Verarschung von Lars Arffssen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel The girl with the sturgeon tattoo, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 2010 - heute.

  • New York: St. Martin’s Griffin, 2011 unter dem Titel The girl with the sturgeon tattoo. 200 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011. Übersetzt von Karolina Fell, Silke Jellinghaus & Katharina Naumann. ISBN: 978-3-499-25838-1. 267 Seiten.

'Verarschung' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Killer geht um in Schweden. Er enthauptet Rentiere. Bald findet er offenbar auch ein erstes menschliches Opfer: den einzigen nicht veröffentlichten Krimiautor des Landes. Die Stockholmer Polizei steht unter Erfolgszwang und verhaftet Lizzy Salamander, denn verdächtiger als die schwer tätowierte und irgendwie auch schwer gestörte Hackerbraut kann man ja wohl nicht sein. Mikael Blomberg mag nicht an Salamanders Schuld glauben. Das flachbrüstige Mädchen, das auf dem Überwachungsvideo mit dem Kopf des erfolglosen Schriftstellers Fußball spielt, sieht ihr allerdings verflucht ähnlich. Dem Leser stellen sich derweil viele Fragen: Haben Schweden eigentlich immer Sex? Ist «Svenjamin» ein jüdischer Name? Wie schmeckt Heringlakritz? Und was ist dran an dem explosiven Gerücht, die Möbel dieser großen schwedischen Kette seien von Adolf Hitler persönlich entworfen worden?

Das meint Krimi-Couch.de: »Gratwanderung« 45°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Jetzt steigen sie wieder in den Bücher-Charts – Stieg Larssons Romane um Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander. Der Kinostart der US-Verfilmung des ersten Teils der sogenannten »Millennium-Trilogie« hat das allgemeine Interesse neu entfacht. Wer hätte damals 2005, als Män som hatar kvinnor in Schweden, oder ein Jahr später, als Verblendung in Deutschland veröffentlicht wurde, daran gedacht, dass dieses und die beiden folgenden Bücher die ersten Megaseller des neuen Jahrtausends werden würden.

Stieg Larssons posthume Erfolgsgeschichte ist selbst jetzt sieben Jahre später nicht beendet. Neben den gebundenen Ausgaben,den Taschen- und Hörbüchern, der ersten Verfilmung sind mehrere Biographien über Stieg Larsson erschienen und der Streit um seinen Nachlass sorgte für ausreichend medialen Wirbel. Nun hat sich im letzten Jahr jemand an einer Parodie auf Stieg Larssons Leben und seine Romanen versucht. Die Resonanz war/ist eher bescheiden. Das mag schon vorab daran liegen, dass sich der Rowohlt-Verlag in Anbiederung an die Heyne’schen Worthülsen Verblendung, Verdammnis und Vergebung zu dem derben Titel Verarschung hinreißen ließ. Wer aber möchte schon verarscht werden oder seinen Lieblingsschriftsteller und seine Werke verarscht sehen? »De mortuis nil nisi bene«- sagt doch schon der Lateiner. Autor Lars Arffssons selbst hat sich an den englischen Titel von Verblendung – The Girl with the Dragon Tattoo angelehnt und aus dem Drachen einen Stör gemacht. Eine Fisch geschmückte Lady spielt in Arffssens Parodie zumindest eine bedeutende Rolle.

Um einen Eindruck zu bekommen, was in Lars Arffssens Parodie Sache ist, braucht man eigentlich nur die Pseudo-Biographie des Autors zu lesen – haarsträubender Unsinn. In diesem Tenor geht es dann über 260 Seiten. Vor dem Kauf dieses Buches ist es dringend geraten, die von der Krimi-Couch angebotene Leseprobe anzunehmen. Wem das gefällt, der schere sich nicht um die hier vom Rezensenten vertretene Einschätzung. Humor polarisiert. Es gibt Hunderttausende, die sich über Rita Falks Dorfpolizisten kringeln vor Lachen, aber auch einige, die das für mittlerweile gefährlichen Dummsinn halten.

Lars Arffssens Parodie ist von ganz anderem Kaliber und der Rezensent hätte sie gerne als geglückt bewertet. Neben den Hunderten von Anspielungen auf Stieg Larsson und seine »Millennium«-Trilogie – mal feinsinnig, mal platt – steckt auch eine gute Portion Gesellschaftskritik (Kapitalismus, Konsum- und Sozialverhalten, Markenfetischismus) darin, die leider in der Flut penetranter Kalauer und Zoten untergeht. »Auch wenn man einen schlechten Witz zehnmal wiederholt, wird er nicht besser«- stand irgendwo geschrieben und das trifft’s. Ständige Wiederholungen sind ermüdend und enervierend, zumal Krimispannung nicht wirklich aufkommen will. Um was es geht, ist schnell erzählt.

Der unveröffentlichte schwedische Schriftsteller Twig Arssen wird enthauptet aufgefunden. Kurze Zeit später ereilt Twigs Freund, dem Störforscher Ekkrot das gleiche Schicksal. Twigs Vater beauftragt den investigativen Journalisten Mikael Blomberg (ehemals Blomkvist), sich des Falles anzunehmen. Erste Vermutungen gehen in Richtung des berühmten schwedischen Möbelhauses UKEA, denn über dessen möglicherweise »braune« Vergangenheit soll Twig zuletzt recherchiert haben. Doch dann taucht ein Video aus einer Überwachungskamera in Twig Arssens Wohnung auf, das eine allseits bekannte Person in mörderischer Action zeigt: Lizzie Salamander. Nur etwas mit ihrem Tattoo scheint nicht zu stimmen.

Man hätte sich vom Autor einen maßvolleren Umgang mit seinen Ressourcen gewünscht. Ein Zuviel gleichwelcher Substanz tut nicht gut. Hier reiht sich Gag an Gag und manche davon unterschreiten die Grenze des guten Geschmacks. Die Idee, Stieg Larssons »Millennium«-Trilogie aufs Korn zu nehmen, forderte diese nahezu heraus – nicht nur wegen ihrer Berühmtheit, sondern auch wegen ihres unfreiwilligen Humors.

In der Ausführung wandelt Lars Arffsson auf einem schmalen Grat zwischen feinsinnigem Humor und grobschlächtigem Klamauk, wobei letzterer den Gesamteindruck negativ ausfallen lässt.

Also lieber erst probelesen, anstatt spontan kaufen.

Jürgen Priester, Januar 2012

Ihre Meinung zu »Lars Arffssen: Verarschung«

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marsanne zu »Lars Arffssen: Verarschung« 16.01.2012
Also ich habe mich jetzt tatsächlich durch ungefähr 10 Seiten der Leseprobe gequält und diese kopfschüttelnd gelesen.

Welchen Grund sollte es geben, dass jemand dieses Buch kauft?
Man mag nordische Krimis? Dann ist das ein Grund, dass Buch NICHT zu kaufen.
Man mag lustige Krimis? Dann ist das ein Grund, dass Buch NICHT zu kaufen.

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