Paul Rosenhayn

Paul Rosenhayn wurde am 11. Dezember 1877 in Hamburg als Sohn eines Handelskapitäns geboren. Die weiten Reisen des Vaters scheinen mit einer für diese hurrapatriotische Ära nicht selbstverständlichen (aber vererbbaren) Weltoffenheit einhergegangen zu sein. Paul wuchs jedenfalls zunächst in England auf, wo er auch zur Schule ging, bis er auf ein deutsches Gymnasium wechselte.
Später studierte er zwar einige Semester Jura, entschied sich dann jedoch für eine journalistische Laufbahn. Seine guten englischen Sprachkenntnisse öffneten ihm buchstäblich die Welt. Rosenhayn reiste ausgiebig durch Europa und Amerika; in Indien siedelte er sich für mehrere Jahre fest an. In dieser Zeit schrieb er für englische und deutsche Zeitungen.
Als der I. Weltkrieg diesem Wanderleben ein Ende setzte, sattelte Rosenhayn um. In Deutschland begann er, Kriminalgeschichten zu schreiben. Rosenhayn erwies sich als gewandter Autor, der sehr genau wusste, was dem Publikum gefiel. Sich vage am Vorbild Sherlock Holmes orientierend, schuf er den ähnlich scharfsinnigen aber wesentlich tatkräftigeren Joe Jenkins, der zwar aus den USA stammt, aber in Europa und hier vor allem in Deutschland wie zu Haus ist. Bis zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg (April 1917) und wieder nach 1918 löste der bei den Lesern überaus beliebte Jenkins zahlreiche Kriminalfälle.
Rosenhayns zweites Standbein wurde die noch junge aber aufstrebende Filmindustrie. Nicht Kino-Kunst, sondern Unterhaltung ließ die Kassen klingeln, und Rosenhayn konnte liefern. Zuverlässig und schnell schrieb er insgesamt etwa 40 verfilmte Drehbücher, wobei er den Krimi bevorzugte und sich stark auf tagesaktuelle Ereignisse stützte, wie u. a. der 1923 auf dem Höhepunkt der Inflation veröffentlichte Roman Der Herr der Valuta belegt.
Dank seiner Zweisprachigkeit konnte Rosenhayn seine Werke auch im Ausland anbieten. 1929 entstand in den USA der (Ton-) Film »Careers«, zu dem Rosenhayn mit Alfred Schirokauer die Vorlage geliefert hatte. Der Weg über den Atlantik und eine Zukunft in Hollywood schienen nahe, als Paul Rosenhayn am 11. September 1929 im Alter von nur 52 Jahren in Berlin starb.
In den Jahren der Nazi-Diktatur geriet Rosenhayns allzu kosmopolitisches Werk in Vergessenheit. Auch nach dem II. Weltkrieg wurde es nicht mehr aufgelegt. Die meisten nach Rosenhayn-Drehbüchern gedrehten Filme sind verlorengegangen. Nur einem kleinen Kreis fachkundiger Spezialisten ist Paul Rosenhayn, der viele Jahre zu den Größen der deutschen Unterhaltungsliteratur und des Unterhaltungsfilm gehörte, noch bekannt. Nicht einmal seine Grabstätte auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin-Schöneberg ist erhalten. [Michael Drewniok]

Krimis von Paul Rosenhayn:

  • Joe-Jenkins-Reihe:
    • (1915) Elf Abenteuer des Joe Jenkins  Rezension
    • (1916) Die weiße Orchidee und anderes
    • (1919) Die Drei auf der Platte
    • (1919) Salto mortale. Fünf Kriminalesken
    • (1922) Der Schlittschuhläufer
    • (1923) Cascapol
    • (1929) Der Fall Pompejus Pym. Zwei Kriminalesken
    • (1929) Joe Jenkins
    • (1930) Der Mann am Fenster
    • (1931) Anruf in der Nacht / Nachtanruf

    Anmerkung: Dies ist nur eine vorläufige Liste; sie beschränkt sich auf Titel, die der Rezensent nachweislich sicher der Joe-Jenkins-Serie zuordnen konnte. Es ist nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich, dass einige der unter »Sonstige« gelisteten Titel zur Serie gehören.

  • (1918) Nachtspuk
  • (1918) Der Cotillon der Toten
  • (1919) Die Nacht ohne Morgen
  • (1929) Der Mann, den niemand sah
  • (1922) Der Mann auf dem Kronleuchter
  • (1922) Der Mitternachtsbesuch
  • (1923) Der Herr der Valuta
  • (1924) Die glühende Gasse
  • (1924) Der frivole Jackie
  • (1924) Der Vagabund im Frack
  • (1924) Der Ruf aus dem Aether
  • (1925) Spaziergänge ins Jenseits
  • (1926) Die Insel der Träume
  • (1926) Der Ritt in die Sonne
  • (1926) Razzia der Liebe
  • (1927) Der Herr der Nacht
  • (1927) Die ferne Frau
  • (1927) Roman einer Nacht
  • (1928) Die Yacht der Sieben Sünden
  • (1929) Die Drei aus Hollywood
  • (1930) Der Flammenkreisel
  • (1930) Das Haus im Schatten

Mehr über Paul Rosenhayn:

Reef, Rob: Gestatten, Paul Rosenhayn, in: Paul Rosenhayn, Elf Abenteuer des Joe Jenkins, Berlin : Tally Ho! Verlag Robert Schulze 2012, S. 8-10

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