Tödliche Sehnsucht von Sandra Brown

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Friction, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Blanvalet.

  • New York: Grand Central, 2015 unter dem Titel Friction. 410 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2018. Übersetzt von Christoph Göhler. ISBN: 978-3-7645-0563-9. 512 Seiten.

'Tödliche Sehnsucht' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Crawford Hunt will seine Tochter zurück. Nach dem Tod seiner Frau befindet sich der Texas Ranger in einer Abwärtsspirale, ist zu Büroarbeit degradiert worden und musste seine fünfjährige Tochter wegen eines Gerichtsbeschlusses weggeben. Jetzt hat er sein Leben wieder im Griff, doch das Schicksal seiner kleinen Familie liegt in den Händen von Richterin Holly Spencer. Die erkennt zwar, dass er sein Kind über alles liebt, ist aber unsicher, ob er die Verantwortung wirklich übernehmen kann. Hollys Meinung ändert sich jedoch schlagartig, als während der Anhörung ein bewaffneter Mann auftaucht und Crawford sie gerade noch vor einer Kugel retten kann. Doch der Täter wird nicht gefasst und bleibt eine Bedrohung. Crawford will Holly beschützen aber die verbotene Anziehungskraft zwischen den beiden macht ihm das nicht leicht.

Das meint Krimi-Couch.de: Sex, Blut und ein bisschen Spannung 60°

Krimi-Rezension von Carola Krauße

Texas Ranger Crawford Hunt ist nach dem Tod seiner Frau abgestürzt. Alkohol, Schlägereien und psychische Instabilität führten dazu, dass er seine kleine Tochter Georgia der Obhut der Großeltern überlassen musste. Jetzt will er sie zurück. Doch bevor die Richterin das Urteil im Sorgerechtsverfahren verkünden kann, stürmt ein maskierter Bewaffneter den Gerichtssaal und erschießt den Gerichtsdiener. 

Hunt kann schlimmeres verhindern, er nimmt die Verfolgung auf, die mit dem Tod des Täters auf dem Dach endet. Doch schnell stellt sich heraus, dass sie den falschen erwischt haben. Wer ist der Täter, wen wollte er tatsächlich erschießen, was ist sein Motiv und wer steckt hinter dem Ganzen? Crawford Hunt ermittelt und kämpft weiter um seine Tochter.

Rasanter Beginn mit anschließender Schleichfahrt

Gleich mit dem Prolog schafft es Sandra Brown den Leser in den Bann zu ziehen.Es ist klar, dass man wissen will, was vor der blutrünstigen Szene im Auto kam und was in den »fünf Tagen davor« geschah – und schon liest man weiter. Mit der Schießerei während der Anhörung plaziert die Autorin gleich den zweiten Paukenschlag, der quasi die Initialzündung für die ganze Geschichte ist. Doch es bleibt bei dieser Zündung, der Spannungsmotor stottert, der Thriller verkommt zu einem Geschichtchen.

Es folgt ein Romatic Suspense mit Betonung auf Romantic. Selbst immer wieder neue Erkenntnisse in den Ermittlungen werden ohne großes Bemühen aufgezählt. Da können auch Brutalität und hoher Blutverlust in einigen Szenen nicht mehr als Kopfschütteln hervorrufen. Von Nervenkitzel weit und breit keine Spur. Die Spannung blitzt lediglich punktuell auf. Die ausufernden Dialoge versetzen den Leser zusätzlich noch in einen Halbschlaf, der erst abrupt mit dem Showdown endet, aber da sind wir ja schon wieder beim Prolog.

Stereotypen statt Charaktere

Wer vielschichtige Charaktere mit einzigartigen Eigenheiten erwartet, wird auf der ganzen Linie enttäuscht. Serviert werden ausnahmslos klischeebehaftete Stereotypen. Texas Ranger Hunt ist ein knallharter Typ, der jede Situation ohne Rücksicht auf die eigene Sicherheit meistert, dazu noch verwegen gut aussieht, natürlich jede Frau ins Bett bekommt – und selbstverständlich wird genau er als Strippenzieher der Tat verdächtigt.

Der beinharte Schwiegervater Joe, Pilot im Vietnamkrieg »über drei Dienstzeiten hinweg«, will nur seine Familie schützen. Die karriereorientierte Richterin, die hart aber gerecht ist und natürlich umgehend dem machohaften Charme des Texas Rangers erliegt. Der schmierige Nachtclubbesitzer, der krumme Geschäfte macht; der ständig in die falsche Richtung ermittelnde Polizist …

Es ist zum Heulen, nicht ein individueller Charakter in dem ganzen Geschehen. Aber da die Geschichte sowieso sehr Crawford-Holly-Beziehung-lastig orientiert ist, kommt es Sandra Brown wohl nicht auf glaubwürdige spezifische Charaktere an.

Konstruierte Thriller-Handlung umrankt Beziehungsgeschichte

Sandra Brown bringt als Vielschreiberin seit Jahrzehnten beinahe jedes Jahr ein neues Buch heraus. Das ihre literarischen Ursprünge im Liebesroman liegen ist auch in Tödliche Sehnsucht nicht zu überlesen. Schnell kommt sie zur Sache und lässt ihre Protagonisten nach erstmaligem »Verzweiflungssex« ziemlich hormonorientiert agieren. Da kommt es schon mal vor, dass eine Sexszene über drei Buchseiten geschildert wird. Wie es mit dem Paar Crowford – Holly weiter geht, ist von Anfang an auszumachen.

Überhaupt ist die ganze Beziehungs- und Familiengeschichte sehr durchschaubar. Das Geschehen rund um die eigentliche Tat ist dagegen verworren. Texas Ranger Crawford wird zwar verdächtigt, macht aber gleichzeitig ohne gestoppt zu werden die meiste Aufklärungsarbeit. Der tatsächliche Strippenzieher wird dann in einem blutrünstigen Showdown präsentiert, wobei seine Beweggründe so dermaßen an den Haaren herbeigezogen sind, dass es den Anschein hat, der Amoklauf im Gericht diente nur zur Einleitung der Liebesgeschichte der beiden Protagonisten. Die Verwirrung wird noch durch den Titel des Buches Tödliche Sehnsucht komplettiert. Wer oder was hat hier eine tödliche Sehnsucht? Auch der englische Originaltitel Friction ist nur wenig hilfreich und auch nur bedingt passend.

Wer einen knallharten Thriller erwartet, wird enttäuscht. Wer sich aber mit dem Liebesgeflüster abfindet und sich von der wenig überzeugenden Rahmenhandlung nicht abschrecken lässt, findet Spannung darin, herauszufinden, ob die Geschichte tatsächlich so endet, wie es vorherzusehen war. Das der Täter tatsächliche dingfest gemacht wird, ist nur ein kleiner Bonus. Wo Sandra Brown draufsteht, ist mal wieder Sandra Brown drin.

Carola Krauße, Februar 2018

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