Der Psychiater von John Katzenbach

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel The Dead Student, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Droemer.

  • New York: Mysterious Press/Grove Atlantic, 2015 unter dem Titel The Dead Student. 576 Seiten.
  • München: Droemer, 2015. Übersetzt von Anke Kreutzer und Eberhard Kreutzer . ISBN: 978-3-426-28110-9. 576 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2015. Gesprochen von Uve Teschner. ISBN: 3839814022. 576 CDs.

'Der Psychiater' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Timothy Warner, Spitzname »Moth«, studiert Geschichte an der University of Miami – und er hat ein massives Drogenproblem. Jetzt ist er seit hundert Tagen »clean«, doch das hat er nur mit Hilfe seines Onkels Ed geschafft, eines prominenten Psychiaters und so etwas wie Moths Rettungsanker. Als Ed tot in seiner Praxis aufgefunden wird, stürzt Moth ins Bodenlose. Niemals war dies Selbstmord, auch wenn die Polizei noch so sehr davon überzeugt ist. Moths neue Aufgabe im Leben wird es, den Mörder zu stellen. Seine Nachforschungen führen ihn zu dem pensionierten Psychiatrieprofessor Jeremy Hogan, der seit einiger Zeit anonyme Drohanrufe bekommt. Ein unbekannter »Student Nr. 5« kündigt an, ihn umbringen zu wollen. Jedes Mal eröffnet er seinen Anruf mit der Frage: »Wessen Schuld ist es?« Es scheint, als wolle er Rache nehmen für ein Unrecht, das ihm vor Jahren während seines Studiums angetan wurde …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Junkies und der Killer« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Der 24-jährige Geschichtsstudent Timothy Warner ist Alkoholiker, und auch nach einer Entziehungskur fällt es ihm unendlich schwer, trocken zu bleiben. Halt und Hilfe bieten ihm die Selbsthilfegruppe in einer Kirche, und sein Onkel Ed – Psychiater und selbst Alkohol-abhängig. Ed ist aktuell die zentrale Person im Leben von Moth – so nennen ihn seinen Freunde – und hilft ihm über viele Untiefen hinweg. Deshalb bricht die Welt des jungen Mannes förmlich in sich zusammen, als er seinen Onkel erschossen in dessen Praxis findet. Auf einem Zettel auf dem Schreibtisch stehen nur zwei Worte: »Meine Schuld«. Die Waffe liegt noch neben Ed, deshalb ist für die Polizei schnell klar, dass es sich um einen Suizid handelt. Aber Moth kann und will das nicht glauben, und beginnt eine verzweifelte Suche nach dem vermeintlichen Mörder seines Onkels. Als Helferin holt er sich Andrea – Andy Candy – an Bord, seine große Jugendliebe. Die beiden wissen zunächst nicht, wie sie ihre Recherchen systematisch vorantreiben können, aber schon bald stellen sie entscheidende Zusammenhänge her. Dadurch geraten sie selbst in das Visier des Killers, und es geht für die beiden jungen Leute plötzlich auch um das eigene Überleben.

Mischung aus Krimi und Psychothriller

Der neue Roman von John Katzenbach ist spannend und unterhaltsam, reicht aber nach meiner Auffassung nicht ganz an seine Bücher aus den letzten Jahren heran. Der Verlag deklariert Katzenbachs Werke stets als Psychothriller, das mag bei diesem Roman manche Leser verwirren. Zwar hat der Plot etliche Elemente eines Psychothrillers, aber es geht auch um die akribische und verzweifelte Recherche zweier Amateure, also um fast klassische Polizeiarbeit. Daraus ist eine gute Mischung geworden, aber ein Psychothriller – wie es etwa Der Professor war – ist dieses Buch in meinen Augen eher nicht. Das schmälert den Lesegenuss nicht wirklich, nur sollte man angesichts der Etikettierung auf dem Buch-Cover nicht enttäuscht sein.

Informationsvorsprung gegenüber den Protagonisten

Wie man es von John Katzenbach gewohnt ist, lässt sich das Buch flüssig lesen. Die Dialoge hat er recht dramatisch gestaltet, das wirkt zuweilen nicht so authentisch, wie man es aus seinen anderen Romanen kennt. Der ständige Perspektivwechsel macht die Lektüre dagegen reizvoller, der Leser begleitet auch den Mörder bei dessen unheilvollen Aktivitäten. Motiv und Zielsetzung des Killers sind daher schnell zu verstehen, und man hat gegenüber den Protagonisten einen großen Informationsvorsprung. Stark sind auf jeden Fall die wichtigen Charaktere des Romans. Timothy hat ein wirklich tiefgreifendes Alkohol-Problem. Der gewaltsame Tod seines Onkels, der seine wichtigste Bezugsperson und Stütze im Kampf gegen die Sucht war, lässt Moth in ein dermaßen tiefes Loch fallen, dass man sich kaum vorstellen kann, wie er da wieder heraus kommt. Der junge Mann ist eigensinnig, intelligent – und versteht es, sich die richtigen Verbündeten zu suchen. Eine zentrale Aktion für den weiteren Verlauf ist seine Kontaktaufnahme mit seiner Ex-Freundin.

Selbsthilfegruppe ist unverzichtbar

Andrea – woher der Spitzname »Andy Candy« kommt, wird nicht erläutert – zweifelt anfangs an Moth und seinen Absichten, aber die beiden raufen sich zu einem starken Team zusammen, und ergänzen sich bei der Suche nach dem Mörder in hervorragender Weise. Andrea bestärkt Timothy schließlich in seinen Absichten, und unterstützt ihn nicht nur moralisch. Neben seiner (Ex-)Freundin ist vor allem die Selbsthilfegruppe in der Kirche von zentraler Bedeutung für Moth, die ich hier mal als weiteren Protagonisten bezeichnen möchte. Katzenbach schildert mehr als eindrücklich, wie sich die Gespräche in einer solchen Gruppe auf Handeln und Nichthandeln eines Abhängigen auswirken können. Neben dieser direkten Auswirkung ist die Gruppe in einer weiteren Hinsicht unverzichtbar, denn dort hat Moth die junge Staatsanwältin Susan Terry kennengelernt. Sie ist drogenabhängig – und wird für Moth und Andrea nach vielen Zweifeln und langem Zögern zur wichtigen Helferin bei der Suche nach dem Killer.

Guter Plot und interessante Protagonisten

Der Psychiater fällt gegenüber den bisherigen Romanen von John Katzenbach etwas ab, weil er stellenweise ungewohnt langatmig ist. Der Autor hat schon immer Romane in dieser Länge geschrieben, aber sie waren in der Regel kurzweiliger als das neue Buch. Hier wären 100 Seiten weniger angebracht gewesen – der Spannung hätte das keinen Abbruch getan. Die eine oder andere Wiederholung der Gefühlslage könnte gestrichen werden, und manches müsste nicht so umständlich ausgewalzt werden. Der gute Plot und die interessanten Protagonisten machen dieses Manko zwar weitgehend wett, aber aus einem guten hätte ein sehr guter Roman werden können. Insgesamt ist es dennoch ein spannendes und unterhaltsames Buch – gemessen an den Vorgängern jedoch nur »zweite Reihe«.

Andreas Kurth, Mai 2015

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Appaz zu »John Katzenbach: Der Psychiater« 07.08.2018
Die Naivität der drei Hauptfiguren verursacht körperlichen Schmerz.
Die Handlung könnte hanebüchener nicht sein.
Vom Erzählerischen her sehr schwach.
Grund dafür: Der Autor versucht sich u.a. als Psychologe, Kriminologe und Jurist, verfügt aber offenbar auf keinem der Fachgebiete auch nur über mäßiges Wissen.
Wie dieser Unsinn in diversen Bestsellerlisten landen konnte, ist mir ein Rätsel!
Alina zu »John Katzenbach: Der Psychiater« 28.01.2017
Ich habe bisher drei Bücher von dem Autor John katzenbach gelesen und ich wurde kein mal enttäuscht das Opfer war meiner Meinung nach bis jetzt das beste weil mir das Thema stalking sehr gefallen hat danach der Psychiater das Buch war mein erster Psychothriller dieses Buch war wirklich der Hammer die Charaktere mochte ich aber am meisten den Mörder ich fande es sehr interessant Mal aussicht des mörderers die Lage zu betrachten ich kann das Buch wirklich nur weiter empfehlen die Anstalt war am Anfang finde ich sehr langweilig so ca die ersten 100 Seiten aber ich habe es trotzdem zu Ende gelesen es war auch sehr gut weil dieses Buch am meisten mit meinen Gefühlen gespielt hat ich konnte an manchen Stellen nicht weiter lesen weil es mir irgendwie etwas zu krass wurde und ich selbst überlegen musste Achtung Spoiler ob Francis gerade wirklich halluziniert oder ob Peter wirklich halb verbrannt vor ihm stand das Ende hat mir den Rest gegeben ich hatte gehofft das Peter noch weiterhin lebt und mit Francis das Leben genießt nach dem ganzen Dreck aber naja .
herbert7 zu »John Katzenbach: Der Psychiater« 24.07.2016
Selten so einen packenden Krimi gelesen. Das Buch zieht einen richtig in den Bann und ich konnte kaum Pausen einlegen. Von der Geschichte will ich nichts verraten, denn damit schmälert man ja das Vergnügen der Leser, ich wiederhole mich nur noch einmal: DER PSYCHIATER ist ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht
Carolina zu »John Katzenbach: Der Psychiater« 13.07.2016
Ich schließe mich der Meinung von Andreas Kurth vollinhaltlich an.Ich habe mit Begeisterung bis auf Sumpf und Tribunal alle Bücher des Autors gelesen. Aber deses hier zieht sich wie Strudelteig. Nachdem ich bereits den3. Tag darin lese - ich habe es immer wieder weggelegt - wollte ich vor den letzten200 Seiten die Meinung der Krimicaouch wissen - und ich reue mich, dass ich nicht weit weg liege. Ich werde das Buch fertig lesen.
Slysly zu »John Katzenbach: Der Psychiater« 01.05.2015
Eine fesselnde, psychologisch großartige Geschichte um Schuld und Sühne in all ihrer Ambivalenz. Fesselnd bis zum Schluss mit einem wunderbaren Finale. Für mich einer seiner besten Psychothriller, vergleichbar gut wie "Der Patient" und "Der Täter". Man erfährt auch viel über die Tücken des amerikanischen Rechtssystems.
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