SØG

  • DAV
  • Erschienen: November 2021
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Carola Krauße-Reim
92°

Krimi-Couch Rezension von Carola Krauße-Reim Jan 2022

Ein Fall, der weite Kreise zieht

Der Däne Jens Henrik Jensen ist bei uns vor allem durch seine „Oxen“-Reihe bekannt geworden. Mit „Søg“ hat er wieder eine Reihe konzipiert, die dieses Mal als Trilogie angelegt ist und in deren Mittelpunkt die dänische Kriminalbeamtin Nina Portland steht, die in Esbjerg ermittelt.

Der zweite Fall für Nina Portland

Nach „Søg – Dunkel liegt die See“ muss Nina Portland nun zum zweiten Mal ermitteln. Die Kommissarin, in deren Adern statt Blut das konzentrierte Salzwasser aus Generationen von Fischern fließt, wird in einer Gewitternacht zur Kohlenhalde des Stromwerkes von Esbjerg gerufen. Aus einem dunklen Berg ragt ein Leichnam heraus, der schnell den Namen „Der Kohlenmann“ erhält. Wer der Gefolterte ist, bleibt lange ungeklärt. Als eine zweite Leiche entdeckt wird, wird Nina Portland klar, dass es sich hier um ein internationales Verbrechen von ungeahnten Ausmaßen handelt. Eine DVD mit der Dokumentation einer Hinrichtung wird zum Mittelpunkt der Ermittlungen, die Nina nicht immer mit Rückendeckung ihres Vorgesetzten durchführt. Bald treten geheime Mächte auf den Plan, die vor nichts zurückschrecken – auch nicht vor Ninas Familie.

Nina Portland steht im Mittelpunkt

Man muss nicht den ersten Teil gelesen haben, um das Geschehen verfolgen zu können und zu merken, dass Nina Portland der unumstrittene Mittelpunkt des Thrillers ist. Eigentlich in ein Team rund um Polizeidirektor Erik Birkedal eingebunden, ist sie doch mehr eine Einzelgängerin, die ihren Intuitionen oft mehr vertraut als den Ermittlungsergebnissen ihrer Kollegen.

Jensen hat unverwechselbare Charaktere geschaffen, die alle typische Merkmale zur Wiedererkennung haben – die zerzauste Löwenmähne des Chef, die Billigklamotten des Kollegen mit dem antike-Waffen-Tick, die Unfähigkeit eines anderen und die minutiöse Lebens-Durchtaktung eines Dritten. Und natürlich die Scharfsinnigkeit von Nina, die zudem als alleinerziehende Mutter für Sohn Jonas Sorge trägt, der ein typischer Junge mit Vorlieben für Computerspiele und Cola ist, aber auch feinsinnig genug, die Belastung seiner Mutter durch ihren Job zu erkennen. Und jetzt kommt Tim Wejse neu ins Team, der Nina nicht nur auf eine Art interessiert.

13 Stunden und 35 Minuten packende Spannung

Schon mit der ersten Szene fesselt der Autor an die Geschichte. Düster und bedrohlich erscheint der Fundort und genauso geht es weiter, wobei Jensen nicht ganz in die aussichtslos dunklen Abgründe der Nordic-Noir-Genres abgleitet. Immer wieder lässt er Szenen aus Ninas Privatleben einfließen, die einen gut ausbalancierten Gegenpol zu den Ermittlungen darstellen, auch, wenn Nina es als alleinerziehende Mutter nicht immer leicht hat.

Jede neue Erkenntnis treibt das Geschehen voran, das durch die politischen Verstrickungen und zahlreiche Wendungen noch packender wird. Die Ermittlungen führen in die Türkei und nach Deutschland, an Orte, die von Jensen sehr authentisch und dadurch fesselnd beschrieben werden. Die Spannung lässt tatsächlich nie nach und gipfelt in einem Schluss, der vielleicht ein bisschen unbefriedigend erscheint, aber einen politisch motivierten Thriller glaubhaft passend abschließt. Gleichzeitig bereitet er den 3. und letzten Teil der Reihe vor, der voraussichtlich im Juli 2022 erscheinen wird.

Britta Steffenhagen und ihre Stimme

Ein Hörbuch fußt natürlich auf der zu lesenden Geschichte, steht und fällt aber mit der Stimme und den Fähigkeiten des Sprechers oder der Sprecherin. Nicht selten haben monotone und unmotivierte Vorträge selbst die spannendsten Geschichten zunichte gemacht. Nicht so hier!

Die Berlinerin Britta Steffenhagen ist Schauspielerin und Synchronsprecherin, was ein eindeutiger Pluspunkt zu sein scheint. Mit ihrer rauchigen, leicht heiseren Stimme schafft sie die Stimmung und den Inhalt des an sich schon fesselnden Buches packend zu vermitteln. Durch ihre Modulation erweckt sie die Personen zum Leben und füllt die Orte mit nahezu greifbarer Atmosphäre.

Neben dem Inhalt des Thrillers und der glaubhaften und sympathischen Protagonistin, ist Britta Steffenhagens Lesung ein Grund für die hohe Beurteilung des Hörbuches. (Allerdings sollte der DAV vielleicht erklären, warum er auf der CD-Rückseite „Dunkle Nacht“ als Untertitel erwähnt und nicht „Schwarzer Himmel“, wie auf dem Cover.)

Fazit

Ein ebenso empfehlenswerter wie packender Hörgenuss, bei dem alles stimmt! Inhalt, Protagonistin und eine überaus motivierte Britta Steffenhagen machen diesen zweiten Teil der Nina Portland Reihe zu einem spannend-kurzweiligen Vergnügen, das die Vorfreude auf den dritten Teil der Serie gehörig schürt.

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