Blutpreis von Jon Evans

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel The blood price, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei dtv.

  • London: Hodder & Stoughton, 2005 unter dem Titel The blood price. 500 Seiten.
  • München: dtv, 2007. Übersetzt von Bela Stern. ISBN: 978-3423246064. 500 Seiten.
  • [Hörbuch] München: audio media, 2008. Gesprochen von Michael Schwarzmaier. gekürzt. ISBN: 978-3868044584. 6 CDs.

'Blutpreis' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als Paul mit seiner Freundin Talena 2003 nach Sarajewo fliegt, um Talenas Schwester Saskia zu besuchen, finden sie eine verängstigte Frau vor, die von ihrem Mann seit Jahren brutal misshandelt wird. Talena ist eines klar: ohne ihre Schwester wird sie nicht wieder abreisen. Da für Saskia eine legale Ausreise unmöglich ist, bleibt nur der Weg über Menschenhändler. So geraten sie an Sinisa, der anbietet, Saskia umsonst nach Amerika zu bringen; als Gegenleistung fordert er Pauls Dienste als Programmierer. Alles scheint gut zu laufen, und Paul und Saskia fiebern ihrer Abreise entgegen. Doch nach und nach tun sich um Sinisa ungeahnte Abgründe auf: Er hat zahlreiche Menschen auf dem Gewissen und ist in eine finstere Sache verwickelt, von der Paul die Ausmaße noch nicht erahnen kann. Eine gefährliche Reise über den halben Globus beginnt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Srebrenica und seine Nachwehen« 67°

Krimi-Rezension von Bernd Neumann

Balthazar »Paul« Wood, 29, gebürtiger Kanadier, ist IT-Spezialist und arbeitet in San Francisco. Derzeit ist er »eine arbeitslose Lusche, die keinen Job findet und Eltern und Freundin auf der Tasche liegt«. Als Computerprogrammierer findet er plötzlich ein neues Betätigungsfeld, viel schneller, als ihm lieb ist.

Das Taxi kam genau im falschen Moment. Wäre es zehn Sekunden früher aufgetaucht, hätte ich das Kind nicht gesehen. Zehn Sekunden später, und ich hätte dem Jungen nicht mehr helfen können. Ich wäre nicht in die ganze Sache verwickelt worden, und der Rest meines Lebens wäre komplett anders verlaufen.

 

Wer das liest, kauft. Was für ein gewaltiger Spannungsbogen, welche Erwartungshaltung im ersten Absatz! Also: weiter lesen!

Jon Evans führt uns in seinem zweiten Thriller mit Titelhelden Paul Wood zurück in das Bosnien im Frühling 2003. Wood will mit Lebenskameradin Talena Radovic nach dem Ende der Kriegshandlungen deren bosnische Schwester Saskia besuchen. Diese geplante Urlaubsstippvisite wird mehr und mehr zum Horrortrip. Trotz der Nato-Friedenstruppen regieren in Bosnien auch weiterhin Chaos und Gesetzlosigkeit.

Saskia entpuppt sich schnell als ist ein verstörtes Wesen, das unter der Brutalität und den Saufgelagen ihres Ehemannes leidet. Dragan, dieses »kranke Arschloch« und seine ehemaligen Heckenschützenfreunde, einst als »bosnische Tiger« gefürchtet, ballern dann nach reichlich viel Slivovitz schon mal auf offener Straße mit dem MG in Erinnerung an die guten alten Kriegszeiten heftig in der Gegend rum. Woods Eindruck, es nur mit »bosnischen Garagenganoven« zu tun zu haben, wird im Laufe der Handlung jedoch immer mehr zu einer fatalen Fehleinschätzung. Saskia würde diesem lauten Macho-Gedöns gern entfliehen, aber das ist unter den herrschenden Bedingungen leichter gesagt als getan.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Durch Mitleid mit einem verzweifelten, weil einsam zurück gelassenen Jungen am nächtlichen Straßenrand gerät Paul Wood unbeabsichtigt in die Fänge einer Menschenhändlerbande. Hier trifft er auf das Duo Zoltan und Zorasa, und ihm wird klar:

»Die Frau und der Mann im Hintergrund waren Veteranen der Gewalt, hatten Dinge gesehen, über die ich lieber nichts Näheres erfahren wollte«.

Chef der Menschenhändlermafia ist der Niederländer Sinisa, ehemaliger Nato-Blauhelm , mittlerweile aber blonder Pferdeschwanzträger. Dessen Machenschaften werden scheinbar von den bosnischen Behörden nicht nur geduldet, sondern unterstützt. Als dieser von den amerikanischen IT-Kenntnissen seines unerwarteten Besuchers Paul Wood erfährt, lässt er dessen Fähigkeiten antesten und bietet ihm danach einen gut bezahlten Job in der Organisation an. Paul sieht darin zwei große Chancen.

Die Beziehung zwischen Talena und Paul Woods dümpelt schon längere Zeit trostlos vor sich hin. Die mittlerweile 18-monatige Arbeitslosigkeit hat den Programmierer frustriert, ihn jähzornig und phlegmatisch werden lassen, was meistens in Streit mit anschließender Funkstille in ihrer Beziehung endet. Jetzt bietet sich ihm nach trostlosem Nichtstun wieder eine unerwartete Chance zur Selbstbestätigung. Und vielleicht könnte Sinisa der Fluchthelfer es mit seinen Beziehungen ja organisieren, Telenas Schwester aus den Klauen ihres Mannes zu befreien und eine Auswanderung nach Florida organisieren!

Menschenschmuggel auf olympischem Goldmedaillen-Level

Sinisa erklärt als seine eigentliche Mission, Menschen aus armen Ländern in reiche zu schleusen. Zwar illegal, aber nicht unmoralisch. Er empfindet sich in vergleichbarer Position wie »Ärzte ohne Grenzen«, »Amnesty International« oder UNICEF: Menschen von Gefahr, Hunger, Angst, Verzweiflung und unvorstellbarer Armut zu erlösen, sie in Länder zu bringen, wo sie eine Chance auf ein besseres Leben erhalten. Dem geht der ehemalige Bagpacker und Weltenbummler Ron Wood auf dem Leim und stürzt sich in die Programmierarbeit. Er ahnt nicht, dass er eine Marionette ist, um für Sinisa ein todsicheres Internetkommunikationssystem aufzubauen. Hier sollen Sinisas Geschäftspartner und gemeinsam arbeitende Organisationen in einer ungeahnten und vorher nie da gewesenen Transparenz vernetzt werden, von Schreibtisch und aus sicherer Position. Er will zum uneingeschränkten Monopolisten der Branche Menschenhandel werden, deren Jahresumsatz sich weltweit auf mittlerweile 10 Mrd. Dollar beläuft.

Erst sehr spät erkennt Ron Wood die schlimmen Absichten und Hintergründe seines holländischen, scheinhumanistischen Arbeitgebers. In einer wilden Hatz von Bosnien über Jugoslawien nach Albanien zu den Kanaren bis hin in das mittelamerikanische Belize nach Mexiko gipfelt das ganze Spektakel im legendären Black Rock City mit einem fulminanten Countdown.

Massaker von Srebrenica ein bleibendes Mahnmal gebaut

Jon Evans legt mit Blutpreis einen wiederum unterhaltsamen und spannenden, flüssig geschriebenen Thriller vor.
Als ehemaliger Rucksacktourist kennt er viele exotische Ecken dieser Welt wie seine Westentasche. Davon profitiert der schillernde Krimi ebenso wie von seinem Beruf als IT-Consult.

Beachtenswert ist dieser Thriller vor allem deshalb, weil er es schafft, mit der Leichtigkeit eines Eric Ambler den verworrenen Bosnien-Krieg verständlich und sehr, sehr bedrückend darzustellen. Hier geschahen unglaubliche Gräueltaten, und viele der damaligen Kriegsverbrecher versuchten, auf illegalem Wege in die Anonymität der Karibik geschleust zu werden. Das macht wütend und nachdenklich.

Der Völkermord von Srerebica im Juli 1995 kostete 8000 Bosniaken auf bestialische Art das Leben, tausende Leichen wurden mit Bulldozerkräften in Massengräbern verscharrt, spätere Umbettungen sollten die Gräueltat verschleiern.

In ganz anderer Stimmung manifestiert Evans aber zugleich mit dem Finale in Black Rock City den wohl letzten verbliebenen Wallfahrtsort der Flower-Power-Hippie-Künstlergemeinde auf ewig in der Kriminalliteratur.
In dieser Salztonebene der Wüste Nevadas findet alljährlich ein Kunstfestival statt, das acht Tage andauert und traditionell am Labour Day mit dem »Burning Man« endet (eindrucksvoll zu sehen auf dem Coverfoto v. Brian K. Herman). 1986 aus einer Liebeskummerbierlaune mit zwanzig Teilnehmern entstanden, lockt dieser Event alljährlich um die 40 Tausend Menschen aller Nationen an.

Und wie Jon Evans diese glitzernde Scheinwelt mit ihren absonderlichen Kunstwerken schildert wirkt so unglaublich authentisch, dass wir sicher sein können: Er hat dieses wohl skurrilste Happening auf unserem Planeten als Rucksacktourist schon vor Jahren (garantiert) genüsslich erkundet.

Bernd Neumann, September 2007

Ihre Meinung zu »Jon Evans: Blutpreis«

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Thomas F. zu »Jon Evans: Blutpreis« 26.08.2014
Dieses Buch ist absoluter Müll!! Im Endeffekt schildert der Autor seine Reiseerfahrungen und spickt sie mit einer hahnebüchenen Thrillerabhandlung. 20° max. Zum Beispiel beschreibt der Autor über zig Seiten das Burning Man Event und wie die Protagonisten eben über dieses Event flanieren, während sie eigt. auf der Flucht vor Massenmördern und Kriegsverbrechern sind. Als sie den Bösen dann gegenüberstehen, sind die Dialoge so peinlich schlecht, dass man das Buch am Liebsten wegschmeissen möchte.
Juergen S. zu »Jon Evans: Blutpreis« 07.03.2009
Jon Evans konnte bereits mit seinem Debüt-Roman "Tödlicher Pfad" den Leser spannend und fesselnd unterhalten. Sein nun vorliegender, zweiter Roman "Blutpreis" legt dem noch einen drauf.
Abermals fegt der Autor in seiner Geschichte um den halben Erdball und zeigt darin, dass dies seine persönlichen Interessen zu decken scheint - anders könnte man den Detailreichtum und die gut recherchierten Hintergründe auch nicht so virtuos darlegen.
Des weiteren schafft er es nun verstärkt, den Leser zu fesseln und den Spannungsbogen zum Zerreissen gespannt zu halten.
Seine Geschichte verknüpft scheinbar losgelöste Themen, wie z.B. albanische Schmuggler, Drogendealer, Guerillas usw. mit -weltpolitisch betrachtet - lapidaren Problemen einer Ehefrau, die ihren brutalen Mann verlassen möchte, dies aber nur durch eine illegale Ausreise schaffen kann.
Jon Evans steuert seinen Hauptprotagonisten Paul Wood - der nicht nur der ausreisewilligen Saskia helfen will, sondern es dadurch auch gleich mit ganzen Banden aufnehmen muss - durch eine sehr rasant erzählte, originelle und actionreiche Geschichte, die auch geschickt eingefügte Thrillerelemente nicht vermissen lässt.
Somit hat Jon Evans nicht nur einen erfolgreichen Nachfolgeband kreiert, sondern auch gezeigt, dass er diesem noch gewaltig einen drauf setzen konnte.
Lediglich der unvermeidliche Showdown ist etwas zu lang geraten und die Geschehnisse während des Burning Man - Festivals scheinen sehr übertrieben zu sein und wirken somit für den Leser mehr und mehr unglaubwürdig. Vielleicht gebe ich dem Autor auch Unrecht - ich kenne dieses Festival nicht - aber man muss natürlich für alle Leser glaubwürdig bleiben und ich kann einfach nicht glauben, dass es ein Festival mit ausschließlich "durchgeknallten" Teilnehmern und Besuchern gibt. Hier hätte etwas weniger sicherlich für mehr gesorgt.
Alles in allem bleibt aber ein extrem spannender und interessanter Roman mit gut gezeichneten Figuren, dessen Genuss an das Buch fesselt und den Leser problemlos für einige Stunden eintauchen lässt.
Jürgen zu »Jon Evans: Blutpreis« 03.05.2008
"Blutpreis" ist ein weit überdurchschnittlicher Krimi, der sehr spannend geschrieben und gut zu lesen ist. Zwar hat mir der Erstling von Herrn Evans noch besser gefallen, da die Auflösung noch origineller war, aber auch dieser Thriller ist originell und sehr spannend. Weiter so, Herr Evans!!!
Sebald Schreyer zu »Jon Evans: Blutpreis« 24.09.2007
Nach dem ersten Buch von Evans (Tödlicher Pfad), das ultimative Spannung sowie eine dichte Darstellung bot, war ich sehr gespannt auf den Nachfolger - und war ziemlich enttäuscht. Klar, es geht um den Bosnien-Krieg und seine Grausamkeiten, die gut herausgearbeitet werden. Aber dennoch ist mir die Story viel zu konstruiert. Auf Teufel komm raus müssen wieder soundso viele "Backpacker"-Ziele abgehakt werden, ebenso darf das entsprechende Produkt-Placement nicht fehlen: Eindeutig zu oft wird auf die "Lonely-Planet"-Reiseführer und auf Snickers oder auf bestimmte Rucksack-Marken hingewiesen.
Vom Aufbau der Story ganz zu schweigen: Der "Held" gerät in ein Verbrechen hinein, das ihn um die halbe Welt führt (im ersten Band Nepal - Bali - Marokko, jetzt Bosnien - Albanien - Belize - Nevada). Der Staatsgewalt sind die Hände gebunden, also löst sich das ganze mal wieder durch die "Freundesbande" - Enid Blytons "Fünf Freunde" lassen grüßen...
Dazu kommen bei "Blutpreis" gähnend lange Passagen über die Beziehung des Helden Paul Wood. Die Chance, über die ungewöhnliche Auflösung des ersten Bandes einen Einstieg in ein Psychogramm von Paul Wood zu schaffen, wurde leider komplett vertan.
Ich habe deutlich weniger als 67 Punkte vergeben...
Krimi-Tante zu »Jon Evans: Blutpreis« 12.09.2007
Sehr gutes Buch. Wem das erste von Jon Evans gefallen hat, sollte auch dieses gut finden. Man darf sich bloss nicht von dem - aus meiner Sicht - ziemlich geschmacklosen Einband des Buchs abschrecken lassen. Paul Wood reist wieder durch die Welt, man trifft auch Talena und einige Bekannte aus dem ersten Buch wieder. Eine spannende Story, die uns an interessante Schauplätze führt (vor allem am Ende), die immer weiterläuft, ohne langatmig zu werden. Fazit: Kaufen und lesen. Schade, dass der KC-Kritiker bei einer durchweg positiven Rezension nur so mäßige Punkte vergibt.
Anja S. zu »Jon Evans: Blutpreis« 28.07.2007
Auch der Nachfolgeband zu "Tödlicher Pfad" ist superspannend!!! Es spielt wieder in verschiedenen Ländern (Bosnien, Albanien, Belize, USA) und hat natürlich wieder mit Computern zu tun, aber auch mit Menschenrechten, Kriegsverbrechen und internationalem Recht. Ich freue mich schon auf das nächste Buch von Herrn Evans.
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