Der Angstmörder von Lorenz Stassen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei Heyne.
Folge 1 der Nicholas-Meller-Serie.

  • München: Heyne, 2017. ISBN: 978-3-453-43879-8. 349 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Random House Audio, 2017. Gesprochen von Uve Teschner & Oliver Brod. ISBN: 3837140059. 2 CDs.

'Der Angstmörder' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Als der notorisch erfolglose Anwalt Nicholas Meller die junge Nina empfängt, die sich bei ihm bewirbt, wird schnell klar: Nina sieht genauso gut aus wie auf dem Bewerbungsfoto, und sie trägt einen körperlichen Makel. Ihr rechter Arm ist zurückgebildet. Ebenso schnell wird klar: Nina ist eine starke Frau, die kein Mitleid duldet. Beide ahnen nicht, dass ihre Schicksale schon bald durch dramatische Ereignisse verschmolzen werden. Sie geraten in den Fall um einen unheimlichen Mörder, der seine Opfer mit chirurgischer Präzision auswählt und brutal umbringt. Was niemand weiß: Der Angstmörder hat sein nächstes Opfer schon ausgewählt.

Das meint Krimi-Couch.de: Showdown im Schatten der Brücke von Arnheim 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Nicholas Meller hält sich mit seiner Anwaltskanzlei gerade so über Wasser. Als sich bei ihm die Studentin Nina Vonhoegen um ein Referendariat bewirbt, gibt es ein kurzes Geplänkel, und dann stellt er die junge Frau ein. Ihr fehlt seit Geburt der rechte Arm, dennoch ist sie eine selbstbewusste Kämpfernatur. Beide haben plötzlich mit dem ersten Mordfall zu tun, den Nicholas als Anwalt auf den Tisch bekommt.

Es geht um einen unheimlichen Mörder, der Frauen brutal tötet, um dann die Schuld dafür anderen Männern in die Schuhe zu schieben. Und das mit eiskalter Planung und großer Präzision. Bei ihren Nachforschungen landen die beiden in vielen Sackgassen, doch dann kommt ihnen der Angstmörder, wie er schließlich genannt wird, näher, als es den beiden lieb sein kann.

Erschreckende Einblicke in die Tiefen einer gestörten Psyche

Der Kölner Autor Lorenz Stassen hat schon etliche Drehbücher verfasst, unter anderem für Cobra 11 und verschiedene Soko-Folgen im ZDF. Das merkt man seinem ersten Roman an, der die Bezeichnung Thriller wirklich verdient. Die Geschichte beginnt mit dem Tod einer jungen Frau. Das folgende Gespräch zwischen Nicholas Meller und Nina Vonhoegen vermittelt trügerische Ruhe, bevor der Autor den Spannungsbogen konsequent nach oben treibt.

Gleich zu Anfang wird dem Leser die Tätersicht vermittelt, als der Killer in seinem Haus um die Modell-Landschaft herumgeht, mit der er die Schlacht um die Brücke von Arnheim nachgebaut hat. Dieser erste Einblick in die Tiefen einer gestörten Psyche zeigt, dass es in diesem Thriller zur Sache gehen wird. Die drei wichtigsten Protagonisten – Anwalt, Referendarin und Mörder – hat Lorenz Stassen sorgfältig gezeichnet. Sie sind – neben der Geschichte an sich – der Mittelpunkt der Erzählung.

Nina geht offensiv und frech mit ihrer Behinderung um

Nicholas Meller ist eine durchweg sympathische Figur. Er ist ein lebensbejahender Mensch, der bisher nicht wirklich erfolgreich in seinem Beruf ist. Seine Kanzlei besteht nur aus ihm selbst – bis er Nina Vonhoegen einstellt. Das erweist sich für den sportlichen Anwalt als Glücksgriff. Ein nettes Detail ist, dass er in einer Thekenmannschaft Fußball kickt, die komplett aus Verlierern besteht. Irgendwie passt er da gut hinein, auch wenn er intensiv bemüht ist, sein Loser-Image zu kaschieren.

Nina und Nicholas sind ein interessantes Gespann, schon weil beide Underdogs sind, und dennoch versuchen, das Beste daraus zu machen. Richtig gut gefallen mir die Passagen, in den Nina offensiv und frech mit ihrer Behinderung umgeht. Sie verbietet beispielsweise Nicholas, ihr beim Abheften von Unterlagen zu helfen. Sie besteht energisch darauf, alles selbst machen zu können – es dauert eben nur etwas länger. Nicholas – und mit ihm sicherlich der eine oder andere Leser – bekommt hier einen ganz neuen Blick auf Menschen mit körperlichen Behinderungen. Nina ist ein Paradebeispiel dafür, wie Menschen mit ihren Handicaps umgehen können, ohne sich dabei völlig zu verbiegen. Ganz starke Passagen, die vom Autor geschickt in die spannende Roman-Handlung eingebaut werden.

Ein interessanter Charakter – allerdings von der ganz dunklen Sorte

Der Killer ist ebenfalls ein interessanter Charakter – allerdings von der ganz dunklen Sorte. Die Ursache für seine völlig verkorkste Weltsicht wird erst spät enthüllt, und hat mich ebenso entsetzt wie überrascht. Wenn man glaubt, schon viel über menschliche Perversionen zu wissen, lernt man hier doch wieder einmal dazu.

Eine ebenso innovative wie krankhafte Nuance ist das Modell der Schlacht von Arnheim im geheimen Keller des Mörders. Was genau daran so schockierend ist, soll jeder selbst lesen – die Details jagen bei der Lektüre schon kalte Schauer über den Rücken. Neben der komplexen Persönlichkeit ist auch überraschend und erschreckend, wie dicht der Killer am Geschehen um ihn herum dran ist. Stichwort Daten- und Internetsicherheit. Der Autor hat hier einen Plot entwickelt, der insgesamt überzeugend ist.

Der Leser bekommt einiges an Überraschungen geboten

Lorenz Stassen kann eine Geschichte spannend und fesselnd erzählen. Er baut viele falsche Fährten und Sackgassen ein, immer im Wechsel mit neuen Entwicklungen. Der Leser bekommt einiges an Überraschungen geboten, und wird von Beginn an gefesselt.

Serientäter sind inzwischen ja inflationär in Kriminalromanen zu finden, aber die Ursachen für ihre ganz persönliche Entwicklung variieren überraschenderweise immer mal wieder. Lorenz Stassen hat mich zumindest überrascht mit diesem Mörder.

Vor allem am Schluss hat er noch eine Wendung eingebaut, die ich mehr als verblüffend fand. Ein rasanter und spannender Thriller, den man angesichts der großen Dynamik kaum aus der Hand legen mag.

Andreas Kurth, November 2017

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Annette Traks zu »Lorenz Stassen: Der Angstmörder« 25.06.2018
Nicholas Meller ist Anwalt, hat jedoch wegen seiner laxen Arbeitseinstellung kaum Klienten. Eine Sekretärin kann er sich nicht leisten, sieht es daher als Glücksfall an, als sich Nina Verhoegen nach dem 1. Juristischen Staatsexamen bei ihm bewirbt, um das Referendariat abzuleisten.

Nina sieht gut aus, aber ihr fehlt von Geburt an der rechte Arm - sehr gewöhnungsbedürftig für ihre Umwelt. Doch die junge Frau will kein Mitleid; selbstbewusst meistert sie ihr Leben.

Als der Hund eines Försters im Wald die dort vergrabene Leiche von Miriam Rölscheid aufspürt, gerät deren Ehemann in dringenden Tatverdacht, beteuert jedoch seine Unschuld.

Nicholas Meller wird zum Pflichtverteidiger bestellt. Er und Nina geraten immer tiefer in den Fall und vermuten bald, dass sie es mit einem brutalen Serienmörder zu tun haben, der seine Taten mit äußerster Präzision plant und seine nächsten Opfer bereits im Visier hat.

Resümee:
Der Titel dieses schriftstellerischen Erstlingswerks von Lorenz Stassen steht in Analogie zu als "Angstbeißer" bezeichneten Hunden. Diese attackieren Artgenossen aus Angst oder Unsicherheit, wenn sie eine Situation als bedrohlich empfinden. Durch ihr aggressives Verhalten - im Extremfall durch das Ausschalten des vermeintlichen Feindes - wollen sie sich selbst schützen. Die Motivation des Täters in diesem Buch ist damit vergleichbar.

Die Handlung ist von Anfang bis Ende sehr spannend, auch weil es viele überraschende Entwicklungen gibt. Bis zum Schluss fragt man sich, wer dieser Angstmörder wohl sein mag, und selbst als bereits klar ist, in welchem Bereich er zu suchen ist, bleibt seine Identität weiter nebulös.

Hinzukommt, dass der Leser ein Unglück oft nahen sieht, die Luft anhält und gar nicht schnell genug weiterlesen kann, um zu erfahren, ob und wie sich die betreffende Situation auflöst - ein wahrer Thriller.

Erzählt wird wechselweise aus der Er- und Ich-Perspektive; bei letzterer erfahren wir das Geschehen aus Nicholas Mellers Sicht.

Das Duo Nicholas Meller / Nina Verhoegen ist außerordentlich erfrischend und sympathisch:

Als Anwalt geht Meller an den Fall anders heran als Polizei und Staatsanwaltschaft - er hat hier einige Überzeugungsarbeit zu leisten, was er sehr engagiert tut.

Die noch völlig unerfahrene Nina zieht oft intuitiv die richtigen Schlüsse und ist, obwohl sie ihr 1. Staatsexamen nur mit "ausreichend" bestanden hat, eine scharfsinnige, intelligente junge Frau.

Beide Protagonisten sind weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber genau das macht sie so menschlich und liebenswert.

Fazit: Man merkt, dass Lorenz Stassen viel Erfahrung als Drehbuchautor hat - er arbeitete für "Alarm für Cobra 11", "Soko Köln" und "Soko Stuttgart". Dies ist ein gelungenes schriftstellerisches Debüt.
helene zu »Lorenz Stassen: Der Angstmörder« 23.05.2018
Plus:Sympathische Protagonisten (die Szene der Deutsch-Russen ist mit einem Augenzwinkern ziemlich gut getroffen :)), gut recherchierte Hintergründe und mit dem Thema körperliche Behinderung wird relativ unaufgeregt umgegangen.
Wie bei vielen Krimis, bzw. Psycho-Thrillern, wirkt der psychologische Hintergrund für das Motiv und das Handeln des Täters - obwohl nachvollziehbar - etwas überambitioniert und konstruiert. Der Showdown dieses Krimis ist dann auch wirklich ein bisschen zuviel des Guten.
Oldman zu »Lorenz Stassen: Der Angstmörder« 20.04.2018
Normalerweise bin ich kein großer Fan von deutschen Krimis, die sind leider großenteils extrem in Moll gehalten, und auch nach vielen Jahren gelingt es manchen Autoren Ihre Weltanschauung nach vorne zu tragen, statt einfach nur eine gute Geschichte zu schreiben. Umso größer meine angenehme Überraschung beim Lesen dieses Buches. Ein straight inszenierter Krimi, eine spannende und glaubwürdie Geschichte, gut gezeichnete Protagonisten, die auch ohne überflüssige Psychologisierungen dem Leser nahe gebracht werden. Und dem Autor gelingt auch, ein spannendes Buch einem vernünftigen Ende zuzuführen, was nur wenige können, wobei ich im wesentlichen an den für mich unsäglichen Herr Fitzek denke. Keine Ahnung, ob die Figuren in Serie aufgebaut werden sollen, mich würde es freuen.
claudi-1963 zu »Lorenz Stassen: Der Angstmörder« 31.12.2017
"Hast du Angst, machst du Angst, fürchtest du sie, vergrößerst du sie, fliehst du vor ihr, jagt sie dich." (Manfred Hinrich)
Nicholas Meller ein erfolgloser Kölner Anwalt, der hauptsächlich von Aufträgen seiner russischen Landsleute lebt, lernt die junge Nina Verhoegen kennen. Sie hat sich bei ihm als Referendarin beworben, sofort fällt Nicholas auf das bei Nina etwas anders ist, den unter ihrem Mantel fehlte der rechte Arm. Doch Nina ist eine starke Frau, die kein Mitleid fordert, sondern Meller alles offen darlegt, das gefällt ihm. Deshalb stellt Nicholas Nina bei sich an und die beiden bekommen es recht schnell mit ihrem ersten Mordfall zu tun. Wolfgang Rölscheid ein ehemaliger Mandant von Meller soll seine Frau ermordet haben, in dem er sie zuvor brutal gefoltert und dann lebendig begraben hat. Vor Nicholas und Nina beteuert er aber vehement seine Unschuld, auch wenn alle Fakten die ihm von Kommissar Rongen vorliegen, das Gegenteil bestätigen. Doch Meller glaubt an Rölscheids Unschuld und sucht nach Fehlern bei der Polizei, damit die Ermittlungen in dem Fall wieder aufgenommen werden. Was Nicholas Meller und Nina nicht wissen ist, das sie dadurch in ein Wespennest gestochen haben. Den der Angstmörder hat längst sein neues Opfer ausgesucht und er ist schlau und präzise, ihn zu schnappen wird nicht einfach werden.

Meine Meinung:
Mit "Angstmörder" ist Lorenz Stassen ein wahrlich guter Debütroman gelungen. Dieses Buch ist schon alleine dadurch, das es ein sehr eigenes Ermittlerduo, nämlich ein Anwalt und seine eingeschränkte Referendarin hat, sehr außergewöhnlich. Mir hat es gut gefallen das auch endlich ein Autor vor dem Thema Behinderung keine Hemmungen hat. Ich finde, dass ihm dieses Duo sehr gut gelungen ist und sie gut zusammen passen. Deshalb hoffe ich, dass es noch weitere Fälle mit den beiden geben wird. Nicholas Meller ist mit seiner Klaustrophobie und der russischen Herkunft ein Anwalt mit Ecken und Kanten, dadurch waren mir beide sofort sympathisch. Die Schreibweise ist sehr gut, durch die kurzen Kapitel fliegt man nur so durch dieses Buch. Gut fand ich auch das man nicht nur den Täter, sondern auch die Opfer näher kennenlernt und mit ihnen bangt und zittert. So bleibt die Spannung in dem Buch zwar nicht kontinuierlich hoch, jedoch durch die Ermittlungen außerordentlich spannend. Am Ende gibt es natürlich noch einen grandiosen Showdown. Man merkt, dass dieser Autor schon diverse Drehbücher für viele Krimiserien geschrieben hat. Ich kann dieses Buch nur jedem weiterempfehlen und gebe 5 von 5 Sterne und freue mich auf eine Fortsetzung.
Krimisofa.com zu »Lorenz Stassen: Der Angstmörder« 28.12.2017
Einzelbewertung

Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 4/5
Showdown: 4/5
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Behinderten Menschen kommt oft der Charme eines Autounfalls zu – sie werden mit Mitleid angestarrt. Dabei wollen Menschen mit Behinderung nur eines sein: Menschen. Gleichberechtigt und barrierefrei behandelt, ohne mit schräg gehaltenen Kopf angesehen zu werden. Nur so kann Inklusion langfristig gewährleistet werden. In Lorenz Stassens Thrillerdebüt nimmt das Thema Behinderung einen breiten Raum ein – aber davon abgesehen ist „Angstmörder“ auch ein verdammt gutes Buch.

Nicholas Meller ist ein mäßig erfolgreicher Strafverteidiger, der mehr schlecht als recht über die Runden kommt. In erster Linie vertritt er vor Gericht osteuropäische Autoschieber, die er auch nur vertreten darf, weil sie von anderen – erfolgreicheren – Anwaltskanzleien zu ihm geschickt werden. Dabei ist Meller ein Vorzeigerusse. Als Kind kam er von Sibirien nach Deutschland und hat sich dann perfekt in die deutsche Gesellschaft integriert. Andere Russen, dessen Kontakt der klaustrophobe Meller bis auf wenige Ausnahmen vermeidet, werden in der Geschichte als schlecht integriert, mit einem Hang zur Kriminalität, dargestellt. Neben der bildhübschen Referendarin Nina bekommt er auch seinen ersten Mordfall und betritt damit völliges Neuland – auch bei Nina. Denn mit deren angeborener Behinderung kommt er anfangs so gar nicht, aber immerhin besser als andere Russen in der Geschichte, klar. Doch Nina ist selbstbewusst und tough und weist Meller darauf hin, wenn er sich ihr gegenüber tollpatschig verhält – etwa wenn sie Umzugskartons zusammenbasteln soll. Sie macht es eben auf ihre Weise und behält dabei ihren Stolz.

In einem anderen Strang lernt man Christine kennen. Sie ist vor kurzem von Nordhorn nach Köln gezogen, weil sie von ihrem Freund im Internet bloßgestellt wurde und sie dringend einen Tapetenwechsel benötigte. Christine ist Krankenschwester in der Ausbildung zur Intensivpflegerin. Außerdem bekommen wir, anfangs vage, später intensiver, Einsichten in das Handeln des Täters. Besonders Letzteres fand ich irrsinnig interessant. Aber auch wie Stassen das Behindertenthema behandelt, finde ich sehr spannend; vor allem, weil man Menschen mit einer so speziellen Behinderung nur selten in Thrillern begegnet, überhaupt mit der Detailverliebtheit, mit der sich der Autor am Thema abarbeitet. Generell ist die Geschichte ausgezeichnet recherchiert, das merkt man vor allem bei den zahlreichen und sehr speziellen Themen, die in der Geschichte vorkommen. Ich kann sagen, dass sie ausgezeichnet recherchiert sind, weil ich mich mit einem der Themen zufällig auskenne und davon ausgehe, dass die anderen Themen ähnlich gut recherchiert sind.

Insgesamt macht „Angstmörder“ von der ersten bis zur letzten Seite Spaß, auch wenn Stassen mir beim Täter ein paar Stereotypen zu viel eingebaut hat, aber das kann man angesichts der restlichen Geschichte verschmerzen. „Angstmörder“ ist ein Justizthriller, ohne trocken zu sein; ein Thriller, der das Rad zwar nicht neu erfindet, aber die besten bekannten Elemente des Genres her nimmt, sie zusammensetzt und daraus einen überdurchschnittlich guten Thriller bildet.

Tl;dr: „Angstmörder“ ist ein exzellent recherchierter und packender Thriller, der zwar das Rad nicht neu erfindet, aber durch die Aufbringung des Behindertenthemas, das breiten Raum einnimmt, doch ein Stück weit outstanding ist.
M.Reinsch zu »Lorenz Stassen: Der Angstmörder« 21.11.2017
Fazit: Angenehm zu lesender Krimi, ohne viel Thrill – könnte der Start einer Fernsehserie werden…
Nicholas Meller ist ein etwas heruntergekommener Strafverteidiger mit russischen Wurzeln, der sein Auskommen in Köln fristet. Zusammen mit seiner neuen Referendarin, Nina VanHoegen, kommt er einem Serientäter auf die Spur, dem bisher kein Fehler in seinen grausigen Tathergängen unterlaufen ist. Doch mit den beiden Ermittlern auf den Fersen, fängt er an Fehler zu machen und beschließt seine Verfolger aus zu schalten…
Man merkt sehr schnell, dass Lorenz Strassen die Drehbücher für Serienkrimis geschrieben hat. Sein Schreibstil fängt den Leser schnell ein (bei mir hat das noch zusätzlich, die Erzählform in Erster Person getan), denn er schreib salopp und teilweise recht ungeschminkt. Leider hat er sich sehr auf sein Drehbücher verlassen, so dass mir die Kapitel enden immer so vorkamen, als „und sehen sie nach der Werbepause…“ – eigentlich selten „Cliffhänger“, aber eben doch soweit in einer bestimmten Handlung vorangeschritten, das die Neugier des Lesers geweckt wird. Seine Protagonisten haben (leider) ein eher oberflächliches Wesen, da ist noch sehr viel Platz für wirkliche „Charaktere“. Zwar schafft er mit Nina eine neue Version des weiblichen „Sidekicks“, aber schnell hat auch sie ein eher schablonenhaftes Auftreten. Sein Gegenpart ist fast schon ein „Superschurke“, der dank seines Berufes und mehrerer Hobbys, Alle (und vor allem die Polizei) zum Narren halten kann. Angenehm fand ich das Nicholas (auf Grund seiner russischen Herkunft) Rückhalt bei der Russischen Mafia“ in Köln bekommt. Dies wiederum gibt dem Autor die Möglichkeit, hier ein paar eher dunklere Bereiche aus zu leuchten und dem Leser nahe zu bringen. Trotz meiner Kritikpunkte fühlte ich mich gut unterhalten, auch wenn von einem Thriller nicht viel zu finden ist, bleibt das Buch doch ein recht guter Krimi, der 1-2 Abende angenehme Unterhaltung bietet. Sollte dieses Buch der Start einer Serie werden, kann man wohl hoffen, dass Herr Strassen aus seinem „Drehbuchschreibstil“ herausfindet und seine eigene Art schreibt!
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