Die Rivalin von Michael Robotham

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel The secrets she keeps, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Goldmann.

  • London: Sphere, 2017 unter dem Titel The secrets she keeps. 448 Seiten.
  • München: Goldmann, 2017. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-442-31409-6. 448 Seiten.

'Die Rivalin' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Agatha, Ende dreißig, Aushilfskraft in einem Supermarkt und aus ärmlichen Verhältnissen, weiß genau, wie ihr perfektes Leben aussieht. Es ist das einer anderen: das der attraktiven Meghan, deren Ehemann ein erfolgreicher Fernsehmoderator ist und die sich im Londoner Stadthaus um die zwei reizenden Kinder kümmert. Meghan, die jeden Tag grußlos an Agatha vorbeiläuft. Und die nichts spürt von ihren begehrlichen Blicken. Dabei verbindet die beiden Frauen mehr, als sie ahnen. Denn sie beide haben dunkle Geheimnisse, in beider Leben lauern Neid und Gewalt. Und als Agatha nicht mehr nur zuschauen will, gerät alles völlig außer Kontrolle.

Das meint Krimi-Couch.de: Der Wahnsinn kommt auf leisen Sohlen 95°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Michael Robotham macht sich erfahrungsgemäß nicht viel aus einem literarischen Vorspiel. Der Leser wird unvermittelt in das Leben zweier Frauen gekickt. Agatha füllt die Supermarktregale auf und scheint für ihre Umgebung unsichtbar zu sein, Meg ist mit einem Sport-Reporter verheiratet und hat einmal Jude Law interviewt. Beide schieben einen veritablen Baby-Bauch vor sich her und freuen sich auf das Kind. Aber sie freuen sich auf dasselbe Kind, denn eine der beiden ist verrückt.

Es ist immer wieder unfassbar, wie Robotham langsam das Grauen in gewöhnliche Situationen einbauen kann. Eine Frau wirkt ganz normal, sie hat Liebschaften, sie sie hat einen Job und bis hierhin ist alles gut. Dann erfährt der Leser, dass sie das Handy ihres Lovers durchsucht und stutzt zum ersten Mal. »Er kapiert nicht, dass ich versucht habe uns beide zu beschützen«, so begründet eine der beiden Ich-Erzählerinnen ihren Vertrauensbruch.

Mit dieser Aussage wird auch schon der rote Faden im Stück offenbart. Wer an einer psychischen Erkrankung leidet, schafft sich seine eigene Realität, sieht die Dinge anders, ver-rückt die Realität und muss auf deren Bedrohungen auf seine eigene Art und Weise reagieren. Manchmal auch mit extremen Mitteln. Dem Außenstehenden mag das als Mord erscheinen – für den Erkrankten ist aber vollkommen klar, dass er nur seine Welt, seinen Besitz und seine Träume verteidigt. Er geht nicht über Leichen – er verfolgt nur zielgerichtet seinen Weg. Ist das schlimm?

Mit Zähnen und Klauen

Robotham schafft gerade bei diesen Beweggründen besondere Spannungsmomente. Jemand, der seine Welt bedroht sieht und bereit ist dafür mit allen Mitteln zu kämpfen, handelt nach seiner eigenen Anschauung rational und zielführend. Dem Außenstehenden, der seine Anschauungen nach dem – wie auch immer angelegten – »Normalen« definiert, ist dagegen entsetzt, wenn zum Beispiel die Ermordung eines Kindes – das eine bis dahin gut konstruierte Geschichte zum Einstürzen bringen könnte – als Option in Betracht gezogen wird. Als Manko mag manchem Leser dabei erscheinen, dass der Autor sich Zeit nimmt, seinen Roman in Ruhe zu erzählen und aufzubauen. Dennoch hebt sich das Werk durch diese Ausführlichkeit wohltuend von vielen Thrillern ab, wo der Leser quasi im Schweinsgalopp durch eine Vielzahl von Morden gejagt wird.

Mit einem Fragezeichen dürfte allein die Handlung einiger Nebenpersonen versehen werden. Ist es wahrscheinlich, dass Agathas Lebensgefährte, der sich getrennt und sie über einen längeren Zeitraum nicht gesehen – und vermutlich mehr oder weniger vergessen hatte – sich allein wegen der Geburt eines Kindes wieder zu ihr hinwendet und neu verliebt? Dabei sogar bereit ist, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten? Packt eine Geliebte tatsächlich im wichtigsten Moment eines öffentlichen und religiösen Appells an einen Entführer mit der Geschichte aus, dass sie ein Verhältnis mit dem Mann einer der Frauen hatte? Dennoch erscheinen diese Fragen im Rahmen der spannenden Handlung als »Meckern auf hohem Niveau«.

Noch ein letzter Dreh

Die packende Geschichte lässt erst gegen Ende ein wenig nach. Zu glatt wirkt plötzlich die Aufgabe des Lebenstraums einer Frau, zu einfach die Übergabe des Kindes von der Entführerin an die Mutter. Robotham entschädigt aber damit, dass er selbst nach der Auflösung dieses Falles noch einen letzten Dreh aufbaut. So demonstriert auch die »Normale« zum Schluss des Buches, dass sie bereit ist, ihre Welt gegen mögliche Anfechtungen zu verteidigen. Dennoch verfolgt sie ihren Weg mit den Mitteln, die in der »normalen Welt« legitim sind – mit List und Tücke. Aber auch sie handelt mit unehrlichen Mitteln. Manchmal trennt den Normalen nur die Wahl der Waffen vom Wahnsinnigen.

Sabine Bongenberg, Februar 2018

Ihre Meinung zu »Michael Robotham: Die Rivalin«

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Otto zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 29.05.2018
Von Robotham kennt man ja viele spannende Thriller. "Die Rivalin" unterscheidet sich davon stark, aber dennoch ist das Buch fesselnd und spannend geschrieben. Beide Hauptdarstellerinnen werden so genau beschrieben, dass man alles, was sie denken und tun, nachvollziehen kann. Der Leser wird gepackt, weil immer mehr Details ans Licht kommen. Auch wenn das Ende fast zu ahnen ist, liest man gefesselt weiter. Ich finde, es ist ein tolles Buch. Unbedingt lesenswert!
Oldman zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 25.04.2018
Dies ist ein eigenartiges Buch, was ich eigentlich nicht als Krimi, sondern mehr als Melodram bezeichnen würde. Der Autor läßt seine beiden weiblichen Hauptfiguren jeweils abwechselnd als Ich-Erzählerin agieren. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, nutzt sich aber für mein Verständnis nach einiger Zeit stark ab. Und ab einem gewissen Zeitpunkt kann man in etwa vorhersehen, wie die Geschichte weitergeht. Spannung fehlt großenteils, alleine deswegen machte die Lektüre nicht viel Spaß, die letzten 250 Seiten habe ich nur noch quergelesen. Habe von Robotham schon einiges gelesen, das meiste war gut, diese Story fällt total ab, was nicht bedeutet, dass andere Leser sie hervorragend finden können, weil vor allen Dingen die Erzählform so ungewöhnlich ist. Mir hat es leider nicht gefallen.
Mia zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 28.03.2018
Michael Robotham zählt ebenfalls zu meinen Lieblingsautoren. Mir haben alle Bücher gefallen. Und ich kann nicht erwarten, dass das Nächste erscheint. Das Buch "Die Rivalin" war direkt mal was "anderes", als sonst gewohnt. Und ich las das Buch voller Spannung und konnte kaum erwarten, es fertig zu lesen. Nun werde ich mir noch das Hörbuch dazu kaufen. Um nochmals in diese spannende Geschichte "eintauchen" zu können.
Jordan56 zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 22.03.2018
Ich fand die Bücher von Robotham bisher immer super spannend.
Aber "Die Rivalin" ist so ein unglaublich langweiliges Buch gewesen. Da war nichts mit Spannung oder ähnlichem. Es wurde nicht mit der Psyche gespielt und ich wäre fast eingeschlafen während des Lesens. Dieses Buch ist meiner Meinung nach in einer falschen Genre eingegliedert und dürfte den Aufdruck "Thriller" nicht tragen. Ich bin wirklich so enttäuscht.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Federfrau zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 08.03.2018
Der Thriller beginnt sich sehr langsam zu entwickeln und mutet zunächst fast wie ein Roman an über die zwei Perspektiven von zwei schwangeren Frauen. Die Sprache und Dialoge sind packend, die Beschreibung der beiden Ich-Erzählerinnen sehr einfühlsam, plausibel intelligent und abwechslungsreich dargestellt. Ich musste zwischendrin immer wieder staunen wie scharfsinnig der männliche Autor das Leben de beiden Frauen, die ein schwanger, die andere scheinschwanger darstellt. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und es in zwei Tagen Fertig hören müssen. es hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Es war das erste Buch von Herrn Robotham, dass ich gehört habe und ich bin total begeistert. Ich würde ihn mit diesem Buch eher in Richtung Suspense-Thriller einordnen und gefällt mir damit eindeutig besser als viele klassische Thriller mit haufenweisen Toten und langweiligen Verfolgungsjagden. Wie feinsinnig er seine Charaktere beschreibt ist bemerkenswert. Für mich ist dieser Autor eine Bereicherung und ein unglaubliches Schreibtalent, unterhaltsam, kurzweilig sogar mit Witz.
Carolina zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 07.03.2018
Ich habe alle 11 Bücher diese Autors gelesen und war begeistert. Von diesem allerdings nicht. Nach Seite 156 war die GFeschichte vorhersehbar und der Plot doch schon ziemlich ausgelutscht. Dann habe ich nur mehr die letzten Seiten gelesen um das Ende zu kennen. Schade, ich bin sehr sehr enttäuscht.
Bevor ich noch mal ein Buch von Robotham kaufe, lese ich zuerst die Kritiken,
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimisofa.com zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 15.01.2018
Michael Robotham zählt zu meinen Lieblingsautoren. „Dein Wille geschehe“ war sein erstes Buch, das ich gelesen habe, und obwohl ich anfangs dachte, dass der Titel auf christlichen Fundamentalismus schließen lässt (tut er nicht), war ich danach Feuer und Flamme für Robotham; weil sein Schreibstil schnörkellos und seine Bildsprache unübertroffen ist – ganz zu schweigen von seinem Humor, der der britischen Schule folgt. Aber ich finde auch nicht alles von ihm unumwunden gut; ich mag die Romane rund um Victor Ruiz weit weniger als die, in denen Joe O‘Laughlin im Mittelpunkt steht. „Der Informant“ fand ich großteils einfach nur langweilig, obwohl er angeblich auf wahre Begebenheiten fundiert – Fanboy bin ich also eher keiner. Erst in den letzten Jahren hat sich Robotham aus seinem Ruiz-/O‘Laughlin-Universum heraus getraut, und das war auch für den Leser eine ganz neue Erfahrung; „Um Leben und Tod“ hat mich mehr ergriffen, als seine anderen Bücher – und sein aktuelles Werk ließ mich zeitweise fassungslos zurück.

Agatha ist Regalauffüllerin in einem Supermarkt, ihr Chef mag sie nicht, aber das beruht auf Gegenseitigkeit. Die Kasse darf sie nicht bedienen und den Job wird sie in absehbarer Zeit verlieren, denn sie ist Schwanger und ihr Chef hat ihr bereits gesagt, dass das der Fall sein wird. In ihrer Freizeit beobachtet sie gerne andere Menschen, zum Beispiel Meghan, die ebenfalls Schwanger ist. Agatha weiß einiges über sie; was sie gerne isst, was ihr Mann arbeitet, wie ihre Kinder heißen, wo sie wohnt, wie der Grundriss des Hauses aussieht. Das klingt, als wäre sie eine Stalkerin und genau genommen ist sie das auch – aber das ist nur die Spitze des Eisberges.
Meghans Erzählstrang, der sich mit dem Agathas abwechselt, erzählt die Geschichte der zweiten Schwangeren in „Die Rivalin". Meghan wird bald entbinden, und auch, wenn ihr Mann, der Sportjournalist Jack, sich anfangs nicht auf das „Uups-Kind“ gefreut hat, weil die beiden schon zwei Kinder haben und kein Drittes mehr wollten, freut er sich jetzt kurz vor der Niederkunft doch. Meghan betreibt einen Mama-Blog über ihr Leben, ihre zwei Kinder und ihre Schwangerschaft.

Beide Stränge, sowohl der von Agatha, als auch der von Meghan, berichten aus der ersten Person in der Gegenwart, wobei man als Leser schnell merkt, dass Agathas wesentlich wichtiger und – aus meiner subjektiven Wahrnehmung – auch interessanter ist. Meghans wirkt eher als Mittel zum Zweck und man findet darin Vorkommnisse, die man – überspitzt formuliert – in jedem dritten Buch findet. Agatha hat hingegen eine bewegende Geschichte, die nach und nach erzählt wird und man bekommt als Leser Mitgefühl mit ihr und kann ihr Handeln bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen – irgendwann beginnt man sie allerdings zu hassen.

Die Geschichte besteht aus zwei Teilen, wobei der erste, der westlichen flotter und spannender erzählt wird, nur als Einleitung zur eigentlichen Geschichte dient, aber enorm wichtig ist, damit man das Buch in seiner Gesamtheit versteht. Immer wieder streut Robotham, vor allem im ersten Teil der Geschichte, One-Liner ein, die mich mitten in einem ernsten Kontext laut auflachen ließen. Der zweite Teil der Geschichte ist wesentlich ernsthafter gehalten und lebt von der Spannung und der Atmosphäre. Beide Teile sind von Verzweiflung geprägt. Das einzige, was man der Geschichte vorwerfen kann, ist, dass sie grob vorhersehbar ist – meiner Meinung nach ist das bei dieser Art von Geschichte aber sekundär, denn sie ist so gut konstruiert und recherchiert, dass man dieses Buch nicht nur gerne liest, sondern auch gar nicht mehr aus der Hand legen will – das kling abgedroschen und ist es auch, war bei mir aber tatsächlich so.

Tl;dr: „Die Rivalin“ von Michael Robotham ist ein irrsinnig packender und spannungsgeladener Thriller, der zwei Geschichten von zwei schwangeren Frauen erzählt, gut recherchiert und noch besser konstruiert ist. Dass das Buch grob vorhersehbar ist, macht den Lesespaß nicht ärmer.
Edith Sprunck zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 04.01.2018
Ein außergewöhnlicher, eigenwilliger Thriller, den man auch als ausdrucksstarke Darstellung eines menschlichen Dramas bezeichnen könnte. Zwei vom gesellschaftlichen Stand her unterschiedliche Frauen, Agatha und Meghan, berichten in kurzen Kapiteln abwechselnd über ihr Leben und ihre aktuelle Situation. Dabei wird deutlich, dass bei beiden nicht alles so ist, wie es nach außen hin scheint. Was Meghan nicht weiß, ist, dass Agatha sie seit längerem "stalkt", bis sie es dann schließlich schafft, direkten Kontakt zu Meghan herzustellen und so noch tiefer in deren Leben einzudringen. Bis dahin spürt man das kommende Unheil nur als Ahnung unter der Oberfläche lauern. Aber dann nimmt das Drama zunehmend an Fahrt auf. Agatha entpuppt sich immer mehr als eine zutiefst gestörte Persönlichkeit mit immens krimineller Energie. Und dennoch konnte ich nicht umhin, Mitleid mit ihr zu empfinden. Hier sehe ich auch die Kunst des Autors, nicht nur die große Not der Opfer sondern auch die Täter-Perspektive empathisch und realitätsnah, ohne zu werten, herauszuarbeiten. Insgesamt ein spannender, menschlicher Thriller mit dessen Themen sich insbesondere zahlreiche Frauen häufig befassen müssen.
Jedi17 zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 30.12.2017
Bisher das mit Abstand schwächste Buch von Robotham. Das ständige Hin- und Her der Sichtweisen zweier Frauen langweilt mit der Zeit enorm. Diese beide einzigen Erzählstränge und stets die gleiche Handlung haben das Potenzial nicht, für 500 spannende Seiten zu sorgen. Nach 2/3 des Buches habe ich nur noch quergelesen, wichtiges habe ich dabei nicht verpasst.Schade, hoffentlich ist das nächste Werk wieder mit O'Loughlin.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Doris Murbach zu »Michael Robotham: Die Rivalin« 09.11.2017
Eines der packendsten Bücher, das ich je gelesen habe. Man schwankt hin und her zwischen Mitleid und Abscheu für die Hauptfigur en. Eine atemberaubende Geschichte, die durchaus passieren könnte. Super geschrieben, brillant durchdacht und dafür gemacht, dass man das Buch in einem Zug durchlesen will. Ich liebe es!
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