Rauhnacht von Volker Klüpfel & Michael Kobr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 5 der Kommissar-Kluftinger-Serie.

  • München; Zürich: Piper, 2009. 368 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2010. 361 Seiten.
  • Müchen; Zürich: Piper, 2010. ISBN: 978-3-492-25990-3. 361 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Osterwold Audio, 2009. Gesprochen von Volker Klüpfel & Michael Kobr.

'Rauhnacht' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein zugeschneites Berghotel, ein mysteriöser Mord und ein aufgekratzter Doktor Langhammer – Kluftinger ermittelt wieder!Eigentlich sollte es für die Kluftingers ein erholsamer Kurzurlaub werden, auch wenn das Ehepaar Langhammer mit von der Partie ist: ein Winterwochenende in einem schönen Allgäuer Berghotel samt einem Live-Kriminalspiel. Doch aus dem Spiel wird blutiger Ernst, als ein Hotelgast unfreiwillig das Zeitliche segnet. Kluftinger steht vor einem Rätsel: Die Leiche befindet sich in einem von innen verschlossenen Raum. Und über Nacht löst ein Schneesturm höchste Lawinenwarnstufe aus und schneidet das Hotel von der Außenwelt ab. Kommissar Kluftinger ist ganz auf sich allein gestellt. Das heißt: fast. Denn Doktor Langhammer mischt bei den Ermittlungen kräftig mit. Und das alles während der berüchtigten Rauhnächte, über die man sich hier in den Bergen grausige Geschichten von bösen Mächten erzählt.

Das meint Phantastik-Couch.de: »Hommage an den klassischen englischen Krimi« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Kluftinger, liebevoll »Klufti« genannt, der kauzige Kommissar aus dem Allgäu, hat sich mittlerweile in Kreisen deutscher Krimileser zu einer Art Kultfigur entwickelt. Mit »Rauhnacht« legen seine Erfinder, das Autoren-Duo Klüpfel und Kobr, den nunmehr fünften Band der Reihe vor. Und darin erwartet Kluftinger ein ganz besonderer Fall.

Eingeschneit

Ein erholsamer Kurzurlaub sollte es für Kluftinger und seine Ehefrau Erika werden. Den Neujahrsbeginn möchte man in einem Berghotel im Allgäu verbringen. Nun ja, »möchte« ist aus Kluftingers Sicht etwas übertrieben, denn man reist gemeinsam mit dem Ehepaar Langhammer an, und wie der erfahrene Kluftinger-Leser weiß, könnte der Kommissar auf Doktor Langhammer mit seiner forschen altklugen Art gut und gerne verzichten. Doch die Reise ist ein Geschenk der Hotelbesitzerin Julia König, dessen Ursache noch aus dem Vorgängerband Laienspiel datiert. Es sollte ein ganz besonderer Aufenthalt werden, denn geplant ist ein Kriminalspiel, in dem die Hotelgäste selber mitspielen sollen.

Es schneit ununterbrochen und am nächsten Tag ist man von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die Telefonverbindungen funktionieren nicht mehr. Kein Grund für die Gäste, auf ihren Spaß zu verzichten. In stilechten Kostümen haben sie sich versammelt und Kluftinger geht in seiner Rolle als Hercule Poirot geradezu auf. Man sitzt bereit zum Themenessen, doch der Platz von Carlo Weiß bleibt leer. Man macht sich Sorgen um ihn und findet sein Zimmer von innen abgeschlossen vor. Kluftinger bricht schließlich die Tür auf. Carlo Weiß liegt tot in seinem Zimmer.

Aus dem Spiel ist nun Ernst geworden, denn Doktor Langhammer untersucht den Toten und findet einen frischen Einstich einer Injektionsnadel. Man muss davon ausgehen, dass Carlo Weiß ermordet wurde. Aufgrund der besonderen Lage übernimmt Kommissar Kluftinger die Ermittlungen, assistiert von seinem Gehilfen Doktor Watson alias Doktor Langhammer …

Kluftinger goes Classic

Ein eingeschneites Berghotel, abschnitten von seiner Umwelt, ein Ermordeter in einem von innen abgeschlossenen Raum – schnell wird klar, was sich das Autoren-Duo aus dem Allgäu dieses Mal ausgedacht hat. Ein richtig »klassischer« Kluftinger sollte es werden, ein »Locked-Room-Mystery« im Stile der britischen Krimis a la Agatha Christie. Ein sehr ungewöhnliches Vorhaben in unserer hochtechnisierten Zeit, doch man kann zweifellos behaupten, dass diese Hommage an den klassischen englischen Kriminalroman absolut gelungen ist.

Klug bauen die Autoren den Kriminalfall auf. Zunächst scheint es, als ob keiner einen Bezug zu dem Ermordeten hatte. Doch nach und nach finden sich Gäste, die ihn gekannt haben und schließlich sieht es so aus, als sollte jeder der Beteiligten in einer gewissen Beziehung zu Carlo Weiß gestanden haben und nicht nur das: alle hatten sogar ein überzeugendes Motiv für den Mord. Auf die Fährte welches klassischen Falles der Leser hier gelockt werden soll, scheint spätestens jetzt klar.

Herrlich, wie die Autoren in die spannende Krimihandlung wieder ihre kleinen Episoden eingebaut haben, die dem Leser wieder einige Lacher bescheren. Schön, dass Kluftinger trotz seiner kleinen menschlichen Pannen einmal richtig zeigen kann, welches Potential eigentlich in ihm steckt. Überlegt führt er seine Ermittlungen durch, befragt die Verdächtigen und zieht die richtigen Schlüsse. Hier ist er so richtig in seinem Element und kann gegenüber dem verhassten Doktor Langhammer Pluspunkt um Pluspunkt sammeln. Und dass letzterer in Abwesenheit des Kollegen Meier die Trottelrolle übernehmen musste, kommt beim Leser sicher gut an. »Rauhnacht« bietet mehr Situationskomik und weniger Klamauk als die vorangegangenen Bände.

In toller winterlicher Atmosphäre sorgt der fünfte Kluftinger-Fall für Spitzen-Unterhaltung, für mich der bislang beste Roman der Serie. Auch aus einer alten Idee, die überholt und ausgelutscht scheint, lässt sich, wie die immer routinierter werdenden Allgäuer beweisen, noch Neues machen und ein gelungener Krimi zaubern. Ein Buch, dass sich als Weihnachtsgeschenk geradezu aufdrängt, denn wann lässt sich dieser Fall besser lesen als an einem kalten Winterabend.

Peter Kümmel, November 2009

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moe60 zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 04.03.2018
So gänzlich erschließt sich mir der Hype um Kluftinger nicht. Sicherlich sorgen die Scharmützel mit Dr. Langhammer für ein Schmunzeln. Jedoch gerät dies in "Rauhnacht" völlig aus dem Ruder. Und überhaupt, der Kommissar erscheint nicht nur in dieser Lektüre völlig prüde und verklemmt, da stellt sich mir die Frage, wer mag der tatsächliche Vater von Kluftingers Sohn Markus sein? Da fällt mir nur der virile Langhammer ein...
Vielleserin zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 26.01.2018
Eigentlich sollte ich ja wohl erst eine Kritik nach Abschluss der Lektüre abgeben - ich kann mich aber einer "Zwischendurchkritik" nach 134 von 362 Seiten und den 3 Vorgängerkrimis, die ich gut und auch witzig fand, nicht enthalten.
Kurzum: Es wird für mich schwierig, "Rauhnacht" zu Ende zu lesen.
Warum? Die von Agatha Christie und anderen Krimischriftstellern abgekupferte Szenerie kann mir als Leserin, die humorvolle, gut geschriebene Krimis schätzt, nur ein müdes Lächeln abgewinnen. Nach der Lektüre von 3 Klüpfl/Kobr- Krimis langweilt die witzig sein wollende Darstellung von Kluftinger (ungebildeter Trottel, der keinen Fettnapf auslässt) und Dr. Langhammer (selbstverliebter Luxusmann).
Die extrem ausführlichen Beschreibungen der Umgebung und der Menschen werden nach einiger Zeit nur noch langweilig; ich habe das Gefühl, dass nur Seiten geschunden werden sollten.Gut - es gibt immer etwas zum Schmunzeln - aber reicht das, um 362 Seiten zu füllen?
Wer erst einen oder zwei "Kluftingers" gelesen hat, wird wohl auch an diesem noch seine Freude haben.Schaun wir mal, ob ich auch nach Ende der Lektüre noch den Eindruck habe, dass die Autoren - einmal von Erfolg gekrönt - nun zwangsläufig (!) weitermachen. Vertrag mit dem Verlag?
Gut, dass die Verfilmungen der Klüpfl/Kobr- Krimis mit Herbert Knaup in der Hauptrolle sehr gelungen sind. Hätte sich der Regisseur die Charakterisierung der Hauptpersonen nach der Romanvorlage zu eigen gemacht, wären nur platte Krimikomödien dabei herausgekommen.
Schnippi zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 20.11.2016
Wie immer - nette, leichte, humorvolle Unterhaltung mit bedingter Spannung. Trotzdem lesenswert (wenn man nicht auf totale Spannung aus ist). Die Handlung ist zwar nicht neu...interessant aber, was "Kluftinger", der eigentümliche Ermittler, mit seiner Art daraus macht. Lokaler Witz und schrullige Eigenheiten entlocken dem Leser(an so mancher Stelle) ein Lächeln. Diesen Krimi also nicht zu "Bierernst" nehmen.
stanjone zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 14.04.2015
Ob die Kluftinger Reihe zu den Krimis gehört oder einfach ein netter erzählter Roman mit kriminalistischen Fragmenten ist… ich lass das mal offen. Auf alle Fälle fühlte ich mich gut und vor allem witzig unterhalten. Das bei berühmten Autoren geklaut wurde... ok, nennt mir einen Krimi mit einer komplett neuen Story die wir nicht schon mal irgendwo gelesen haben. Fazit: Es ist der bisher beste "Kluftinger".
margana zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 11.10.2014
Mit jedem Buch steigern sich die zwei. Die Verbindung mit dem Hotel Rauhnacht und Hercule Poirot übrigens auch einer meiner lieblingsbucher, ist klasse gemacht. Das Buch ist sehr zu empfehlen viel will ich nicht verraten, nur das man es an besonders kalten winternachten lesen sollte und es sich gemütlich macht.
Darix zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 18.07.2013
Kluftingers 5. Fall fällt gegenüber den Vörgänger Fällen ab. Es geht in die Richtung allgäuer Folklore, verpackt mit humoristischen Slapstick Einlagen.
Das Fall Muster von Rauhnacht ist nicht unbedingt neu. Die Protagonisten befinden sich eingeschneit in einem Berghotel. Wie der Titel (versehen mit einem originellen Einband) verspricht, haben insbesonders Raunächte etwas mystisches und Klufti ermittelt in seiner schrulligen, beinahe tollpatschigen Art. Rauhnacht ist eher eine Krimikomödie und ordnet sich in der Rubrik leichte Unterhaltungslektüre ein.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Noire 113 zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 20.06.2013
Das war der erste Klufti-Krimi, den ich gelesen habe und gleichzeitig der letzte. Habe mich selten so gelangweilt; da haben die wirklich witzigen Szenen zwischen Langhammer und Klufti auch nicht weitergeholfen. Das Buch hat die Einreihung in die Krimi-Sparte nicht verdient; es scheint mir eher so eine Art Heimatroman mit Kriminalmotiven - frei nach den Hercule-Poirot-Romanen - zu sein.
WeWoGeBuch zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 04.04.2012
Da habe ich mich aber schon etwas gewundert.und dann trotzdem gefreut. Hat man denn für einen Regio-Krimi keinen Regio-Berg gefunden? Ich freue mich über den Pelmetto/Pelmo aus den Dolomiten bei Cortina auf dem Einband - was aber den gelungenen Krimi deswegen nicht um 1° schlechter macht- denn es ist ein gelungenes Foto!
Jannik zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 05.11.2011
Zunächst eine Warnung für die, die das Buch noch nicht gelesen haben: Bitte nicht die Rezensionen von Bernd Kogel und Rolandreis lesen. Hier wird leider wiedermal viel zuviel über die Auflösung verraten.
Zum Buch:
Natürlich sollte man die Geschichten um Klufti nicht allzu ernst nehmen. Wer einen rasanten Krimi mit viel Action und vielen Wendungen erwartet wird hier eher enttäuscht werden. Für alle die , die auch gerne mal über peinliche Situationen schmunzeln können ist dieses Buch aber allemal zu empfehlen.
Davon, dass hier von A. Christie geklaut wird kann man meiner Meinung nach auch nicht sprechen. Im Gegenteil: Wie schon Herr Kümmel mitteilt, ist das Buch eher als Hommage an Christie (insbesondere an "Der Mord im Orientexpress") anzusehn. Fans von Sjöwall/Wahlöö werden auch Parallelen zu "Verschlossen und verriegelt" entdecken.
Nun gut; das Schlusskapitel fand auch ich überflüssig, insgesamt wird das Buch dadurch aber auch nicht schlechter.
Fazit: Lesenswert für alle Krimifreunde mit Humor.
Bernd Kogel zu »Volker Klüpfel & Michael Kobr: Rauhnacht« 08.07.2011
Grauenvoll geschrieben, spätestens nach der Hälfte vorhersehbar, wer die Täterin ist. Die Christie, von der hier so schlecht geklaut wurde, täte sich im Grabe umdrehen.

Und dann noch die James-Bond-Schlitteneinlage am Ende. Würde sie verfilmt, käme nur ein Väter-der-Klamotte-Format in Frage.

Finger weg von diesem Roman.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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