Kreuzschnitt von Øistein Borge

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel Den svende demonen, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Droemer Knaur.
Folge 1 der Bogart-Bull-Serie.

  • Oslo: Font 142, 2016 unter dem Titel Den svende demonen. 313 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2017. Übersetzt von Andreas Brunstermann. ISBN: 978-3-426-30604-8. 336 Seiten.

'Kreuzschnitt' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Bogart Bull, Kommissar bei der Osloer Kriminalpolizei, durchlebt eine schwere Zeit, nachdem seine Frau und sein Kind bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Seine Chefin versetzt ihn zu Europol, wo ein mysteriöser Fall auf ihn wartet: Der schwerreiche norwegische Unternehmer und Kunstsammler Axel Krogh ist in seiner Villa in Südfrankreich ermordet aufgefunden worden – doch alle Verdächtigen haben ein wasserdichtes Alibi. Bulls einziger Anhaltspunkt ist ein Gemälde von Edvard Munch, das einen Dämon zeigt. Nichts anderes hat der Mörder aus der Villa entwendet. Bulls Ermittlungen führen ihn schnell in die Vergangenheit: zu einem grausamen, ungesühnten Verbrechen in den vierziger Jahren …

Das meint Krimi-Couch.de: Bestenfalls Durchschnitt statt Kreuzschnitt 50°

Krimi-Rezension von Jochen König

Die Kunst und der Tod

Der norwegische Kunsthändler Axel Krogh wird an der Cote D’Azur ermordet. Ein kleines, unscheinbares Gemälde aus seiner Sammlung wurde entwendet. Neben der französischen Polizei unter der Leitung Kommissar Jean Moulins soll Bogart Bull ermitteln, der norwegische Polizist mit den einst beeindruckenden Ermittlungsergebnissen. Bis er den mehrfachen Vergewaltiger Richard Torpe verhaftet. Der sich nach seiner Haftentlassung an Bogart rächt, indem er dessen Frau und Tochter durch einen bewusst herbeigeführten Autounfall tötet. Stuntman Mike lässt grüßen.

»Kripo-Ermittler Bogart Bull« bricht zusammen, wird in Windeseile zum Alkoholiker. Eine engagierte Vorgesetzte rettet ihm den Arbeitsplatz, sein Vater findet die richtige Ansprache zum Innehalten. Bull geht auf Entzug und wird nach seiner Rekonvaleszenz auf den Fall des ermordeten Krogh angesetzt. Er entwickelt sich zum Jet-Setter, der zwischen Frankreich, dem spanischen Festland und Mallorca pendelt. 

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, weitere Menschen sterben, und es stellt sich heraus, dass die Wurzel der Todesfälle bis in Jahr 1943 zurückreicht. Eigentlich sogar bis 1906. Denn da schufen sieben Künstler, darunter Henri Matisse und Edvard Munch, Bilder, die ihre eigenen Dämonen zeigten. Ohne Signatur, aber nummeriert.

Zu den Malern gehört auch der junge Santiago Gaillard, in dessen Haus die Gemälde 1943, während der Naziherrschaft hingen. Auf der Jagd nach Partisanen, die eine Brücke gesprengt haben, fällt ein Trupp SS-Leute in Gaillards Heimstatt ein. In jener schicksalhaften Nacht werden Menschen hingerichtet und geschändet. Wer zweifelt, dass diese Ereignisse einen direkten Einfluss auf die Morde im Jahr 2014 haben, dürfte der Welt der Medien in den letzten fünfzig Jahren ziemlich weit fern geblieben sein.

Unser tägliches Trauma gib’ uns heute

Da ist er wieder. Der schwer traumatisierte Bulle, der schwere Altlasten schultern und gleichzeitig in einem aktuellen Fall ermitteln muss. Dass Borge seinen Protagonisten gleich »Bull« nennt, zeigt, dass der Autor keiner der filigranen Art ist. Dementsprechend heißt der französische Ermittler Jean Moulin. Der Verweis aufs filmische Vorbild »Kommissar (Jean Paul) Moulin« (die bekannte Fernsehserie, die zwischen 1976 und 2006 produziert wurde) wird im Roman offensiv kommentiert, damit niemand die Anspielung entgeht.

Für die Mordermittlung spielt Bogarts Trauma keine große Rolle, er reist von A nach B nach C und wieder zurück, ermittelt so stoisch wie unbeholfen, wird nur ab und an von Erinnerungen an seine glückliche Familienzeit und deren abruptes Ende geplagt. Bekommt mit der sympathischen Buchhändlerin Emilie und ihrer elfjährigen Tochter Michelle gar einen möglichen Hoffnungsschimmer serviert. Die Betonung liegt auf Schimmer. Die Ermittlungsarbeit lässt ratlos zurück. Da verschwinden dringend Tatverdächtige, um Liebeshändeln nachzugehen, tauchen später unvermittelt, aber reuig, wieder auf. Und obwohl die Angehörigen der Familie Krogh eine hohe Sterblichkeitsrate aufweisen, sieht man sich nicht genötigt, die vorerst Überlebenden unter Polizeischutz zu stellen. Fernmündliche Kommunikation wird eh überbewertet, zeitintensives Reisen durch halb Europa ist scheinbar effektiver. Können Killer leider auch. 

Der Leser weiß durch die Rückblenden eher als die ermittelnden Beamten, wo der Affe seinen Zucker versteckt hat. Bull darf gelegentlich Material finden, das ihn auf die richtige Fährte bringt. Hat was von einem Computerspiel. Bei dem aber Action und Adventure zu kurz kommen. Immerhin werden pittoreske Schauplätze besucht, deren Beschreibung allerdings nicht über Flugblattinfos einschlägiger Reisebüros hinausgeht. 

Das besitzt einen oberflächlichen Unterhaltungswert, doch die schablonenhaft entwickelten und agierenden Charaktere bleiben blass, Täter werden präsentiert wie Kaninchen aus des Zauberers Zylinder. Nachdem der Magier den scheinbar leeren Hut hat rumgehen lassen und das aufmerksame Publikum die flauschigen Öhrchen bereits vorm Entpacken unten im Dunkel hat zucken sehen können. 

The Good, the Bad and the very Ugly

Womit wir bei den Kapiteln wären, die im Jahr 1943 spielen. Die sich wie eine Mixtur aus »Inglorious Basterds« und Italo-Western präsentieren. Durchaus spannend dargereicht, doch verkommen Krieg und Besatzungszeit zum bloßen Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Um als popkulturelle Abstraktion zu taugen, fehlt Borge die poetische Vision. Fast erwartet man, dass Obersturmführer Wittmann, dem jungen Tigo Gaillard eine Harmonika zwischen die Lippen drückt, und ihm befiehlt: »Spiel mir das Lied vom Tod!«, während der Junge seinen Vater, mit einem Strick um den Hals, auf den Schultern balancieren muss. So weit geht der Autor nicht, doch es wird böse enden. Passt bedauerlicherweise so gar nicht ins naturalistische Setting. 

Ähnlich verhält es sich mit den Motiven des Mörders. Die sind über weite Strecken nachvollziehbar, doch wird eine gedankliche Auseinandersetzung mit den Taten nahezu unmöglich gemacht, indem aus dem erst sehr bewusst agierenden Killer im späteren Verlauf ein belangloser potenzieller Serienmörder wird, auf den ein genretypischer Showdown wartet. 

Gelungen ist die Passage aus dem Jahr 1906, eine kleine, sympathische Künstlerschnurre aus der wilden Aufbruchszeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Weltkriege bestenfalls drohende Schatten am ganz weiten Horizont waren. Diese Preziose aus Bohemien hätte die Grundlage für einen wesentlich interessanteren Roman sein können. Bleibt im vorliegenden Fall bloßer Stichwortgeber.

Der Drudenfuß mit dem Davidstern 

Sprachlich bewegt sich der Roman zwischen spröder Solidität und schmerzhaften Ausrutschern, die sich meist in schiefen Bildern äußern. Nur ein kleines, nicht einmal schwerwiegendes, Beispiel von vielen:

»Endlich zeigte der Stundenzeiger auf dem cremeweißen Zifferblatt nach oben, und die Uhr gab zwölf zarte Schläge von sich. Nachdem der letzte Ton verklungen war, blieb er liegen und lauschte [wir hoffen inständig, dass der Ton wieder auf die Beine kommt].«

Ein geringfügige, aber völlig überflüssige, zur Fremdscham einladende Peinlichkeit ist der Umstand, dass Borge dem möglichen Satanisten Lozano tatsächlich einen »fünfzackigen« Davidstern ans Revers heftet, genauer: »Ein fünfzackiger Davidstern, umgeben von zwei Kreisen und einigen kleinen, unbegreiflichen Zeichen [unbegreiflich? Nicht wirklich].«

Gemeint ist natürlich das hinlänglich bekannte Pentagramm (alias Drudenstern), das im Gegensatz zum Davidstern beim Satanistenzirkel von nebenan eine bedeutende Rolle spielt. Ist leicht zu recherchieren. Im vorliegenden Fall ist explizit das »Siegel des Baphomet« der Church Of Satan gemeint, das unser verdächtiger Satansjünger und Kunsthändler am Jackenaufschlag zur Schau stellt.

Fortsetzung folgt?

Am Ende befindet sich ein wenig überraschender Teaser zur bereits geplanten Fortsetzung. Der Anreiz darauf hält sich in Grenzen, die so weit weg sind, dass sie auf dem Radar diesseits der Tastatur nicht auftauchen, geschweige denn überschritten werden.

Jochen König, Oktober 2017

Ihre Meinung zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt«

In Kürze ist es soweit und die Krimi-Couch erstrahlt im neuen "Couch-Look". Aus technischen Gründen müssen wir die Kommentar- und Wertungsfunktion vorübergehend deaktivieren. Vielen Dank für Euer Verständnis.

Kai Engel zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt« 17.09.2018
Hier scheint, bei solch vernichtender und auch unbegründeter und ins Lächerliche gezogener Kritik, ja fast schon persönliche Animosität zwischen dem Rezenten und dem Autor vorzuliegen.
Dieses Buch ist sicherlich kein Volltreffer, aber auf jeden Fall sehr solide Krimikost, die Lust auf eine Fortsetzung macht
Krimi-Mietze zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt« 01.02.2018
Oistein Borge "Kreuzschnitt"

Glücklicherweise bekam ich dieses Buch empfohlen und geschenkt. Ich fühlte mich von der Handlung und den verschiedenen Ebenen sehr gefesselt und spannend unterhalten.
Sehr interessant war der Sprung in die Zeit des französischen Widerstandskampfes gegen die Besatzermacht.
Auch psychologisch sind die Charaktere stimmig.

Absolut nicht nachvollziehen kann ich die harsche Kritik des KC-Rezensenten J. König.
Lexa zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt« 02.01.2018
Sicher Geschmäcker sind verschieden aber dieser Verriss der Krimi-Couch Rezension? „zur Fremdscham einladende Peinlichkeit „ - hä was soll das? Als ob jeder weiß, wie viele Zacken welcher Stern haben muss – ist mir so was von egal.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch die Sprache fand ich weder spröde noch langweilig. Im Gegenteil, die anregenden Spötteleien oder Sticheleien haben mich gut unterhalten. Auch die vielseitigen detaillierten Beschreibungen sorgten dafür, dass mein Kopfkino angeregt wurde. Ich bin für viele Stunden in die Geschichte eingetaucht und wollte durchwegs wissen, wie es weitergeht. Das ist für mich u.a. ausschlaggebend für ein Buch. Ich hab es gerne gelesen und kann es nur weiterempfehlen, von mir gibt es dafür 89°
MissNorge zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt« 23.10.2017
Meine Meinung
Die Geschichte beginnt mit einem schweren Schicksalsschlag für den Osloer Ermittler Bogart Bull. Seine Ehefrau und seine Tochter werden absichtlich bei einem Autounfall getötet. Den Täter hatte Bull ins Gefängnis gebracht und somit dessen Leben ruiniert. Nun war er auf Rache aus und hat Bull das Liebste genommen, was sein Leben noch lebenswert machte. Bull versinkt danach im Drogen- und Alkoholsumpf. Bogart schafft es und kann nach einem halben Jahr wieder seinen Job annehmen. Doch er bekommt eine spezielle Aufgabe zugeteilt: Sollten im Ausland Norweger eines nicht natürlichen Todes sterben, soll ein Ermittler aus dessen Heimatland mit vor Ort sein und ermitteln. Wie es so sein soll, führt Bull der erste Mord eines Norwegers nach Frankreich. Hier wurde der reiche Unternehmer Axel Krogh bestialisch ermordet. Bull kommt somit aus seinem Trott heraus und kann sich voll und ganz seiner neuen Aufgabe widmen. Die Story hat der Autor sehr vielschichtig, spannend und extrem brutal angelegt.
Die Rückblicke in die Jahre 1906, 1918 und 1943 haben mich zuerst etwas verwirrt, da ich mich vollkommen aus den aktuellen Geschehnissen des Jahres 2014 gerissen fühlte. Aber so nach und nach wurde mir klar, das alles irgendwie zusammenhängen muss. Leider fand ich diese Kapitel oftmals zu lang und zu ausschweifend, da habe ich manchmal quer gelesen. Hier beschäftigt sich die Geschichte mit dem 2. Weltkrieg und den Widerstandskämpfern in Frankreich.
Was mir sehr gut gefallen hat ist der Charakter von Bogart Bull. Ein Mann der sich zu benehmen weiß, der selbst mit den neuen Kollegen im Ausland respektvoll umgeht und nicht so daherkommt, als wäre er allwissend. Er hat zwar viel erlebt und durchgemacht, aber so langsam merkt er auch, dass das Leben weitergeht. Die Geschichte ist gut zu lesen, alles kann man sich bildlich vorstellen und Øistein Borge hat das Ende so aussehen lassen, das ich auf alle Fälle anmerken kann, das es bestimmt weitergehen wird.

Fazit
Dem Autor ist es gelungen mich spannend zu unterhalten, gleichzeitig ging aber auch die emotionale Ebene von Bogart Bull nicht ganz verloren. Ein besonderer Mix der passte und mich rundum zufriedenstelle.
Büchermaulwurf zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt« 30.09.2017
Herausragendes Debüt - spannend und tiefgründig

Das Krimidebüt „Kreuzschnitt“ von Øistein Borge ist einer der besten Krimis, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Geschickt verbindet der Autor hier einen brutalen Mord in der Gegenwart mit einem grausamen Verbrechen in der Vergangenheit.Kommissar Bogart Bull ist immer noch mitgenommen von dem tragischen Unfalltod seiner Frau und Tochter. Nach einem Alkoholentzug endlich wieder im Dienst, wird er von seiner Chefin zu Europol versetzt und soll in Südfrankreich zusammen mit der französischen Polizei in dem mysteriösen Mordfall an dem norwegischen Unternehmer und Kunstsammler Axel Krogh ermitteln. Der einzige Anhaltspunkt ist ein vom Tatort verschwundenes Gemälde von Edvard Munch, das einen Dämon zeigt. Bald führen die Ermittlungen Bull zu einem grausamen Verbrechen, welches vor langer Zeit während des 2. Weltkriegs begangen wurde und das bis in die Gegenwart nachwirkt.Mit der Figur des Bogart Bull hat Borge einen sehr interessanten und authentischen Ermittler geschaffen. Der Unfallod seiner Familie wirft ihn total aus der Bahn und er stürzt ab und verfällt dem Alkohol. Nach einem Entzug versucht er gerade wieder sich in sein Leben zurückzukämpfen und in seinem Job wieder Fuß zu fassen. All dies macht die Figur sehr authentisch und auch sympathisch. Ich konnte sehr gut mit ihm mitfühlen. Die anderen Charaktere sind ebenfalls sehr gut ausgearbeitet und wirkten ebenfalls sehr glaubwürdig. Besonders sympathisch war mir auch der französische Kommissar Moulin, mit dem Bull sehr vertrauensvoll zusammenarbeitet und der am Ende fast wie ein Freund für ihn wird.Im Buch gibt es zwei Erzählstränge. Einmal die Ermittlungen in der Gegenwart im Jahr 2014 und dann die Geschehnisse in der Vergangenheit, beginnend im Jahr 1906 und endend im Jahr 1943. Durch den Wechsel zwischen Gegenwart und den Rückblicken in die Vergangenheit bleibt die Geschichte bis zum Schluss spannend und voller Wendungen. Zunächst weiß man noch nicht, wie beide Ebenen zusammenhängen, erst im letzten Drittel des Buches fügt sich alles zusammen und die verschiedenen Puzzleteile rutschen an die passende Stelle. Die Auflösung am Ende war glaubwürdig und hat mich total überrascht.Der Schreibstil war sehr angenehm und flüssig zu lesen und ich konnte der Handlung, obwohl sie sehr komplex war, sehr gut folgen. Es blieb auch immer spannend, so daß ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.Sehr gut gefallen hat mir auch der historische Aspekt. So habe ich nebenbei auch noch etwas über die französische Résistance im 2. Weltkrieg und bzgl. der Malerei etwas über Edvard Munch und den Fauvismus erfahren.Dem Kommentar der Zeitung Aftenposten („Ein komplexes, spannendes Debüt“) kann ich mich voll und ganz anschließen.„Kreuzschnitt“ ist ein überaus spannender und abwechslungsreicher Krimi mit einem äußerst sympathischen Kommissar und einer tiefgründigen komplexen Handlung.Ich hoffe wirklich sehr, dass es noch weitere Krimis mit Kommissar Bull geben wird.Dieser Krimi ist ein „Muss“ für alle Krimileser, die skandinavische Krimis mit Tiefgang mögen.
anyways zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt« 06.09.2017
Unfassbar traurig ist der Einstieg in diesen Kriminalroman. Aus Rache über die Verhaftung und Verurteilung eines jungen Sexualstraftäters aus gutem Haus, tötet dieser nach Absitzen seiner Haftstrafe, die Frau und minderjährige Tochter der Osloer Kriminalkommissars Bogart Bull durch einen selbst verschuldeten Autounfall. Bogart bekämpft seine grenzenlose Trauer mit Unmengen an Alkohol, erst seine geduldige Chefin und sein Vater bringen ihn dazu sich einer Entziehungskur zu unterziehen. Sechs Monate nach dem tragischen Ereignis ist er wieder im Dienst, aber noch lange entfernt von seiner ehemals brillanten Ermittlungstätigkeit. Seine Chefin möchte ihn jetzt als Verbindungsbeamten von Europol einsetzten. Jedes Jahr kommen zwei bis drei norwegische Staatsbürger innerhalb der EU gewaltsam ums Leben. Europol Niederlande versucht ein Netzwerk aufzubauen, in dem die Ermittler des jeweiligen EU-Landes Unterstützung von Kollegen aus dem Heimatland der Opfer bekommen. Der erste Fall für Bull ist die Ermordung des Magnaten Axel Krogh. Krogh, ein sogenannter Schattenmann des norwegischen Wirtschaftslebens, steht auf der Liste der reichsten Männer ganz oben. War dies ein Motiv? Doch fehlt in der riesigen Villa über Saint- Tropez nur ein einziges kleines Bild, noch dazu von einem namenlosen Künstler.


„Kreuzschnitt“ ist ein vielschichtiger komplexer Krimi, der raffiniert, drei sehr verschiedenen Zeitebenen am selben Ort miteinander verbindet.
Borge beginnt mit der Gegenwart in Norwegen und einem ziemlichen Hammer, der zugegebenermaßen schwer zu ertragen ist. Die Trauer seines Protagonisten ist fast mit den Händen greifbar. Seine Alkoholsucht vielleicht verwerflich und trotzdem nachvollziehbar. Der weitere Verlauf ist für Fans der Kriminalliteratur vorhersehbar, der Kommissar reist nach Südfrankreich und beginnt hier eine Zusammenarbeit mit seinen französischen Kollegen. Erfrischend hierbei ist die angenehme Tatsache, dass es nicht zu Grabenkämpfen zwischen den Ermittlern kommt, sondern der französische Kommissar als recht sympathisch und souverän dargestellt wird.
Dann gibt es einen ersten Schnitt und man befindet sich immer noch in Südfrankreich allerdings in der illustren Gesellschaft von Matisse, Derain und ihren Mitstreitern, auf dem Höhepunkt des Fauvismus, zu denen sich(dem Autor sei Dank) auch ein Edvard Munch gesellt.
Dramatische und ergreifende Szenen spielen sich auf der dritten Zeitebene statt. Südfrankreich während des zweiten Weltkrieges und die Rolle der französischen Widerstandskämpfer.
Aus all diesen, im ersten Moment scheinbar unzusammenhängenden Erzählsträngen, wird ein wirklich fesselnder Roman mit Crime- Effekt.
„Kreuzschnitt“ war für mich ein immens aufwühlender, ergreifender, abwechslungsreicher und spannungsgeladener Krimi, den ich sehr gerne weiterempfehle.
Kerstin zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt« 04.09.2017
Ein super Auftakt einer hoffentlich neuen Serie um den Kommissar Bogart Bull. Bull mal wieder ein etwas verschrobener skandinavischer Ermittler der mir jedoch durchaus sympathisch ist. Nach dem Tod seiner Familie wird er zu Europol versetzt und soll international ermitteln, wenn norwegische Staatsbürger im Ausland betroffen sind. In diesem Buch geht es um den rätselhaften Tot eines norwegischen Geschäftsmanns. Natürlich stellt sich die erste Frage, wer sind die Erben und wer hätte ein Vorteil von dem Tod. Aber hier geht es um was anderes, wir werden zwischendurch in die Vergangenheit katapultiert und ganz langsam kommen wir dem 2. Weltkrieg und der Lösung des Verbrechens näher.
Eine interessante Geschichte, die mich sehr gefesselt hat. Die Seiten lesen sich nur so weg, aufgrund des sehr guten Schreibstils. Zwischendurch fand ich die Sprünge in die Vergangenheit etwas zu langatmig aber zur Aufklärung des Falles erforderlich. Und das Ende ist so schön gestaltet, dass ich bald auf die Fortsetzung hoffe.
subechto zu »Øistein Borge: Kreuzschnitt« 31.08.2017
Der siebte Dämon

Øistein Borge geht gleich in medias res: Oslo, im Oktober 2013: Kommissar Bogart Bulls Frau und Tochter sterben bei einem Autounfall. Richard Torp, den Bull hinter Gitter gebracht hatte, wollte sich rächen. Zitat: „Du hast mein Leben zerstört. Jetzt habe ich deins zerstört.“ Bull sucht Trost im Alkohol.
Ein halbes Jahr später: In einem weiteren Handlungsstrang, der in Südfrankreich verortet ist, lernen wir den Immobilentycoon Axel Krogh kennen. Er wird in seiner Villa überfallen und brutal ermordet, während seine Tochter und ihr Ehemann mit seinem Teilhaber nebst Gattin zum Essen sind.
Auf Kroghs Rücken hat der Täter ein mysteriöses Kreuz hinterlassen. Außerdem ist ein Gemälde verschwunden, das einen Dämon zeigt und mit einer sieben signiert ist. Bull, der inzwischen nur noch Cola trinkt, soll im Auftrag von Europol ermitteln.
Weitere Menschen sterben. Wer ist der Täter und wo liegt das Motiv? Die Spuren führen Bull in die Vergangenheit: zu einem grausamen, ungesühnten Verbrechen in den vierziger Jahren…
Es geht um Rache und Gerechtigkeit. Zudem hat Øistein Borge eine Thematik gewählt, die nicht schon x-fach kriminalliterarisch abgearbeitet wurde. Selbst wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Bogart Bull, was für ein cooler Name(!), und sein französischer Kollege Jean Moulin sind mir sofort ans Herz gewachsen.
Der Autor hat nicht nur bestens recherchiert, sondern auch eine hochkomplexe Geschichte geschrieben, die sich zudem flott lesen lässt. Man merkt gleich, dass Øistein Borge ein Profi ist, der das Schreiben gelernt hat. Mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Dass Øistein Borge im Finale nochmal richtig Gas gibt, steigert das Lesevergnügen. Denn einige Überraschungen gegen Ende des Krimis hält der Autor für seine Leser noch bereit.

Fazit: Spannendes und atmosphärisches Debüt. Starker Stoff. So muss Krimi!

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