Black Hand von Stephan Talty

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel The Black Hand, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Suhrkamp.

  • Boston: Houghton Mifflin Harcourt, 2017 unter dem Titel The Black Hand. 298 Seiten.
  • Berlin: Suhrkamp, 2018. Übersetzt von Jan Schönherr. ISBN: 978-3518469248. 318 Seiten.

'Black Hand' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als Kind wandert Joseph Petrosino zusammen mit seiner Familie aus Süditalien nach Amerika aus, Jugend in Little Italy, Prügeleien, Hunger, Jobs als Schuhputzer, Straßenfeger, Kadaverräumer. Doch Petrosino ist fleißig und er will nach oben. Schließlich bekommt er seine Chance bei der Polizei, und als die »Black Hand« ganz New York mit Terror überzieht, soll er die Stadt retten. Er stellt eine eigene Einheit aus Italienern zusammen, er perfektioniert Verkleidungen, er verdrischt Mafiagrößen auf offener Straße, er kennt keine Furcht. Spektakuläre Festnahmen folgen, darauf der Ruhm des Boulevards und Morddrohungen jeden Tag.

Ihre Meinung zu »Stephan Talty: Black Hand«

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oberchaot zu »Stephan Talty: Black Hand« 16.11.2018
Im Jahre 1906 verschwindet ein fröhlicher Junge namens Willie in New York City. Damit beginnt die Geschichte. Dann folgt der Lebenslauf von Joseph Petrosino. Er ist 1860 in Italien auf die Welt gekommen, seine Mutter stirbt früh, und im Jahre 1873 wandert Joe mit seinem Vater nach New York aus. Die Italiener waren nicht besonders beliebt in Amerika, und so startet Petrosinos Karriere wie von so vielen Einwanderern: Er hat einen Zeitungs-, später einen Schuhputzstand, arbeitet in der Metzgerei, als Hutverkäufer, bis er im Alter von 17 Jahren bei White Winger als städtischer Strassenfeger, welche der New Yorker Polizei unterstellt war, Arbeit bekommt. Dort wird sein Talent entdeckt, und Petrosino wird bei der Polizeiarbeit eingesetzt. Dort arbeitet er sich hoch, wird respektiert und geachtet. Zuerst allein, später im Team von sechs, bis noch etwas später zu vierzigst geht er gegen die "Black Hand" vor. Diese nimmt Geiseln, tötet, legt Bomben, erpresst gegen immer mehr Geld die italienischen Einwanderer. Petrosino feiert Erfolge, aber auch Misserfolge. Er heiratet und geht später nach Italien, um das Problem an der Wurzel zu packen.

Für mich war das Buch anfangs spannend. Ich kann mir gut vorstellen, dass Leser mit italienischen Wurzeln, die vielleicht sogar noch Angehörige in den USA haben, dieses Buch sehr gerne lesen. Für mich ist es eher ein Auszug aus dem Geschichtebuch. Es kommen sehr viele oberflächlich geschilderte Ereignisse vor, da wäre für mich weniger, dafür ausführlicher, etwas mehr gewesen. Einzig der Fall von Willie, der anfangs Buch verschwunden ist, wird nochmals aufgerollt. Ansonsten ist die Lebensgeschichte von Joe Petrosino der einzige rote Faden, den ich gefunden habe.

Das Buch ist gut geschrieben, informativ, aber für mich doch etwas zusammenhangslos.
Miss Marple zu »Stephan Talty: Black Hand« 16.11.2018
Ein Stück amerikanische Zeitgeschichte
Der Autor führt den Leser in das New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts
und zeigt anhand des Lebensweges Joseph Petrosinos, dem ersten italienischen Detective im New Yorker Polizeipräsidiums, dass der Amerikanische Traum auch seine Schattenseiten hatte. Selbst Kind einer Einwandererfamilie, wächst er mit dem festen Wunsch auf, etwas aus seinem Leben machen zu wollen. Das Leben in Little Italy prägt ihn und macht aus ihm einen starken und selbstbewussten Jungen. Vom Schuhputzer über Straßenfeger und Kadaverräumer arbeitet er sich durch verschiedenen Jobs, bis er die Chance hat, zur New Yorker Polizei zu gehen. Als die geheime Organisation „Black Hand“ die Stadt mit Kindesentführungen, Erpressungen, Bombenattentaten und Morden überzieht, erhält er den Auftrag, dem ein Ende zu bereiten. Mit einer neuen, eigenen Einheit aus Italienern- dem Italian Squad-tritt er den Kampf an, bei dem er Mut und Entschlossenheit bei der Vernichtung dieser der Mafia in seinem Heimatland ähnlichen Strukturen zeigt. Seine Arbeit führt ihn sogar zurück nach Europa, wo er sich in große Gefahr begibt.
Biographie, zeitgeschichtliche Dokumentation, Krimi- dieses Buch, das schwer einem Genre zu zuordnen ist- ist voller spannender Schilderungen rund um Petrosinos Leben, eingebettet in historische Vorgänge zu Beginn des 20. Jahrhunderts in New York, aber auch über die Stadtgrenzen hinaus. Das Buch sei vor allem geschichtsinteressierten Lesern empfohlen. Durch die Verdichtung einer hohen Anzahl geschichtlicher Fakten, ist es nicht immer leicht zu lesen.
elke17 zu »Stephan Talty: Black Hand« 28.10.2018
Joseph Petrosino ist ein Pionier. Der erste Polizist, der sich dem organisierten Verbrechen in New York in den Weg stellt. Unter Police Commissioner Theodore Roosevelt, später 26. Präsident der Vereinigten Staaten, kämpft er nicht nur gegen die italienische Mafia sondern auch gegen die Korruption in den eigenen Reihen. Zahlreiche Bücher und Filme widmen sich diesem Ausnahmepolizisten, und "Black Hand", das neueste Werk aus der Feder des Journalisten Stephan Talty erzählt dieses Stück amerikanischer Kriminalgeschichte:

New York, Anfang 20. Jahrhundert. Die erste Welle der italienischen Einwanderer hat sich in ihrem Leben in der Fremde eingerichtet. Die einen arbeiten hart, um sich ihren Traum vom Leben in Freiheit und Wohlstand zu erfüllen, die anderen schließen sich zu kriminellen Vereinigungen zusammen und erpressen von ihren Landsleuten Gelder im großen Stil. Und dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Selbst vor Kindern machen sie nicht halt, ein Leben zählt nichts für sie. Die am meisten gefürchtete Organisation der italienischen Mafia ist die "Black Hand".

Talty startet seinen Rückblick mit einem Fall, der den Leser mitten in deren skrupelloses Treiben katapultiert: Willi Labarbera, der fünfjährige Sohn italienischer Einwanderer, verschwindet spurlos. Doch dann kommt eine Lösegeldforderung, 5.000 Dollar wollen die Entführer, alles, was die Familie besitzt. Unterzeichnet ist der Brief mit dem Siegel der "Black Hand", der berüchtigten mafiösen Geheimgesellschaft. Die Labarberas wissen sich nicht zu helfen, kontaktieren die Polizei, und Joseph Petrosino nimmt sich des Falls an.

Petrosino, ebenfalls Kind einer italienischen Einwandererfamilie, will mehr von seinem Leben als seinen Unterhalt mit Schuhputzen zu verdienen. Er muss früh erfahren, dass die Italiener ganz unten auf der Skala stehen, was die gesellschaftliche Akzeptanz angeht. Nicht nur die Amerikaner verachten sie, nein, auch die irischen Immigranten, die sich speziell an der Ostküste und auch in New York bereits gemütlich eingerichtet haben, blicken verächtlich auf sie herab und machen ihnen das Leben schwer. Aber Petrosino lässt sich davon nicht abhalten und versucht das menschenmögliche, um die Lebensbedingungen seiner Landsleute zu verbessern, ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Und dazu gehört es für ihn, die "Black Hand" Mobster unschädlich zu machen. Diesem Ziel widmet er mit einer wahren Besessenheit sein Leben. Und er ist äußerst gut in dem, was er tut. Auch wenn es ihm schlussendlich nicht gelungen ist, den Sumpf trockenzulegen.

Manchmal schreibt dann doch das Leben die spannenderen Geschichten als die Fiktion. Talty schildert sehr anschaulich zum einen die Lebensbedingungen der italienischen Einwanderer, die Widerstände, gegen die sie ankämpfen müssen, zum anderen lässt er seine Leser äußerst präzise an der Polizeiarbeit Petrosinos und dessen Truppe teilhaben.

Amerikanische Kriminalgeschichte gepaart mit True Crime. Äußerst informativ. Spannend erzählt, vollgepackt mit Informationen, ermöglicht der Autor dem Leser den Blick in eine Zeit, in der die Mafia in New York noch in den Kinderschuhen steckt.

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