Einer von uns beiden von -ky

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1972 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1970 - 1989.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1972. ISBN: 3-499-42244-1. 119 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2004. ISBN: 3-596-16581-4. 190 Seiten.
  • Köln: Ed. Köln, 2008. Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands, Bd. 4. ISBN: 978-3936791488. 223 Seiten.

'Einer von uns beiden' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Berlin-Kreuzberg: Dem Studenten Ziegenhals will nichts gelingen, nicht das Studium, nicht das Schreiben und nicht das Leben zwischen Huren und Ganoven. Bis er dntdeckt, dass einer seiner Professoren seine Doktorarbeit gefälscht hat. Und schon geht es ihm besser. Bis sich das Opfer seiner Erpressung wehrt und es heißt: Einer von uns beiden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Psychologische Studie über Ursache und Wirkung« 71°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

»Einer von uns beiden« ist der Erstling des als -ky bekannt gewordenen Berliner Soziologieprofessors Horst Bosetzky. Zwei sehr ungleiche Männer sind die Hauptfiguren in diesem in Berlin spielenden und vom äußeren her recht betagt wirkenden Krimi. Ein sehr dünnes Büchlein der Ausgabe von 1985 ist mir da in die Hände gefallen; 120 Seiten stark, aber sehr eng und klein beschrieben. Wie schon von anderen älteren rororo-Krimis her gewohnt und heutzutage kaum noch üblich beginnt das Buch mit einer Seite Auflistung der Hauptpersonen.

Da ist auf der einen Seite Dr. Rüdiger Kolczyk, 46 Jahre alt. Er stammt aus wohlhabenden Verhältnissen. Nach dem Krieg ging er in die USA und musste sich mit seiner Frau mühsam durchschlagen, doch schaffte er es, sein Studium schnell durchzuziehen und mit dem Doktortitel abzuschließen. Erst nachdem er 1957 seine Mutter beerbte, konnte er ein sorgenfreies Leben führen. Seitdem ist er wie sein Erfinder Professor für Soziologie und bestrebt, Karriere in der Politik zu machen.

Eher auf der Schattenseite der Gesellschaft steht Bernd Ziegenhals, 29 Jahre alt. Er verlor seine Eltern im Krieg und wuchs bei seiner Großmutter und später in Heimen auf. Dank Förderung machte er Abitur und begann mit dem Soziologie-Studium, dann jedoch geriet er in kriminelle Kreise und begann zu trinken. Ziegenhals bewohnt eine Absteige in Kreuzberg.

Sein Leben ändert sich grundlegend, als er für einen Freund gegen Bezahlung ein Referat anfertigen soll. Als er dafür recherchiert, entdeckt er durch Zufall, dass die Doktorarbeit von Prof. Korczyk die identische Übersetzung einer Veröffentlichung eines unbekannten amerikanischen Wissenschaftlers ist. Sollte dies bekannt werden, wäre das natürlich gleichbedeutend mit dem gesellschaftlichen und beruflichen Ruin des Soziologen. Dies wird Ziegenhals sofort klar und so erpresst er Korczyk: 5000 Mark sofort und monatlich 1000 Mark sorgen dafür, dass er sein Leben nun auf einer etwas höheren Ebene fortsetzen konnte. Mit einer neuen Wohnung und neuen Kleidern will er ein völlig neues Leben beginnen.

Doch Korczyk grübelt, wie er aus seiner Zwangslage heraus kommen kann und beginnt damit, Ziegenhals Angst einzujagen. Beide Kontrahenten führen bereits gedanklich Gewalttaten aus und so beginnt ein regelrechter Kleinkrieg. Der Mord an einer Prostituierten bildet nur eine Nebenhandlung und gerät im Prinzip nur dadurch in den Mittelpunkt, dass beide Rivalen in Verdacht geraten.

Der Autor erzählt seine Geschichte abwechselnd aus der Sicht der Protagonisten. Beide fungieren dabei als Ich-Erzähler. Bei Ziegenhals bildet die »Anlage zum psychiatrischen Gutachten« die Grundlage, bei Korczyk müssen die Tagebuchaufzeichnungen herhalten. Auf diese Art und mit eingefügten Kapiteln übertitelt als »Zwischenspiel mit...« bekommt das Buch gewissermaßen einen dokumentarischen Touch.

Der Autor versucht anhand eines Beispiels aufzuzeigen, wie und wodurch Menschen kriminell werden können. Nicht nur das Milieu ist entscheidend, sondern auch der Druck, in den man geraten kann. So kann man »Einer von uns beiden« durchaus als Sozio-Krimi bezeichnen, der in den 70er Jahren in Mode kam, als man begann, sich mit Vergangenheit auseinander zu setzen. Die politische Komponente fehlt jedoch hier gänzlich.

Durch die genauen örtlichen Beschreibungen und Nennung der Straßennamen kann man die Orte der Handlung genau nachvollziehen. Dabei gelingt es dem Autor, durch Milieuschilderungen und insbesondere durch in Berliner Dialekt abgedruckte Dialoge eine realistische Atmosphäre zu schaffen. Vom sprachlichen her ist der Roman jedoch bestenfalls Durchschnitt. Moralische Betrachtungen kennzeichnen nicht nur große Teile der Story, sondern auch den Schluß des Ganzen.

»Einer von uns beiden« ist ein Kleinod aus der Anfangszeit des modernen deutschen Krimis, an dessem psychologischen Aufbau sich einige aktuelle Autoren durchaus ein Beispiel nehmen können.

Bekannter als der Roman wurde die Verfilmung von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1973 mit Klaus Schwarzkopf und Jürgen Prochnow in den Hauptrollen.

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fr_putz zu »-ky: Einer von uns beiden« 22.02.2011
Die aktuellen Ereignisse um die unredlich erarbeitete Doktorarbeit des Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg ließ mich daran erinnern, vor einigen Jahren einen Kriminalroman von –ky zu gleicher Thematik gelesen zu haben. Die Recherche bei Krimicouch führte mich dann schnell zu „Einer von uns beiden“, und die Erinnerung an die Lektüre kam dann recht zügig. –ky schildert hier, wie nach der Aufdeckung einer ebenfalls als Plagiat geschriebenen Promotion und der natürlich darauf folgenden Erpressung des Autors durch den Entdecker es zu einem hier äußerst vergnüglich beschriebenen Zweikampf zwischen beiden kommt, der auch beide Protagonisten des Romans in die Abgründe der Kriminalität führt. Das Vergnügen an der Lektüre wird noch gesteigert, als sich der Erpresser mit der Tochter seines Opfers liiert. Ein herrlicher Fall, der zufällig in diesen Tagen einen brisanten Bezug zu einem tatsächlichen Vorkommnis, welches die gegenwärtige Tagespolitik mit beherrscht, bekommen hat. Denn auch der Autor der abgeschriebenen Doktorarbeit im Roman „Einer von uns beiden“ hat Ambitionen, als Politiker Karriere zu machen, woran er durch die Aufdeckung seiner „Jugendsünde“ gehindert wird.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dr.Dieter Rohnfelder zu »-ky: Einer von uns beiden« 25.07.2009
Die Kritik von Peter Kümmel am sprachlichen Niveau kann ich nicht teilen. -ky hat von Anfang die Milieuschilderung zur Hauptsache gemacht und dieser die Sprache angepasst. Die Erzählung aus der Sicht der beiden Protagonisten, ergänzt durch die polizeilichen Ermittlungen, ist doch auch formal überzeugend. Verzichten mussten die Leser in späteren Romanen auf den Oberkommissar Rannow, der hier einen einmaligen "Gastauftritt" hatte. Mannhardt ist einfach viel besser!!
Torsten Janssen zu »-ky: Einer von uns beiden« 05.08.2003
Als Film leidlich spannend, das Buch wohl auch. (Verfilmung mit Klaus Schwarzkopf, Elke Sommer und Jürgen Prochnow. R: Wolfgang Petersen, D 1973)
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