Léo Malet

Léo Malet wurde am 7. März 1909 in Montpellier geboren. Er machte eine Lehre zum Bankangestellten und ging 1925 als Waise nach Paris unter der Obhut des Redakteurs André Colomer, der ihm die Familie ersetzte und ihn entscheidend mit prägte. Dort war er Clochard und schlug sich unter dem Einfluß der Surrealisten als Chansonnier im Kabarett Vache Enragée durch. Danach begann er mit dem Schreiben und arbeitete als Büroangestellter, Filmstatist, Journalist, Herausgeber einer Modezeitschrift oder Ghostwriter eines analphabetischen Erpressers.

Als Poet trat er von 1930 an in der Groupe Surréaliste in Erscheinung. In den 40er Jahren begann Malet Krimis zu schreiben. 1942 erschien sein Roman »120, Rue de la Gare«, der Beginn seiner Reihe um den Pariser Privatdetektiv Nestor Burma, an der er die nächsten 30 Jahre schrieb. Das Besondere an Nestor Burma sind jene 15 Romane, die den Zyklus »Die neuen Geheimnisse von Paris« bilden. Jeder Roman spielt in einem anderen Pariser Arrondissement.

Besonders reizvoll sind die Auflagen des Elster-Verlags (leider nicht mehr lieferbar), da sie mit farbigen Stadtteilplänen verziert sind und jeweils in einem Nachwort die Schauplätze der Romane vorgestellt werden. Diese Informationen findet man aber auch in der neueren rororo-Reihe, allerdings nicht in so schöner Aufmachung.

Malet erhielt 1958 den »Großen Preis des schwarzen Humors« sowie 1984 den »Grand Prix du Club des Détectives«. Mehrere seiner Kriminalromane wurden auch verfilmt; unter anderen spielte Michael Serrault den Detektiv Burma.

Malet starb am 3. März 1996. Er wurde begraben an seinem Wohnsitz Chatillon-sous-Bagneux (Hauts-de-Seine).

Krimis von Léo Malet(in chronologischer Reihenfolge):

Trilogie-noire:
Das Leben ist zum Kotzen
La vie est dégueulasse (1948)
Angst im Bauch
Sueur aux tripes (1969)
Die Sonne scheint nicht für uns
Le soleil n'est pas pour nous (1949)
Nestor-Burma:
Hundertzwanzig, rue de la Gare
Cent vingt, rue de la Gare (1943)
Nestor Burma in der Klemme
Nestor Burma contre C.Q.F.D. (1945)
Blüten, Koks und blaues Blut
L’Homme au Sang bleu (1945)
Solution au cimetière (1946)
Tödliche Pralinen
Nestor Burma et le Monstre (1946)
Das fünfte Verfahren
Le Cinquième Procédé (1947)
Coliques de Plomb (1948)
Applaus für eine Leiche
Gros plan du macchabée (1949)
Ein Toter hat kein Konto
Le paletots sans manches (1949)
Bilder bluten nicht
1. Arrondissement: Le Soleil naît derrière le Louvre (1954)
Stoff für viele Leichen
2. Arrondissement : Des kilometres de Linceuls (1955)
Fieber im Marais / Marais Fieber
L'Ours et la culottes / 3. Arrondissement: Fièvre au Marais (1955)
Die Nächte von St. Germain
Le Sapin pousse dans les caves / 6. Arrondissement: La nuit de Saint-Germain-des-Prés (1955)
Die Ratten im Mäuseberg
Les rats de Montsouris (1955)
Wie steht mir Tod?
10. Arrondissement : M'as-tu vu en cadavre? (1956)
Corrida auf den Champs-Elysees
8. Arrondissement: Corrida aux Champs-Élysées (1956)
Das stille Gold der alten Dame
16. Arrondissement : Pas de bavards à la Muette (1956)
Die Brücke im Nebel
Brouillard au Pont de Tolbiac (1956)
Ein Clochard mit schlechten Karten
15. Arrondissement : Les eaux troubles de Javel (1957)
Stress um Strapse
9. Arrondissement : Boulevard... ossements (1957)
Kein Ticket für den Tod
12. Arrondissement : Casse-Pipe a la Nation (1957)
Bambule am Boul mich / Makabre Machenschaften am Boul' Mich'
Micmac moche au Boul' Mich' (1957)
Zoff in der Rue de Rosiers / Spur ins Ghetto
4. Arrondissement: Du Rebecca rue des Rosiers (1958)
Wer einmal auf dem Friedhof liegt...
L'envahissant cadavre de la plaine Monceau (1959)
Bei Rotlicht Mord
Nestor Burma en direct (1962)
Wenn Tote schwarze Füße tragen
Nestor Burma revient au bercail (1967)
Im Schatten von Montmartre
Drôle d'épreuve pour Nestor Burma (1968)
Der parfümierte Todeshauch
Un croque-mort nommé Nestor (1969)
Tote reden kurze Sätze
Nestor Burma dans l'ile (1970)
Blutbad in Boulogne
Nestor Burma court la poupée (1971)
Im Schatten der großen Mauer
L'Ombre du grand mur (1944)
Der letzte Zug von Austerlitz
Le dernier train d'Austerlitz (1948)

»Während in Amerika der Privatdetektiv immer etwas Missionarisches an sich hat und sein Aufträge als Feldzüge, sich selbst als einzige Rettung begreift, gleichsam stellvertretend für Gott und sein Land, ist die gallische Variante, wie sie sich in Burma widerspiegelt, weitaus gelassender, auf spötttische Art eigenbrötlerisch, augenzwinkernd jakobinisch.« (Rheinischer Merkur)

»Paradoxerweise sind ausgerechnet die Burma-Romane schwache Pastiches auf amerikanische hard-boiled novels; Malets gequälte und verkrampfte Smart-Cracks sind auf die Dauer ärgerlich und können die über die Dürftigkeit der jeweiligen Handlungen nicht hinwegtäuschen.« (Thomas Wörtche)

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