A.K. Amherst: Belfast Central

Wo Krimi und Zeitgeschichte aufeinandertreffen

Belfast Central

Wenn Irland 1921 unabhängig wurde, warum brach der Nordirlandkonflikt dann erst rund 50 Jahre später im Jahr 1969 aus? – Diese Frage bewegte Autorin A.K. Amherst dazu sich mit dem Thema genauer zu beschäftigen und den Thriller »Belfast Central« zu schreiben.

Die Recherche für ihren Debütroman führte A.K. Amherst bis ins 12. Jahrhundert zurück, als die Eroberung Irlands durch die britische Krone begann. Der Kampf um die grüne Insel wurde zu einem jahrhundertelangen Tauziehen zweier Völker, das in der Unabhängigkeit Irlands 1921 mündete. Dass Nordirland eigentlich Teil des Unabhängigkeitsvertrages war und von seinem vertraglichen Austrittsrecht Gebrauch machte, wissen die wenigsten. »Das war für mich eine der überraschendsten Erkenntnisse in meinen Recherchen: Nordirland hatte eine Wahl«, sagt A.K. Amherst.

Dass Nordirland sich schließlich für Großbritannien und gegen Irland entschied, hat für die Autorin ganz klare gesellschaftliche Gründe. »Zu dem Zeitpunkt hatten sich bereits viele schottische und englische Siedler in Nordirland niedergelassen. Ein strategischer Zug der Briten, um den irischen Einfluss im Norden zu schwächen.« Es hat funktioniert, zumindest damals zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung. Doch der Unmut des irischen Teils der Bevölkerung wuchs und eskalierte schließlich mit dem Nordirlandkonflikt – ein Konflikt der erstaunlich wenig mit Religion und sehr viel mit gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten zu tun hat.

Diese gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten werden auch im Roman »Belfast Central« behandelt. Die Autorin bezieht nämlich reale historische Ereignisse aus den 1930iger Jahren und den 1990iger Jahren in ihren Krimi mit ein.

Dreh- und Angelpunkt des Romans ist jedoch ein fiktive Ereignis: Eine Schießerei am Bahnhof von Belfast, bei dem ein junger pazifistischer Sanitäter und ein in die Jahre gekommener IRA-Offizier aufeinandertreffen. »Diese zufällige Begegnung gleicht dem aufeinander prallen zweier Welten«, sagt Amherst. Als die Autorin diese Situation konstruierte, hatte sie die Worte von Carl Gustav Jung im Ohr: Das Aufeinandertreffen zweier Persönlichkeiten, ist wie der Kontakt zweier chemischer Substanzen: Wenn es eine Reaktion gibt, transformieren sich beide.

Sanitäter und IRA-Offizier verfolgen dasselbe Ziel, sie wollen die Schießerei am Bahnhof von Belfast aufklären und tun sich schließlich zusammen. Um die Blickwinkel beider Männer einzufangen, erzählt Amherst »Belfast Central« in zwei Zeitebenen und aus zwei Perspektiven. Die 1990iger in Belfast erleben wir aus der Sicht des pazifistischen Sanitäters. Die 1930iger werden durch die Augen des IRA-Offiziers lebendig, der zur damaligen Zeit noch ein Jugendlicher war.

Unterstützt wird die Geschichte durch starke Nebenfiguren, die unterschiedliche Sichtweisen und Schicksale des Nordirlandkonflikts verkörpern.

A.K. Amherst

Mit »Belfast Central« hat Amherst ein bemerkenswertes Debüt hingelegt, das es jüngst auf die Longlist des deutschen Selfpublishing Preises geschafft hat. Damit zählt der Nordirlandkrimi mit historischem Bezug zu den 20 besten deutschsprachigen Romanen, die 2018 im Eigenverlag erschienen sind.

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Der Roman ist als Taschenbuch (im Buchhandel) und als E-Book (Kindle) erhältlich.