Der Prinz der Finsternis von Paul Harding

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1992 unter dem Titel The Prince of Darkness, deutsche Ausgabe erstmals 1993 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: , 700 - 1500 (Mittelalter).

  • London: Headline, 1992 unter dem Titel The Prince of Darkness. als P. C. Doherty. 247 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Eichborn, 1993. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 3-8218-0267-7. 280 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 1996. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 3-426-63038-9. 287 Seiten.

'Der Prinz der Finsternis' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

Ihre Meinung zu »Paul Harding: Der Prinz der Finsternis«

In Kürze ist es soweit und die Krimi-Couch erstrahlt im neuen "Couch-Look". Aus technischen Gründen müssen wir die Kommentar- und Wertungsfunktion vorübergehend deaktivieren. Vielen Dank für Euer Verständnis.

tassieteufel zu »Paul Harding: Der Prinz der Finsternis« 14.08.2018
England 1301 der Frieden zwischen England und Frankreich ist brüchig, Edward der 1. mußte dem französischen König zusichern, dass sein Sohn der Prinz of Wales Isabella, die Tochter von Philipp ehelichen wird. Doch der Prinz verursacht einen Skandal nach dem anderen, zwar hat er seine Geliebte Lady Eleanor in ein Kloster abgeschoben, doch seine anrüchige Beziehung zu seinem Günstling Piers Gaveston sorgt für neuen Zündstoff. Als Lady Eleanor im Kloster tot aufgefunden wird, Werden Gerüchte laut, der Prinz oder sein Geliebter hätten mit dem Tod der ehemaligen Geliebten zu tun. Daher schickt König Edward seinen Meisterspion Hugh Corbett, um die Sache aufzuklären, denn obwohl die Priorin beteuert, die Sache wäre ein Unfall gewesen, deutet alles auf Mord hin.

Leider ist "Prinz der Finsternis" schon der 5. Teil aus der Hugh Corbett Reihe, warum die 4 Vorgänger nicht ebenfalls ins Deutsche übersetzt wurden, bleibt mal wieder ein unergründliches Rätsel der Verlagspolitik! Zwar kann man (und der deutsche Leser muß das leider auch!!!) das Buch, in dem der Mord rund um Lady Eleanor abgehandelt wird, auch für sich lesen, aber es wird recht viel auf Ereignisse aus den Vorgängern zurück gegriffen, gerade wenn es um Hugh Corbett und seine Geheimdiensttätigkeit geht hat man jedesmal das Gefühl auf dem Schlauch zu stehen und etwas verpaßt zu haben.
Trotzdem ist "Prinz der Finsternis ein spannender und kniffliger historischer Krimi, der neben dem Mordfall auch viele Informationen über die politischen Machtverhältnisse der damaligen Zeit bietet. Paul Doherty schreibt anschaulich und farbenfroh und schildert das Mittelalter auf sehr plastische und dichte Weise. Die Menschen und ihre Lebensverhältnisse werden sehr authentisch dargestellt und hier merkt man, dass der Autor Historiker ist und sich in seiner Materie auskennt. Ebenso vielfältig sind die Charaktere im Buch, die der Autor mit vielen Facetten versehen hat und die in ihrer Zeit verhaftet sind. Hauptfiguren sind hier Hugh Corbett und sein Gehilfe Ranulf, die man schnell lieb gewinnt und gern mit ihnen den recht kniffligen Krimifall löst. Der Fall um den Tod der ehemaligen Geliebten des Thronfolgers ist ziemlich brisant, da ein Skandal weitreichende politische Auswirkungen haben kann, daher sitzt Hugh Corbett nicht nur die Zeit im Nacken, sondern auch König Edward der Ergebnisse erwartet und Hugh muß bei der Befragung hochrangiger Personen viel Fingerspitzengefühl walten lassen, um niemandem auf die Füße zu treten. Spurensuche und Ermittlungen sind gut nachvollziehbar und in sich stimmig und am Ende wird der Mordfall auf sehr überraschende und unerwartete Weise aufgelöst, die ich aber ziemlich überzeugen fand.

FaziT: ein kurzweiliger, informativer und spannender historischer Krimi, der auch eine ordentliche Portion Humor nicht vermissen läßt! Leider wurden die ersten 4 Bände nicht ins Deutsche übersetzt, was wirklich schade ist! Wer gut recherchierte, spannende, informative und auch kurzweilige historische Krimis mag, ist hier genau richtig!
Stefan83 zu »Paul Harding: Der Prinz der Finsternis« 08.10.2009
Dank der Werke von Christopher J. Sansom habe ich wieder Lust am Genre des historischen Kriminalromans bekommen und was läge da nun näher, als sich einem Altmeister dieser Gattung zu widmen.

Paul Charles Doherty kann als solcher sicherlich bezeichnet werden, veröffentlicht er doch bereits seit Mitte der 80er in schöner Regelmäßigkeit einen neuen Krimi, wobei er seine Bücher auf mehrere Serienhelden verteilt. Unter dem Pseudonym Paul Harding, welches ihn in Deutschland bekannt gemacht hat, hat er neben der Reihe um den Dominikanermönch Bruder Athelstan und den Untersuchungsrichter John Cranston aus London, auch noch eine Reihe mit Meisterspion Hugh Corbett geschrieben. In letzterer ist auch sein allererstes Buch (engl. "Satan in St. Marys") erschienen, das jedoch, wie seine drei Nachfolger, bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden ist. Und nach einer Veröffentlichung in nächster Zeit sieht es auch eher nicht aus, sind doch bereits sämtliche Titel des Autors seit längerem vergriffen. Wer also nun (wie ich) chronologisch beginnen will, sucht antiquarisch und fängt mit dem fünften Band der Reihe "Der Prinz der Finsternis an".

Harding führt uns zurück in das England des Jahres 1301. Die Herrschaft König Edwards I. und der Friede mit Frankreich steht auf tönernen Füßen. Sein Sohn, der unfähige Prinz of Wales, macht sich mit seiner Liebe zum Höfling Piers Gaveston zum Gespött, eine geplante Ehe zwischen ihm und Isabella, der Tochter Philipp IV., droht zu scheitern. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, wird nun die ehemalige Geliebte des Prinzen tot im Kloster von Godstowe aufgefunden. Alles deutet trotz anderer Beteuerungen durch die Nonnen auf Mord hin, worauf Edward I. Hugh Corbett, den Obersekretär der Staatskanzlei und gleichzeitig besten Spion des Reiches, ausschickt, um den Fall aufzuklären. Gemeinsam mit seinem getreuen Freund Ranulf macht sich der frisch verheiratete Corbett auf den Weg und stellt bald fest, dass er sich ein gefährliches Ränkespiel der Mächtigen verstrickt hat. Und während Piers Gaveston, der sich mit einem Finger schon selbst an der Krone wähnt, die Ermittlungen mit Widerwillen verfolgt, erscheint mit Amaury der Craon auch noch Corbetts alter Erzfeind auf der Bildfläche. Die Zeit drängt, wenn ein unausweichlicher Krieg verhindert werden soll...

Unter "positiv überrascht" dürfte man wohl mein erstes Zusammentreffen mit Paul Harding einordnen, der hier sicherlich kein literarisch hochwertiges Leuchtfeuer abbrennt, aber mit einer durchaus kurzweiligen, sehr bildreichen Schreibe zu unterhalten weiß. Ohne lange Einleitung wirft er den Leser direkt ins kalte Wasser des mittelalterlichen Englands, das er detailliert und äußerst stimmungsvoll zu beschreiben vermag, wenngleich es ihm eher als Rahmen für den im Vordergrund stehenden Krimiplot dient, womit er sich deutlich von Eco (auf den er hier augenzwinkernd Bezug nimmt), Sansom und Co. abgrenzt, die in ihren Werken in viel größerem Maß Bezug auf die geschichtlichen Ereignisse nehmen. So wird ein gewisses Maß an historischer Kenntnis vorausgesetzt, um den Kontext zu begreifen, wie wohl man stellenweise auch die Vorgänger gelesen haben sollte, was deren Nichtübersetzung umso bitterer macht. Harding nimmt nämlich desöfteren Bezug auf alte Geschehnisse und Fehden, was mir streckenweise ein wenig den Lesespaß verhagelt hat.

Im Ganzen fügt der Autor seinen Plot aber sehr stimmig und passend in den historischen Kontext ein, wobei er ein geschicktes Netz aus Intrigen webt, das man bis zum Schluss nicht vollkommen entwirren kann. Wer steckt hinter dem Mord an Lady Eleanor? Was hat Gaveston mit all dem zu schaffen? Fragen, die bis ganz zum Schluss offen bleiben und in einer für mich nicht ganz überraschenden Auflösung logisch beantwortet werden. Was die Figuren betrifft: Hier hat mich insbesondere Ranulf amüsiert, der für den trockenen Humor verantwortlich ist und den gewitzten, aber irgendwie auch langweiligen Denker Corbett ins zweite Glied verweist.

Insgesamt ist "Der Prinz der Finsternis" ein guter, mit knapp 290 Seiten ziemlich kurz geratener historischer Kriminalroman, dem man anmerkt, dass er in die Jahre gekommen ist und der im Vergleich mit heutigen Werken nicht mehr ganz bestehen kann. Dennoch eine Empfehlung für Freunde von düsteren Rätselkrimis vor historischer Kulisse und all diejenigen, welche eine spannende Lektüre für zwischendurch suchen.
15 von 20 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

Seiten-Funktionen: