Der Wolf von John Katzenbach

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Red 123, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei Droemer Knaur.

  • New York: Mysterious Press, 2014 unter dem Titel Red 123. 370 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2012. Übersetzt von Anke & Eberhard Kreutzer. ISBN: 978-3-426-19825-4. 512 Seiten.
  • München: Droemer, 2014. Übersetzt von Anke & Eberhard Kreutzer. ISBN: 978-3-426-50071-2. 508 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2012. Gesprochen von Simon Jäger. ISBN: 978-3839811818. 6 CDs.

'Der Wolf' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Er ist 65, Schriftsteller, erfolglos  und will mit einem spektakulären Verbrechen unsterblich werden. Seine mörderische Inspiration: das alte Märchen vom »Rotkäppchen«. Seine Opfer: drei rothaarige Frauen zwischen siebzehn und Anfang fünfzig. In einem anonymen Brief teilt ihnen der »große böse Wolf« mit, dass er sie umbringen wird. Denn in Wirklichkeit habe das Märchen ein ganz anderes Ende. Die Frauen wissen nichts voneinander  außer dass es noch zwei andere Opfer gibt. Und sie haben keine Ahnung, wie der Täter Jagd auf sie machen wird. Zermürbt von ihrer Angst versuchen sie, sich gegen den Unbekannten zur Wehr zu setzen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn Märchen umgeschrieben werden« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Der böse Wolf ist ein mittelmäßiger Schriftsteller, der seine besten Jahre schon lange hinter sich hat. Was niemand ahnt: Für seine vier Kriminalromane hat er selbst getötet. Nach 15-jähriger Pause will er nun ein letztes Mal aktiv werden, um eine Art von Meisterwerk zu schaffen. Drei Frauen  die er rote Eins, rote Zwei und rote Drei nennt  sollen sterben. Er will Zeitpunkt und Todesart für seine Opfer bestimmen. Die drei Frauen kennen sich nicht, und außer ihrer roten Haarfarbe gibt es im Grunde nichts, was sie miteinander in Zusammenhang bringt. Dr. Karen Jayson ist eine 51-jährige Ärztin, Sarah Locksley eine Witwe Mitte 30, und Jordan Ellis ein 17-jähriges College-Girl mit verkorkstem Elternhaus. Der böse Wolf will das Trio umbringen, und diese Taten dann  wie schon früher praktiziert  in einem Roman beschreiben. Mit der erhofften spektakulären Veröffentlichung will er endlich wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erringen. In Briefen schreibt er den drei Frauen, dass sie ausgewählt wurden, um von seiner Hand zu sterben. Die Drei sind zunächst verzweifelt  aber dann doch nicht gewillt, sich so einfach zur Schlachtbank führen zu lassen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der neue Thriller von John Katzenbach hat mich ungemein gefesselt und fasziniert. Und dabei wird zunächst niemand umgebracht, sondern es steht nur die ziemlich überzeugende Drohung des irren Schriftstellers im Raum. Aber gerade damit packt der Autor seine Leser, denn es geht um die Reaktionen der höchst unterschiedlichen Frauen auf die immer neuen Schachzüge des bösen Wolfs  und beides hat es wirklich in sich. John Katzenbach versteht es hervorragend, flüssig und gut lesbar eine Geschichte zu erzählen. Und wie gewohnt baut er dabei stufenweise immer mehr Spannung auf. Der Autor beschreibt zunächst die Lebensumstände des potenziellen Killers und seiner drei möglichen Opfer. Die »drei Roten« reagieren erwartungsgemäß höchst unterschiedlich auf die Morddrohung, aber alle drei Frauen werden in ihrem Verhalten von ihrer Angst dominiert.

Katzenbach beschreibt einfühlsam und nachvollziehbar, wie sich der komplette Alltag der potenziellen Mordopfer durch die latente Bedrohung verändert. Vor allem die Ungewissheit, wann der Mörder zuschlagen könnte, löst phasenweise tiefe Verzweiflung aus. Jeder Schatten wird plötzlich bedrohlich. Die eigene Wohnung, sonst ein sicheres Refugium, ist mit einem Schlag höchst unsicher. Verschärft wird die Lage noch zusätzlich, als alle drei Frauen den Link zu einem YouTube-Video bekommen, das der böse Wolf aufgenommen und ins Netz gestellt hat  jetzt wird ihnen absolut deutlich, wie nahe ihnen der Killer bereits ist.

Und diese permanente Angst der Frauen turnt den bösen Wolf so richtig an, sie ist neben dem Ehrgeiz, ein neues Buch zu schreiben, seine eigentliche Antriebsfeder. Er will Macht über seine Opfer ausüben, ohne dass sie etwas dagegen tun können. Bei der Beschreibung dieser Psycho-Spielchen ist John Katzenbach zuweilen etwas weitschweifig, aber Tempo und Spannung ziehen immer wieder rechtzeitig an. Und vor allem wird man als Leser durch immer neue Zwischenfälle und Wendungen überrascht.

Nachdem sich die drei Frauen gesucht und gefunden haben, um eine gemeinsame Strategie gegen die Mordpläne zu entwickeln, wird der Roman derart fesselnd, dass man ihn kaum noch aus der Hand legen möchte. Als Leser fiebert man mit und fragt sich, welche Lösung es für die verzweifelte Lage der »drei Roten« geben könnte. Vom Ende wird man ziemlich überrascht  jedenfalls ist es mir so gegangen. Ein Hinweis für Katzenbach-Fans und Kenner: Die Red Sox bringt er auch in diesem Buch unauffällig und gekonnt unter.

Andreas Kurth, Dezember 2012

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charliene zu »John Katzenbach: Der Wolf« 31.07.2016
Habe soeben "der Wolf" von Katzenbach fertig gelesen und bin froh, bin ich damit fertig weil ich mich jetzt nämlich wieder den Dingen widmen kann, die ich wirklich machen sollte. Es war spannend, subtil, schauerlich und fesselnd. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Auch wenn einige Kritiken das Buch als langweilig beschreiben, ich kann dem nicht zustimmen. Es hat ruhige Abschnitte, aber ich persönlich fand es weder langatmig noch langweilig. Ich werde sicher auch noch andere Bücher von John Katzenbach lesen.
herbert7 zu »John Katzenbach: Der Wolf« 24.07.2016
DER WOLF - ein alternder Schriftsteller will drei Frauen umbringen, weil er mit dem Rotkäppchen Ruhm ernten will. Das ist die ganze Idee und auf Pointen wartet man vergebens :-/ ich habe bis zum Ende gelesen, weil ich Katzenbach mag, doch die Pointen am Ende verschlimmern den negativen Eindruck noch :-/ ich schätze, mit dem WOLF habe ich das schwächste Buch von Katzenbach gelesen
Domenic zu »John Katzenbach: Der Wolf« 02.06.2016
Ich habe das Buch von meinem Nachbarn; zum Glück habe ich dafür kein Geld ausgegeben. Bis Seite 110 hab ich durchgehalten es zu lesen, muss aber eindeutig sein, es ist nicht mein Geschmack. Viel zu langweilig, und ich muss ehrlich sage, es schreckt mich ab, weitere Bücher von ihm zu lesen.
Ich finde sogar, dass der Klappentext mehr verspricht als der Inhalt. Aus diesem Grund habe ich es überhaupt anfangen zu lesen.
Luana zu »John Katzenbach: Der Wolf« 24.08.2015
Das beste Buch, das ich je gelesen habe! Die Kritik, das Buch wäre anfangs langatmig und zu detailliert kann ich leider nicht nachvollziehen. Diese Beschreibungen der Angstzustände der Frauen und die Wiedergabe der Gedanken, die der Wolf hegt, sind meines Erachtens nicht langatmig, sondern feinste Opferpsychologie und machen das Buch lesenswert! Des Weiteren denke ich, dass es einen Grund dafür gibt, weshalb der Wolf nicht bemerkt, dass die dreit Roten zusammenarbeiten. Diese Unwissenheit sagt viel über seine Erfahrenheit als Mörder aus und vor allem etwas über seine Person. Am Besten ist jedoch, dass man etwas über die kriminelle Psyche gelernt hat- wie eigentlich in all seinen Büchern.
Mark Lauer zu »John Katzenbach: Der Wolf« 20.07.2015
Der Romanbeginn ist etwas langatmig gestaltet, aber das Tempo nimmt dann enorm an spannungseladener Fahrt auf. Sicher: es bleibt unklar, warum der Wolf nicht davon ausgeht, dass sich die drei Frauen ueber die youtube links austauschen und vielleicht sogar treffen. Auch muesste es den Wolf stutzig machen, dass es ausgezeichnet eine der drei Roten ist, die sieht, wie sich eine ihrer Leidesgenossinnen ins Wasser stuertzt. Die knapp erwaehnen Motivation, mit einem neuen Bestseller ueber die Morde reich zu werden, ist nicht glaubhaft. Auch ist das Verhaeltnis zur Ehefrau nicht differenziert gestaltet: Sie wird vom unwissenden Mauerbluemchen zur naiven Komplizin. Auch wird die kurzzeitig aufkommende Moeglichkeit, dass es sich bei dem Taeter um eine Frau handeln koennte, sofort fallen gelassen, nachdem das Trio herausfindet, dass Frau "Wolf" verheiratet ist. Kann ja nur ein Mann der Taeter sein, oder.? Dass die Frau zur willenlosen Komplizin wird, setzen die drei Roten ebenso ohne Hinterfragung voraus, wie es der Autor uns Lesern praesntiert. Wo Frauen wie die drei Roten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, darf wohl das Klischee einer willenlosen und schwachen Frauenfigur nicht fehlen. Das Ende ist unglaublich spannend gestaltet: Selten fuehrt ein Autor so gekonnt den Showdown einer Kampfhandlung in Worten vor. Da ist es umso beeindruckender, welche Wendung das Finale nimmt. Unberechenbar und gut. Alles in allem ein guter Thriller mit wenigen Schoenheitsfehlern. Empfehlenswert durchaus.
Merope zu »John Katzenbach: Der Wolf« 20.01.2015
Das Buch ist. langweilig. Und trotzdem so spannend gehalten, dass man es nicht weglegen kann, weil man stets auf den Clou des Ganzen hofft. Der kommt nur leider nicht. Wenn der "Wolf" so clever ist, wie kann er nicht schon bereits durch den Post von "Rote 3" (ja, die Spitznamen nerven) unter dem YouTube Video richtigerweise davon ausgehen, dass die drei in Kontakt stehen. Es passiert nichts von seiner Seite aus. Er lässt sie seelenruhig planen, einkaufen, heimlich treffen, um den Mord vorbereiten, damit am Ende was passiert? Richtig. Nichts.
Ich mag die Werke von Katzenbach generell, aber das ist nichts geworden..
Werner zu »John Katzenbach: Der Wolf« 20.08.2014
Kannte den Autor vor dem Lesen dieses Buches nicht. Bin durch Zufall daruf gestoßen. Hatte also nicht die Erwartungshaltung wie einige meiner Vorrezensoren, sondern konnte mich "naiv" auf das Buch einlassen. Das war von Vorteil. Denn was andere als langweilig empfanden, werte ich als sorgfältig und differenziert.
Der Plot (Mörder warnt Opfer) ist ja nicht neu, auch wenn es in diesem Fall mehrere Opfer gleichzeitig sind. Aber daß schwerpunktmäßig die Opfersicht auserzählt wird, ist schon interessant. Wie sie schwanken zwischen Angst, Depression, Wut, Berechung, Handeln usw. ist es wert, ausführlich ausgebreitet zu werden.
Kurzum: Wer viel Action erwartet, ist hier im falschen Buch. Wer aber feinziselierte Opferpsychologie kennenlernen möchte, lasse sich auf dieses Buch ein, nehme sich Zeit, lese es also nicht in einem Zug, dann wird er Spaß und Spannung finden.
Jutta Schatz zu »John Katzenbach: Der Wolf« 10.08.2014
Miriam zu »John Katzenbach: Der Wolf« 29.06.2014
Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage gelesen und fand es unglaublich spannend. Es ist vielleicht nicht so ereignisreich wie andere Katzenbach-Bücher, aber wer sich in die Gedanken und Motive des bösen Wolfes hineinziehen lässt und sich in die Figur hineinversetzen kann, für den ist das Buch sicher eine Empfehlung wert.

Man bekommt tiefe Einblicke in die ganz persönlichen Geschichten und Schicksale der verschiedenen Figuren. Ich konnte es kaum erwarten zu erfahren,wie die roten drei ihr Problem zu lösen versuchen. Das Ende faszinierte mich und der böse Wolf tat mir fast schon leid. Dieses Buch gehört für mich ganz klar zu einem der besten von Katzenbach.
MB zu »John Katzenbach: Der Wolf« 30.05.2014
Der Wolf war mein erstes Buch von John Katzenbach und sicher nicht mein letztes. Nicht dass es mich nun vollends umgehauen hätte, aber ich konnte es auch nicht aus der Hand legen. Ich musste einfach wissen, wie die drei Roten ihr Problem lösen oder ob sie es überhaupt schaffen. Das Buch hat gewisse Längen, das muss man schon sagen. Dennoch versteht es der Autor, eine unwiderstehliche Spannung aufzubauen. Die Schilderung des „bösen Wolfs“ respektive seiner kranken Psyche fand ich erschreckend beeindruckend. Da hat der Autor gezeigt, wie tief er sich in einen Serienmörder hineindenken kann, und da kamen wohl auch seine Erfahrungen als Gerichtsreporter zum tragen. Auch die Beschreibung amerikanischer Vorstadtmittelmäßigkeit mit ihrer gähnenden Langweile in die der Wolf untertaucht, fand ich überzeugend. Dass eben genau dort, in dieser scheinbar heilen Welt, sich tiefste Abgründe auftun können, ist zwar nichts neues, aber trotzdem ganz nett beschrieben. Was die Stringenz der Handlung betrifft, so fand ich diese, wie auch schon eine andere Schreiberin hier erwähnt hat, an der Stelle ziemlich dürftig, als die Trauerfeier für „rote Zwei“ inszeniert wurde. Ein solcher Lapsus hätte dem Autor eigentlich nicht passieren dürfen. Alles in allem, Schulnote 3+.

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