Die Eindringlinge von Michael Marshall

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The intruders, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Droemer Knaur.

  • New York: William Morrow, 2007 unter dem Titel The intruders. 392 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2011. Übersetzt von Reiner Pfleiderer. ISBN: 978-3-426-50117-7. 512 Seiten.

'Die Eindringlinge' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Jack Whalen hat seinen Job als Polizist in Seattle hingeschmissen und versucht einen Neuanfang. Als ihn ein alter Freund um Hilfe bei einem mysteriösen Mordfall bittet und gleichzeitig seine Frau Amy mehrere Tage unauffindbar ist, beginnt sein Leben aus dem Ruder zu laufen. Jack ist verunsichert. Manchmal überkommt ihn das unerklärliche Gefühl, nicht immer er selbst zu sein. Und warum benimmt sich Amy nach ihrer Rückkehr so eigenartig? Als Jack beginnt, Nachforschungen anzustellen, stößt er auf ein Geheimnis, das schwärzer ist als jeder Alptraum.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn die Stimmen im Kopf immer lauter werden« 83°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Jack Whalen war einst Cop in Los Angeles. Jetzt wohnt er in der Provinz, hat ein Buch geschrieben – und sitzt vor dem Computer, ohne dass ihm zu seinem zweiten Werk etwas einfällt. Seine Frau Amy ist in der Werbebranche, und die beiden führen scheinbar ein ganz normales amerikanisches Leben. Als ein früherer Mitschüler Jack um Hilfe in einem ungeklärten Mordfall bittet, gerät dieser in einen Strudel rätselhafter Ereignisse. Da ist ein kleines Mädchen, das plötzlich verschwindet und scheinbar merkwürdige Dinge tut. Da ist ein umherreisender Killer, der planvoll Menschen tötet. Und als Jacks Frau zuerst verschwunden ist, und dann doch wieder auf der Bildfläche erscheint, gerät für ihn die Welt völlig aus den Fugen. Sind das alles nur Mißverständnisse – oder steckt eine Art Verschwörung dahinter? Jack ist hochgradig skeptisch, und stolpert dann in einen absoluten Alptraum hinein.

Michael Marshall gelingt es mit diesem Buch, seine Leser auf ganz unterschwellige Weise zu fesseln. Action und offensichtliche Verbrechen streut er in seine flüssig geschriebene Geschichte zunächst eher sporadisch ein. Aber die ständig neuen Wendungen und geradezu permanenten Rätsel, vor denen sein Protagonist und damit auch die Leser stehen, machen geradezu zwanghaft neugierig auf die Fortsetzung der Geschichte. Dabei springt der Autor ständig zwischen zwei Erzählebenen hin und her. Neben der Ich-Perpektive von Jack Whalen werden etliche Episoden erzählt, die zunächst zusammenhanglos erscheinen. Die Verbindung dieser Ereignisse zu Jack ist für den Leser vorerst eher nicht zu durchschauen. Dennoch gelingt es Marshall, seine Geschichte so zu erzählen, dass man deren Bann gezogen wird.

Das Buch ist kein klassischer Kriminalroman, sondern hat eher etwas von einem Mystery-Thriller. Dennoch geht es über weite Strecken um die gute alte Polizeiarbeit. Whalen war zwar kein Detective, aber als Streifenpolizist hat er sein Handwerk gut beherrscht. Gemeinsam mit einem alten Bekannten aus der Schulzeit geht er Ungereimtheiten bei einem Mordfall nach, der für seinen Kumpel Gary Fisher von besonderer Bedeutung ist. Der Autor holt dabei ziemlich weit aus, um die Verbindung der beiden Männer zu schildern, und macht so etwas umständlich deutlich, warum Jack im Grunde nicht an der Sache interessiert ist. Das ändert sich allerdings schlagartig, als er erkennt, dass offenbar seine Frau in die mysteriösen Vorgänge verwickelt ist.

Michael Marshall baut die Spannung in seinem Buch scheinbar etwas umständlich auf, aber irgendwann merkt man als Leser, dass man von der Geschichte gepackt wurde – und kann das Buch kaum noch weglegen. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass es auch Krimi-Fans gibt, die diesen Thriller nach einem Drittel enttäuscht aus der Hand legen, weil sie etwas anderes erwartet haben. Das wäre allerdings schade, denn im Laufe der Handlung geht der Spannungsbogen ständig nach oben, und in der zweiten Hälfte nimmt auch die Action zu. Durch die Ich-Perspektive von Jack Whalen ist der Leser hautnah dran, bekommt all die Zweifel und düsteren Gedanken des Protagonisten mit. Zuweilen führt das zu Nachdenklichkeit, aber auf jeden Fall laufen einige kalte Schauer den Rücken herunter.

Michael Marshall nutzt geschickt Elemente aus verschiedenen Genres, er mischt Krimi mit Horror und Mystery, und hat so einen wirklich lesenswerten Roman geschrieben. Und das Buch ist nicht gerade eine Strand- oder U-Bahn-Lektüre, sondern erfordert schon volle Aufmerksamkeit. Vor allem im ersten Drittel des Buches muss man bei der Sache sein, um die Ereignisse und Personen gut sortiert zu bekommen, sonst verliert man unter Umständen den Überblick. Wer sich aber auf den merkwürdigen und durchaus ungewöhnlichen Beginn der Geschichte einlässt, wird mit einem besonderen Lesegenuss belohnt.

Das Finale hat es dann wirklich in sich – und ist zugleich schwierig zu beschreiben. Man könnte es als offenes Ende bezeichnen, aber ob es das wirklich ist, bleibt der Fantasie und Vorstellungskraft des Lesers überlassen. In jedem Fall passt der Ausgang gut zu der gesamten Geschichte. Michael Marshall ist ein guter Geschichten-Erzähler, der seine Leser an der Hand nimmt und sie durch eine zuweilen schaurige Story geleitet. Und am Ende lässt er dann eben genug Raum für eigene Interpretationen. Das mag man mögen oder nicht – gelungen finde ich es in jedem Fall.

Andreas Kurth, September 2011

Ihre Meinung zu »Michael Marshall: Die Eindringlinge«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

manni zu »Michael Marshall: Die Eindringlinge« 21.02.2012
Was als nicht unspannender Krimi beginnt, verliert sich in einer dümmlichen Phantasie- geschichte ohne Hand und Fuß. Schade ei-
gentlich, denn Marshall kann ja schreiben.
Die 83° der Krimicouch bleiben mir ein Rätsel, außerdem wäre der Roman auf der
Phantastik-couch besser aufgehoben. Ich habe mich bis zum platten Ende durchge-quält, es war keine Freude.
Aenna zu »Michael Marshall: Die Eindringlinge« 19.07.2011
Eine Mutter und ihr halbwüchsiger Sohn werden brutal ermordet...
Hat der Ehemann und Vater seine Familie hingerichtet?

Madison ist neun Jahre alt.
Das kleine Mädchen irrt ganz alleine durch Seattle...
Was treibt sie an und welches Ziel verfolgt sie?

Jack Whalens Ehefrau Amy verschwindet spurlos.
Als sie plötzlich wieder auftaucht, tut sie so, als sei nichts gewesen.
Aber Jack, ehemaliger Polizist, bleibt misstrauisch...
Warum ist seine Frau so verändert?
Und was hat Gary Fisher, ein alter Freund aus Schulzeiten, mit all den mysteriösen Vorkommnissen zu tun?
Jack lässt nicht locker und stößt auf unvorstellbare Dinge...

Als ich den Prolog von "Die Eindringlinge" las, dachte ich nur "WOW" und war auf einen Thriller à la McFadyen gefasst.
Doch ich hatte mich geirrt...
Zwar versteht es der Autor Michael Marshall, seine Leser mit einem sehr flüssigen Schreibstil zu fesseln, doch geht das Genre des Buches in eine völlig andere Richtung als zunächst erwartet...
Dies wird dem Leser allerdings nicht sofort klar...
Er wird durch mehrere kleine Episoden geführt, die aus der Sicht der unterschiedlichen Protagonisten erzählt werden, was sich erst einmal als recht verwirrend erweist. Denn zunächst lässt sich kein Zusammenhang zwischen den einzelnen Charakteren erkennen.
Jedoch nimmt die Verwirrung des Lesers nicht überhand, sondern wird stattdessen von der entstehenden Spannung regelrecht überflügelt. Der Drang, weiter zu lesen, ist groß...
Dennoch war ich ein wenig enttäuscht, als ich erkannte, dass es sich bei diesem Buch eher um einen Mystery-Thriller handelt, was natürlichen in meinem persönlichen Geschmack begründet liegt und nicht zur Abwertung des Buches führen soll.
Was ich von dem Ende halten soll, weiß ich so richtig noch immer nicht.
Doch habe ich den Verdacht, dass möglicherweise genau dies in der Absicht des Autors liegt.- uns im Unklaren zu lassen und Stoff zum Nachdenken zu geben!
Denn wer weiß denn schon, wie weit Fiktion und Realität auseinander liegen?

Von dem Autor Michael Marshall hatte ich zuvor noch nie gehört bzw. etwas gelesen, obwohl er schon mehrere Thriller veröffentlicht hat.
Sein Schreibstil hat mir sehr zugesagt, so dass "Die Eindringlinge" sicher nicht mein letztes Buch von ihm gewesen ist, auch, wenn mich diese Geschichte nicht komplett überzeugt hat.
Ihr Kommentar zu Die Eindringlinge

Hinweis: Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen. Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre. Werbung ist nicht gestattet. Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.

Seiten-Funktionen: