Glaube Liebe Tod von Peter Gallert & Jörg Reiter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Duisburg, 2010 - heute.
Folge 1 der Martin-Bauer-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2017. ISBN: 978-3-548-28891-8. 405 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2017. Gesprochen von Oliver Siebeck. ISBN: 3957130824. 2 CDs.

'Glaube Liebe Tod' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Ein Polizist steht auf der Duisburger Rheinbrücke und will sich in die Tiefe stürzen. Der Seelsorger Martin Bauer soll ihn daran hindern. Er klettert einfach über das Geländer und springt selbst. Überrumpelt springt der Beamte hinterher, um Bauer zu retten. Gemeinsam können sie sich aus dem Wasser ziehen. Bauer hat hoch gepokert, aber gewonnen. Doch wenige Stunden später ist der Polizist tot, nach einem Sturz vom Deck eines Parkhauses. Ein klarer Fall von Selbstmord, gegen den Beamten wurde wegen Korruption ermittelt. Bauer weiß nicht, was er glauben soll. Und er sieht die Verzweiflung in der Familie des Toten. Auf der Suche nach der Wahrheit setzt er alles aufs Spiel …

Das meint Krimi-Couch.de: Wenn der Pfaffe dem Luden das Leben rettet 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Martin Bauer, evangelischer Pfarrer und Polizeiseelsorger in Duisburg, wird zur Rheinbrücke gerufen. Der Polizist Walter Keunert will sich offenbar das Leben nehmen. Bauer springt kurzerhand ins Wasser, Keunert fühlt sich offenbar verpflichtet ihn zu retten und springt hinterher. Die unkonventionelle Aktion macht schnell die Runde in der Öffentlichkeit und in Polizeikreisen – aber nur Stunden später ist Keunert dennoch tot. Sein Sturz von einem Parkhaus in der Innenstadt wird von den Ermittlern schnell als Suizid abgehakt.
Bauer hat jedoch Zweifel, und geht damit Kommissarin Verena Dohr so lange auf die Nerven, bis die ihrerseits nachzuforschen beginnt. Der Seelsorger wird unfreiwillig in die Ermittlungen hinein gezogen, und bringt mit eigenen Recherchen einiges ins Rollen. Prostitution, Drogen, Korruption und weitere Morde – der Pfarrer und die Kommissarin stechen in einige Wespennester. Bauer steckt schließlich in einem Gewissenskonflikt, denn seine eigene Familie ihn momentan dringender als je zuvor.

Bauer hat ständig Konflikte mit seinen Vorgesetzten

Peter Gallert und Jörg Reiter schreiben seit den 90er Jahren gemeinsam Drehbücher für TV-Serien – von Krimi bis Krankenhaus. Mit »Glaube-Liebe-Tod« haben die beiden Kölner ihren ersten Kriminalroman vorgelegt, und mit ihrem Protagonisten Martin Bauer eine ungewöhnlich und höchst interessante Figur erschaffen. Die Autoren lassen ihre Leser von Beginn an intensiv am Gefühlsleben des Polizeiseelsorgers teilhaben. Bauer ist eine interessante Persönlichkeit.

Für das tägliche Leben eines Gemeinde-Pfarrers war er offenbar nicht geeignet, zu sehr haben ihn die Gemeindenachmittage und Kaffeekränzchen genervt. Aber auch als Polizeiseelsorger ist sein Berufsleben keineswegs unproblematisch oder konfliktfrei – eher im Gegenteil. Er eckt bei seinen geistlichen und polizeilichen Vorgesetzten oft genug an. Dennoch mag sich seine polizeiliche Partnerin, Kommissarin Verena Dohr, nicht an einen neuen Seelsorger gewöhnen, und mahnt Bauer stets zur Zurückhaltung.

Seelsorger und Ermittlerin bilden ein interessantes Duo

Auch die weiteren Protagonisten sind durchaus speziell. Da ist Verena Dohr, eine resolute Polizistin, die mit Bauer so ihre Mühe hat. Sie lässt sich von ihren Vorgesetzten nicht einschüchtern, und gibt schließlich dem Drängen von Bauer nach, als der wichtige Erkenntnisse liefert. In den weiteren Bänden der Reihe dürfte sie ihren Platz sicher haben, denn Seelsorger und Ermittlerin bilden ein interessantes Duo.

Sascha Zabel, die Duisburger Kiezgröße, ist eine mehr als zwielichtige Figur. Seine Rolle wirkt zwar mitunter klischeehaft, aber für die Geschichte hat er jenseits seiner kriminellen Rolle auch sonst eine wichtige Funktion.

Annette und Tilo Keunert, Witwe und Sohn des toten Polizisten, haben unterschiedliche Charaktereigenschaften, was im Laufe der Handlung erklärt wird. Tilo ist ein verwirrter Jugendlicher, der seinen ganz eigenen Kopf hat – eine höchst interessante Figur. Alexander Czort wird hier als Prototyp des korrupten und skrupellosen Politikers gezeichnet. Ein echter Unsympath – trotz des Klischees, das er ausfüllt, wichtig für die gesamte Geschichte.

Die Beziehungen der Protagonisten zueinander bleiben lange im Dunkeln, was die Spannung enorm erhöht, aber nach und nach löst das Autoren-Duo einige der Rätsel auf, und bedient sich dabei guter dramaturgischer Kniffe. Eine kleine Nebenhandlung ist die Sorge von Bauer und seiner Ehefrau um die jugendliche Tochter, die ohne Einverständnis der Eltern nach Deauville gefahren ist, um dort gegen den G7-Gipfel zu protestieren. Das ist mal eine andere Art privater sorgen, die auf spezielle Art aufgelöst werden.

Ein Duisburger Noir – oder einfach ein guter Kriminalroman?

Wenn Drehbuch-Autoren ihren ersten Krimi schreiben, ist selten ein Flop zu erwarten. Und so ist es auch kein Wunder, dass »Glaube-Liebe-Tod« ein richtig guter Roman geworden ist. Gallert und Reiter bewegen sich mit ihrer spannenden und kurzweilig zu lesenden Geschichte oft an der Grenze zum Noir – ich würde sogar sagen, sie überschreiten diese Grenze. Aber das ist eine Frage der Einstufung, die man bei einem Glas Rotwein und einer Pfeife lange diskutieren könnte.

Richtig gut gefällt mir der Protagonist. Ein Pfarrer, dem die Gemeindearbeit auf die Nerven geht, und der deshalb als Seelsorger zur Polizei wechselt, das hat schon Potenzial. Und die Figur ist auch so gezeichnet, dass man sich als Leser an ihr reiben könnte. Bauer ist keineswegs konsequent in seinen Ansichten und Aktionen – das macht ihn als Figur aber auch teilweise aus. Die dramaturgischen Kniffe sind in dieser Geschichte gut gesetzt, der Cliffhanger zum Schluss sorgt für Neugierde auf die Fortsetzung. Rundum gute und spannende Unterhaltung mit Figuren, die zu faszinieren vermögen.

Andreas Kurth, November 2017

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Annette zu »Peter Gallert & Jörg Reiter: Glaube Liebe Tod« 28.06.2018
Ein sehr wunderbares Buch der beiden Autoren.Der Duisburger Polizist Walter Keunert, gegen den intern ermittelt wird, hat vor - sich von der Rheinbrücke zu stürzen. Martin Bauer, der Polizeiseelsorger kann ihn in allerletzter Minute von seinem Vorhaben abhalten - in dem er kurz vorher in den Rhein springt und damit haben will, das er ihn rettet. Es gelingt auch - allerdings wird Keunert am nächsten Tag leblos auf einem Parkhausdeck gefunden. Was ganz genau ist geschehen? Und warum? Der Seelsorger glaubt nicht an einen Selbstmord und geht auf Wahrheitssuche. Die Unterstützung kommt dabei von der Hauptkommissarin Verena Dohr - die es auch nicht leicht bei der Duisburger Polizei hat. Wohin führt ihn die Wahrheitssuche? Gibt es irgendwo Gemeinsamkeiten? Die Hartnäckigkeit von Pfarrer Martin Bauer bringen einige Sachen hervor - welche sehr weit in Keunerts Vergangenheit zurückreichen.Wird es gut enden??? Den beiden Autoren ist das Buch sehr gelungen, ganz besonders aus der Sicht des Polizeiseelsorgers. Es hat einen angenehmen und sicheren Schreibstil und ich gebe dafür eine sehr klare Lese- und Kaufempfehlung. Ganz besonders geeignet für Liebhaber der knisternden Spannung.
claudi-1963 zu »Peter Gallert & Jörg Reiter: Glaube Liebe Tod« 06.05.2018
"Wenn es heißt, ein Mensch sei unbestechlich, frage ich mich unwillkürlich, ob man ihm genug geboten hat." (Joseph Fouché)
Polizeibeamter Walter Keunert steht an der Brüstung der Duisburger Rheinbrücke und will sich aus Verzweiflung in die Tiefe stürzen. Gerade noch rechtzeitig kann der Polizeiseelsorger Martin Bauer dies verhindern, in dem er selbst springt und Keunert ihn retten muss. Doch wenige Stunden später findet man Walter Keunert tot vor einem Parkhaus auf. Für seine Kollegen ist es eindeutig ein weiterer Suizidversuch gewesen, der nun tödlich geendet hat. Als Bauer mit Hauptkommissarin Verena Dohr der Familie die Todesnachricht überbringt, sieht er die Verzweiflung bei Sohn Thilo. Dabei begeht er einen Fehler, in dem er seine Zweifel am Suizid von Keunert bekundet. Verzweifelt rennt Thilo von zu Hause weg, auf der Suche nach der Wahrheit und mit dabei die Waffe seines Vaters. Nun muss Bauer seinen Fehler wieder gutmachen und geht selbst auf die Suche nach der Wahrheit und diese führt ihn in Keunerts Vergangenheit und zu Bordellbesitzer Sascha Zabel. War Keunert wirklich korrupt und hat sich deshalb aus Verzweiflung das Leben genommen? Die Suche nach der Wahrheit wird nicht nur für Thilo gefährlich, auch Martin Bauer begibt sich in große Gefahr.

Meine Meinung:
Die beiden Autoren bekannt durch zahlreiche Fernseh-Drehbücher haben hier ihre erste gemeinsame Krimireihe geschrieben. Der Schreibstil ist sehr gut, flüssig und durch die Idee des Polizeiseelsorgers mal etwas ganz anderes, was ich so bisher noch nicht kannte. Die Idee Glaube, Liebe und Tod in einer Kriminalreihe zu vereinigen hat mich neugierig gemacht und ich muss sagen das ist den Autoren auch bestens gelungen. Die Charaktere waren stimmig, sympathisch und wurden realistisch dargestellt. Man merkte auch sehr gut in, was für Bedrängnisse so ein Polizeiseelsorger bei seiner Arbeit kommen kann. Nicht nur das er aufgrund seines Eides zur Verschwiegenheit verpflichtet ist, nein auch selbst kommt er an seinen Grenzen und in Glaubensnöte. Mir hat es sehr gut gefallen einmal ein ganz anderes Ermittlerpaar zu sehen, das nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in der Familie ihre Probleme bekommt. Dass es dabei auch noch um Korruption, Prostitution und die Vergangenheit geht, machte das Ganze noch interessanter. Auch die Mischung zwischen Kriminalfall und Bibelversen waren für mich absolut stimmig. Als ersten Teil einer Reihe konnte mich der Plot und die Protagonisten, vor allem Martin Bauer total überzeugen und ich freue mich schon auf den neuen Fall. Dem Autorenduo ist der Einstieg wirklich bestens gelungen, man sieht aber auch das sie schon einiges an Erfahrung haben. Deshalb von mir eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne.
Manuela Hruschka zu »Peter Gallert & Jörg Reiter: Glaube Liebe Tod« 12.02.2018
Polizist Walter Keunert will sich das Leben nehmen und von einer Duisburger Rheinbrücke springen. Pfarrer und Polizeiseelsorger Martin Bauer gelingt es, Keunert davon abzuhalten. Wenig später stürzt der Polizist von einem Parkhaus in den Tod. Suizid oder Mord? Die Ermittlungen führen ins Zuhältermilleu, Prostitution, Korruption und viele neue Erkenntnisse für alle Beteiligten, besonders für Keunerts Sohn Tilo.
Ein wirklich gelungener Kriminalroman des Autorenduos Peter Gallert und Jörg Reiter. Wer es spannend mag, jedoch nicht gar so blutig und brutal, liegt mit "Glaube Liebe Tod" genau richtig
Erinnert ein wenig an die Krimiserie Pfarrer Braun aus dem TV.
Norbert Weidemann zu »Peter Gallert & Jörg Reiter: Glaube Liebe Tod« 28.01.2018
In diesem Roman gibt es einen sehr großen Fehler: in der evangelischen Kirche gibt es keine Priester. Diese Auffassung zieht sich durch den ganzen Krimi.Einfach falsch recherchiert!
Schade, passt aber zum fehlenden Wissen vieler Menschen heute.Für Schriftsteller aber ist mehr Wissen erforderlich!
Und viele Leser übernehmen diese Falschaussage!
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