Der Schlitzer von Steven Dunne

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Reaper, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Damen-Brook-Serie.

  • Leicester: Matador, 2007 unter dem Titel The Reaper. 248 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010. Übersetzt von Edith Beleites. ISBN: 978-3-499-25420-8. 525 Seiten.

'Der Schlitzer' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Als Inspector Damen Brooke nach Derby zieht, glaubt er, die schlimmen Zeiten endlich hinter sich lassen zu können: Die Jahre mit seiner Ex-Frau, seiner rebellischen Tochter Tara, dem Alkohol-Problem. Vor allem aber die ungelöste Mordserie, die London seit langem in Angst und Schrecken versetzt. Dann wird Brooke eines Winterabends an den Schauplatz eines grauenhaften Verbrechens gerufen wird. Und er weiß sofort: Der «Schlitzer» ist ihm gefolgt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Noch ist Steven Dunne ein Geheimtipp« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Inspektor Damen Brook zog vor einigen Jahren von London, wo er ein angesehener Profiler war, in das eher beschauliche Derby, wo er sich als Polizist einen ruhigeren Arbeitsalltag erhofft. Bei seinen Kollegen ist der höchst eigenwillige Ermittler weitestgehend unbeliebt und gilt als herunter gekommener Problemfall, der dem Druck der Hauptstadt nicht gewachsen war.

Jason Donovan Wallis hingegen ist zwar noch ein junger Teenager, doch bereits eine »Legende« in Derbys sozialem Brennpunktviertel Drayfin Estate. Hier langweilt er sich mit seinen Kumpeln zu Tode, zerstört mit Vorliebe öffentliche Einrichtungen und versetzt andere Menschen in Angst und Schrecken, so zuletzt seine Lehrerin, die er vor versammelter Klasse zu vergewaltigen drohte.

Obwohl in Derby recht wenig passiert überschlagen sich eines Nachts die Ereignisse. Der Dienst habende Ermittler wird zu einem Einsatz gerufen, da eine alte Frau in ihrer Wohnung ermordet wurde. So kommt es, dass der eigentlich nur Bereitschaftsdienst schiebende Brook zu einem zweiten Tatort gerufen wird. In Drayfin Estate wurde eine ganze Familie regelrecht abgeschlachtet. Bobby Wallis, einem bekannten Kleinkriminellen, und seiner Frau wurden die Kehlen durchgeschnitten, ihre Tochter Kylie liegt ebenfalls ermordet zu ihren Füßen. Nur Sohn Jason scheint Glück im Unglück gehabt zu haben, denn diesen finden die Polizisten bewusstlos in der Küche. Während die übrigen Polizisten noch über die groteske Szenerie am Tatort staunen ist Brook schnell klar, dass »der Schlitzer« erneut zugeschlagen haben muss. Dieser war Anfang der 90er Jahre in London für mehrere grausame Morde an Familien verantwortlich und wurde nie gefasst. Seinetwegen wechselte Brook nach Derby, doch scheint ihn nun die Vergangenheit einzuholen&

Steven Dunnes Debütroman wirbt mit dem reißerischen Titel Der Schlitzer um die Aufmerksamkeit der Thrillergemeinde. Im so genannten Waschzettel weist der herausgebende Rowohlt-Verlag zudem darauf hin, dass der Autor als »neuer britischer Geheim-Tipp« gelte. Wer angesichts dieser Vorzeichen jetzt Bedenken haben sollte, kann beruhigt werden, denn The Reaper ist für Fans der härteren Gangart durchaus eine Entdeckung.

Peter Hera ist The Reaper

Der Roman lebt vor allem von seinem abgehalfterten Protagonisten Damen Brook, der mit seinem eigenen Leben nach einem schweren Nervenzusammenbruch abgeschlossen zu haben scheint. Als er Anfang der 90er den Schlitzer jagte, gelang es dem Profiler als Einzigem dessen Identität herauszufinden. Genau hier lag aber das Problem, denn der extrem perfide Serienmörder zog Brook bewusst in seinen Bann, frei nach dem Motto: »Wir wissen es beide, aber Sie müssen es beweisen.« Damals wurde der Schlitzer für Brook zur Obsession. Tage- und Nächtelang ermittelte er rund um die Uhr, verlor zunächst seine Familie und schließlich die Kontrolle über sich selbst. Jetzt also ist der Schlitzer zurück und das Katz-und-Maus-Spiel wird erneut zu einem einzigartigen Albtraum für Brook.

Die Darstellung der sozialen Verhältnisse des jungen Jason zu Beginn des Romans ist ebenso verstörend wie authentisch, gleiches gilt für die Querelen innerhalb des Polizeiapparates. Der dortige Arbeitsalltag wird realistisch und detailliert beschrieben, genauso wie die Morde des Schlitzers. Dies ist nichts für seichte Gemüter, sondern verlangt den Lesern einiges ab. Höhepunkt der Geschichte, die zwischen den damaligen Ereignissen und der Gegenwart immer wieder wechselt, ist zweifelsohne das psychologische Duell zwischen dem Schlitzer und Brook. Beste britische Krimikost, die eine noch höhere Bewertung erhalten würde, wenn die Geschichte nicht von vorne bis hinten so außerordentlich stark konstruiert wäre. Zahlreiche Wendungen sorgen zwar für die nötige Spannung, doch am Ende wird dann alles »irgendwie« passend gemacht. Schade, aber dennoch gilt: Wer keinen empfindlichen Magen hat sollte hier zugreifen. Wer weiß, wie lange Steven Dunne noch ein Geheimtipp ist?

Jörg Kijanski, Juli 2010

Ihre Meinung zu »Steven Dunne: Der Schlitzer«

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Nepomuk zu »Steven Dunne: Der Schlitzer« 05.07.2011
Der Schlitzer ist auch nicht unbedingt die beste Übesetzung für den Titel. "Reaper" steht hier mehr für "Ernte" und soll im Original so etwas wie "Der Schnitter", also eine gewisse Verkörperung des Todes (Sensenmann) implizieren. Das ist zwar weniger reißerrisch, dafür reizvoller und lässt doch einige Interpretationen zum Nachdenken zu. Passt aber reheblich besser zum Buch :-))

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