Schlafende Hunde

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2013, Titel: 'Saints of the Shadow Bible', Originalsprache
  • Hamburg: Der Hörverlag, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Jürgen Tarrach, Bemerkung: gekürzte Lesung

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Lars Schafft
Sünder und Heilige

Buch-Rezension von Lars Schafft Aug 2014

Was soll man zu Ian Rankin noch sagen? Seit 1987 schreibt er an seiner Reihe um den Polizisten John Rebus aus Edinburgh, vor sieben Jahren hatte er ihn schon in Rente geschickt. Viele hatten es gehofft und manche auch erwartet, der schottische Autor bleibt nicht konsequent und schickt John Rebus degradiert zurück in den aktiven Polizeidienst. Viele alte Bekannte wie Shioban Clarke oder auch seine andere Serienfigur Malcom Fox freuen sich – mehr oder weniger – über Rebus' Wiederkehr. Überhaupt: Malcom Fox als interner Ermittler gegen seine Kollegen eingeführt, ist er das genaue Gegenteil von John Rebus. Diszipliniert, haarklein bis penibel, einer, mit dem man sich nicht auf ein Pint im Pub treffen mag. Genau diese beiden unterschiedlichen Charaktere führt Rankin in Schlafende Hunde zusammen, eine Art (Mini) Clash of Cultures vor aktuellem Hintergrund.

Als Detective Sergeant hat John Rebus nicht mehr die ganz großen Fälle auf seinem Schreibtisch. Ein Wagen verunglückt außerhalb Edinburghs und eine junge Studentin liegt deshalb im Krankenhaus. Nur ein harmloser Verkehrsunfall? Mitnichten! Dann kommt allerdings Malcom Fox ins Spiel und konfrontiert Rebus mit den „Heiligen der Schattenbibel" - Saints of the Shadow Bible, so der englische Titel. Es geht um die Zeit, als John seinen Dienst angetreten hat und als viele Fälle noch mit justizmäßig fragwürdigen Methoden „gelöst" wurden. Ein vermeintlicher Täter von damals droht nun dieses Lügengebilde zum Einsturz zu bringen, in dem er auspackt. Doch er wird es nicht tun, findet man stattdessen alsbald seine Leiche. Als Täter in Verdacht: Die Heiligen der Schattenbibel. Manches sollte besser unter den Teppich gekehrt bleiben.

Könnte Rebus? Sollte Rebus? Im Unklaren über die Konsequenzen willigt er ein, und arbeitet gemeinsam mit Malcom Fox den Fall auf, immer darauf bedacht sich selbst nicht zu belasten und seine Kollegen von damals aus der Schusslinie zu halten.

Wie weit die Vorkommnisse im Hier und Jetzt mit dem zwanzig Jahre alten Fall zu tun haben, erschließt sich weder Malcom, noch Shioban oder gar John selbst.

Autor Ian Rankin gelingt es auf formidable Art und Weise zwei völlig voneinander unabhängige Straftaten zu einem sehr komplexen Plot – vor dem Hintergrund der schottischen Unabhängigkeitsdebatte, denn auch da gibt es einen Toten – zu verweben, was nicht nur tief in die Vergangenheit zurückreicht, sondern auch in die Gegenwart ausmäandert: Drogen, Kleinkriminelle, Gangster, Banden, Politik.

Von Rankin darf man natürlich nach einem Vierteljahrzehnt erwarten, dass er einen guten Plot zusammenschustert. Und wie ist es ihm diesmal gelungen! Als langjähriger Leser der Serie weiß man um seine Fähigkeiten, so dass man nicht über die Logik der Handlung überrascht ist, sondern sich vor allem darüber freut, dass der Autor John Rebus wieder zurück in den Polizeidienst gehievt hat. Rebus ist ein Unikum, der genau das erfüllt, was man von einem Tartan Noir erwartet: Ein bisschen schmutzig, aber immer ehrlich und echt.

Mit der neuen Figurenkonstellation – allen voran Rebus und Fox – hat Ian Rankin einen Meilenstein geschaffen. Ihn und seine Helden wird es noch lange geben. Wie lange Schottland noch auf die Verbesserung seiner Lebenssituation warten muss, bleibt nach der Yes-or-No-Abstimmung im letzten Monat jedoch fraglich. Rebus zweifelt genau wie die Unterwelt Edinburghs. Solange Malcom Fox allerdings noch die Rechtwinkligkeit seiner Bierdeckel (dabei trinkt er gar kein Bier) überprüfen kann, und der alternde DS Rebus keine Angst und Scheu vor den Kriminellen hat, gibt es Hoffnung im Norden der britischen Inseln – literarisch auf jeden Fall.

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