drogenszene ist fest in der Hand der beiden Paras UVF und UDA. Freie Dealer müssen hohe Zahlungen an diese leisten, aber ab und an muss auch mal ein Exempel erfolgen. Aber mit einer Armbrust? Die Ermittlungen treten auf der Stelle, denn selbst in Belfast gelten die Gesetze der Omertà: Was immer du sagst, sag nichts. Auch ein zweifelhaftes Bekennerschreiben der DAADD, der Direct Action Against Drug Dealers, ein IRA-Ableger, bringt die Polizei nicht voran.

»Nein, schaut nicht gut aus.«
»Und trotzdem freust du dich?«
»Na ja, versuchen werden wir es auf jeden Fall, oder? Weißt du, wie viele Morde ich erfolgreich vor Gericht gebracht habe, seit ich nach Carrickfergus gezogen bin?«
»Wie viele?«
»Null.«

Dann überschlagen sich plötzlich die Ereignisse und Duffy droht Gefahr von allen Seiten. Nach einem Streit mit Beth zieht diese mit Emma zu ihren Eltern, eine erste vielversprechende Spur führt derweil zu einem Sinn-Fein-Stadtrat aus Derry, nur dass dieser ein solides Alibi hat. Er lag zur Tatzeit im Koma.

Dennoch scheint er über gute Kontakte zu verfügen, denn Duffy gerät auf einmal auf die Liste des IRA Army Council Dublin, der höchsten Kommandoebene. Polizeiinterne Ermittlungen bedrohen seine weitere Zukunft bei der Carrickfergus RUC und eines Nachts zwingen ihn drei Bewaffnete, in einem abgelegenen Wald sein Grab auszuheben …

Eine der derzeit besten Krimiserien

Adrian McKinty legt mit »Dirty Cops« bereits den sechsten Band der Inspector-Duffy-Reihe vor, die sich womöglich ihrem Ende nähern könnte, denn sowohl Duffy wie McCrabban denken über ihre weitere Zukunft nach. Es wäre schade, wenn es keine weiteren Fälle mit den charismatischen Ermittlern mehr geben würde, denn die Reihe gehört zweifellos zu den besten Krimiserien, die derzeit im Buchhandel erhältlich sind.

Neben den beiden sympathischen Protagonisten und deren bekannten Umfeld an Kollegen und Vorgesetzten, wären da vor allem die Coronation Road, sechszehnjähriger Jura, viel Musik, galliger Humor und ein knackiger Fall zu erwähnen. Außerdem lebt Duffy mit Beth zusammen, die sich letztlich doch gegen eine Abtreibung und für die gemeinsame Tochter entschieden hat.

»In Bulgarien lässt sich die Polizei mit ein paar Lev kaufen.«
»Die RUC ist nicht korrupt.«
»"Da habe ich anderes gehört. Ich habe gehört, die arbeitet mit Protestanten zusammen, um die IRAS zu erledigen. Ich habe gehört, sie lässt es zu, wie IRA und UVF Belfast unter sich aufteilen, um mit Drogen zu handeln und Schutzgelder zu erpressen. Ich habe gehört, sie lässt es zu, dass protestantische und katholische Gangster Drogendealer erschießen, die keine Schutzgelder zahlen.«

Obwohl die Troubles eigentlich ruhen, drohen diese wieder auszubrechen. SAS-Soldaten haben auf Gibraltar alle drei Mitglieder einer aktiven IRA-Zelle umgebracht. Gleichzeitig hat das IRA-Kommando offenbar beschlossen, Duffy endgültig aus dem Weg zu räumen. Aber warum? Der Drogendealer war unbedeutend und selbst der Stadtrat aus Derry ist ein zu kleines Licht, um solche Entscheidungen anzuordnen.

Duffy und seine Männer stehen vor einem Rätsel, welches sie letztlich alle in den Abgrund reißen könnte. Wer sich für Irland allgemein, die turbulenten 1980er Jahre (Nordirland-Konflikt, IRA) speziell interessiert oder schlicht einen grundsoliden, packenden Krimi lesen möchte, der kommt an dieser Serie nicht vorbei. Großes Kino!

»Er ist katholisch?«
»Hast du das nicht gewusst?«
»Nein. Ich dachte, er ist Protestant.«
»Er ist die niedrigste Lebensform auf Erden. Ein katholischer Bulle.«

Jörg Kijanski, Mai 2018

Ihre Meinung zu »Adrian McKinty : Dirty Cops«

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boadicea zu »Adrian McKinty : Dirty Cops« 09.05.2018
Kann mich den Lobeshymnen leider nicht anschießen, andauernd private und gesundheitliche Probleme, sowie endlose Diskussionen über wechselnde Vorgesetzte öden an, man braucht viel Geduld, bis man endlich zur eigentlichen Krimihandlung kommt und von Humor hab ich auch nichts mitgekriegt. Hoffentlich wird der nächste Band wieder spannender
Martin T. zu »Adrian McKinty : Dirty Cops« 08.05.2018
Adrian McKinty ist seit "Der katholische Bulle" mein absoluter Lieblingsautor. Es gibt in seinen Büchern einfach keine Längen. Bei keiner einzelnen Seite, hat man das Bedürfnis "drüberzulesen". Und das kommt wirklich sehr selten vor. In den letzen Jahren nur bei der Joe Pitt Reihe von Charlie Huston (schreibt zu meinem Bedauern keine Bücher mehr), Paul Cleaves Theodore Tate Reihe (wobei das letzte auch schwächelte) und Sam Millars Harry Kane Reihe, wobei der aktuellste Teil leider nicht mehr, aus mir unerfindlichen Gründen, ins deutsche übersetzt wurde.Adrian McKinty hebt sich, von den oben genannten aber trotzdem ab. Er versteht es einfach zu unterhalten und einen bei der Stange zu halten. Die Mischung aus historischen Ereignissen, hervorragenden Kriminalfällen, einen charismatischen Protagonisten und nicht zuletzt McKintys Humor, machen seine Bücher einfach zu einem runden Erlebnis.
Ursprünglich sollte es nur eine Sean Duffy Triologie werden, umso erfreulicher fand ich es, das er die Reihe doch auf 6 erweiterte. Und an alle die befürchten es wäre vorbei. Das fand ich auf seiner Webside:I’m very happy to say that The Edgar, Barry, Anthony, Audie, Barry and Ned Kelly Award winning Sean Duffy series will return for one final trilogy to be published by Blackstone Books.Book 7 will be called The Detective Up Late and will be out later this year.Book 8 will be called Hang On St Christopher and will be out next yearBook 9 will be called The Ghosts of Saturday Night and will be out in 2020.This will be the end of the line for Detective Sean Duffy and his comrades in arms, so fingers crossed it’s going to be all right…(I really have no idea if it will be or not if I’m honest.)
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