Die Gauner von Pizzofalcone von Maurizio de Giovanni

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel I bastardi di Pizzofalcone, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Kindler.
Folge 2 der Inspektor-Lojacono-Serie.

  • Mailand: Einaudi, 2013 unter dem Titel I bastardi di Pizzofalcone. 316 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2015. Übersetzt von Susanne Van Volxem . ISBN: 978-3-463-40381-6. 352 Seiten.

'Die Gauner von Pizzofalcone' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Sie sind Polizisten. Sie wurden ausgewählt, weil man sicher war, sie würden scheitern …Maurizio de Giovanni, Shootingstar der italienischen Krimiszene, legt den zweiten Band der neapolitanischen Serie um Inspektor Lojacono vor. Im besten Viertel Neapels wird eine Notarsgattin tot aufgefunden. Die Dame sammelte leidenschaftlich Schneekugeln, und ausgerechnet eins ihrer Sammlerstücke musste als Tatwaffe herhalten. Nichts deutet auf ein gewaltsames Eindringen ins Haus. War der Mörder ein Bekannter der Frau? Inspektor Lojacono wurde gerade mit ein paar anderen Polizisten in ein neues Kommissariat, Pizzofalcone, versetzt: Sie müssen den Großteil der alten Besetzung ablösen, die in ein skandalöses Drogendelikt verwickelt war. Mit diesem schlechten Ruf schlagen sich die neuen Beamten nun herum, weshalb sie spaßeshalber nur «die Gauner von Pizzofalcone» genannt werden. Doch während der Regen durch Neapels Straßen peitscht, will bei Inspektor Lojacono so gar keine heitere Stimmung aufkommen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Gelungene Fortsetzung für Ispettore Lojacono« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Im Kommissariat von Pizzofalcone nahmen vier Polizisten ihre Arbeit etwas zu genau und ließen nach einem Drogenfund eine größere Menge Kokain mitgehen, um damit ihr karges Gehalt aufzubessern. An der Polizeispitze war man geneigt die anrüchige Station zu schließen, doch dann kam man auf weitaus genialere Idee. Die angrenzenden Kommissariate sollten einen ihrer Mitarbeiter abstellen und so wurden deren größte Personalprobleme bequem entsorgt. Neuer Leiter des Kommissariats ist Luigi Palma, der sich vor allem darüber freut, Ispettore Guiseppe Lojacono als neuen Mitarbeiter begrüßen zu dürfen, hat sich dieser durch seine Jagd nach dem »Krokodil« doch stadtweit einen Namen gemacht. Lojacono konnte natürlich nicht bei seiner bisherigen Stelle bleiben, schließlich löste er, der vermeintliche Mafiakollaborateur, den legendären »Krokodil«-Fall quasi im Alleingang. Nun müssen sich die neuen Kollegen zusammenraufen und bekommen gleich eine Gelegenheit sich auszuzeichnen. Eine bekannte, schwerreiche Notarsgattin wurde in ihrer Wohnung erschlagen. Ihr Ehemann kann nur seine Geliebte als Alibi anführen, wobei es für deren Techtelmechtel keine Zeugen gibt. Auch die Haushaltshilfe der Ermordeten schwört, den ihr anvertrauten Wohnungsschlüssel stets bei sich getragen zu haben. Doch wie konnte der Mörder dann in die Wohnung gelangen und wieso gibt es nirgendwo die kleinste Spur?

(Nicht nur) für Fans »skandinavischer Krimis« lesenswert

In dem fulminanten Start der Ispettore-Lojacono-Serie »Das Krokodil« verwendete der Autor Maurizio de Giovanni zunächst viel Zeit mit der Vorstellung seiner neuen Hauptfigur, dessen Lebensweg hier nicht wiederholt werden soll. Interessant ist jedoch festzuhalten, dass er in seinem ersten Fall zwei atemberaubende Frauen kennenlernte: Letizia, die Chefin der besten Trattoria Neapels, und Laura Piras, die ehrgeizige Staatsanwältin. Beide Frauen fühlen sich zu Lojacono hingezogen, doch zunächst blieb es bei einer rein platonischen Beziehungsebene. So überrascht der Autor in seinem zweiten, hier vorliegenden Band damit, dass beide Frauen zunächst kaum eine Rolle spielen. Dagegen tritt Lojacono von Beginn an als Ermittler auf, der sich umgehend in den Mordfall stürzt, während er bei seinem Debüt noch weitgehend zu Pokerpartien am dienstlichen Computer verdonnert war.

Nachdem sich ihre Vorgänger alles andere als mit Ruhm bekleckert haben, nennt man die Polizisten nur noch abfällig »die Gauner von Pizzofalcone« und in der Tat handelt es sich bei den Neuen um einen seltsamen Haufen. Kein Wunder, wurden sie bei ihren bisherigen Kommissariaten ja mit Freude aussortiert. Eine junge Polizistin mit Hang zu Feuerwaffen; ein Polizist, der zu Gewaltausbrüchen neigt; ein Polizist mit dem Bedürfnis, abgeheftete Selbstmorde als vermeintliche Mordfälle aufzuklären und damit seine Krebserkrankung zu ignorieren; dies sind nur drei der neuen Kollegen, mit denen sich Lojacono auf die Suche nach dem Mörder macht. Seit ihm direkt zugeteilter Partner hat derweil einen Sonnenbrillentick und neigt zu äußerst temporeichen Autofahrten quer durch Neapel.

»Ich habe noch nie verstanden, warum immer die Reichen Depressionen haben. In Afrika, wo die Leute nichts zu fressen haben, hat da vielleicht jemand Depressionen? Oder die Magersucht? Oder Bulimie? Ich sag’s dir, Lojacono, die Volkskrankheit Einsamkeit können sich nur Reiche leisten.«

Wie schon in Das Krokodil erzählt de Giovanni aus verschiedenen Perspektiven und sorgt so erneut für hohes Lesetempo, wenngleich die Ermittlung zunächst kaum von der Stelle kommt. Hauptverdächtig sind natürlich der Gatte der Ermordeten, der seinen beruflichen Aufstieg ausschließlich dem Geld und der Herkunft seiner Frau zu verdanken hat und dessen Geliebte, denn zu deren dauerhaften Glück störte nur diese eine Person. Doch beide weigern sich zunächst mit den Ermittlern zu sprechen, denn ihr einziges Alibi ist äußerst dünn, denn sie geben es sich durch ihre gemeinsame Liebesnacht gegenseitig; verständlicherweise ohne weitere Zeugen.

Bis – natürlich – Lojacono der entscheidende Geistesblitz kommt, erfahren die Leser viel über das neue Ermittlungsteam, deren private Probleme und Sehnsüchte und erleben, wie der seltsame Trupp aus der Not heraus eine Chance ergreift und zusammenwächst. Denn nur wenn sie Erfolg haben wird Pizzofalcone nicht geschlossen, müssen sie nicht zurück auf ihre verhassten alten Dienststellen. Neben den privaten Problemen der Ermittler gibt es noch zwei weitere Erzählstränge, die allerdings vornehmlich dazu beitragen, den Roman in die Länge zu ziehen. Die Gauner von Pizzofalcone ist dennoch eine gelungene Fortsetzung, die selbst Freunde »skandinavischer Krimis« erfreuen könnte. Lohnt sich!

Jörg Kijanski, November 2015

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Stefan Schmid zu »Maurizio de Giovanni : Die Gauner von Pizzofalcone« 14.07.2017
Die extrem ausführliche Schilderung der persönlichen Sorgen jedes einzelnen Mitglieds dieses Ermittlungsteams in Neapel ist sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Entsprechend lange geht es denn auch bis zur Fallauflösung. Wer also einen Krimi nicht "auf Tempo" lesen will, ist hier gut bedient, denn der Autor lässt uns mit Spannung an den diversen Ermittlungssträngen dran bleiben. Die Auflösung kam für mich sehr überraschend, aber einleuchtend.
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