Dornröschen von Ross MacDonald

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1973 unter dem Titel Sleeping Beauty, bei Alfred A. Knopf.

  • New York: Alfred A. Knopf, 1973 unter dem Titel Sleeping Beauty.
  • : Alfred A. Knopf, .

'Dornröschen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine Ölpest bedroht die Küste Kaliforniens – eine schwierige Zeit für Jack Lennox, den Chef der schuldigen Ölfirma. Hinzu kommt, dass seine schöne, selbstmordgefährdete Tocher Laurel mit vierzig Schlaftabletten verschwindet und ein schmutziges Kapitel der Familiengeschichte ans Licht kommt. Um ein Haar gerät auch Privatdetektiv Lew Archer zwischen die Fronten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Öl schwimmt oben« 66°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Neugierig geworden durch einen aus dem Flugzeug beobachteten Ölteppich, zieht es Lew Archer zum Strand von Pacific Point vor den Toren von LA. Hier läuft ihm eine äußerst hübsche, aber auch verwirrt wirkende junge Frau über den Weg, auf die Archer aufmerksam wird, weil sie einen ölverschmierten Vogel in Händen trägt. Laurel Russo, wie sich kurz später heraus stellt, ist die einzige Tochter von Jack Lennox, der der Eigentümer der havarierten Bohrinsel vor der Küste ist. Archer nimmt die labile junge Frau mit in die Stadt und erfährt noch einiges mehr von ihr, bevor sie mit einem Fläschchen voller Schlaftabletten aus seiner Wohnung verschwindet.

Besorgt macht sich Lew auf die Suche nach der Frau, trifft ihren Mann, den mittellosen Apotheker Tom, dann auch ihre Familie. Und je mehr er die Suche nach Laurel ausweitet, umso mehr taucht er in bestgehütete Familiengeheimnisse ein. Eine Familie, die ihr Vermögen mit Öl gemacht hat. Aber Öl schwimmt auf dem Wasser und genau so, wie der schwarze Ölteppich immer mehr die Küste bedroht, so lässt sich auch die Wahrheit nicht länger zurückhalten. Und ist erst einmal der Schnüffler in Lew Archer erwacht, dann ist ihm eigentlich auch sein Tagessatz von stolzen 100,- Dollar egal. Er verbeißt sich in den Fall und kann nicht nur das Schicksal von Laurel aufklären, sondern auch die Lügen, die eine Dynastie zusammen gehalten haben.

Ein später Lew-Archer-Krimi

Die Figur Lew Archer war schon bald zwanzig Jahre alt, als Ross MacDonald 1973 Sleeping Beauty schrieb. Liest man den Roman, so gewinnt man den Eindruck, als seien diese beiden Jahrzehnte spurlos an dem Detektiv vorbeigezogen. Und auch wenn der Autor hier eines seiner wesentlichen Motive vernachlässigt, so finden sich auch wieder typische MacDonald-Elemente: das Schicksal einer jungen Frau bewegt den Ermittler und die Nachforschungen spielen sich in der neureichen High Society Kaliforniens ab, in einer Scheinwelt, die grausam, gewalttätig und gnadenlos ist. Und wieder einmal liegt das eigentliche Verbrechen schon Jahrzehnte zurück.

Dornröschen war ein schönes Kind gehört sicherlich nicht zu den Romanen MacDonalds, die immer wieder als Meisterwerke aufgezählt werden. Aber er hat alles, um als typischer MacDonald-Krimi bezeichnet zu werden. Was negativ auffällt ist der extrem gestelzte Anfang. Hier hatte der Autor Probleme, seine Figuren auf die richtige Startposition zu setzen. Und auch die Gänsemarschtechnik, in der der Autor seinen Protagonisten von Interview zu Interview schickt (»Ich weiß es nicht, aber fragen sie mal xy, der könnte das wissen«) kann hier nicht wirklich begeistern. Zu routiniert wirkt es hier gesponnen, als dass es authentisch wirken mag.

Nur für die Sammler unter den Krimilesern ist Dornröschen war ein schönes Kind natürlich ein Muss, um die Lew-Archer-Reihe zu komplettieren. Es ist ein solider Roman, der jedoch nicht den Anspruch erheben kann, in keinem wohlsortierten Krimiregal fehlen zu dürfen.

Thomas Kürten, September 2007

Ihre Meinung zu »Ross MacDonald: Dornröschen«

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Mr. White zu »Ross MacDonald: Dornröschen« 25.01.2015
Dieser Roman entstand 1973 und steht somit zwischen "Der Untergrundmann" (1971) und "Der Blaue Hammer" (1976), welcher die Reihe um Lew Archer beschließt. Gegenüber diesen beiden Werken fällt "Dornröschen war ein schönes Kind" sicherlich etwas ab, dass macht aber gar nichts. Dieser Roman verdient sicherlich mehr als 66° und scheint im Hinblick auf die Ölkatastrophe auch ein sehr persönliches Buch für MacDonald gewesen zu sein, der sich für den Umweltschutz engagierte.
Krimi-Tina zu »Ross MacDonald: Dornröschen« 22.10.2009
Lew Archer begegnet am Strand einer schönen und traurigen Frau. Die er zu sich mit nach Hause nimmt, damit sie sich dort von ihrem Ehemann abholen lassen kann. Kurze Zeit später verschwindet sie und mit ihr ein volles Fläschchen Schlaftabletten. Archer wäre nicht der, der er ist wenn er dies nicht zu Herzen nähme und ihre Spur verfolgte.
.Der Unterschied zwischen Ross McDonald und seinen, mit ihm gerne in einem Atemzug genannten, Kollegen Chandler und Hammett liegt in der eher psychologischen Herangehensweise Archers. Der auch etwas weniger zynisch und melancholischer ist als seine Kollegen.
Aus der Ausgangssituation, die ja nun klassischer nicht sein könnte, entwickelt sich ein ungeheuer dichter Plot, der wie bei McDonald nicht anders zu erwarten, seine Wurzeln in den Sünden der Vergangenheit hat. Die sich nie abschütteln lassen und deren Folgen die Menschen immer wieder heimsuchen. So die Botschaft McDonalds. Somit es auch niemals ein völliges gutes Ende geben kann.
Wie immer beeindruckend die lakonische Sprache, die es dennoch schafft mit viel weniger Worten als heute üblich,Landschaften erstehen und Personen lebendig werden zu lassen
Mag sein, dass dies nicht der beste von McDonalds Krimis ist, aber immer noch viel besser.als vieles was versucht hat in seine Fußstapfen zu treten
Larry Dimmick zu »Ross MacDonald: Dornröschen« 11.08.2008
Ich weiß nicht wieso-aber für Ross Macdonald kann ich mich-wie auch bei Chandler und Hammett-immer wieder begeistern.Bei Macdonald mag ich erstaunlicherweise,immer die Romane,die als schwächer angesehen werden-folglich:"Die Kehrseite des Dollars" und "Dornröschen war ein schönes Kind".Auch die Kurzgeschichte lassen sich immer wieder gut lesen,sehr gut sogar...
shark zu »Ross MacDonald: Dornröschen« 30.03.2008
Mag kann der Meinung sein, das dieser Roman nicht an den Fall Galton heranreicht, aber Lew Archer zieht wieder die richtigen Register, um die ursächlichen Rätsel der Vergangenheit aufzulösen. Ich konnte nicht von dem Buch lassen. Die Besprechung hier hat m. E. den wahren Wert verkannt.
Fabian zu »Ross MacDonald: Dornröschen« 10.03.2007
Dieser Roman bildet den vorletzten in der Lew Archer-Serie,die laut William Golding die beste Dedektiv-Reihe ist,die ein amerikanischer Autor je geschrieben hat.
Der Roman mag zwar nicht die Qualitäten des "Fall Galton" besitzen doch trotzdem lohnt es sich dieses Buch zu lesen,weil es neben der verschwundenen Laurel auch noch jede Menge psyschologische Tiefgänge des Lew Archer zu belesen gibt.
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