Sax Rohmer

Sax Rohmer wurde am 15. Februar 1883 als Arthur Henry Ward und Sohn irischstämmiger Eltern im englischen Birmingham geboren. William Ward, der Vater, arbeitete als Büroangestellter, Margaret, die Mutter, war nervenkrank und alkoholsüchtig, der Familienalltag deshalb ungeregelt. Arthur besuchte erst im Alter von neun oder zehn Jahren die Schule – sein Vater unterrichtete ihn daheim.

Schon als Kind träumte Arthur angeblich von einer Karriere als Autor. Nach Abschluss der Schule versuchte er sich allerdings zunächst in einer ganzen Reihe von Jobs. Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitete er als Reporter für eine Wochenzeitschrift. In diese Jahre fallen auch erste literarische Veröffentlichungen.

Seit jeher war Ward vom Alten Ägypten und vom Okkultismus fasziniert; zwei Interessen, die er mit vielen seiner englischen Zeitgenossen teilte. 1903 veröffentlichte er unter dem Pseudonym »Sax Rohmer« The Mysterious Mummy, seine erste Kurzgeschichte. Nach eigener Auskunft stand »Sax« für »Saxon«, also (Angel-) Sachse, und »Rohmer« für »roamer«, d. h. »Wanderer«, aber auch »Herumtreiber«.

Sax Rohmer war kein Literat, sondern ein Produzent für die Magazine und Groschenhefte seiner Ära. Er arbeitete schnell und lieferte, was das Publikum dieser 'Verbrauchsliteratur’ forderte. Außerdem lieferte Rohmer Sketche für Theater und Vaudeville. 1909 heiratete er Rose Elizabeth Knox, im Jahr darauf erschien Pause!, sein erster Roman.

Der Durchbruch als Autor kam 1913 mit The Mystery of Dr. Fu Manchu, dem ersten einer langen Reihe von Mystery-Thrillern um den anscheinend unsterblichen Fu-Manchu, der Verkörperung der »Gelben Gefahr« aus einem Asien, das sich viele brave aber wenig weltgewandte Briten als Hort skrupelloser Warlords und verschwörerischer Opiumhändler vorstellten, die nur darauf lauerten, ihre Krallen gen England auszustrecken, wo aber zumindest im Falle Fu-Manchus der Geheimdienstmann Sir Denis Nayland Smith, sein Freund Dr. Petrie und die mysteriöse (aber schöne) Kâramanéh wachsam bereitstanden, ihm das üble Handwerk zu legen. Das schien 1917 in The Si-Fan Mysteries gelungen zu sein, denn Fu-Manchu starb in diesem Roman. Doch andere Schurken aus dem Nahen und Fernen Osten standen längst in den Startlöchern, und auch Fu-Manchu war selbstverständlich nicht wirklich tot.

In den 1920er und 30er Jahren war Rohmer mit seinen oft mit übernatürlichen Elementen bereicherten Thrillern überaus erfolgreich. Allerdings war er ein besserer Autor als Geschäftsmann. Obwohl seine Geschichten gern gelesen wurden, landete aufgrund ungünstiger Verträge wenig Geld in Rohmers Börse. Rohmers Hang zum Glücksspiel sorgte für zusätzliche finanzielle Engpässe.

1932 drehte Regisseur Charles Brabin The Mask of Fu Manchu mit einem überragenden Boris Karloff in der Titelrolle. Von der Zensur des Hays Code (ab 1934) noch nicht betroffen, erstaunt dieser Film noch heute durch seine unverhohlenen Grausamkeiten und offenen Chauvinismen, ist allerdings auch ein raues, ungemein spannendes Stück Kino-Geschichte. Dieser Film war übrigens keineswegs der erste, der Rohmers Meisterschurken präsentierte. Schon 1923/24 spielte ihn H. Agar Lyons in einer langen Reihe kurzer Stummfilm-Abenteuer.

Nach dem II. Weltkrieg siedelten Rohmer und seine Familie in die USA um. Nach einigen Umzügen ließ man sich endgültig in White Plains im Staat New York nieder. Geldnot ließ Rohmer weiterhin sehr produktiv bleiben. Allerdings griffen die bewährten Spannungselemente in einer durch den Krieg kulturell stark veränderten Welt nicht mehr so zuverlässig wie früher. Rohmer konterte u. a. mit einer 'modernen’ weiblichen Version von Fu-Manchu und startete 1950 die fünfbändige »Sumuru«-Serie mit dem verheißungsvollen Titel Nude in Mink.

Auch das Original blieb aktiv. Der Korea-Krieg ließ alte und neue Vorurteile aufleben. Fu-Manchu wurde kurzerhand Kommunist und trat in die Dienste der chinesischen Machthaber, die er mit aberwitzigen Teufeleien nachhaltig unterstützte. 1955 suchte Fu-Manchu das US-Fernsehen heim, und auch im Radio war er selbstverständlich präsent. Emperor Fu-Manchu wurde Sax Rohmers letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes Werk; der Autor starb am 1. Juni 1959 im Alter von 76 Jahren an einer Lungenentzündung, der ein Schlaganfall folgte.

Die meisten seiner zahlreichen Werke sind inzwischen vergessen. Überlebt haben Fu-Manchu und Sumuru. Sie geistern seit 1959 immer wieder über Leinwände und Bildschirme. Einen eindrucksvollen Fu-Manchu gab Christopher Lee in fünf deutschen (!) B-Movies zwischen 1965 und 1969, Shirley Eaton verkörperte Sumuru in zwei Trash-Filmen 1967 und 1969.

In Deutschland blieb Rohmers Erfolg als Autor auf die Jahre vor dem II. Weltkrieg beschränkt. Nach 1945 wurden sporadisch bereits veröffentlichte Titel wieder aufgelegt, neue Romane blieben aber selten. [Michael Drewniok]

Krimis von Sax Rohmer:

  • Dr. Fu-Manchu
    • (1913) Die Mission des Dr. Fu-Mandchu / Das Geheimnis des Dr. Fu-Manchu
      The Mystery of Dr. Fu-Manchu / The Insidious Dr. Fu Manchu
    • (1916) Der Höllendoktor
      The Devil Doctor / The Return of Dr. Fu-Manchu
    • (1917) The Si-Fan Mysteries / The Hand of Fu-Manchu
    • (1931) The Daughter of Fu Manchu
    • (1932) The Mask of Fu Manchu
    • (1933) Fu Manchu’s Bride / The Bride of Fu Manchu
    • (1934) The Trail of Fu Manchu
    • (1936) President Fu Manchu
    • (1939) The Drums of Fu Manchu
    • (1941) The Island of Fu Manchu
    • (1948) The Shadow of Fu Manchu
    • (1957) Re-Enter Fu Manchu / Re-Enter Dr. Fu Manchu
    • (1959) Emperor Fu Manchu
    • (1973) The Wrath of Fu Manchu: And Other Stories
    • (1983) Sax Rohmer’s Collected Novels (The Hand of Fu Manchu, The Return of Dr. Fu Manchu, The Yellow Claw, Dope)
    • (1996) The Fu Manchu Omnibus. Volume 1 (The Mystery of Fu Manchu, The Devil Doctor, Si-Fan Mysteries)
    • (1997) The Fu Manchu Omnibus. Volume 2 (The Daughter of Fu Manchu, The Mask of Fu Manchu, The Bride of Fu Manchu)
    • (1998) The Fu Manchu Omnibus. Volume 3 (The Trail of Fu Manchu, President Fu Manchu, Re-Enter Fu Manchu)
    • (1999) The Fu Manchu Omnibus. Volume 4. (The Drums of Fu Manchu, Shadow of Fu Manchu, Emperor Fu Manchu)
  • Sumuru
    • (1950) Nude in Mink / Sins of Sumuru
    • (1951) Sumuru / Slaves of Sumuru
    • (1952) Virgin in Flames / The Fire Goddess
    • (1954) Return of Sumuru / Sand and Satin
    • (1956) Sinister Madonna
  • (1910) Pause!
  • (1916) The Exploits of Captain O’Hagan
  • (1918) The Orchard of Tears
  • (1918) Die Mumienkäfer
    Brood of the Witch Queen
  • (1919) Der heilige Pantoffel
    The Quest of the Sacred Slipper
  • (1920) The Green Eyes of Bast
  • (1924) Das graue Gesicht
    Grey Face
  • (1927) Der Mond des Wahnsinns
    Moon of Madness
  • (1928) Die Schlafende
    She Who Sleeps
  • (1929) Der Kaiser von Amerika
    The Emperor of America
  • (1932) Yu’an Hee See Laughs
  • (1935) The Bat Flies Low
  • (1936) White Velvet
  • (1944) Egyptian Nights / Bimbashi Baruk of Egypt
  • (1949) Hangover House
  • (1950) Wulfheim (als Michael Furey)
  • (1954) The Moon Is Red
  • (1983) Sax Rohmer’s Collected Novels (The Hand of Fu Manchu, The Return of Dr. Fu Manchu, The Yellow Claw, Dope)
  • Storysammlungen
    • (1914) Der Ring des Séverac Bablon
      The Sins of Séverac Bablon
    • (1918) Geheimnisvolles Ägypten
      Tales of Secret Egypt
    • (1920) The Dream Detective
    • (1920) The Haunting of Low Fennel
    • (1922) Im Schatten des Chinesenviertels
      Tales of Chinatown
    • (1932) Tales of East and West
    • (1939) Salute to Bazarada: And Other Stories
    • (1970) The Secret of Holm Peel: And Other Strange Stories
    • (2004) Strange Tales of Sax Rohmer: Classic Tales of Mystery and Intrigue
  • Dt. Zusammenstellung
  • Sonstige
    • (1911) Little Tich: A Book of Travels (and Wanderings) (mit Little Tich, d. i. Harry Relph)
    • (1914) The Romance of Sorcery
  • Biografie
    • (1972) Cay Van Ash/Elisabeth Sax Rohmer: Master of Villainy: A Biography of Sax Rohmer

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