Per Adresse Mörder X / Es klingelte an der Tür von Rex Stout

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1965 unter dem Titel The doorbell rang, deutsche Ausgabe erstmals 1968 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1950 - 1969.
Folge 28 der Nero-Wolfe-Serie.

  • New York: Viking, 1965 unter dem Titel The doorbell rang. 186 Seiten.
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1968 Per Adresse Mörder X. Übersetzt von Brigitte Weitbrecht. 154 Seiten.
  • Berlin: Volk und Welt, 1971 Per Adresse Mörder X. Übersetzt von Brigitte Weitbrecht. 182 Seiten.
  • München; Wollerau: Goldmann, 1974 Per Adresse Mörder X. Übersetzt von Brigitte Weitbrecht. 186 Seiten.
  • Stuttgart: Klett-Cotta, 2017. Übersetzt von Conny Lösch. ISBN: 978-3-608-98111-7. 242 Seiten.

'Per Adresse Mörder X / Es klingelte an der Tür' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Die reiche Exzentrikerin Rachel Bruner empfindet Unbehagen über die amerikanische Gegenwart. Deshalb verschickt sie an zehntausend namhafte Bürger die Aufklärungsschrift »Hinter den Kulissen des FBI«. Die Folgen sind absehbar: Von nun an wird die alte Lady auf Schritt und Tritt verfolgt. In ihrer Not wendet sie sich an Nero Wolfe, den berühmte Privatdetektiv. Der soll ihr aus der Patsche helfen – aber wie? Immerhin haben er und sein Assistent Archie Goodwin es diesmal mit dem FBI zu tun …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein origineller und humorvoller Plot« 75°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Ein Scheck über 100.000 Dollar allein als Vorschuss für einen Auftrag ist auch für Nero Wolfe schon mal ein Grund zum Nachdenken. Es ist Januar und damit hätte er genug verdient, um mindestens bis zum Sommer keinen Auftrag mehr annehmen zu müssen. Denn der schwergewichtige Detektiv tut nie mehr als unbedingt notwendig ist. Lieber kümmert er sich um seine Orchideenzucht und ernährt sich mit exquisiten Speisen, die von seinem Privatkoch Fritz zubereitet werden. Und dienstlich seine Wohnung zu verlassen, das kommt schon mal überhaupt nicht in Frage.

Doch was seine potentielle Klientin Rachel Bruner, eine reiche ältere Dame, als Gegenleistung für ihren Scheck verlangt, das macht Wolfe schon einiges Kopfzerbrechen. Denn diese hat sich mit niemand geringerem angelegt als dem FBI. Seit sie die ausgefallene Idee hatte, ein Buch mit dem Titel »Hinter den Kulissen des FBI« an 10.000 namhafte Bürger zu verschicken, weil sie der Meinung war, dessen Inhalt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen zu müssen, wird sie auf Schritt und Tritt von den Behörden überwacht.

Obwohl sein Assistent Archie Goodwin dringend davon abrät, den Fall zu übernehmen, kann sich Wolfe dem Reiz des Geldes nicht entziehen. Doch dann steht man vor der Frage, wie man die Sache überhaupt anpacken kann und soll. Mit Hilfe eines Reporters kümmert man sich zunächst mal um die neuesten Gerüchte und die aktuellsten Fälle des FBI, doch kommt man damit kaum voran. Goodwin wird vom FBI beschattet, sobald er die Wohnung verlässt und Wolfe vermutet, dass auch seine Wohnung abgehört wird.

Überraschenderweise bringt dann Inspektor Cramer, normalerweise dem Detektivbüro nicht so sehr zugetan, Bewegung in den Fall. Bei einem geheimen Treffen mit Archie spendiert er diesem nicht nur eine Tüte Milch, sondern teilt ihm großzügigerweise auch noch mit, dass Wolfe laut Anweisung des FBI die Lizenz entzogen werden soll und daß er Goodwin gerne behilflich wäre. Als Gegenleistung für seine Offenheit verspricht er sich Hilfe in einem Mordfall. Der Journalist Morris Althaus wurde vor zwei Monaten in seiner Wohnung erschossen. Es fand sich jedoch keine Kugel, und kurz nach dem Mord beobachtete ein Zeuge, wie drei FBI-Männer das Haus verließen, in dem der Mord geschah. Pikanterweise schrieb Althaus gerade an einem Artikel über das FBI, doch wurden in seiner Wohnung keinerlei Unterlagen darüber gefunden.

Also beginnt man im Hause Wolfe, sich auf den Mordfall Althaus zu stürzen. Doch Wolfe ist noch nicht ganz klar, welches Ziel er anstreben soll. Beweisen, dass das FBI den Journalisten ermordet hat oder nachzuweisen, dass der Täter jemand anderes war?

Rex Stout hat mit Nero Wolfe eine der schillernsten Persönlichkeiten der Kriminalgeschichte geschaffen, die einem auch dank der überzeugenden Darstellung von William Conrad in der Fernsehserie in seiner brummigen, doch gemütlichen Art lebhaft vor Augen schwebt. Mit seinem Minimalismus steht er den anderen großen Detektiven absolut konträr gegenüber. Ihm zur Seite steht mit Archie Goodwin einer der neben Dr. Watson wohl bekanntesten Assistenten berühmter Detektive. Dies liegt vor allem auch darin begründet, dass der Autor den Leser immer so klug sein lässt wie Archie Goodwin, denn dieser fungiert als Erzähler der Kriminalgeschichten.

Mit »Per Adresse Mörder X« – ein relativ belangloser und nichtssagender Titel – hat Stout einen recht humorvollen und überaus raffinierten Krimi in seiner Nero-Wolfe-Reihe veröffentlicht, der mal nicht nach dem üblichen »Whodunit-Prinzip« aufgebaut ist. Bei dem Spielchen, das der Detektiv mit dem FBI treibt, tut man sich zuweilen schon mal schwer, folgen zu können. Denn keine der beiden Parteien weiß sicher, was der andere weiß, und in dem festen Glauben, abgehört zu werden, versorgt man das FBI wechselweise mit richtigen und falschen Informationen.

Es gehört für einen Autor schon ein recht verzwicktes Denken dazu, seine Protagonisten eine solch raffiniert konstruierte Falle entwickeln zu lassen, so daß das Ganze auch noch einigermaßen realistisch bleibt, denn es sollte schon ein gewisses Maß Logik enthalten sein, um die Reaktionen der Gegenspieler soweit voraus planen zu können. Mangelnder Realitätssinn und eine etwas zu konstruierte Story bleiben für mich auch die einzigen Kritikpunkte an diesem Roman, doch dürfte Rex Stout sicherlich auch nicht sein Hauptaugenmerk auf eine 100%ig glaubhafte Geschichte gelegt haben, sondern mehr daran gelegen gewesen zu sein, mit einem originellen Plot und humorvollen Seitenhieben auf die Behörden sein Publikum zu unterhalten.

Rex Stout ist mit »The Doorbell rang« – der Originaltitel erklärt sich erst auf der letzten Seite – ein unterhaltsamer Kriminalroman gelungen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Dialoge von Wolfe und Goodwin, an denen der Leser garantiert seinen Spaß findet.

Peter Kümmel, September 2011

Ihre Meinung zu »Rex Stout: Per Adresse Mörder X / Es klingelte an der Tür«

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goat zu »Rex Stout: Per Adresse Mörder X / Es klingelte an der Tür« 17.04.2017
Diese Tür hat sich mir nicht geöffnet …

Da Rex Stout einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts war, ist mir sein Name natürlich ein Begriff. Gelesen hatte ich bis dato allerdings noch nichts von ihm. Die Neuübersetzung dieses Krimis in einer wunderschönen Aufmachung bot sich also geradezu an, diesen Autor für mich zu entdecken. Der Klappentext macht auf jeden Fall Lust, sich in das Abenteuer zu stürzen.

New York im Jahr 1965: Rachel Brunner ist reich und exzentrisch und sie hasst den amerikanischen Geheimdienst. Das erklärt auch, warum sie zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuches aufkauft und landesweit an wichtige Personen verschickt. Das wiederum stößt dem FBI sauer auf und sie lassen Rachel auf Schritt und Tritt überwachen. Ihre einzige Chance, dieser Überwachung zu entgehen, sieht sie darin Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler New Yorks, zu engagieren. Ein Scheck über 100.000 $ sollte überzeugend genug sein, sich mit dem FBI anzulegen. Und da Nero Wolfe kein Kostverächter ist, sagt er natürlich zu …

Es war ein haptisches Vergnügen, diesen Roman lesen zu dürfen. Dieses etwas über 200 Seiten starke, in Leinen gebundene Buch mit dem dezenten blauen Cover ist ein echtes Schmuckstück. Inhaltlich hat es mich leider nicht überzeugen können. Ich mag verschrobene Ermittler. Es hat mich auch weniger gestört, dass Nero Wolfe ganz in seiner Orchideenzucht aufgeht oder Wert auf gutes Essen legt (was auch die über 100 Kilo Gewicht erklärt), geschweige denn, dass er Bücher liebt. Dass er aber so gar nicht in seinem Beruf aufgeht, das Haus niemals verlässt und die ganze Arbeit seinem Assistenten Archie Goodwin überlässt, das habe ich nicht so ganz nachvollziehen können. Archie Goodwin ist es auch, der den Fall aus seiner Perspektive schildert. Hier es sicherlich nicht von Vorteil, dass ich mit einem Buch in die Reihe eingestiegen bin, welches schon eher zu einem der Letzteren in der Reihenfolge gehört. Vielleicht hätte es mir die Protagonisten etwas zugänglicher gemacht, wenn ich sie von Anfang an hätte kennenlernen können.

Da ich das Original nicht gelesen habe, kann ich leider nicht sagen, ob die Übersetzung gelungen ist oder nicht. Mir kam sie aber in manchen Situationen etwas holprig vor. Dies fiel mir besonders auf, wenn Nero ein paar Mal zu oft in unpassenden Momenten sein „Pfui“ von sich gibt.

„Es klingelte an der Tür“ ist ein Krimi der ruhigeren Gangart. Quasi entschleunigt ob der fehlenden technischen Spielereien aus der heutigen Zeit. Computer oder Handys? Fehlanzeige. Aber auch damals wusste man sich zu helfen. Hier kann man herrlich eintauchen in den Pool der Nostalgie und sich wieder erinnern an die gute alte Telefonzelle oder die Schreibmaschine. Macht den Fall und die mir nicht ganz so sympathischen Protagonisten aber leider nicht interessanter. Ich habe lange an diesen wenigen Seiten gelesen und mich leider nur mäßig unterhalten gefühlt. Auch wenn die Romane von Rex Stout allesamt Klassiker sind und sich einer großen Fangemeinde erfreuen, so sagen mir die Krimis von Agatha Christie doch weitaus mehr zu. Von mir gibt es drei Sterne.
wampy zu »Rex Stout: Per Adresse Mörder X / Es klingelte an der Tür« 27.03.2017
Buchmeinung zu Rex Stout – Es klingelte an der Tür

„Es klingelte an der Tür“ ist ein Kriminalroman von Rex Stout, der 2017 in einer Neuübersetzung von Conny Lösch bei Klett-Cotta als Hardcover erschienen ist. Die amerikanische Originalausgabe „The Doorbell Rang“ erschien 1965 bei Viking Press, New York. Die deutsche Erstausgabe erschien 1968 bei Ullstein unter „Per Adresse Mörder X“.

Zum Autor:
Rex Stout (1886-1975) wurde bekannt durch seine Kriminalromane mit dem übergewichtigen Privatdetektiv Nero Wolfe. Zwischen 1933 und 1975 verfaste er 33 Romane und zahlreiche Erzählungen dieser Serie. Bevor er mit 46 Jahren seinen ersten Nero-Wolfe-Roman schrieb, war er ein erfolgreicher Geschäftsmann. Zeitlebens trat er für die Wahrung individueller Freiheitsrechte ein und war lange Vorsitzender des amerikansichen Schriftstellerverbands.

Klappentext:
Die reiche Exzentrikerin Rachel Bruner hat die Nase voll vom amerikanischen Geheimdienst. Sie kauft zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuchs und verschickt es landesweit. Klar, dass das Ärger gibt: Das FBI lässt sie auf Schritt und Tritt überwachen. In ihrer Not wendet sich die vornehme Dame an Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler von New York. Doch wie soll der ihr helfen? Sein Gegenspieler ist immerhin kein Geringerer als J. Edgar Hoover. Ein Scheck über 100 000 Dollar überzeugt ihn, es zumindest zu versuchen. Da kommt ihm ein Mordfall an einem Journalisten sehr gelegen ...

Meine Meinung:
Dieser klassische Kriminalroman von 1965 hat ein überaus aktuelles Thema: Freiheitsrechte des Einzelnen werden durch staatliche Organisationen bedroht. Hier ist es das FBI, das Frau Bruner beschattet, weil sie ein unliebsames Buch an viele einflußreiche Personen verteilt hat. Nero Wolfe erhält den Auftrag, diese Belästigungen abzustellen. Wie der Leser hat Nero Wolfe anfänglich keine Idee, wie dies passieren soll. Also wird sein Assistent Archie Goodwin losgeschickt, um Informationen zu sammeln. Die Geschichte wird in einem gemächlichen Tempo erzählt, Gewalt- und Aktionsszenen bleiben aussen vor. Trotzdem gibt es eine latente, sich langsam steigernde Spannung, wenn man das Vorgehen der Detektive verfolgt. Die Figuren sind alle nicht besonders tief dargestellt und auch die Sympathiewerte bleiben im überschaubaren Bereich. Der große Meister denkt und spinnt die Fäden, aber werden sich seine Widersacher im Spinnennetz verfangen?
Das Buch ist sehr ansprechend als Hardcover aufgemacht, mit einem gelungenen Coverbild versehen und es enthält zwei Schmankerl, zum einen ein Nachwort von Jürgen Kaube und zum anderen ein paar englischsprachliche Auszüge aus dem Rex-Stout-Archiv.

Fazit:
Nero Wolfe, der Exzentriker und Orchideenliebhaber, löst seine Fälle durch Geisteskraft. Ganz konsequent wird fast vollständig auf jede Form von Action verzichtet. Die Spannung entwickelt sich einzig und allein aus der Frage „wie kann Nero Wolfe das FBI bändigen?“. Auch wenn es Abstriche in der Figurenzeichnung gibt, so hat mich diese Miniatur doch überzeugt und ich vergebe vier von fünf Sternen (80 / 100 Punkten). Diesen Roman kann ich allen empfehlen, die einen ruhigen Krimi zu schätzen wissen.
darts zu »Rex Stout: Per Adresse Mörder X / Es klingelte an der Tür« 11.03.2017
Es macht bereits Freude, dieses kleine, feine Büchlein in die Hand zu nehmen. Ein gebundenes Buch mit Leineneinband. Wie früher. Wobei wir auch gleich zum Inhalt des Buches kommen. Die Handlung spielt Mitte der 60er Jahre des 20.Jahrhunderts und man ist weit entfernt vom Handy- und Computerzeitalter.
Der exentrische Privatdetektiv Nero Wolfe, lebt arbeitet und genießt sein Leben in einem kleinen Backsteinhaus (Brownstone) mitten in New York. Dieses verläßt er nur äußerst ungern und selten. Falls er Informationen von außerhalb benötigt, schickt er seinen Assistenten Archie Goodwin los. Dieser besorgt alles was nötig ist und kann seinem Chef alles wortgetreu schildern. Nero Wolfe, der sich zwischenzeitlich gerne stundenlang mit seiner Orchideenzucht beschäftigt oder mit seinem Koch Fritz über neue Kochrezepte und Zutaten diskuttiert, schließt aus allen Fakten zum Schluß erfolgreich auf den Täter und versammelt alle Beteiligten um sich, um sein Ergebnis mitzuteilen.
Das ist die Grundidee der Rex Stout Bücher um Nero Wolfe.
In diesem Fall, der neu übersetzt und bearbeitet wurde, dadurch einen eleganteren Schreibstil erhalten hat, bittet die Millionärin Rachel Bruner, Nero Wolfe und sein Team um Hilfe. Sie hat 10.000 Exemplare eines Buches verschenkt, welches sich mit den Machenschaften des FBIs beschäftigt. Nun hat sie das Gefühl, dass sie beschattet und abgehört wird und möchte das unterbinden lassen.
Nero Wolfe betrachtet den Fall eigentlich als aussichtslos und möchte ablehnen. Aber Frau Bruner macht ihm ein Angebot, welches er nicht ablehnen kann. Die Höhe des Schecks bedeutet monatelange Freizeit, ohne Detektivarbeit. Gleichzeitig hat Mr.Cramer einen ungelösten Mordfall zu bearbeiten, bei dem der Verdacht besteht, das FBI Agenten die Täter sind. Auch er bittet Nero Wolfe um Hilfe, obwohl die beiden sich sonst bekämpfen.
Obwohl alles so aussichtslos beginnt, finden Wolfe und Goodwin den richtigen Ansatz, den richtigen Mörder und können mit viel List und Tücke auch das FBI am Ende austricksen und alles zur Zufriedenheit lösen.
Es war mal wieder schön, einen Fall von Nero Wolfe zu lesen und in Erinnerung an die Verfilmungen mit William Conrad und Lee Horsley zu schwelgen.
Für mich ein gelungenes Buch, ob für die Jugend von heute auch? Wer weiß. Vielleicht findet sie die Zeit, in der man noch eine Telefonzelle aufsuchen mußte, wenn man draußen telefonieren wollte auch interessant.
Ich bedanke mich bei Vorablesen und dem Klett-Cotta Verlag, die mir das HC zeitnah und kostenlos zum Lesen zur Verfügung gestellt haben.
MissMarple64 zu »Rex Stout: Per Adresse Mörder X / Es klingelte an der Tür« 08.03.2017
Ein Klassiker im neuen Gewand

Manche Helden sind nicht totzukriegen. So auch Nero Wolfe und sein unermüdlicher Assistent Archie Goodwin nicht, die Klett-Cotta nun aus der Schublade geholt hat und den spätgeborenen Leser an ihren Abenteuern teilhaben lässt (Der erste Band der Reihe erschien bereits 1933). So führt uns der vorliegende Band zurück ins Jahr 1965 und ist in Rex Stouts Reihe bereits im hinteren Drittel angesiedelt.
Nero Wolfe, der nichts so sehr liebt wie seine tägliche Routine, gutes Essen und Orchideenpflege eingeschlossen, betreibt seine Detektei in New York. Eigentlich verlässt er aus beruflichen Gründen niemals sein Büro, dafür hat er seinen „Laufburschen“ und cleveren Mitarbeiter Archie, der uns auch diese Geschichte erzählt. Doch im vorliegenden Fall wird Wolfe gezwungen sein a) seine Routine zu unterbrechen und b) auch mal vor die Tür zu gehen, denn es gilt niemandem Geringeren als dem FBI auf die Füße zu treten, denn als es an seiner Tür klingelt und die exzentrische Witwe Rachel Bruner ihm 100 000 Dollar dafür bietet, dass er sie von der Beschattung durch das FBI befreit, greift er zu. Dass es einer seiner schwersten Fälle werden wird und er zusätzlich auch noch einen Mord aufklären soll, weiß er freilich an dieser Stelle noch nicht. Hier soll davon auch nicht mehr verraten werden.
So mitten in eine Krimireihe einzusteigen, ist für den Leser nicht immer einfach, denn die Figuren entwickeln sich ja mit jedem neuen Fall. Es fehlen Informationen, die in früheren Büchern eventuell gegeben wurden. So bleibt zu hoffen, dass wir bald mehr über den Detektiv erfahren, der jedes Jahr ein neues Auto kauft, weil er glaubt, das Risiko einer Panne dadurch zu reduzieren, was aber nicht der Fall ist (S.121). Woran man erkennt, dass nicht nur seine Klienten exzentrisch sind.

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