Herzlich willkommen beim Krimi-Couch-Blog

"Blog", das steht in aller Kürze für Web-Log und ist eine Art Internet-Tagebuch, in dem man kurz auflistet, über was man so alles im Web gestolpert ist oder was sonst beschäftigt.


Hier im Blog der Krimi-Couch geht es natürlich vor allem um Krimis, um News & Nonsense, Ansichten und Einsichten. Hier sind wir gnadenlos subjektiv und entsprechend meinungsfreudig. Und hoffentlich auch entsprechend unterhaltsam. Viel Spaß!

Nordlicht

Mörder ohne Reue

Die selbstbewusste Kommissarin Katrine Ries Jensen und der nachdenkliche Profiler Thomas Schaeffer sind ein unschlagbares Team. Sie lösen Fälle um Serientäter, kämpfen um das Überleben ihrer eigenen Familien und stellen sich den Dämonen ihrer Vergangenheit und Herkunft. Sie müssen entscheiden, wo die Linie zwischen Gut und Böse verläuft und sich während ihren Ermittlungen jederzeit ihrer Verantwortung stellen – auch wenn es bis an die Grenze dessen geht, was man verantworten kann.

    Immer wieder sonntags

    Es ist Sonntag. Der Tatort ist vorbei, das Wochenende irgendwie auch, aber so wirklich »fertig« ist man noch nicht. Schön zu wissen, dass das Zweite Deutsche Fernsehen den noch-nicht-Müden unter uns dann zu vorgerückter Stunde noch ein Spannungshighlight beschert. Angefangen haben sie mal mit britischen Serien im Spielfilmformat – erinnern wir uns an Kleinode wie Für alle Fälle Fitz, Heißer Verdacht mit einer großartigen Helen Mirren, die Inspector-Lynley-Reihe (basierend auf den Romanen von Elizabeth George) oder Die Methode Hill (nach Motiven von Val McDermid).

    Mittlerweile kommen neben den Briten aber auch die Skandinavier ganz groß ins Geschäft. Angefangen mit einer deutsch/schwedischen Co-Produktion, den Fällen von Kommissar Beck (basierend auf Motiven der Romanreihe Roman über ein Verbrechen des schwedischen Autorenpaars Sjöwall/Wahlöö), über Protectors, Kommissarin Lund und Der Adler – Die Spur des Verbrechens, ebenfalls eine Co-Produktion, diesmal mit den Dänen.

    Man kann geteilter Meinung sein, haben doch die Skandinavier und die Briten unterschiedliche Erzählweisen und Bildsprachen und haben mir persönlich eben bisher auch die Skandinavier irgendwie nie recht gefallen – zu kühl, zu grau in grau, zu wortkarg, immer ein bisschen zu sehr nach dem Motto: »Die Welt ist schlecht und auch wenn wir einen Bösewicht schnappen, ist die Welt immer noch schlecht.« – Nein, das ist nicht gerade die Stimmung, die ich zum Wochenendabschluss und Wochenbeginn mit in die Nacht nehmen will.

    Hilfe, die Dänen kommen!

    Aber wie so oft im Leben bestätigen Ausnahmen die Regel und in diesem Fall leuchtet die Ausnahme aus dem »nahen« Norden, nämlich aus Dänemark herüber: Im dänischen Original mit dem schlichten Titel »Die, die töten« (sinngemäß übersetzt), im Deutschen mal wieder etwas geschwollener Nordlicht – Mörder ohne Reue genannt, zeigte das ZDF in diesem Herbst an sechs Sonntagen die Folgen der ersten Staffel in Spielfilmlänge. Ein wenig verwunderlich, sind die Folgen doch á 55 Minuten Länge in 12 Teilen in Dänemark gelaufen, wurden sie für das deutsche Publikum nochmal neu geschnitten zu 6 Folgen á 90 Minuten.

    Katrine Ries Jensen und Thomas Schaeffer

    Dreh- und Angelpunkt sind die toughe Kommissarin Katrine Ries Jensen (Laura Bach), die zu Beginn der ersten Folge zur stellvertretenden Leiterin der Mordkommission befördert wird, und der nachdenkliche und etwas eigenwillige Profiler Thomas Schaeffer (Jacob Cedergren), den Katrine selbst gegen den Willen ihres Chefs Magnus Bisgaard (Lars Mikkelsen) unbedingt in ihrem Team haben will.

    Das Glück der Familie

    Schon in Teil eins der Serie bleibt keine Zeit zum zuschauer-schonenden Einstieg, treibt doch im kleinen Dänemark ein Serientäter Machtspiele mit seinen weiblichen Opfern, bevor er sie umbringt und fein säuberlich auf seinem eigenen Friedhof begräbt. Der zweite Fall führt Katrine und Thomas einem Psychopathen auf die Fersen, der Das Glück der Familie zu suchen scheint, denn Frau eins und Kind eins werden tot aufgefunden, Frau zwei und Kind zwei hat er in seiner Gewalt. Und weil aller guten Dinge drei sind, treibt der nächste Serien -mörder und -vergewaltiger sein Unwesen im Kopenhagener Gefängnis, was zu einem Aufstand in Block B führt.

    Das Team der Kopenhagener Mordkommission

    Ein Bandenkrieg führt zum Tod eines Undercover-Polizisten und ganz schnell zu der Idee den Psychologen Thomas Schaeffer in die Chefetage des russisch-mafiösen Drogenbosses zu schleusen um den Täter zu finden. Ein äußerst raffinierter Täter macht dann im vorletzten Teil der Serie dem Kopenhagener Team das Leben schwer, denn nur durch einen dummen Zufall stößt man auf eine fein säuberlich zerlegte und nahezu unidentifizierbare Frauenleiche. Der Wolf im Schafpelz scheint zu gerissen, als dass er sich einfach schnappen ließe …

    Schatten der Vergangenheit

    Doch das ist alles noch harmlos im Vergleich zu den Schatten der Vergangenheit, die zum Staffelfinale den Profiler heimsuchen: Ein ehemaliger Patient mordet auf den ersten Blick wahllos, arrangiert die Leichen aber so, dass Thomas sich an alte Zeichnungen erinnert fühlt und man die unterschiedlichen Fälle endlich in Zusammenhang bringen kann. Nicht ganz ohne Gefahr für Leib und Leben der Protagonisten – was sich allerdings durch alle sechs Folgen zieht.

    Es ist was faul im Staate Dänemark!

    Schatten der Vergangenheit

    Wow, ganz schön was los in diesem schnuckelig kleinen Königreich. Von Anfang an hat die Serie originelle, brutale und ziemlich gewitzte Verbrechen, die von einem kleinen 4-Mann-Team aufgeklärt werden müssen. Da gibt es noch den Kollegen, dem Katrine bei der Beförderung bevorzugt wird, der aber in Folge vier mit einem an Spielzeug-Chemiebaukästen-erinnernden Apparateaufbau zum Abhören und Orten eines verdächtigen Handys mit technischem Know-how auftrumpfen kann, die Forensikerin, die eher wie eine OP-Schwester aussieht, wenn sie mit Häubchen am Tatort ermittelt (bis ich aus der Haubenfrau und der mit dem schicken Bob-Haarschnitt ein und dieselbe Person erkannt habe, hat es zwei Folgen gebraucht), aber auch aus den verkohltesten Leichen noch schlaue Indizien hervorzaubern kann.

    Machtspiele

    An manchen Stellen entsagt die Serie jeglicher Realität. So halte ich es für ausgesprochen unglaubwürdig, dass man einem psychologischen Polizeiberater eine Waffe aushändigt, die dieser noch nichtmal entsichern kann, und das ohne jegliche Einweisung oder Formalien. Diese Absurditäten muss man sich aber gefallen lassen, denn sonst käme es rein dramaturgisch schwerlich zu der ein oder anderen Gefahrensituation für Thomas oder Katrine – und davon hat *jede* Folge mindestens eine. Nein, die Drehbuchautoren – zu denen auch die dänsiche Krimiautorin Elsebeth Egholm gehört – verschonen hier von Anfang an niemanden und schon gar nicht ihre Hauptfiguren.

    Und allen Kritikpunkten zum Trotz, können sich 1,5 Millionen Dänen nicht so sehr irren, denn so viele – was fast ein Drittel der gesamten Bevölkerung ausmacht – verfolgten im Frühjahr diesen Jahres die Pilotfolge, nur noch haushoch übertroffen durch die Einschaltquoten des Serienfinales Schatten der Vergangenheit. Auch mich hat das unterschwellige Knistern zwischen Thomas und Katrine und die nahezu hollywood-reife und nicht minder professionelle Optik sechs Sonntage lang vor den Fernseher gezogen, und auch der Rest von Deutschland hat zahlreich verfolgt, ob Katrine aus den Fängen des Serienkillers befreit werden, oder ob Thomas seine Familie retten kann. Da freut es doch zu hören, dass eine weitere Staffel in Dänemark bereits in Planung ist und man ob des großen Erfolgs sogar noch ein Serienspecial einplant.

    Müsste dies eine Rezension sein, würde ich dieser Serie Treffer-Status verleihen, denn sie schafft den Spagat zwischen zuviel amerikanischen Hochglanzkino und zuviel europäischem Psychodrama ohne dabei lächerlich oder unspannend zu sein. Und wer auch im »gelesenen« Krimi für den nötigen Thrill bei der Logik mal ein Auge zudrücken kann, wird mit dieser DVD-Box das langweilige Feiertagsfernsehangebot schadlos überstehen können.

    Silke Wronkowski, im Dezember 2011

      Nordlicht – Mörder ohne Reue
      Edel Germany GmbH
      6 DVDs, 540min
      mit Laura Bach, Jakob Cedergren, Lars Mikkelsen

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